Drei Podcasts: Keeping up with the Trump Administration

Drei Wochen Trump und allen schwirrt der Kopf. Executive Orders, Fakenews, Verbindungen nach Russland, persönliche Bereicherung, „so genannte Richter“ … Chaos oder systematisches Aushöhlen des liberalen Rechtsstaates?

Es fühlt sich ähnlich an wie 2008. Als damals die Finanzkrise im Spätsommer so richtig ins Rollen kam, war es ähnlich schwer, den aktuellen Entwicklungen zu verfolgen und gleichzeitig das Big Picture im Blick zu behalten. Damals wie heute war nicht ganz klar, wie dieses Big Picture eigentlich aussieht. Und damals wie heute brauchen wir Fachwissen, um die Ereignisse verstehen und einordnen zu können: Was war noch mal ein Subprime Mortgage? Was besagt die Emoluments Clause? Und was passiert eigentlich bei einem Impeachment?

2008 waren es die This American Life Folge „The Giant Pool of Money“ und der Planet Money, die mir geholfen haben, einigermaßen den Durchblick zu behalten. Deshalb habe ich die Leute auf Twitter gefragt, welche Podcasts zu US-Politik mit Fokus auf die Trump Administration zu empfehlen sind. Alles konnte ich gar nicht angehören, aber drei Empfehlungen gebe ich gerne weiter.

Foreign Policy – The ER
Roundtable-Gespräch mit Journalist_innen, Wissenschaftler_innen und Jurist_innen, die für Behörden wie das Außenministerium oder die NSA gearbeitet haben. Die Gesprächsleitung hat David Rothkopf. Sehr hohes Niveau und gleichzeitig unterhaltsam. Die Mitwirkenden schätzen die derzeitige Situation als sehr gefährlich ein, und das auf Grundlage von viel Erfahrung. 2x Wöchentlich.

Slate Political Gabfest
Ebenfalls ein Roundtable-Gespräch, bei dem mehrere Themen durchgesprochen werden. Läuft einmal pro Woche mit der Stammbesetzung Emily Bazelon, John Dickerson und David Plotz. Interessant ist hier zum einen, dass man die drei im Laufe der Zeit etwas kennenlernt. War schon vor Trump in meiner Playlist und trägt weiterhin zur Einordnung bei.

Trumpcast
Von Jacob Weisberg und wechselnden Gesprächspartner_innen. Hier gibt es wirklich sehr viel Trump, u.a. dramatische Lesungen der neuesten Tweets. Die Shows stehen und fallen mit den Gästen. Besonders hörenswert fand ich zum Beispiel das Gespräch mit Bill Browder zum Magnitsky Act.

Was deutschsprachige Podcasts angeht kann ich derzeit nur Die Lage der Nation empfehlen. Der Fokus liegt hier zwar eigentlich auf Deutschland, aber natürlich ist auch Trump immer mal wieder Thema. Da sich Ulf Buermeyer gut mit dem politischen System der USA auskennt, finde ich die Einordnung dort in der Regel ganz treffend.

Pflegestreik im Krankenhaus

Die Zeit berichtet über einen anstehenden bundesweiten Pflegestreik in Krankenhäusern. Das Interessante daran: Es geht nicht in erster Linie um einen höheren Tarifabschluss, sondern um mehr Personal. Das heißt auch: Das Thema geht uns alle an. Jede_r kommt mal ins Krankenhaus oder hat Familie und Freund_innen im Krankenhaus, die gut versorgt werden sollen. Das geht nicht, wenn dort zu wenig Leute arbeiten.

Wenn sich die Pfleger_innen für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen, ist das nicht nur ein Moment, in dem Solidarität von ‚außen‘ angebracht ist. Es ist ihrerseits ein Akt der Solidarität.

Silicon Valley bereitet sich auf den Klassenkampf vor

… unter anderem. Wie Evan Osnos für den New Yorker berichtet, haben dort einige CEOs und Venture Capitalists erkannt, dass man sich Resilienz auch kaufen kann. Im Fresh-Air-Interview erzählt Osnos von den Luxusbunkern, in denen diese Leute den Nuklearen Winter, Hungersnöte nach GPS-Ausfall, oder aber den Aufstand der Abgehängten aussitzen wollen. Better be prepared.

re: Trump

Milliardär mit narzistischer Persönlichkeitsstruktur und einem tief verankerten Rassismus kann nicht genug bekommen. Wird durch die Existenz des ersten schwarzen Präsidenten dermaßen provoziert, dass er anfängt, seinen Plan, Präsident zu werden, ernsthaft anzugehen. Trifft auf ein politisches System, das durch die teilweise Übernahme der GOP durch die Teaparty bereits instabil geworden ist.

Im Laufe der Zeit zeigt sich, dass die Person im gegenwärtigen medial-politischen Setting gar nicht so schlecht funktioniert. Es docken sich verschiedene politische Projekte an ihn an: Putin, Neonazis, christliche Fundamentalisten, aber auch Kapitalfraktionen. Wie gelingt das? Indem man sich die Persönlichkeitsstruktur der Person zunutze macht und ihn umgarnt. Im Foreign Policy ER-Podcast (ab Minute 37:40) diskutieren sie, ob das nicht genau auch die Strategie sein sollte, mit Trump umzugehen: „… a handsome and intelligent person [like you] would do such and such.“

„Mit der AfD kommt Deutschland in der Normalität an“

Man wäre schlecht beraten, die Augen zu verschließen und zu hoffen, dass der Albtraum bald von alleine zu Ende geht

Quelle: Mit der AfD kommt Deutschland in der Normalität an | Benjamin Opratko auf Huffingtonpost

Hörts dem Österreicher zu, der kennt sich aus mit dieser Art von Rechtsextremen und hat sogar eine Idee, wie linke Politik reagieren kann.

Anti-Genderismus – Besprechung auf feinschwarz.net

In modernen Gesellschaften gibt es immer wieder Kämpfe um kulturelle Hegemonie, um die „Leitkultur“, die von allen beachtet werden soll. Auch die Auseinandersetzungen um Sexualität und Geschlecht sind als Teil dieses „Kulturkampfes“ zu identifizieren. Hinter Gender und Anti-Genderismus stehen die Verunsicherungen einer Gesellschaft, deren Veränderung zwar nicht steuerbar ist, die aber doch einen hohen Bedarf an Orientierung mit sich bringt. Es geht um Verunsicherungen durch prekär gewordene Arbeitsverhältnisse ebenso wie um Kämpfe um kulturelle Definitionshoheiten, die gegenwärtig geführt werden – samt ihren Aporien und Selbstwidersprüchen.

Quelle: Anti-Genderismus – feinschwarz.net

Der hier besprochene Band enthält einen Beitrag zu „Anti-Genderismus im Internet: Digitale Öffentlichkeiten als Labor eines neuen Kulturkampfes“, den ich zusammen mit Anna-Katharina Meßmer geschrieben habe.

Bewegung/en

Heute in der Post: Die gerade erschienene Sonderausgabe der Zeitschrift GENDER mit den Beiträgen zur 5. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien. Der Band enthält eine Reihe von Beiträgen zum Thema Bewegung/en, darunter auch ein Beitrag von mir über „Bewegte Subjektpositionen: Konflikte und Verschränkungen von Netzbewegung und Netzfeminismus“. Das Heft ist zugänglich über Fachbibliotheken und den Buchhandel.

Bauschke-Urban, Carola; Both, Göde; Grenz, Sabine; Greusig, Inka; König, Tomke; Pfahl, Lisa; Sabisch, Katja; Schröttle, Monika; Völker, Susanne (Hrsg.) Bewegung/en. Beiträge zur 5. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien, GENDER Sonderheft/Special Issue, Band 3.

Netzpolitik verstehen

Die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt lädt ein, zu einem Diskussions- und Filmabend über die Netzpolitik. Gemeinsam mit Politikern und Netzaktivisten soll diskutiert werden, welchen Platz Netzpolitik in der politischen Bildung haben kann. Zudem wird eine Filmdokumentation der letzten netzpolitischen Brüsselfahrt gezeigt, sowie eine Episode der britischen Serie „Black Mirror“. Gäste: Petra Sitte (MdB, Die Linke), Matthias Graner (MdL, SPD), Tobias Wangermann (Konrad-Adenauer-Stiftung) und Kathrin Ganz (TU Hamburg-Harburg). Moderation: Jule Eikmann (Breitband, Deutschlandradio Kultur). Eintritt frei.

10. Februar 2016, 19-21 Uhr im Puschkino in Halle an der Saale.

Gramsci hated New Year’s Day

That’s why I hate New Year’s. I want every morning to be a new year’s for me. Every day I want to reckon with myself, and every day I want to renew myself. No day set aside for rest. I choose my pauses myself, when I feel drunk with the intensity of life and I want to plunge into animality to draw from it new vigour.

schrieb Antonio Gramsci am 1. Januar 1916 in der Turin-Ausgabe von Avanti! in seiner Kolumne “Sotto la Mole”. Der Text wurde vor einem Jahr im Viewpoint Mag veröffentlicht. Via Ingo Stützle.

OK Google

Montag früh. Im Lufthansa-Flug Hamburg-München sitzen vorwiegend Geschäftsleute auf dem Weg zum ersten Termin der Woche. Noch steht die Maschine auf dem Rollfeld. Während die letzten Gepäckstücke verstaut werden, haben die meisten Insassen ihre Telefone und Tabletts in der Hand und checken noch mal schnell ihre Mails. Plötzlich übertönt eine laute Stimme die Szenerie:

OK Google: Mail an Chef. Betreff: Ich kündige. Text: Ich kündige. Senden.

Dies ist ein Anti-Terror-Anschlag des Asozialen Netzwerks.