Cruikshank: The Will to Empower

Heute habe ich endlich mal Barbara Cruikshanks Buch „The Will to Empower. Demokratic Citizens and Other Subjects“ (1999) fertig gelesen. Sehr lohenend. Im Kern geht es um das Verhältnis von Demokratie und Gouvernementalität und um die Frage, wie demokratische citizens gemacht werden.

Cruikshank beschäftigt sich – nachdem sie die Frage, warum auf einmal Schlösser an den Mülltonnen waren, nicht beantworten konnte – mit verschiedenen Programmen und Diskursen des amerikanischen welfare Systems. Anhand des War on Poverty, des selfesteem movements und der Figur der welfare queen zeigt sie, wie in einer sehr diffusen, dezentralen Art Macht ausgeübt wird, in dem Subjekte im doppelten Sinne als Subjekt und subjected hervorgebracht werden. Dabei geht es auch um die Strategien des empowerment, durch die WohlfahrtsempfängerInnen zur Selbsthilfe ermächtigt werden sollen.

Subjekte verkörpern Machtverhältnisse und verfügen durch den Akt der Unterwerfung über die Macht, sich selbst zu führen. In Bezug auf Widerstand hat Curikshank deshalb Folgendes zu sagen

„[One] should call into question any form of resistance or critique that seperates [subjektivity and subjection]. Practices of governing and ruleing are not restricted to ‚the political‘ or to one sphere, and so we must focus on how we are governed and by what practices, rather than by which people in which sphere“ (p. 120).

Wenn Macht kein Gesicht hat und durch die Körper der BügerInnen hindurch verläuft, dann muss auf andere Weise über Demokratie nachgedacht werden. Aufschreibenswert fand ich in Bezug auf Demokratie auch folgenden Satz:

„What I value most about democracy is that it effects are contingent rather than permanent“ (p. 124).

Und schließlich bin ich über einen Gedanken gestolpert, der seit einiger Zeit in meinem Kopf spukt: Was ist eigentlich ein „linkes“ Verhältnis zu Gouvernementalität, zur Kunst des Regierens? Müssen eigene, andere Figurationen von citizenship erfunden werden, und welche könnten das sein? Oder geht es immer nur darum, nicht auf diese Weise regiert zu werden?