Eine Bank, die zum Nachdenken bewegt?

Es geht oft schief, wenn Unternehmen sich als progressiv und tolerant darstellen, indem Personen, die heteronormativen Normen nicht entsprechen (z. B. Transleute, Schwule, Lesben …) bei der Vermarktung ihrer Produkte „zum Einsatz“ kommen – wie zum Beispiel in dieser Ikea-Werbung. Den Spot der Argentinischen Banco Provincia finde ich dagegen sweet (via bitchmagazine.org). Was meint ihr?

6 Gedanken zu „Eine Bank, die zum Nachdenken bewegt?“

  1. Ich finde den Spot schön. Er ist sanft und die Situation aus dem Leben gegriffen, was sehr einbindend wirkt.

    Einziger Kritikpunkt: eine Bank!? Wenn die Bank Kredite an jeden Menschen vergibt, mach ich mir jetzt auch auf einmal über meinen Umgang mit Menschen Gedanken? Seltsames Ober- und Unterordnungsverhältnis und ein zu hoher Stellenwert der Bank, meiner Meinung nach. In dem Kontext geb ich ihn ihr aber gerne!

    Was hältst du von der Campari-Werbung?

    http://www.youtube.com/watch?v=7TOve6swe7M

    Tolles Blog übrigens :)

  2. wow, die campari werbung ist auf jeden fall auch sehenswert. sie hat nach einem anfänglichen „aha, ästhetisch nett, spielt halt mit androgynität, ansonsten hegemoniale schönheitsbilder“ dann doch noch zwei überraschungsmomente: die frau, und dass der binder – wird das so genannt? – gezeigt wird.

  3. Campari-Werbung: Ach nö.
    Ich finds ok, wenn gender bending gezeigt wird.
    Hier wird allerdings am Ende dringend rückverwiesen auf die „richtigen“ Körper und damit essentielle Geschlechtlichkeit/Körperlichkeit. Kleider werden ausgezogen, Lippenstift wird abgewischt und die „Wahrheit“ wird enthüllt. Und da beide crossgedresst ;) hatten, wird auch nach homoerotischen Umwegen eine heterosexuelle Begehrensstruktur wieder hergestellt.

  4. Ich sehe es nur bedingt so. Sicher wird am Ende des Spots nach außen eine heterosexuelle Begehrensstruktur sichtbar. Was sich jedoch im Inneren abspielt, bleibt verborgen. Ein wechselseitiges Begehren einer eventuell lesbischen Frau, welches sich in Richtung eines schwulen Mannes entfaltet, hebt doch die Geschlechtlichkeit/Körperlichkeit gerade wieder auf und führt zu einer weitaus interessanteren Konstellation, in der eine ‚Wahrheit‘ auch weiterhin verborgen bleibt.

    Das alles zählt aber nichts aus der Perspektive der rein äußeren Betrachtung, die wohl bei Werbung im Vordergrund steht. Von daher nehme ich den Campari Spot im Großen und Ganzen auch negativ wahr.

  5. @ sealegs: Doch klar, ich finde es sehr richtig, was Du schreibst!
    Ich finde auch, dass der Inhalt sehr queer gelesen werden kann bzw. bekannte/erwartete Begehrensstrukturen sehr doll durcheinanderbringen kann. Natürlich kann ich nicht bestimmen, wie genau die zwei crossdressenden Leute sich aufeinander beziehen.
    Ich kann es nur Werbung leider nicht abnehmen, dass sie ebenfalls so differenzierbare Lesarten anbieten will. Und auf der Ebene der Sichtbarkeit kommt es dann halt doch zur „Enthüllung der Wahrheit“.
    Beispielsweise müssten sich die Personen nicht sofort gegenseitig ihre „wahren“ Körper zeigen, das Begehren funktioniert ja vorher offensichtlich auch gut ohne Ausziehen.
    Und ich meinte mit Körperlichkeit tatsächlich nicht das körperliche Bezugnehmen aufeinander sondern ganz platt die Körper, die hier in entweder weiblich oder männlich eingeteilt werden. Und da finde ich den Turn, mit dem Wegnehmen der verwirrenden Kleidung das wahre körperliche Geschlecht offenzulegen, einfach sehr schwierig.

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