Audiolith & Frauen, anyone?

Ich bin ja was aktuelle Musik angeht nicht mehr so auf der Höhe der Zeit, aber neulich hab ich mich mal wieder gefragt, wie das eigentlich mit Audiolith und den Frauen so ist. Da gab es irgendwann Flicke als Sängerin bei Juri Gagarin – die sind mittlerweile aber aufgelöst, konnte ich dem Internet entnehmen. Seit kurzem gibt es noch Ira Atari. Ansonsten ist das ein Kerleverein. Das ist jetzt wahrlich nicht besonders ungewöhnlich. Aber bei Audiolith, das ja gemeinhin als nettes, cooles und auch politisches, vielleicht sogar reflektiertes Projekt gilt und von Leuten gemocht wird, die sich dafür halten, hat es mich schon immer ein bisschen gewundert.

Kennt ihr das? Irgendein Thema taucht auf, einer kommt eine Frage dazu in den Sinn und man wundert sich darüber, darüber noch nie etwas gelesen zu haben, obwohl es doch so naheliegend ist. Meistens denke ich dann ja „Ach, das wird ein alter Hut sein. Du hast dich nicht genügend mit dem Thema beschäftigt dir und dir ist die Diskussion mal wieder entgangen“. I blame myself. Wegen Audiolith hab ich aber doch mal in die Followerrunde gefragt und sogar ein bisschen selbst gegoogelt (Engagement! Einself!!). Nüscht. Einzig bei den Texten zu Ira Atari wird hie und da kurz angemerkt. Stating a Fact. Als sei das vorher niemandem aufgefallen. Aber echt mal: Gefühlt tanzt der halbe Planet Blogsport zu Audiolith. Das ist konsensmusik. Also will ich hier noch mal die Leser_innen Runde frage: Wurde das schon mal öffentlich problematisiert? Für sachdienliche Hinweise sei gedankt.

14 Gedanken zu „Audiolith & Frauen, anyone?“

  1. ööh, hör dir doch mal ein Plemo Album an, da sind viele viele Frauen als Sängerinnen drauf. Und Ira Atari hat schon 2 Alben veröffentlicht, wobei ihr Soloalbum „Shift“ eines der genialsten Alben des Audiolith-Programms ist. Vllt macht es dort weniger die Quantität als die Qualität ;)

  2. Es positionieren sich einzelne Acts des Labels immer mal wieder ganz cool (z.B. „Unser Spaß sieht anders aus“ von Egotronic oder das ChiemseeReggaeSummer-Statement von Frittenbude), was m.E. wohl bei vielen (incl. mir) dazu (ge)führt (hat), die quasi nicht vorhandene Quote nicht zu problematisieren, sondern da eher ein Auge zuzudrücken.
    (Ist zwar dumm, aber funktioniert halt m.E. so)

  3. ich glaub, das „problem“ wird sich bei einem blick allein auf audiolith nicht aufklären lassen. frauen sind ja in er musikszene generell unterrepräsentiert und diese musik ist ja noch „relativ neu“. meine these wäre nun ungefähr folgendermaßen: immerhin sind bei den audiolith konzerten schonmal weit mehr frauen als bei anderen „subkulturellen“ veranstaltungen. wer weiss, wieviele von denen schon zu hause an keyboard und rechner rumschrauben und den nächsten hit produzieren. vielleicht dauert es einfach, bis der weibliche teil an musikschaffenden dieser „szene“ nachgewachsen ist. und ich denke, audiolith hat gute grundlagen dafür geschaffen, dass das möglich ist.

  4. ähm… who cares? lasst mich doch mal zumindest beim musik-hören mit der gender-scheiße in ruhe :>

  5. Auf Audiolith wurde auch ein Album der Dadajugend Polyform veröffentlicht, bei dieser Band spielt auch eine Frau mit.

  6. ich denke, sowas ergibt sich eher, als dass irgendjemand verantwortung dafür trägt.
    es gibt ja (leider) generell wenige weibliche produzentinnen von elektronischer musik, noch weniger würden bei einem label wie audiolith mitarbeiten.

    ich denke aber, nicht das geschlecht der künstler, sondern ihre person und ihre musik sollten im vordergrund stehen.

  7. Huhu gp, du hast natürlich recht. frauen queers gays gibts bei audiolith noch viel zu wenige. das ist ein großes problem der gesamten indie-musik szene. nicht nur auf der künstlerseite auch bei den labels, bookern, veranstalterInnen etc sind typen auf jeden fall in einer krassen mehrheit.

    was man dagegen machen kann, wissen wir auch nicht so genau. wir versuchen diesen missstand auf jeden fall zu reflektieren. wir sind offen für alles was man uns schickt – es muss uns halt flashen. drüberhinaus machen wir keine klassische a&r arbeit. wir fahren nicht rum und suchen den nächsten hype oder so. und wir haben sicher keinen bock auf irgendwelche testo-kacke bei unseren shows oder auf dem label. eine unserer ideale nach denen wir versuchen uns hin und wieder zu richten ist die diy kultur. wir wollen kids egal ob girrls oder boys darin ermuntern sich selbst zu organisieren und irgendwelche abenteuerlichen ideen umzusetzen. egal ob in der antifa, in einer konzertgruppe oder in einer band. vielleicht hilft das ja was auf lange sicht.

    viele grüße
    artur

  8. Ziemliche Lazy-Question meinerseits, aber gibt’s eigentlich irgendwo sowas wie eine Checkliste, was in solch einem Fall für die eg. Gruppe abzuklopfen wäre? Zumal es sich ja selten um bewußte Ausschlüsse handelt und nicht immer um ein lösbares Problem.

    Wenn es sowas nicht gibt: Wollen wir eine feministische Unternehmensberatung gründen ;)

  9. Zur Thematik Audiolith und Frauen fallen mir in erster Linie die steten Bemühungen seitens der Bands ein, sexistische Vorfälle auf Konzis zu problematisieren und sich davon zu distanzieren. Siehe etwa Frittenbude oder kürzlich Egotronic.

    Außerdem ist da noch die lose Zusammenarbeit mit dem Missy Magazine, siehe http://missy-magazine.de/tag/audiolith/

    Das sind jetzt eher Argumente für Reflektiertheit und antisexistisches, vielleicht sogar feministisches Problembewusstsein einzelner Akteure des Labels…
    Daran, dass sie vor allem ein „Kerleverein“ sind, rein zusammensetzungstechnisch, ändert das natürlich erstmal wenig.

  10. ähm… who cares? lasst mich doch mal zumindest beim musik-hören mit der gender-scheiße in ruhe :>

    Hm…das ist evtl. gar nicht so dämlich, wie es sich anhört. Ich habe in letzter Zeit auch immer mal wieder den Eindruck, dass dieses queer-feministische Kaugummigebabbel nichts als warenförmige identitäre Subkultur-Scheiße ist (geiler Diss!), belegt mit Dress- und Stylecodes ohne Ende. Die obige Diskussion ist in meinen Augen banaler Schrott.

    Da beschwert sich jemand, dass bei Audiolith die Frauenquote nicht stimmt (!) und die verballerten Szenedeppen gehen auch noch ernsthaft drauf ein. Da muss auf einmal die antisexistische Haltung eines langweiligen Musiklabels mit Zitaten von Frittenbude und Egotronic oder der Zusammenarbeit mit explizit feministischen Magazinen gerechtfertigt werden. Und das sind dann Argumente für Reflektiertheit. Soviel debile Belanglosigkeit gibt’s echt selten am Stück.

    Ich dachte bis vor kurzem, dass es unter der Überschrift critical gender studies um eine radikale Dekonstruktion von Geschlechterrollen geht. Ob das innerhalb der queer-feministischen rosa Glitzer-Wattewolke dieser deppernen Subkultur noch das Ziel ist, frag ich mich. Viel eher habe ich den Eindruck, dass der Anspruch der radikalen Dekonstruktion hier dem unreflektierten Hype um das identitäre Erlebnis eines großstädtischen Sexchaos gewichen ist.

    Überhaupt ist politische Kunst zu Kotzen. Na ja, vielleicht auch nicht.

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