Befremdliches

Ich habe heute ein Gespräch von Margarete Mitscherlich und Bettina Röhl gelesen. Das war im Chrismon, diesem evangelischen Magazin, das Tages- und Wochenzeitungen beiliegt. Ich lese schon Tageszeitungen mit dem Gedanken, dass ich mal Input außerhalb meiner üblichen Filter brauche. Warum also nicht mal in den Christmon schauen?

Das Thema war Mütterlichkeit: schlechte Mütter, kommunistische Mütter, zufriedene Mütter und zu gute Mütter. Interessante Einblicke in zwei Biographien, mit denen ich mich bislang nicht beschäftigt habe. Auf die abschließende Frage „Wie würden Sie Frauen heute Mut machen, Mutter zu werden?“ antwortet Röhl:

Heute ist die Familie als Lebensform in Misskredit ge­kommen. In den Medien spielen Patchwork- und Scheidungsfamilien und homosexuelle Ehen eine wichtigere Rolle als die Familie mit Mann, Frau und Kind, und es gibt tatsächlich sehr viele Scheidungen. Das innere Bild von einer gelingenden Familie ist durch viele ideologische Diskussionen angeknackst. Das verunsichert mehr als die Frage, wie Beruf und Kinder zu vereinbaren sind.

Das innere Bild. Es zeigt Vater und Mutter, deren „bis dass der Tod uns scheidet“ nicht durch ein Abhängigkeitsverhältnisse gesichert werden muss, solange nicht diese fiesen Homoehen und Patchworkfamilien das Bild der gelingenden Familie zerstören. Alles ganz einfach. Oder wie formulierte es Malte Welding heute in der Süddeutschen: „Man muss nur jemanden finden, den man mag und den man scharf findet.“

8 Gedanken zu „Befremdliches“

  1. Wenn sie schreibt „Das innere Bild von einer gelingenden Familie ist durch viele ideologische Diskussionen angeknackst.“ dann kann man das vor ihrem biografischen Hintergrund wohl voll und ganz verstehen. Das Problem bei ihr ist nur immer, dass sie ihre eigene Geschichte verallgemeinert.

  2. „Das Problem bei ihr ist nur immer, dass sie ihre eigene Geschichte verallgemeinert.“

    Ohne mich inhaltlich auszukennen: Aber du kannst verallgemeinern, was ihr Problem ist?

  3. Nein, natürlich nicht. Aber es ist sooo auffällig, dass sie die Geschichte mit ihrer Mutter wieder und wieder abarbeitet, dass man halt leider nichts von dem was sie sagt ernst nehmen kann. Ok, das klingt gemein – ist es bestimmt auch, aber ich fühl mich einfach gespamt von jemandem, der seinen biografischen Müll als Anleitung für andere in jede Zeitung schreibt, die nicht bei 3 auf dem Baum ist.

  4. Hallo!
    In diesem kleinen Mini-Diskurs finden sich alle Stereotypen, Plattitüden, Phantasien und Verklemmungen wieder, mit denen meine Person in der Tat seit eh und je zugemüllt wird.
    Als Projektionsfläche unverdauter Meinhof-RAF-Komplexe in den Köpfen so vieler Menschen, die nur unzureichend in ihrem eigenen Kopf aufgeräumt haben, stehe ich auch in kleinen Foren nicht zur Verfügung. Das ist eine Art von Biologismus, der hier deutlich wird, der selbst dann nicht in Ordnung ginge, wenn die Phantasien und Fiktionen, die hier ausgebreitet werden, zuträfen.
    Ich habe mich journalistisch zu 95 % mit Politik und Wirtschaft beschäftigt und die 5 %, die ich der RAF oder Meinhof gewidmet habe, waren provoziert durch Anfragen von Medien oder Antworten auf wahnhafte Diskussionen in den Massenmedien.
    Ich möchte doch sehr bitten von dererlei Aggression, wie sie hier deutlich werden, abzusehen.
    Auch in meinem Gespräch mit Mitscherlich gibt es keinen Reiz für das, was hier zusammen phantasiert wurde.
    Patchworkfamilien oder homosexuelle Familien haben mit meiner Biographie übrigens nichts zu tun. Und ich habe weder homosexuelle noch Patchworkfamilien angegriffen oder sonst herab gesetzt. Aber es gibt ein diskreditierendes Klima gegenüber der Heterofamilie, die übrigens auch nichts mit „bis dass der Tod Euch scheidet“ zu tun hat. Alles das, was mir hier angedichtet wird, passiert sichtbar genau an diesem Ort. Zum Beispiel eine dümmliche Diskreditierung der Heterofamilie.
    Bei der Gelegenheit: Gender hat es bisher zu nicht mehr gebracht als zu einem großen Heilsversprechen, das höchst undemokratisch in Europa Gesetzeslage geworden ist. Daran ändert auch die hier sichtbar werdende Überheblichkeit nichts. Und im Übrigen knickt Gender-Politik vor den Kulturen der Migranten ein wie ein hohler und morscher Strohhalm.
    Jedenfalls verbitte ich mir einen solchen Biologismus. Die RAF-Industrie ist gigantisch, ich habe damit nichts zu tun!
    Bettina Röhl

  5. Tja, das ist sicher ein Fluch einer öffentlichen Person, so auf eine Rolle festgelegt zu sein. Aber man muss das ja auch nicht immer bedienen. Naja, so oder so, ist es im Grunde albern, ad personam zu diskutieren. Hätte ich nicht tun sollen, dafür entschuldige ich mich.

    Inhaltlich ist das leider halt alles für mich trotzdem absurd und wird durch diesen Kommentar noch viel absurder, dass lass ich jetzt einfach mal. Biologismus? „Einknicken vor den Kulturen“? My Ass! Ich verstehe den Zusammenhang nicht mal entfernt.

    Das bezieht sich aber alles ausdrücklich nicht auf das ursprüngliche Crismon-Interview, das ist ja alles ganz verständlich und wahrscheinlich hat die Meinhof ihre Kinder misshandelt, das glaub ich sofort. Wie soll das auch sonst gehen? Normal sind es halt immer nur die Männer, die in den Krieg ziehen, da gilt das halt als normal.

    Kommunistische Grüße aus meiner heterosexuellen Kleinfamilie übrigens.

  6. @Bettina Röhl – Naja, in dem Interview spielt das Thema „Was für eine Mutter war Ulrike Meinhof“ ja schon eine große Rolle, mich würde mal interessieren, wieso. Und dann wurde es, wie ich finde, nur so wie immer wiederholt. Gerade in dem Zusammenhang mit dem Thema des Gesprächs hätte ich die Frage interessant gefunden, was eine „Mutter“ bedeutet, wenn sie keine „gute Mutter“ war. Mit der Figur der „gut genugen“ Mutter von Winnicott war das ja kurz angesprochen, aber was ist mit einer „schlechten“ Mutter, die aber nichtdestotrotz die Mutter ist? Das finde ich ein sehr interessantes Thema, aber es ist auch fraglich, ob man das öffentlich diskutieren will.

    Aber ich wollte noch was anderes sagen zu der Formulierung „Das innere Bild von einer gelingenden Familie ist durch viele ideologische Diskussionen angeknackst.“ – Das stimmt nicht, das Bild wurde dadurch angeknackst, dass die alte patriarchale Verbrämung dieser Familienidylle sich als Lüge und unhaltbar herausgestellt hat und wir bisher noch nix besseres gefunden haben. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass „der Feminismus“ (whatever that may be) zuviel auf die Kritik daran und zu wenig auf die Erarbeitung von Alternativen oder besseren Möglichkeiten bedacht war (ich glaube aber nicht mal, dass das so ist).

    Aber man sollte hier doch nicht Ursache und Wirkung vertauschen. „Der Feminismus“ hat eine alte Lüge und ein Gewaltvertuschungssystem namens „Familie“ entlarvt, und man sollte hier nicht die Botin bestrafe, sondern die Urheber der Nachricht, die sie überbringt.

  7. Die RAF und speziell auch Meinhof sind ein Thema, das seit vierzig Jahren wirklich zig
    Tausende von Artikeln erzeugt haben. Und Theaterstücke und Filme, Bücher, Diskussionen,
    Foren usw. Das alles haben Tausende bis Millionen von Anhängern und Kritikern und was weiß ich, erzeugt, ganze Generationen haben sich mit diesem Thema beschäftigt.
    Dabei wurde durchweg Mist produziert, der sich immer weiter von der Realität entfernt hat.
    Wenn man mich dabei, wie es sich gehört hätte, völlig in Ruhe gelassen hätte, und auch ein gewisser Klaus Röhl und in dessen Folge Stefan Aust und in dessen Folge Ditfurth, und viele andere mich in Ruhe gelassen hätten, wäre ich begeistert gewesen.
    Ich wurde und werde aber nicht in Ruhe gelassen, wie man auch hier sieht. Und das geht nicht und das geht auch nicht, mit einer solchen Begründung, dass ich mich ja nun selber zur Abwehr der geschilderten Lasten gelegentlich äußere.
    Ich werde meine eigenen Rechte so gut es geht, oder besser, so schlecht es geht, noch verteidigen dürfen, ohne dass auch daraus noch irgendein weiterer Nachteil entsteht.
    Biologistisch bleibt es einen Menschen überhaupt als „Tochter“ oder gar als Funktion irgendwelcher Eltern zu betrachten. Und biologistisch bleibt auch dessen Abwehr zu diskreditieren.
    Ich bin nach allem was ich weiß mit Meinhof verwandt. Geistig engstens verschwägert sind Millionen von andere Menschen. Wem in Wahrheit Meinhof und der Kult um die RAF auf den Geist geht, der möge sich da austoben, aber nicht bei mir.

    Die Fehler, die die Familie gelegentlich oder häufig oder wie auch immer produziert hat, sind von den Fehlern des Feminismus und erst recht der Gender-Fiktion historisch betrachtet in allerkürzester Zeit oft genug in den Schatten gestellt worden.
    Ich finde es gut, wenn sich Leute Gedanken machen, wie das Paradies auf Erden herzustellen sei. Nur zu.
    Die Familie ist andererseits kein Modell, dass zwingend immer und ausnahmslos scheitern und man sollte ihr Scheitern auch nicht herbei quatschen.

    Und im Übrigen sollte man hier nicht anonym diskutieren.

  8. Wer diskutiert denn hier anonym? Also ausser dem kurzen Einwurf von „mensch“ dort oben, der ja immerhin dazu gut war, das alles ins Rollen zu bringen. Also falls ich gemeint sein sollte: Hinter meinem Namen ist ein Link, der mich wohl recht eindeutig identifiziert.

    Zum Inhalt: Wieso ist, jemanden als die Tochter von jemandem wahrzunehmen jetzt schon Biologismus? Eltern prägen einen ja nun nicht nur durch die Gene, die sie einem mitgeben.

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