Bamberg statt Bloggen

Es kommt ja immer wieder vor, aber dieses Mal mit Ansage: Über Pfingsten wird hier im Blog aller Vorraussicht nach nichts gehen. Ich bin nämlich in Bamberg und stelle dort morgen Abend zusammen mit Do. Gerbig unsere queer-feministische Perspektiven auf Ökonomie- und Kapitalismuskritik vor. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Freien Uni Bamberg statt.

Woohoo! Verqueerte Verhältnisse ist da!!!

So viele Ausrufezeichen seht ihr bei mir nicht alle Tage. Das ist purer Mitherausgeberinnenstolz. Muss auch mal sein, nach so langer Arbeit.

"Verqueerte Verhältnisse" – jetzt im Buchhandel

„Verqueerte Verhältnisse. Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen“ ist seit gestern erhältlich. Damit hat die AG Queer Studies den zweiten Sammelband zur Vortragsreihe Jenseits der Geschlechtergrenzen veröffentlicht. Das Buch ist beim Männerschwarm Verlag in Hamburg erschienen und enthält neben der Einleitung 10 Beiträge zu den Themenbereichen Queer Studies und rassifizierende Machtverhältnisse, Ökonomiekritik, neoliberaler Kapitalismus und Reflektionen queerer Praxen. Zum Sammelband beigetragen haben Jin Haritarworn, Felix Krämer, Nina Mackert, Alexandra Ganser, Antke Engel, Sonja Mönkedieck, Renate Lorenz, Do Gerbig, Joke Janssen, Annett Losert, Jo Bucher und Angelika Goeres (falls ihr das lest an dieser Stelle noch einmal Danke für die tolle Zusammenarbeit!).

Dem Band liegt ein Verständnis von Queer Theory zugrunde, das den Blick über die „klassischen“ Themenfelder der Queer Studies erweitern und Regime der Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit in ihrer Verwobenheit mit anderen Herrschaftsachsen untersuchen will.
Neben Sexualitäten und Geschlechterkonstruktionen rücken vielfältige gesellschaftliche Felder und wissenschaftliche Disziplinen in den Blick, in denen (Identitäts-)Kategorien festgeschrieben und Machteffekte produziert werden. Machtvolle Zuschreibungen und ihre performative Herstellung sind nahezu jedem gesellschaftlichen Handeln und Sprechen immanent und können damit zum Untersuchungsgegenstand werden. Queer Studies stehen demnach vor der Herausforderung, ihr Untersuchungs- und Interventionsfeld radikal erweitern zu müssen und dennoch in ihrer Methodik und (wissens-)politischen Zielsetzung nicht beliebig zu werden. Dieses Buch möchte einen Beitrag zu diesem Projekt leisten.

Hier findet ihr ein PDF mit einem Überblick über den Inhalt. Der Band kann ab sofort für 16 Euro im online und offline Buchhandel erworben werden.

Queer Theoretikerin Eve Kosofsky Sedgwick verstorben

Am Ostersonntag verstarb die amerikanische Theoretikerin Eve Kosofsky Sedgwick. Die Autorin von Büchern wie „Between Men: English Literature and Male Homosocial Desire“ und „Epistemology of the Closet“ wäre am 2. Mai 59 Jahre alt geworden. Sie gilt als Mitbegründerin der Queer Theory.

Eve Kosofsky Sedgwick, My Friend, 1950-2009, von Cathy Davidson
Eve Kosofsky Sedgwick, 1950-2009, von Richard Kim, The Nation
Eve Kosofsky Sedgwick, von Macy Halford, The New Yorker
Educator, Author Eve Kosofsky Sedgwick Dies at 58, von Michelle Garcia, The Advocate

Danke an Nina für die Links.

Re:publica 09: Donnerstag 1 – Identität im digitalen Leben

Zweiter Tag der re:publica 09. Nach dem der erste Tag etwas uninspirierend begonnen hatte, hatte ich absolut nicht die Hoffnung verloren, und sie wurde auch nicht enttäuscht. Shift happened. Den sicherlich sehr hörenswerten Vortrag vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar zum aktuellen Stand des Datenschutzs in Deutschland habe ich zu Gunsten von Brötchen und Kaffee verpasst. Der Tag begann für mich erst Mittags mit Rishab Aiyer Goshs Vortrag über „Collaborative Creativity and the Test of Time“. Es ging um Zeitverläufe in Wirtschaftsprozessen, Patente und Open Source, aber ich war nicht ganz bei der Sache, und ähnlich ging es mir nach dem Umzug in die Kalkscheune bei Peter Glasers feulletonistischem Beitrag zu „Internet und Ethik“: In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?. Ich musste ja den Text über gestern noch online stellen, solange das Internet funktionierte.

Bei den beiden Vorträgen zu „Internet und Identität“ von Tina Guenther und Christiane Link war ich dann aber geistig am Start. Leider ging es nicht direkt – wie der Untertitel der Session versprach – darum, „was facebook und co. mit französischer Philosophie verbindet“. Stattdessen gab es zuerst einen sehr soziologischen Beitrag von Tina Guenther über Vertrauen im Netz. Sie erwähnte jede Menge Soziologieklassiker von Simmel bis Parsons und hatte jede Menge vollgeschriebener Folien, die sie in Eile vorstellte. Etwas weniger Referatsatmosphäre verbreitete die Journalistin Christiane Link im Anschluss. Ihr Argument war ein ähnliches wie das von Guenther: Eine digitale Identität ist meist nicht etwas ganz anderes als die Identität, die mensch sonst so mit sich rumträgt, sondern eine Ergänzung dazu. Im besten Fallen baut das Subjekt sich seine digitale Identität im Laufe der Zeit auf. Es managed sie. Angst haben muss mensch vor dieser Entwicklung nicht zwangsläufig. Ich würde theoretisch da sicherlich anders rangehen (mehr französische Philosophie), aber mir gefällt, dass sich die Diskussion um Identität und Subjektivität in der digitalen Welt entspannt, weg von einem „Bleib bloß so anonym wie es nur geht, sonst kriegst du nie wieder einen Job!!“, hin zu einem bewusstem, alltäglichem Umgang mit dieser Seite des Lebens.

Jenseits der Geschlechtergrenzen im Sommersemester 2009

In der nächsten Woche, genauer gesagt am 8. April, beginnt an der Universität Hamburg wieder die Vortragsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“, die von der AG Queer Studies organisiert wird.

Unsere Vortragsreihe “Jenseits der Geschlechtergrenen” startet wie gewohnt mit einer Einführung der AG?Queer Studies ins Sommersemester 2009. Am 14. April freuen wir uns auf Christian Klesse, einen alten Bekannten unserer Vortragsreihe, der über die “Schwierigkeiten in der Aushandlung nichtmonogamer Lebensweisen” sprechen wird. Mit feministisch-queeren Raumkonstruktionen am Bespiel des Ladyfests Wien beschäftigt sich Barbara Maldoner-Jäger in ihrem Vortrag am 20. Mai, und in der Woche darauf gibt uns Kerstin Palm einen Einblick in die evolutionstheoretische Schönheitsforschung, durch die „spezifische Schönheitsideale mit der Autorität der Natürlichkeit ausgestattet werden“.

Das Zusammendenken unterschiedlicher Formen des gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses bildet auch dieses Semester wieder einen Schwerpunkt in unserem Programm. Mit der intersektionalen Arbeit von LesMigras Berlin beschäftigt sich Lisa Thaler in ihrem Vortrag am 22. April, am 1. Juli spricht Olaf Stuve über „Identitätskritische Jungenarbeit aus intersektionaler Perspektive“ und den Semesterabschluss bildet Martina Tißberger mit ihrem Vortrag „Dark Continents. Psychoanalyse, Gender und Whiteness“ am 15. Juli. Wir freuen uns außerdem besonders, in diesem Semester zwei Vorträge aus dem Themenbereich Disability Studies im Programm zu haben. In Kooperation mit dem Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) wird Christiane Hutson am 13. Mai einen Vortrag mit dem Titel „Unverschämt – Was Rassismus, Heterosexismus und Ableismus mit uns machen“ halten, und am 17. Juni spricht Swantje Köbsell über „Behinderung und Geschlecht“. Wie in jedem Semester decken die verschiedenen Vorträge ein interdisziplinäres Spektrum an Themen ab und verdeutlichen queerende Forschungspraxen und Perspektive auf Geschlecht und Sexualität. Weitere Informationen zu den einzelnen Vorträgen findet ihr im Programmheft und nach dem Klick!
„Jenseits der Geschlechtergrenzen im Sommersemester 2009“ weiterlesen

Vortrag von Gabriele Dietze: Obama vs. Clinton

screenshot twitter
Twitter im Augenblick der Amtseinführung

Als die AG Queer Studies das Vortragsprogramm für Jenseits der Geschlechtergrenzen in diesem Wintersemester geplant hat, war das Rennen zwischen Obama und Clinton um die Präsidentschaftskandidatur noch nicht entscheiden. Um so mehr freuen wir uns, eine Woche nach der Inauguration von Barack Obama noch einen passenden Vortrag in unserem Programm zu haben. Dr. Gabriele Dietze von der HU Berlin, deren Habilitation zur Konkurrenz von amerikanischen Race- und Gender-Emanzipationsdiskursen in diesem Jahr bei transcript erscheint, beschäftigt sich mit dem Diskurs über die Konkurrenz zwischen einem Schwarzem Mann und einer weißen Frau um das höchste Amt der USA.

Obama vs Clinton – (Ver)quere Intersektionen von Rassismus und Sexismus

Barak Obama ist der erste amerikanische Präsident of color. Im Vortrag soll diskutiert werden, ob diese ‚unwahrscheinliche‘ Konstellation damit zu tun hat, dass er eine weiss/weibliche Konkurrentin im Nominierungswahlkampf hatte und ob diese ohne einen schwarz/männlichen Gegenkandidaten mehr Chancen gehabt hätte. Es wird davon ausgegangen, das das Duell von Hillary Clinton und Barack Obama um die demokratische Kandidatur eine historisch gewachsene Konkurrenz aufgerufen hat, die seit dem Kampf um die Abschaffung der Sklaverei Frauen- und ‚Race‘-Emanzipationsbewegung eng miteinander verknüpft hat: Eine gemeinsame Front für die Abschaffung der Sklaverei und das allgemeine Wahlrecht zerbröckelte, als nur der schwarze Mann das Wahlrecht erhielt. Lynching wurde häufig damit begründet, ein schwarzer Mann habe sich einer weißen Frau genähert, und in den Emanzipationsbewegungen der Sixties wurde der Begriff ‚Sexismus’ aus dem Begriff ‚Rassismus’ entwickelt.

Der Vortrag soll mit den Instrumenten diskursanalytisch inspirierter Gender Studies – insbesondere mit einer Analyse der Intersektionalitäten von Race, Class, Gender und Sexualität – eine Genealogie eines ‚schwierigen Verhältnisses’ entwerfen. Dabei sollen historisch spezifische Wissensformationen kartiert werden und Möglichkeiten ihrer Variation und Überarbeitung erkundet werden.

Der Vortrag findet am 28. Januar 2009 um 19 Uhr im Raum 0079 des WiWi-Bunkers, Von-Melle-Park 5 auf dem Campus der Uni Hamburg statt. Der Eintritt ist frei.

Buchvorstellung mit Friederike Habermann: „Der homo oeconomicus und das Andere“

Auf die Veröffentlichung „Der homo oeconomicus und das Andere. Hegemonie, Identität und Emanzipation“ (Nomos 2008) von Friederike Habermann bin ich neulich schon neugierig geworden, als ich bei dieStandard von einer Veranstaltung mit ihr gelesen hatte. Wie schön, dass Habermann ihr Buch Ende Januar in Hamburg vorstellen wird!

Angela Merkel, Condoleezza Rice und nun Barack Obama — das Geschlecht oder die Hautfarbe scheinen heute in keinem Widerspruch zur Karriere mehr zu stehen. Andererseits existieren Sexismen und Rassismen weiter, strukturelle Ungleichheiten lösen sich nicht einfach auf, einige verstärken sich sogar, teilweise kommt es zu Verschiebungen im Verhältnis von sex, race & class. Ein Paradox?

Immer wieder wird beklagt, dass Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse als unverbunden in der Analyse erscheinen — wenn sie denn überhaupt gemeinsam in die Analyse einbezogen werden. Mit der ’subjektfundierten Hegemonietheorie‘ wird ein Ansatz skizziert, der — aufbauend auf Antonio Gramscis Hegemoniebegriff und in Erweiterung durch postmarxistische, postfeministische und postkoloniale Ansätze (Stuart Hall, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Judith Butler) — von der Verwobenheit aller Herrschaftsformen ausgeht. Wesentlich geht es der Autorin weiterhin darum, die bestehende Trennung zwischen historischmaterialistischen als auch postkolonialen und feministischen Ansätzen zu überwinden.

Dafür und darüber hinaus untersucht Friederike Habermann in einem wirtschaftstheoretischen und einem historischen Teil, wie der homo oeconomicus als Fundament der heutigen Wirtschaftstheorie nicht nur das Stereotyp des weißen, männlichen Bürgers abbildet, sondern wie dieser und alle anderen sich in der Moderne herausbildenden Identitäten in Relation zu ihm — und damit zueinander — entstanden und sich weiter ausformen. Heute ist der homo oeconomicus (mit einigen /soft skills/ angereichert) zum hegemonialen Leitbild für alle geworden; da er jedoch in Interaktion mit der Konstruktion des weißen, männlichen Bürgers konstruiert wurde, bleibt es für Mitglieder dieser Identität(en) leichter, erfolgreich zu sein.

Das Buch schließt mit Überlegungen für eine emanzipatorische Theorie und Politik.

Dr. Friederike Habermann ist Volkswirtin, Historikerin und Dr. phil. in Politischer Wissenschaft. Sie ist seit den Achtziger Jahren in Sozialen Bewegungen und seit den Neunzigern im globalen Widerstand aktiv.

Do, 29. Januar 2009, 19:30 Uhr
kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12

Veranstaltet von /homines oeconomici/ in Kooperation mit der rosa luxemburg stiftung hamburg