Archive for Bewegtbild

Das Böse erkennen

Ich sitze im Zug und schaue mir die letzte Folge der Millenium Trilogie an. Kinder im Grundschulalter laufen vorbei und schauen neugierig auf den Bildschirm. Lisbeth Salander sitzt in voller Montur vor Gericht. Das eine Kind sagt zum anderen: „Da war eben eine Böse“.

Moon

Moon“ (2009, Duncan Jones) erzählt die Geschichte von Sam Bell (gespielt von Sam Rockwell), der alleine auf einer Mondstation arbeitet. Ein wunderbarer Film, den im Kino sich anzusehen lohnt.

Der Protagonist ist eine männliche Figur, anhand dessen die großen Fragen des Menschseins in der Moderne verhandelt wird. Das Selbstverhältnis, das Mensch-Maschine-Verhältnis und schließlich das Verhältnis zum System. Die Sphäre der Produktion ist fest in männlicher Hand: Sam, seine Chefs, die ihm Videobotschaften auf die Raumstation schicken, und schließlich der Robotor GERTY (mit der Stimme von Kevin Spacey). Sam hat eine Frau, die ihn auf der Erde zurück erwartet. Tess (Dominique McElligott) wird den ZuschauerInnen nur über ihre Videobotschaften gezeigt. Sie zieht die gemeinsame Tochter Eve groß und ist Sams Ankerpunkt, der in dem Wissen lebt, in einigen Wochen wieder zurück bei ihr zu sein. Seine Erinnerungen an Tess und die kleine Tochter geben ihm Kraft, solange ihn der Wecker morgens aus den leidenschaftlichen Träumen reißt. Sie ist Objekt der Begierde und die Hüterin der Reproduktionssphäre.

Kapitalistische Vergesellschaftung und die heterosexuelle Matrix sind verwoben, zugleich reproduziert der Film jedoch auch diese symbolische Ordnung. Sam erkämpft sich Handlungsmacht durch solidarisches Handeln mit sich selbst und der Maschine. Sogar die Produktionsmittel werden angeeignet (vgl. TheGurkenkaiser: Moon als politischer Film). Die heterosexuelle Matrix bekommt deutlich kleinere Risse, die symbolische Ordnung wird scheinbar nicht bekämpft. Denkt man den Plot weiter wird aber klar, dass auch die Familie nicht heil bleiben wird.

Die Zukunft von Gestern

Vielle werden schon bei twitter oder nerdcore auf die Doku „Richtung 2000 – Vorschau auf die Welt von morgen“ gestoßen sein. Das ZDF zeigte 1972 eine Zukunftsvision, in der die Welt stark von Technik bestimmt ist, die Umwelt wieder sauberer und die Computer immer noch mit Lochkarten arbeiten. Nach der Hälfte der ca. 30-minütigen Sendung endet die Vorschau auf das Jahr 2000 und wir sehen eine Bestandsaufnahme über die gesellschaftlichen Probleme, die 1972 als Ausgangslage für die Zukunft wahrgenommen werden: Umweltverschmutzung, Krieg, Nahrungsmittelüberproduktion und sich verändernde Rollenmuster von Mann und Frau. Apropos: Achtet mal darauf, was für Leute in der Zukunftsvision in diesem Zug sitzen und zusammen mit Herrn B. zur Arbeit pendeln. Die Sendung gibt viel Stoff für Gespräche und zum Nachdenken über die Zukunft, die wir vor zehn Jahren erlebt haben.

Viertens: Toxie

Das Planet Money Team hat vor einigen Monaten ein toxic asset gekauft. Das sind diese Mortgage Backed Securities, durch Vermögenswerte (Hypotheken, d.h. Immobilien) gesicherte Wertpapiere bzw. Anleihen, anhand derer man viel über die Ursachen und Abläufe der Finanzkrise lernen kann. „Toxie“ ist vor kurzem verstorben. Sie wird kein Geld mehr ausspucken. Das niedliche Abschiedsvideo für Toxie nehme ich zum Anlass, nach über zwei Jahren mal wieder auf Planet Money hinzuweisen.

Drittens: Die Akte CCC

Warum das eine Akte ist, hat sich mir jetzt nicht erschlossen, aber ansonsten hat mir das Portrait über den Chaos Computer Club, das bei 3Sat Neues zu sehen war, gut gefallen. Es geht darum, wie aus einem Treffen von Komputerfrieks Anfang der 80er ein Hackerverein mit politischem Einfluss wurde, mitsamt Kongress, Mate, Datenschleuder und Chaosradio. Netzpolitik.org hat alle relevanten Links zum runterladen und streamen gesammelt.

Zweitens: Empire St. Pauli

Empire St. Pauli konnten Hamburger_innen in den letzten Monaten immer mal wieder irgendwo sehen. Der Film wurde unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht, so dass Vorführungen in nichtkommerziellem Rahmen bedenkenlos möglich waren. Online gab es den Film bislang nicht zu sehen. Das ist jetzt anders. Anhand von Interviews mit St. Paulianer_innen aller Art stellt der Film den Gentrifizierungsprozess in St. Pauli in Frage. Meine Lieblingsstelle, aus dem Gedächtnis zitiert: „Dann haben die da drüben [im Brauereiquartier] ihren Aldi. Warum können die nicht zu Penny gehen wie normale Leute auch?“

Erstens: Yes Men

Ich bin dieser Tage mal dazu gekommen, zwei Dokus anzusehen, die schon länger auf meiner Festplatte lagen. Dann sind noch ein paar andere Sachen dazu gekommen. Bevor ich die alle in einen Post packe, kommt das jetzt Stück für Stück.

Für andere Nachzügler_innen sei an dieser Stelle The Yes Men Fix The World empfohlen, eine Doku über die Aktivistengruppe, die politischen Aktivismus á la Adbusting auf die Spitze treiben. Der Film steht unter einer freien Lizenz.

Der Bechdel Test

Immer mal wieder staune ich darüber, wie wenige Leute in meinem Umfeld den Bechdel Test kennen. Dabei ist es doch er ein einfaches und effizientes Werkzeug! Bei helga/hanhaiwen/drop the thought habe ich dieses tolle Video gefunden, in dem Anita Sarkeesian von Feminist Frequency The Bechdel Test for Women in Movies erklärt:

So gut, ich musste es selbst posten, statt nur auf Helga zu verlinken. Aber schaut euch doch ihren relativ neuen Blog mal an, das lohnt sich. Eine Liste von Filmen, die den Bechdel Test bestehen, gibt es hier.

Queere Videos aus Kanada


Allein schon wegen des Bildes muss ich diesen Veranstaltungshinweis hier posten! Am Freitag wird im feministischen Wohn– und Werkstattprojekt Villa Magdalena K in Hamburg eine Reihe Queerer Videos aus Kanada gezeigt:

coral short präsentiert ein programm mit kanadas feinsten queeren videomacher_*innen. versüßt wird das ganze mit einigen kreativen ahornjägern aus anderen ländern. sie hat die ahornbäume von vancouver über toronto bis montreal angezapft und noch ein paar ausgewanderte biber aus berlin, portland und new york dazugepackt. diese innovativen berglöwen und bären berichten über themen wie kolonialismus, zahnfleischentzündungen, gaybombs und feiernde hexen.

mit: nikki forrest (montreal), leah finkel / julie saragosa (toronto/berlin), clark nikolai (vancouver), maya suess /sepideh (new york city/ vancouver), coco riot (montreal) , helen reed (portland), morgan sea (montreal), michael v smith (vancouver), coral short (montreal), flannypack (montreal), axon dluxe (new york city), anna helme featuring textaqueen (melbourne), vincent chevalier (montreal)

freitag ? 29|01|10 ? 20:00
villa magdalena k ? bernstorffstr. 160 a ? hamburg

It’s innocent


Wer das Video im RSS-Reader nicht sieht, sollte einen Browser anwerfen :)

Eine vertiefte Analyse von Katy Perrys „I kissed a girl“ wurde im heiter scheitern podcast vorgenommen.

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