Do not DIY

Was du auch machst
Mach es nicht selbst
Auch wenn du dir den Weg verstellst

Was du auch machst
Sei bitte schlau
Meide die Marke Eigenbau

Heim und Netz
Werkerei
Stehlen dir deine schöne Zeit

Wer zu viel selber macht
Wird schließlich dumm
Ausgenommen Selbstbefriedigung

Die Tocotronic-Single „Mach es nicht selbst“ vom neuen Album „Schall und Wahn“ ist eine Anti-DIY-Hymne oder so. Das Video könnt ihr hier anschauen. Ein Abgesang auf was ist das jetzt genau? Ist die „Marke Eigenbau“ mittlerweile in bestimmten Kreisen unangenehmer Konsens? Was meinen die Freund_innen der MakerBots und des Baustelns dazu? Geht es um progressives Basteln im 21. Jahrhundert oder um originell-individuelle Accessoires, denen biedermeierartiger Rückzug ins gemütliche Private anhaftet? Oder gibt es dazwischen keinen großen Unterschied?

15 Gedanken zu „Do not DIY“

  1. Gut zu wissen.
    Ich find das Lied großartig, und das Video großartig und Tocotronic großartig. D.I.Y. mag ich trotzdem noch. Fertige Sachen kaufen auch, ich sag mal: ich bin da indifferent. ;)

  2. Ich bin da voll bei Tocotronic, such mir morgen lieber nen Job am Fließband und arbeite für wertige Industrieprodukte. Schluss mit der ganzen Individualität!

  3. Das is aber ein grausliges Stück Musik. Der Text mit besserer Musik fein, aber so? Bäh! Schlager!

  4. erinnert mich an ein interview mit christoph schlingensief auf zeit-online. in dem er meinte, dass „wir“ („die“ kuenstler) wieder elitaerer werden muessen. vielleicht sind tocotronic ja genauso wie schlingensief von diesem ganzen post-millenium jeder-wie-er-kann-diy-blog/twitter-einheitsbrei genervt..

  5. naja, nachdem ich sehr lange zeit selbstausbeuterisch und halbwegs mit freude beim ausführen aber mit enttäuschung bei der konfrontation mit der realtität (dass ich von dem was ich gerne mache nicht leben kann, es sei denn ich passe mich dem marktkonformen kleid des d.i.y. an) tätig war, kann ich mich für diese artikulation von tocotronic nur bedanken. es ist nur gut, das lied.
    „d.i.y.“ als das thema der ökonomie. kritik ist von seinem boden aufgestiegen und nun mitten reintransformiert in den kapitalismus. dabei hört es bei der kommodifikation von „aus freiwilligkeit/ selbstbestimmung gewachsener kreativität“ ja nicht auf. freiwilligkeit modifizierte arbeitsverhältnisse. ich glaube, um letzteres geht es auch. ich bezweifel, dass es in dem lied nur um private bastelei geht. diese steigt nur in blogs und onlineshops ins öffentliche. was aber aus dieser kerbe zum commom sense geworden ist, sind eben „flexibilisierte“ und „subjektivierte“ arbeitsverhältnisse. stichwort selbstverwirklichung. „was ist dir für deine zukunft (sprich deinen beruf oder besser job) wichtig?“ selbstverwirklichung. kann jede_r haben; aber zu welchem preis? d.h. nicht, dass ich wenn ich denn mal in ein entlohntes arbeitsverhältnis von dauer kommen werde, ich mich unwohl fühlen will. aber tendenziell bin ich momentan der meinung, ich will meine person und mein „privates“ nicht in die produktivität oder profite anderer einfließen lassen. und das am ende noch auf der basis von selbstbestimmter freiwilligkeit, weil mir das projekt ja sdo viele möglichkeiten zum eigenmächtigen handeln offen lässt (um nicht zu sagen offen lassen muss)…
    so; das war brockenhaft meine wuste interpretation. vielleicht schau ich mir jetzt nochmal das video an…

  6. oh da muss ich fast unverschämt semi-werbung machen: bei einer vortragsreihe, die ich mit zwei anderen organisiere, sprach unter anderem auch volker woltersdorff zu „queeren perspektiven auf prekarisierung“ und ich empfinde das als sehr passend zu dem kontext. hier nachhörbar.

  7. Adorno hat gesagt: „Unter den herrschenden Bedingungen wäre es abwegig und töricht, von den Menschen zu erwarten oder zu verlangen, daß sie in ihrer Freizeit etwas Produktives vollbrächten; denn eben Produktivität, die Fähigkeit zum nicht schon Dagewesenen, wird ihnen ausgetrieben. Was sie dann in der Freizeit allenfalls produzieren [Marke Eigenbau, Anm.], ist kaum besser als das ominöse hobby, die Nachahmung von Gedichten oder Bildern, die […] andere besser herstellen können als die Freizeitler. Was sie schaffen, hat etwas Überflüssiges. Diese Überflüssigkeit teilt sich der minderen Qualität des Hervorgebrachten mit, die wieder die Freude daran vergällt.

    Auch die überflüssige und sinnlose Tätigkeit in der Freizeit ist gesellschaftlich integriert. Abermals spielt ein gesellschaftliches Bedürfnis mit. Gewisse Formen der Dienstleistungen, insbesondere die von Hausangestellten, sterben aus, die Nachfrage ist außer Verhältnis zum Angebot. In Amerika können nur noch wirklich Wohlhabende Dienstmädchen sich halten, Europa folgt rasch nach. Das veranlaßt viele Menschen, subalterne Tätigkeiten auszuüben, die früher delegiert waren. Daran knüpft die Parole »Do it yourself« […] als praktischer Rat an; allerdings auch an den Überdruß, den die Menschen vor einer Mechanisierung empfinden, die sie entlastet, ohne daß sie […] Verwendung hätten für die gewonnene Zeit. Deshalb werden sie, wiederum im Interesse von Spezialindustrien, dazu animiert, das selbst zu tun, was andere besser und einfacher für sie tun könnten und was sie zutiefst eben darum verachten müssen. Im übrigen gehört es zu einer sehr alten Schicht des bürgerlichen Bewußtseins, daß man das Geld, das man in der arbeitsteiligen Gesellschaft für Dienstleistungen ausgibt, sparen könne, aus sturem Eigeninteresse blind dagegen, daß das ganze Getriebe sich nur durch den Tausch spezialisierter Fertigkeiten am Leben erhält. Wilhelm Tell, das abscheuliche Urbild einer knorrigen Persönlichkeit, verkündet, daß die Axt im Haus den Zimmermann erspart […].

    Das Do it yourself, ein zeitgemäßer Typus des Verhaltens in der Freizeit, fällt jedoch in einen weit umfassenderen Zusammenhang [, den der Pseudo-Aktivität]. [In den letzten 30 Jahren] hat Pseudo-Aktivität erschreckend sich ausgebreitet, auch und gerade unter solchen, die sich als Protestierende gegen die Gesellschaft fühlen. Man wird allgemein in der Pseudo-Aktivität ein zurückgestautes Bedürfnis nach Änderung der versteinerten Verhältnisse vermuten dürfen. Pseudo-Aktivität ist fehlgeleitete Spontaneität. Fehlgeleitet aber nicht zufällig, sondern weil die Menschen dumpf ahnen, wie schwer sie ändern könnten, was auf ihnen lastet. Lieber lassen sie in scheinhafte, illusionäre Betätigungen, in institutionalisierte Ersatzbefriedigungen sich abdrängen, als dem Bewußtsein sich zu stellen, wie versperrt die Möglichkeit heute ist. Die Pseudo-Aktivitäten sind Fiktionen und Parodien jener Produktivität, welche die Gesellschaft auf der einen Seite unablässig fordert, auf der anderen Seite fesselt [Kreativwirtschaft lässt grüßen, Anm.] und in den Einzelnen gar nicht so sehr wünscht. Produktive Freizeit wäre möglich erst mündigen Menschen, nicht solchen, die unter der Heteronomie [Fremdbestimmtheit, Anm.] auch für sich selber heteronom geworden sind.“ (Adorno, Theodor W.: Freizeit. In: Gesammelte Schriften, Bd. 10/2. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977, S. 645ff.)

    Interessant an der ganzen Sache ist, dass DIY hier als Spiegelung der arbeitsweltlichen Gegebenheiten in der Freizeit analysiert wird. Es zeigt sich aber ja zunehmend – wie in den Kommentaren oben schon erwähnt -, dass eben genauso die Umkehrung stattfindet: die Übertragung von Freizeitgegebenheiten in die Arbeitswelt, mithin auch die teilweise Aufhebung der tarditionellen Trennung von Arbeit und Freizeit. Die negative Seite dieses Phänomens zeigt sich dann in der Verwertung – und gleichzeitig auch immer der Umkehrung – „freizeitlicher“ Aspekte in der Arbeitswelt (Selbstverwirklichung – Identifikation/Aufopferung, freie Zeiteinteilung – Flexibilität etc.). Es kommt also einerseits zur Vereinnahmung der Freizeit durch die Arbeitswelt. Andererseits ist Freizeit selbst auch wieder nur die transformierte Variante arbeitsweltlicher Verfassung. Aber eben nur fast:

    „Es [die totale Erfassung/Integration/Verwertung, Anm.] geht nicht glatt, gerade in der Freizeit nicht, die die Menschen zwar erfaßt, aber ihrem eigenen Begriff nach sie doch nicht gänzlich erfassen kann, ohne, daß es den Menschen zuviel würde. […] [I]ch meine […], daß darin eine Chance von Mündigkeit sichtbar wird, die schießlich einmal zu ihrem Teil helfen könnte, daß Freizeit in Freiheit umspringt.“ (Ebd.)

    Auch das Hinüberschleifen der – aus der Arbeitswelt abgeleiteten – Organisationsmechanismen der Freizeit geht scheinbar nicht ab, ohne auch den Fetzen Utopie, der der ganzen Sache anhängt, mitzunehmen. Es gibt also augenscheinlich auch eine positive Komponente der ganzen Sache, gewissermaßen einen Tropfen Lösungsmittel, der da am arebitsweltlichen Gestein herunterperlt.

    Interessant wäre auch mal, unter dieser kritischen Perspektive auf DIY und „Arbeit 2.0“ den ganzen Komplex Open-Source und Freie Software zu betrachten. Da steht Bill Gates‘ „Open Letter To Hobbyists“ gleich in einem ganz anderen Licht da – nämlich dem der Dialektik.

  8. weiss nicht ob es sinn macht einen unterschied zwischen arbeitszeit und freizeit zu machen. vielleicht eher zwischen arbeiten und nichts tun oder so ähnlich. möglichweise ist die frage nach ökonomien auch eher uninterresant, in dem moment wo etwas angegangen werden muss.
    im grundegenommen lässt sich auch nichts »selber machen«, was aber zumindestes an diy wichtig ist, ist der versuch ein territorium zu erschliessen, ganz egal ob das nun sinn macht oder ob es zu irgendeinen erfolg führt. eben eine gewisse handlungsfreiheit erfahren. kann ich mich in der freizeit den selbstverwirklichen? geht das überhaupt, dieses selbstverwirklichen?
    ist sowas wie flexibilität eine eigenschaft der freizeit? was wird da gedehnt und ist das am ende langweilig? wird dann in der arbeitszeit die flexibilität zur langeweile, das heisst wird am ende getrödelt und macht das probleme?

  9. was arbeitszeit und freitzeit angeht merke ich: je stärker sich die lohnarbeit ein stück der zeit definiert, desto mehr lege ich wert, dass sich die andere hälfte der zeit anders definiert und die grenzen *eher* getrennt bleiben. das heißt, auf DIY praxen bezogen für mich aber auch, dass beim DIY nix rauskommen muss. würde es mir nur um das endergebnis gehen, wäre es effektiver, zu IKEA oder you name it zu fahren. aber es geht mir um anderes.

    @lasterfahrer selbstverwirklichung ist mir irgendwie zu leer, so als signifikant :) dazu müsste ich ja erstmal wissen, was mein selbst so ist. aber handlungsfreiheit, handlungsfähigkeit, sich ein territorium zu erschließen, etwas lernen und verstehen und dadurch einen besseren bezug zu etwas zu bekommen, das finde ich ich beim DIY wichtig. und schließlich auch das zusammenarbeiten mit leuten bzw. einfach das rumhängen mit leuten. im übrigen hast du recht: es ist niemals DIY sondern meistens DIWO :)

  10. IKEA ist ein gutes beispiel. da ist es ja auch eine frage letztendlich des ausgangspunktes und der exemplifikation an der ich „effektiv“ festmache. geht es mir nur darum ökonomisch (für mich) ein billiges regal zu haben und ein bischen das gefühl von selber zusammenbauen wäre IKEA effektiv. wäre mir geld kein gedanken wert und dafür hätte ich keine zeit und kein talent mir ein regal zu bauen und auch den anspruch ein genau passendes zu haben so wie ich es wünsche würde ich einen tischler beauftragen. hab ich kein geld aber viel zeit dann sammel ich material und zimmer mir eins selber. diese ausgangspunkte bewerten ja subjektiv die effektivität.
    und wie auch immer. keiner stellt das nun auch das werkzeug und das material selber her, von daher kann ja nie „richtig“ von DIY gesprochen werden.

    DWIO dann heisst das „allein weiss ich nicht weiter“. aber mit leuten zusammen heisst auch immer mit leuten gegeneinander was zu tun, bzw von einander lernen. ich würde ja behaupten das ich auch mit mir selber was lernen kann.

    Was sie dann in der Freizeit allenfalls produzieren [Marke Eigenbau, Anm.], ist kaum besser als das ominöse hobby, die Nachahmung von Gedichten oder Bildern, die […] andere besser herstellen können als die Freizeitler.

    da finde ich adorno schon ziemlich anmassend, wenn er hier eine trennung zwischen professionellen (was letztendlich ja nur aus irgendeinen grund erfolgreichen) und den hobby dichtern und malern aufmacht. beide seiten können schlechte dinge erzeugen, was immer das auch sein soll.

    @ihdl: im speziellen stellt sich auch die frage was den lohnarbeit ist? ok das ist das wovon ich als gegenleistung geld bekomme, aber das kann sich ja verschieben. gestern noch fertigte ich in meiner freizeit irgendwelche sachen an und morgen verkaufe ich diese. dann fehlt die lohnarbeit von gestern die ich gemacht habe weg.

    naja von einem künstlerischen standpunkt aus ist das eh sehr schwer zu trennen mit den arbeitszeit und freizeit. ich denke das das auch in bereichen wie der wissenschaft oder der ingineure so ist.

  11. bzgl. IKEA: genau. ich hab zb ein bisschen geld und ein bisschen zeit und relativ durchschnittliche ansprüch, da passt das. es sei denn, ich will mir selbst beweisen, dass ich sowas auch selbst from scratch bzw. von der latte auf kann :)

    zur lohnarbeit: damit meinte ich jetzt tatsächlich klassische festanstellung (das wäre das bessere wort gewesen) mit definiertem lohn zu definierter arbeitszeit. im gegensatz zu selbstständiger/freischaffender arbeit verändert so etwas meine einstellung ggü. freizeit in gewisser weise, und das obwohl ich als wissenschaftlerin mich auch sonst mit den themen meiner arbeit beschäftige.

  12. Ich denke, bezüglich des Gegensatzes von Freizeit („Was könnte man denn jetzt mal machen?“/“Worauf habe ich jetzt Lust?“) und Arbeitszeit („Wir hatten uns darauf verständigt, ein Adorno-Seminar zu erarbeiten. Dafür muss bis morgen noch…“) macht es wenig Unterschied, ob ich mich in einer klassischen Festanstellung befinde, Freiberufler bin oder „nur Freizeit“ habe. Die Trennung muss offenbar fortbestehen, weil eine Identität der beiden nur selten und temporär möglich erscheint. Das hängt, so wie ich es sehe, damit zusammen, dass Arbeit – und nicht nur Lohnarbeit, sondern auch selbstbestimmtes Schaffen – immer mit Zwang verbunden sein muss.

    Wenn einem bspw. ein interessantes Buch in die Hand fällt, wird man die ersten 20 Seiten aus purer Neugier verschlingen. Dann entscheidet man sich womöglich dafür, dieses Buch intensiv zu lesen und Exzerpte anzufertigen, weil man die Gedanken darin für fundamental wichtig hält. Aber wer hat schon Lust, jeden Tag 20 oder mehr Seiten aus einem Buch zu exzerpieren, das womöglich noch mit mehreren Büchern gleichzeitig? Wenn man irgendwo ankommen will, wird man sich also über Durststrecken hinweg zur Weiterarbeit zwingen müssen – die wiederum mit Erkenntnis und daraus entstehender neuer Motivation belohnt wird. Das ist also durchaus kein irrationaler Zwang.

    Nun würde ich die Sache so definieren: Die Zeit, in der man unter dem rationalen Selbstzwang aktiv ist, ist Arbeitszeit. Die Zeit, in der man sich selbst von diesem Zwang freistellt, ist Freizeit. Die beiden stehen nach wie vor im Gegensatz. Der Versuch, diesen Gegensatz aufzuheben, erscheint mir indes als sinnlos: Er würde ja entweder im totalen Zwang oder der generellen Unproduktivität (nicht in relevantem Maß über das Gegebene hinausgehen) enden. Es braucht also viel eher Fromen, in denen sich dieser Gegensatz adäquat bewegen kann. Lohnarbeit gehört definitiv nicht dazu. Allerdings, die gefühlte Notwendigkeit des Gegensatzes von Arbeitszeit und Freizeit zeigt sich wiederum sehr gut darin, dass viele Menschen ihr Hobby gerade nicht zum Beruf machen wollen.

    Im Übrigen glaube ich nicht, dass Adorno den Ansatz von DIY grundsätzlich negativ eingeschätzt hat – obwohl? In dem zitierten Text geht es jedenfalls erstmal um Freizeit als Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft und deren Problematik. Von da aus kann man ja nur einen negativen Bezug zu DIY aufbauen. Es scheint mir so, als ob es sich dabei eben um eine Kritik an einer DIY-Ideologie handelt.

    Ich sehe durchaus auch die positiven Implikationen des Selbsttuns. Gerade im Bereich moderner Informationstechnologie – aber nicht nur da – ist der Anspruch, nicht alles irgendwie irgendwem zu überlassen, entscheidend.

    Moment, jetzt wird es mir gerade nochmal deutlich: DIY ist Ideologie und muss deshalb kritisiert werden. Ein kritischer Umgang mit der eigenen Umwelt mag ein notwendiges Selbsttun einschließen, erhebt es aber eben nicht zu einem „three letter word“, dass man sich aufs Hemd oder and die nächtbeste Wand klatschen kann.

    Zum Thema Selbsttun und Effektivität: Nun ja, also ich denke, Effektivität kann durchaus eine bestimmtende Komponente der Entscheidung für oder gegen das Selbermachen sein. Meiner Ansicht nach trifft aber eher das zu, was ihdl als mir selbst beweisen, dass ich sowas auch selbst from scratch bzw. von der latte auf kann beziechnet hat. Der Selbstbeweis ist dabei natürlich leerer Fatalismus. Es kann sich aber eben auch um ein Selbsttun aus purem Spaß oder der Einsicht in die Notwendigkeit handeln. Da steht die Effektivität dann scheinbar doch eher hintenan.

    Was sie dann in der Freizeit allenfalls produzieren [Marke Eigenbau, Anm.], ist kaum besser als das ominöse hobby, die Nachahmung von Gedichten oder Bildern, die […] andere besser herstellen können als die Freizeitler.

    da finde ich adorno schon ziemlich anmassend, wenn er hier eine trennung zwischen professionellen (was letztendlich ja nur aus irgendeinen grund erfolgreichen) und den hobby dichtern und malern aufmacht. beide seiten können schlechte dinge erzeugen, was immer das auch sein soll.

    Das stimmt schon. Aber Adorno trifft hier doch ein Phänomen. Vielleicht ist es das der Armutsverliebtheit und Selbstgeißelung durch erschwerte Bedingungen beim quasi-professionellen Freizeitbastler (DDR). Abgesehen davon geht es hier offenbar eher um eine Kritik an dem unauthentischen Kunstschrott, den die „Mittelschicht“ im Rahmen von Zerstreuungsaktivitäten fabriziert (Hausmusik?).

  13. Ich bin im Marxschen „Kapital“ kürzlich auf eine Stelle gestoßen, die genau die Notwendigkeit eines rationalen Zwangs im Rahmen menschlicher Arbeit beleuchtet, die ich oben angesprochen hatte. Da steht nun Folgendes:

    Der Arbeitsprozeß ist […] zunächst unabhängig von jeder bestimmten gesellschaftlichen Form zu betrachten. […] Nicht daß [der Mensch] nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen [meint Arbeitsgegenstand, Anm.] zugleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muß. Und diese Unterordnung ist kein vereinzelter Akt. Außer der Anstrengung der Organe, die arbeiten, ist der zweckmäßige Wille, der sich als Aufmerksamkeit äußert, für die ganze Dauer der Arbeit erheischt, und um so mehr, je weniger sie durch den eignen Inhalt und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich fortreißt, je weniger er sie daher als Spiel seiner eignen körperlichen und geistigen Kräfte genießt.

Kommentare sind geschlossen.