Ist die Finanzmarktkrise eine Krise des Kapitalismus? Veranstaltung in Hamburg

Hätte, könnte, würde … ich am Donnerstag, dem 13. November, noch nichts vor, würde ich um 19 Uhr ins Centro Sociale gehen und die Veranstaltung zur aktuellen Krise des Kapitalismus mit Werner Rätz (Interventionistische Linke) und Marco Heinig (Linksjugend.solid & Bildungswerk für Politik und Kultur e.V.) besuchen. Und das nicht nur, weil es anschließend Kneipe mit Cocktails gibt.

Ich krieg‘ die Krise! – Die aktuelle Krise des Kapitalismus.
Eine Bestandsaufnahme.

Die Finanzkrise ist da, der Neoliberalismus als Freiheitsversprechen diskreditiert, die Industrienationen auf dem Weg in die Rezession. Während in den letzten Wochen mit schier unglaublichen Finanzzahlen rumjongliert wurde, dürfte eines jetzt schon klar sein. Die Zeche zahlt nicht der Staat und schon gar nicht die Konzerne und Banken, sondern die BürgerInnen. Von einer Krise des Finanzmarktes war die Rede, vom Ende des Neoliberalismus und einer neuen Wirtschaftsordnung.
Doch was soll das heißen? Finanzmarktkrise. Steckt der Kapitalismus generell in einer Krise? Wie ist diese Krise entstanden und vor allem, wer zahlt für diese Krise?
Was heißt das für die Linke?
Bietet die Krise des Finanzmarktkapitalismus neue Chancen und Möglichkeiten für die Linke? Welche Politikfelder sind für eine linke Intervention strategisch sinnvoll?
Auf der Veranstaltung geht es zunächst um einen Blick auf die aktuelle Krise des Kapitalismus und ihre Hintergründe, mit einem Ausblick auf die weitere Entwicklung. In der Diskussion wollen wir dann einen Raum schaffen, um über die kurz- und mittelfristigen Aufgaben der Linken zu reden.

Mehr Infos:
http://www.avanti-projekt.de
http://www.dazwischengehen.org

Vortrag zu queerer Ökonomiekritik in Hamburg

Es ist mal wieder Zeit für shameless selfpromotion und einen Tipp für Hamburger_innen mit Interesse an Queer Theory und Ökonomie. Am Mittwoch werden Do. Gerbig und ich wie schon in Bremen einen Vortrag mit dem Titel „Queere Ökonomiekritik – alternative Praxen“ halten, dieses Mal im Rahmen der Ringvorlesung Jenseits der Geschlechtergrenzen, die von der AG Queer Studies organisiert wird. Wir beschäftigten und in diesem Vortrag mit der Gibson-Grahamschen Dekonstruktion des Kapitalismus, diskutieren Paradoxien des Neoliberalismus und die Rolle von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit bei der Arbeit. Vor diesem Hintergrund stellen wir zwei Beispiele aus einer möglichen antikapitalistischen, queer-feministischen Praxis vor und möchten diese zur Diskussion stellen. Der Vortrag findet am 12. November um 19 Uhr im Raum 0079 im „WiWi-Bunker“, Von-Melle-Park 5 auf dem Campus der Uni Hamburg statt, ist öffentlich und kostet keinen Eintritt.

Judith Butler über Barack Obama: Nicht zu überschwänglich werden

Die Philosophin Judith Butler scheint die Freude über den Ausgang der Präsidentschaftswahl 2008 zu teilen, doch sie wäre nicht eine der bedeutenden Intellektuellen unserer Zeit, würde sie dieses Ereignis nicht kritisch begleiten. Uncritical Exuberance?, zu deutsch: Unkritische Überschwänglichkeit?, ist ein Essay, in dem sie große Wertschätzung für die Person Obamas („thoughtful and progressive“) und die historische Signifikanz seiner Wahl zum Ausdruck bringt, aber warnt davor, ihn nun als Erlöser zu feiern.

The election of Barack Obama is historically significant in ways that are yet to be gauged, but it is not, and cannot be, a redemption, and if we subscribe to the heightened modes of identification that he proposes („we are all united“) or that we propose („he is one of us“), we risk believing that this political moment can overcome the antagonisms that are constitutive of political life, especially political life in these times. There have always been good reasons not to embrace „national unity“ as an ideal, and to nurse suspicions toward absolute and seamless identification with any political leader.

Butler erinnert daran, dass die Wahl Obamas mit der Ablehnung von gay marriage, welche von Obama bisher ebenfalls nicht unterstützt wird, zusammenfällt. Er habe die Wahl gewonnen, weil sich die Wähler_innen von ihm eine bessere Wirtschaftspolitik versprechen, und nicht aufgrund moralischer Fragen, die dieses Mal weniger ausschlaggebend gewesen seien. Neben der Wirtschaft sei vor allem die Dis-Identifkation mit Georg W. Bush entscheidend gewesen.

We cannot underestimate the force of dis-identification in this election, a sense of revulsion that George W. has „represented“ the United States to the rest of the world, a sense of shame about our practices of torture and illegal detention, a sense of disgust that we have waged war on false grounds and propagated racist views of Islam, a sense of alarm and horror that the extremes of economic deregulation have led to a global economic crisis. Is it despite his race, or because of his race, that Obama finally emerged as a preferred representative of the nation?

Die ideologische und politische Kraft dieses Momentes liege darin, dass Obama als Figur der Einheit fungiere. Das damit verbundene Versprechen, Differenzen und Konflikte zu überwinden, sei faszinierend, führe aber unweigerlich zur Enttäuschung, wenn sich der charismatische Führer als fehlbar und seine Macht als begrenzt erweisen.

Butler greift den Aspekt der Enttäuschung auf, über den ich vor ein paar Tagen auch nachgedacht habe. Doch anders als in den rein pessimistischen Narrativen, die zur Zeit zu lesen sind, findet Butler, dass ein gewisses Maß an Enttäuschung über Obama notwendig ist. Politik sei schließlich kein Freudenfest ohne Ambivalenzen und Spannungen, sondern ein Ort für Debatte, öffentliche Kritik und Antagonismus.

The election of Obama means that the terrain for debate and struggle has shifted, and it is a better terrain, to be sure. But it is not the end of struggle, and we would be very unwise to regard it that way, even provisionally. (…) Some relief from illusion is necessary, so that we might remember that politics is less about the person and the impossible and beautiful promise he represents than it is about the concrete changes in policy that might begin, over time, and with difficulty, bring about conditions of greater justice.

Trotzdem rät sie Obama, in den ersten Monaten seiner Amtszeit wichtige Schritte zu unternehmen, um die Enttäuschung nicht so groß werden zu lassen. Zweifellos werde es in sozialen Fragen einen Trend zu liberaleren Ansätzen geben, auch wenn es wichtig sei nicht zu vergessen, dass sich Obama nicht für eine universelle Krankenversicherung ausgesprochen hat. Butler erwartet, dass sich im Bereich der Wirtschaftspolitik eine neue Rationalität durchsetzen wird, die nicht vor Regulationen zurückschreckt und sich sozialdemokratischen Formen in Europa annähert. In der Außenpolitik erwartet Butler eine Erneuerung multilateraler Beziehungen. Sie fordert Obama dazu auf, Guantanamo zu schließen, die Truppen aus dem Irak abzuziehen und auch in Afghanistan verstärkt nach diplomatischen und multilateralen Lösungen zu suchen.

Butlers Essay erinnert daran, die zeitliche Begrenztheit dieses phantasmatischen Momentes im Auge zu behalten, und sich auf die notwendige Desillusionierung einzulassen. Doch sie erinnert auch Obama an seine Aufgabe, die Enttäuschung nicht zu groß werden zu lassen, denn sonst wird der politische Zynismus der letzten Jahre zurückkommen.

Nachtrag
Gerald Raunig hat Judith Butlers Text über die Wahl von Barack Obama übersetzt:
Kritikloser Überschwang? Obama als „Erlösung“

Hochkarätige Tagung zu Intersektionalität in Frankfurt

Am 22. und 23. Januar 2009 findet in Frankfurt/Main die Konferenz Celebrating Intersectionality? Debates on a multi-faceted Concept in Gender Studies statt.

Over the last decade, the concept of ‚intersectionality‘ has attracted much attention in international feminist debates. It was embraced as well as repelled by many scholars and at the same time, it has made an incredible international career. Twenty years after the concept was coined by Kimberlé Crenshaw in 1989, it seems appropriate to bring together protagonists as well as critics and discuss the ’state of the art‘ with those that have been influential in this debate.

Wow, im Vergleich zum Intersektionalitätsworkshop Ende November in Hamburg ist diese Konferenz ganz schön hochkarätig besetzt. Neben Helma Lutz, Cornelia Klinger, Birgit Sauer und Paula Irene Villa als Vertreterinnen der Debatte im deutschsprachigen Kontext werden u.a. Nira Yuval Davis (University of East London), Kathy Davis (University of Utrecht), Gloria Wekker (University of Utrecht), Dubravka Zarkov (Institute of Social Studies, The Hague), und Nina Lykke (University of Linkoeping) zur Konferenz beitragen. Und keine geringere als Kimberlé Crenshaw (University of California, L.A.), die den Begriff Intersektionalität 1989 eingeführt hat, wird ebenfalls nach Frankfurt kommen.

Ich bin gespannt, ob die Konferenz neue Impulse in die deutschsprachige Debatte über Intersektionalität geben wird, und denke darüber nach, hinzufahren. Bis zum 9. Januar ist die Registrierung möglich.

Zweiter Workshop zu Intersektionalität

Unter dem Titel „Doing Intersectionality. Über das Recht auf Verschiedenheit und den Umgang mit Differenz“ findet vom 28. bis 30. November 2008 der zweite Workshop zu Intersektionalität in Hamburg in diesem Jahr statt. Den ersten habe ich hier angekündigt.

Im Rahmen des zweiten Workshops in diesem Jahr möchten wir Menschen, die in beruflichen, politischen, künstlerischen sowie wissenschaftlichen Zusammenhängen oder auch „privat“ mit Verschiedenheit und Intersektionalität zu tun haben, Raum zur Vorstellung und Diskussion ihrer Erfahrungen und Gedanken geben.

Ziel ist es, Umgangsweisen mit und Perspektiven auf Verschiedenheit und Intersektionalität auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Kontexten zu diskutieren. Wir laden Praktiker_innen, politische Aktivist_innen, Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Studierende herzlich zur Mitwirkung ein.

In einer Keynote von Elisabeth Holzleithner aus Wien mit dem Titel „Vielfalt zwischen Managment und Herrschaftskritik“ am Freitag Abend und vier Pannels am Samstag und Sonntag werden die Bereiche Normativität, Ökonomie, Subjektivität und Herrschaftskritik in den Blick genommen. Genauere Informationen zu Ort, Zeit und Programm finden sich in diesem Flyer. Der Workshop wird veranstaltet von der Gemeinsamen Kommission für Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung, Gender und Queer Studies Hamburg

Saisonstart bei „Jenseits der Geschlechtergrenzen“

Die Vorlesungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“, die ich als Teil der AG Queer Studies organisiere, geht nächste Woche am Mittwoch Abend wieder los. Wie in jedem Semester decken die verschiedenen Vorträge ein interdisziplinäres Spektrum an Themen ab und verdeutlichen queerende Forschungspraxen und Perspektive auf Geschlecht und Sexualität. In der ersten Sitzung geben wir einen Einblick in das kommende Semester und unsere aktuellen Projekte, und Kerstin Brandes wird das FKW-Themenheft „Indem es sich weigert, eine feste Form anzunehmen“ – Kunst, Sichtbarkeit, Queer Theory vorstellen. Dieser und alle kommenden Vorträge sind für alle Interessierten offen und frei as in Freibier. Zwei mal im Monat werden die Vorträge außerdem beim Freien Sender Kombinat im Radio übertragen und sind per Stream jetzt auch für alle Nicht-Hamburger_innen zu hören. Auf der Seite der AG Queer Studies im Hamburger Genderportal findet ihr weitere Infos, es gibt ein Programmheft als PDF, und hier eine Übersicht der Vorträge im Wintersemester nach dem Klick.
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Das Ende des Neoliberalismus

Auf das Fragezeichen in der Überschrift verzichte ich, obwohl ich meine These für gewagt halte. Die Gelegenheit für solche Visionen ist aber günstig, wenn sogar in der FAZ zumindest im Feuilleton von der Zeit „nach dem Neoliberalismus“ die Rede ist (via mspro).

Während sich krisenbewusste Marxist_innen auf das Ende des Kapitalismus freuen, nistet sich bei mir der Gedanke ein, dass wir an einer gouvernementalen Zeitenwende stehen könnten. Die Finanzmarktkrise ist nicht das eine, große, singuläre Ereignis, dass diese bewirken könnte, und ich glaube auch nicht an einen schnellen Wandel, bei dem ein homogenes Altes sauber von einem ebensolchen Neuen abgelöst wird. Regierungsrationalität sind widersprüchlich und vielfältig. Trotzdem: Die Zeit des scheinbaren, aber sehr wirkmächtigen neoliberalen Konsens‘ scheint abgelaufen zu sein.

Es setzt sich schneller als ich es erwartet hätte die Erkenntnis durch, dass die Deregulierungspolitik der letzten Jahre nicht so schlau gewesen ist. Ein anderes Beispiel ist die Energieversorgung. Auch hier fragen sich nicht nur Leute in Privathaushalten, ob Privatisierung wirklich ein cleverer Move war. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Monaten nicht nur einiges an längst überfälliger Regulierung angeleiert wird, sondern dass sich auch die Einstellung gegenüber der Kraft von Märkten und ökonomischer Rationalität sich ändern wird.

Mittelfristig könnte ein solcher Wandel nicht nur den Finanzmarkt oder die Wirtschaft betreffen, denn die Martlogik und der Homo Öconomicus spielen mittlerweile in vielen Bereichen des Lebens eine große Rolle. Neoliberale Gouvernementalität bedeutet, dass sich Begriffe, Vorstellungen und Normen aus dem Bereich der Wirtschaft auf andere Bereiche der Gesellschaft ausdehnen. Das Schaffen von Märkten gilt als innovatives Steuerungsinstrument in verschiedenen Politikfeldern, und soziale Beziehungen werden nach ökonomischen Kriterien beurteilt. Das Menschenbild verändert sich: Individuen sind „Humankapital“. Die neoliberale Regierungsrationalität regt Subjekte dazu an, das zu werden, was sie im Sinne dieser Subjektvorstellung längst sind: freie, nutzenmaximierende und verantwortliche Unternehmer_innen ihrer Selbst – auch unter widrigen Umständen.

Es scheint, als ergeben sich gerade an zentralen Stellen dieses Diskurses, der in den letzten Jahren so dicht verwoben und machtvoll war, große Risse, die geschlossen werden müssen, und dabei wird zwangsläufig etwas Neues entstehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gelingen wird, diese Krise als Fehler von beispielsweise zu faulen Häuslebauer_innen oder durchgeknallten Manager_innen darzustellen, auch wenn welche das versuchen.

Aber was heißt das jetzt für „die Gesellschaft“? Die letzten Jahre haben trotz des Versprechen, mit dem entsprechenden Einsatz sei alles zu schaffen, nicht gerade Glück, Freiheit und Wohlstand für alle gebrachten, im Gegenteil: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander und immer mehr Menschen sind von Prekarisierung betroffen. Ich fürchte leider, dass sich daran so bald nichts ändern wird. Schließlich scheinen wir eine massive Wirtschaftskrise vor uns zu haben, und staatliche Interventionen werden sich erst mal auf die Finanzmärkte und Banken konzentrieren, und weniger konsumseitig eingesetzt werden (in den USA gibt es allerdings solche Pläne). Ich will auch nicht sagen, dass letzteres besser wäre. Für Einschätzung dieser Art sollte man Leute fragen, die mehr Ahnung haben, und alles weitere an dieser Stelle wäre Glaskugelschreiben. Auf Schwankungen und Veränderungen nicht nur an den Börsen, sondern auch im Diskurs, können wir uns aber gefasst machen, und vielleicht verändern sich im Zuge der Ereignisse auch wieder Regierungstechnologien und Menschenbilder. Uns stehen diskursiv-politisch spannende Zeiten bevor.

Was zum Lesen: Ökonomie und Queer Theory

In den letzten Wochen durfte ich mich anlässlich einer Prüfung mal wieder verstärkt mit Poststrukturalismus, Queer und Ökonomiekritik befassen. Auf twitter hatte mich @signifikanten gebeten, eine Literaturliste zu erstellen. Ich nehme das zum Anlass, ein paar der Texte vorzustellen, die ich im Zuge der Prüfungsvorbereitung oder früher schon mal gelesen habe.

Ob man Produktions- und Klassenverhältnisse mit diesem postmodernen Zeichengedöns überhaupt zu fassen bekommt, wird ja immer wieder angezweifelt, und trotz Neo- und Postmarxismus wird der Kapitalismus häufig noch als letzte Instanz konzeptualisiert, und das ist mit dem Anti-Essentialismus von Poststrukturalismus und Queer schwer vereinbar. Eine lesenswerte Kritik von queeren Theorien und Politiken formuliert Rosemary Hennessy in „Profit and Pleasure„. Hennessy beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Kapitalismus und sexuellen Identitäten. Für sie ist das kapitalistische Klassenverhältnis der „Kern menschlicher Beziehungen“, und insofern verwundert es auch nicht, dass der Kapitalismus seine Finger im Spiel hat, wenn es um die Formierung von sexuellen Identitäten und Lebensstilen geht. Hennessys Kritik kann ich in Teilen nachvollziehen, die Lektüre lässt mich aber theoretisch sowie in Hinblick auf die politische Perspektive unbefriedigt zurück.
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Idee ohne Anlass, sie umzusetzen

Neu in der Serie Ideen für Soziologie Abschlussarbeiten, die ich nie schreiben werde: „Die Führung der Führung: Getting Things Done als Kulturtechnologie im Post-Fordismus/Neoliberalismus.“ Ein bisschen Foucault, ein bisschen Technologieanalyse, das mit dem Post-Fordismus und Neoliberalismus könnte man nach Geschmack variieren.

Hyperlinks und Gewichtung

Katharina Walgenbach über das Problem der Reihenfolge der Benennung von Kategorien sozialer Ungleichheit (as in „race, class, gender“) bei interdependenten Analysen:

Das Problem der Reihenfolge der Benennung wird uns nicht zuletzt durch die lineare Darstellungsweise aufgezwungen, welche wir beim Verfassen eines Textes oder eines Vortrages verfolgen müssen, um uns verständlich zu machen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu erproben, ob die Hyperlink-Struktur der neuen Medien durch ihre semantischen Netze uns von diesem Zwang entlasten könnte und uns neue Möglichkeiten an die Hand gibt, die Komplexität des Themas Interdependenzen angemessener zu repräsentieren. (S. 43f)

gefunden in: Walgenbach, Katharina (2007): Gender als interdependente Kategorie, in: Walgenbach, Katharina/Dietze, Gabriele/Hornscheidt, Antje/Palm, Kerstin (Hrsg.): Gender als interdependente Kategorie. Neue Perspektiven auf Intersektionalität, Diversität und Heterogenität. Opladen.