Auf Netzpolitik.org wird über Männer geredet

Zum gestrigen internationalen Frauentag hatte ich die Ehre, dass mein Text Netzpolitik und soziale Gerechtigkeit, erschienen beim Feministischen Institut Hamburg, auf Netzpolitik.org verlinkt wurde. In den Kommentaren meldeten sich gleich einige antifeministische Stimmen zu Wort, und schon geht es um Männergesundheit und angeblich nicht existente Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern. Die viel gehörten und widerlegten Ausführungen einiger Kommentatoren werden in vielen feministischen Blogs gar nicht mehr diskutiert, denn es ist bekannt, woher der Wind weht. Die TAZ hat über den Kampf für „Die Männerrechte“ gestern einen informativen Artikel veröffentlicht. Das Feld der Männerrechtler ist heterogen, bisweilen aber deutlich rechtskonservativ positioniert. Dass sich bei Netzpolitik.org viele Kommentatoren die Mühe machen, diesem Unsinn etwas entgegensetzen, freut mich trotzdem sehr. Zu den wenigen Beiträgen, die auf meinen Text Bezug nehmen, gehört dieser hier:

„Kann mir mal jemand erklären, was das erste verlinkte Epische-Fremdwort-Schwangere-Werk uns sagen will? (…)
Den Bereich Netzpolitik als Trojanisches Pferd für Partikularinteressen zu nutzen, finde ich bedenklich… Wenn dies jetzt jede der von ihr aufgezählten Interessengruppen versucht wird es am Ende für alle sehr viel schwerer eine breite Bevölkerungsgruppe für das eigentliche Ziel mobilisieren.“

Okay. Das nächste Mal gebe ich mir Mühe und versuche, nur noch Fremdwörter zu benutzen, die normale? Menschen verstehen. TCP/IP und so… Damit, dass netzpolitische Themen mit anderen politischen Anliegen verknüpft werden, hat auch ein anderer Kommentator ein Problem:

„Danke für Beitrag, damit ist endgültig klar, aus welcher politisch korrekten Ecke der Wind in diesem Blog weht.
Zum Kotzen, wie der Kampf gegen die staatlich vorangetriebene Totalüberwachung, von links-linken Gruppierungen für sich vereinnahmt wird und man bei der Gelegenheit das ganze auch noch mit anderen, vollkommen sachfremden Themen vermengt.“

Was für die einen vollkommen sachfremde Themen oder Partikularinteressen sind, ist die Lebensrealität der anderen. Da frage ich mich schon, wer die „breite Bevölkerungsgruppe“ und das „eigentliche Thema“ sind, und warum eine Verknüpfung von netzpolitischen und bürgerrechtlichen Forderungen mit vermeintlichen Partikularinteressen Leute abschrecken sollte. Um welche Konfliktlinien geht es hier?

9 Gedanken zu „Auf Netzpolitik.org wird über Männer geredet“

  1. Über Männerrechte kann gar nicht oft genug diskutiert werden, z.B. über

    – das Recht, sich auch mal aktiv an der Erziehungsarbeit zu beteiligen und dafür auch sich auch mal gegen Rollenzuschreibungen durch Arbeitgeber_innen und Kolleg_innen hinwegzusetzen
    – allgemein das Recht von Männern, sich gegen das Ausfüllen vorgegebener Rollen und Erwartungen zu wehren und dementsprechend auch gegen die sexistische Gesamtscheiße
    – das Recht, sich auch als Mann für feministische Fragen einzusetzen… und – wenn Frauen und/oder andere Gruppen ihr Recht, auch mal unter sich diskutieren zu wollen beanspruchen – notfalls zum Beispiel feministische Männercliquen gründen, die sich ihr Recht erkämpfen auch als Männer gegen Maskulisten und andere Dumpfbacken zu wehren …

    Ach ja, wir haben es schon schwer. ;-)

  2. Diese beiden Zitate zeigen auch schön, wieso Gender Mainstreaming so oft und so gerne falsch verstanden wird. Ob es in den 1980ern auch so große Probleme gab Environmental Mainstreaming durchzusetzen?

  3. Und es sind dann doch nur eine Handvoll antifeministischer Trolle, die da wüten und andere stundenlang beschäftigt halten. Sehr bedauerlich.

  4. Der Artikel kommt etwa 30 Jahre zu spät.

    Heutzutage werden die Männer systematisch benachteiligt und das ganze auch noch „positive Diskriminierung“ genannt. Beispiele: Wehrpflicht, Zwangsdienst Zivildienst, Gesundheitspolitik, Rentenrendite, Riester, Scheidung, öffentlicher Dienst, kein Wahlrecht für Gleichstellungsstellen-weder aktiv noch passiv, etc. pp.

    Das schlimmste ist jedoch, dass unsere männliche Jugend durch Aktionen wie „Girls Day“, „Rhetorik- Training für Mädchen“, „Weltfrauentag“ und durch eine durchweg weibliche Erziehung systematisch orientierungslos allein gelassen wird oder noch schlimmer, dass versucht wird durch ein Schulsystem, das eher Mädchen fördert, unsere Buben zu verweiblichen. Inzwischen sind die jungen Männer die Bildungsverlierer in Deutschland, die ihr Heil in der irrealen Welt der „Ego-Shooter“ mit den bekannten Folgen suchen.

    Höchste Zeit, gegenzusteuern.

  5. Ich fühl mich auch schon ganz verweiblicht, das Männer-Deo Stil »Markant« stinkt, ich benutze Tages- und Nachtcreme und heule. Danke Feminismus, du bist was gutes.

  6. Ein paar Dinge zu Girlsdays.

    1. ‚Girlsdays‘ finden Schülerinnen überflüssig und peinlich. Wir müssen/mussten da hingehen, die Jungs nicht. Ganz toll.

    2. ‚Girlsdays‘ sind sicher nicht für die besseren Leistungen von Schülerinnen in der Schule verantwortlich, lol. Schau dir an welche Einstellung Mädchen und welche Jungs gegenüber der Schule haben. Wer regelmäßiger Hausaufgaben macht, Mitmachen im Unterricht für selbstverständlich hält, der ist eben auch besser in der Schule. Tut mir ja leid, dass Mädchen als junge Menschen weniger ablenkbar sind.

    3. Bilde dir nicht ein irgendjemand hätte für diese seltsamen ‚Girlsdays‘ gekämpft oder hätte die gewollt. Girlsdays sind Symbolpolitik der Kultusminister. Sie sind ein Feigenblatt und billige Schulpolitik mit der man sich ein schlechtes Gewissen wegzaubern will. Das Frauen entgegenzuhalten ist doch dumm.

    4. Weißt du was man auf ‚Girlsdays‘ macht? Man kann den ganzen Tag nicht die Schule besuchen, sondern muss an eine „Technik-Uni“ gehen, damit das eigene „Interesse“ am Ingeneurwesen geweckt wird. Sorry, interessiert mich nicht. Ich kann selbst entscheiden was ich beruflich mache.

    5. Klar, schaffen wir einen Boysday an. Weißt du was die Jungs dann da machen? Sie mussen in eine Puppenwerkstatt gehen oder in einen Kindergarten um den Beruf der Kindergärtnerin schmackhaft gemacht zu bekommen. Mal schauen ob das dann die Schulleistungen der Jungs verbessert.

    Informiere dich über die Realität von Girlsdays, wer sie wollte und wie sie umgesetzt werden. Informiere dich über die Kausalitäten (keine, denn Schülerinnen werden dadurch sicher nicht besser in der Schule), und bringe solche Argumente nicht vor, wenn du die angebliche Bevorteilung von Frauen untermauern willst.

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