Kommunistische Gespenster und weihnachtliche Wahlverwandtschaften

Von wegen nur Fotos… jetzt kommt schon der zweite Eintrag an diesem Vormittag. Mir ist gerade bei der taz-Lektüre eingefallen, dass heute Abend ein Vortrag von Bini Adamczak in der Uni Hamburg stattfindet. Die Autorin von „Kommunismus – Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird“ und dem eben erschienenen „Gestern Morgen – Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft“ spricht um 19 Uhr im Hörsaal M des Uni Hauptgebäudes (Edmund-Siemers-Alle 1) über den Inhalt ihres neuen Buches.

Pünktlich zum Jahrestag der russischen Revolution führt die Re-Konstruktion eines kommunistischen Begehrens in die Geschichte des Kommunismus und bürstet diese gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die Überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Versprechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionären Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der Geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich performativ vollzieht. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: „gestern morgen“.

Eine Rezension zum Buch erschien vor ein paar Wochen in der Jungle World. Die Veranstaltung wurde organisert von „Radio Loretta“, dem Fachschaftsrat Germanistik und Geschichte wird gemacht. An dieser Stelle sei auch schon mal verraten, dass Bini Adamczak wahrscheinlich im Sommersemester wieder in Hamburg sein wird, um einen anderen Vortrag bei „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ zu halten.

Wer dann sowieso so spät Abend noch an der Uni ist, kann anschließend in den AStA-Trakt (Von-Melle-Park 5) kommen und mit dem LesBISchwulTranSM – polymorph-perversen Referat ab 20 Uhr Weihnachten (?) feiern.

In diesem Jahr steht die Weihnachtsfeier des Referats unter dem Motto „Wahlverwandtschaft statt heteronormativer Kleinfamilie!“ Es gibt – neben den obligaten Getränken, Weihnachtsplätzchen und Knabberkrams – Karaoke und ein Poly-Quiz.

Mittwoch & Donnerstag: Komplexe Positionierungen gesucht!

Schön, wenn die Abendgestaltung so gut zusammen passt, wie nächste Woche. Am Mittwoch findet im Rahmen der Vorlesungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ eine Podiumsdiskussion mit Angelika Hassani, Jennifer Petzen und Georg Klauda statt, in der die Debatten rund um den Hamburger Stadtteil St. Georg hinsichtlich der diskursiven Verschränkung von Homophobie und Islamophobie zum Thema gemacht werden. Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, welche Interventionsmöglichkeiten aus einer antirassitischen, queeren Perspektive denkbar sind. Am Tag darauf stellt sich Kanak Attak im Rahmen der zweiten Feministischen Werkstatt dem Rätsel des Feminismus. Auch hier wird es um Positionierungen in umkämpften Feldern gehen.

Welchen Ismen gehört St. Georg ?
Eine Podiumsdiskussion, angeregt von Artikeln und Leser_Innenbriefen aus dem Hamburger Homo-Magazin „Hinnerk“.

Ausgangspunkt ist eine Debatte zum viel besungenen „Kulturkampf“, für dessen Schauplatz dieses Mal der Hamburger Stadtteil St. Georg auserkoren wurde und in dem DER Islam und DIE Schwulen gegeneinander antreten sollen. Anstelle einer Diskussionsrunde über potenzielle Lösungswege für ein „Stadtteilproblem“, wird eine kritische Perspektive eingenommen, in der die Hamburger Diskussion in den Kontext der Islam- und Integrationsdebatte der letzten Jahre eingeordnet wird. Von unterschiedlichen Standpunkten aus wird diskutiert, wie Islamophobie und Homophobie verstrickt sein können und welche Interventionsmöglichkeiten es in solche Debatten gibt, die stark von Stereotypen über „die Anderen“ geprägt sind.

Es diskutieren:
Angelika Hassani, Mitgründerin von Queer-Muslime Hamburg e.V.
Georg Klauda, Dipl. Soziologe und freier Autor, Berlin
Jennifer Petzen, Doktorandin an der University of Washington, Seattle

Mittwoch, 12. Dezember 2007, 19 Uhr
Hörsaal F im Phil-Turm, Von-Melle-Park 6, Uni Hamburg
http://queerag.genderstudies-hamburg.de

Kanak Attak und das Rätsel des Feminismus

Eine Haltung gegen Rassismus und Sexismus beinhaltet oft den Spagat, beidem ausgesetzt zu sein. Praktisch heißt das, immer auf der Hut zu sein und Mehrarbeit an Sensibilisierung zu leisten. In diesem Kontext stellt Kanak Attak einige Überlegungen an über die Möglichkeiten,
einer antirassistischen und feministischen Positionierung gerecht zu werden.

Donnerstag, 13. Dezember 2007, 19 – 21 Uhr
Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Doktor, kommen Sie schnell, akuter Geschmacksstillstand!

Heftich Heftich Heftich. Der Fachschaftsrat Medizin der Uni Hamburg hat am vergangenen Wochenende zu einer Party eingeladen. Die Vorderseite der Flyer glänzt in krankenhausgrün mit einer Partyschlampe, heißen Krankenschwester, Medizinstudentin jungen Frau mit Nikolausmütze.

Auf der Rückseite des Flyers, der anscheinend gesponsort wurde, wirbt der Finanzdienstleister MLP mit einem männlichen, kompetenten Halbgott in Weiß.

Der offensichtliche Sexismus, der in diesem Fall durch den Kontext, den die beiden Bilder einander geben, noch unterstrichen wird, wurde in einer AStA Sitzung angesprochen. Aber die sahen wohl kein größeres Problem daran.

Jenseits der Geschlechtergrenzen im Wintersemester

An der Universität Hamburg findet seit vielen Jahren in jedem Semester die öffentliche Ringvorlesung „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ statt, die von der AG Queer Studies organisiert wird. Der Vortragsplan für die nächsten Monate steht jetzt und ist so vielfältig wie immer. Das Programm gibt es als PDF zum Download oder nach dem Klick.

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