Beckedahl/Lüke: Die Digitale Gesellschaft

Falk Lüke und Markus Beckedahl haben ein informatives Sachbuch über Die Digitale Gesellschaft geschrieben. Wieder so eins, dass man zum Beispiel den Eltern™ oder Freund_innen, die mit Netzpolitik nicht so viel am Hut haben, schenken kann, um ihnen zu zeigen, was wir den ganzen Tag im Internet so machen, was uns bewegt und wie die Welt sich verändert.

Das Buch informiert über Datenschutz, Urheberrecht, Wikileaks, Open Data, Jugendschutz, Verbraucherschutz, Killerspiele-Debatten, Sicherheitspolitik, Suchmaschinen, Wikipedia und viele weitere Themen. Die zahlreichen Abschnitte des Buches machten auf mich manchmal den Eindruck einer langen Assoziationskette. Für diejenigen, die die behandelten Diskurse schon kennen, gibt es wenig Neues. Die Lektüre macht zwar klar, dass das alles irgendwie mit Macht und Bürgerrechten zu tun hat, die Komplexität und Historizität der dahinterstehenden Fragen lassen sich nur erahnen. Anregungen zum Weiterlesen fehlen leider.

Ein Beispiel hierfür ist die Diskussion von Bildung im digitalen Zeitalter, die ohne Bezüge zu aktuellen medienpädagogischen Entwicklungen auszukommen sucht und stattdessen ein stereotypes Bild zeichnet von unzeitgemäßen Lehrer_innen und Bildungseinrichtungen, die sich einer neuen Generation gegenüber sehen, die ganz ander Skills benötigt und schon heute ganz anders mit Wissen umgeht. Das Internet macht einfach alles ganz anders, oder?

Um die netzpolitischen Themen und Stories, die uns in den letzten Jahren bewegt haben, noch mal gebündelt zwischen zwei Buchdeckeln (oder als ebook) greifbar zu haben taugt das Buch; eine aussagekräftigere Gliederung hätte das noch unterstrichen. Gut gefallen haben mir die eingestreuten Anekdoten, mit denen Falk und Markus von ihren Erfahrungen als Vertreter der Zivilgesellschaft berichten. Da bekommt man einen Einblick, wie das so läuft, wenn das Bundeswirtschaftsministerium versuchen muss, alle Stakeholder einzubinden, mit den Buddies aus der Wirtschaft aber eben doch enger vernetzt ist. Damit verdeutlicht das Buch auch, warum sich die beiden Autoren zusammen mit anderen dazu entschlossen haben, eine Organisation wie die Digiges e.V. zu initiieren, die professionellere Kampagnenarbeit machen will. Es geht um die Mobilisierung von Ressourcen, die es ermöglichen, zusammen mit anderen Organisationen auch auf der schwierigen europäischen Ebene etwas zu bewirken.

Aber nicht alle Interessenwidersprüche und politischen Konflikte lassen sich durch mehr Sachkompetenz und durch das Einbinden der Zivilgesellschaft lösen. Hier bleibt es idealistisch: Die Autoren bekennen sich zur Marktwirtschaft, wollen aber nicht, dass IT-Branche und Politik zu eng „kuscheln“, den „am Ende steht als Dummer der Bürger und Steuerzahler da“ (S. 207). Hartz-IV-Empfänger_innen sollen halt nicht daran gehindert werden, sich Vorlesungen von Harvard und Yale online zu verfolgen (S. 214). Wenn wir alle gemeinsam einen Konsens für die freie digitale Gesellschaft gefunden haben, können wir „alle gemeinsam davon profitieren“ (S. 219). Ein Denken, dass für die Netzszene nicht untypisch ist und das auch dieses Buch (Leseprobe) nicht hinterfragt.