Hackonomy bei der re:publica

Wie peinlich! Sich selbst beim Vortragen sehen und dann das ganze auch noch shamelessly promoten. Aber hey, für die Daheimgebliebenen … Dank Philip Steffan (robotporn, bausteln) gibt es einen Mittschnitt von Jens‘ und meinem Vortrag über Making, Crafting, Bausteln und ihr Verhältnis zum Kapitalismus.

Im Vortrag ging es uns vor allem darum, ein paar Fragen aufzuwerfen. Was ist dran an der Revolutionsrhetorik, die gerade überall auftaucht, wo über Making, DIY und co. geschrieben wird? Welche globalen Produktionsverhältnisse stehen dahinter, wie gestalten wir das gemeinsame Entwickeln und Produzieren von Dingen und wer ist dabei? Die lebhafte und vielfältige Diskussion nach dem Vortrag war super spannend für mich. Von der Freegan-Bewegung bis zum Kapitalismus als gesellschaftlichem Konsens war alles dabei. Einige nickten und fühlten sich an Debatten über alternative Wirtschaftsformen erinnert. Hard & Negri und ein Buch namens „Newtopia“ (das hab ich mir notiert, es aber nicht gefunden) wurden empfohlen. Andere fanden das meiste, was wir gesagt haben, falsch. Beim DIY entstehe vor allem unnützer Tand, darum nichts tun statt makerbot.

Manchen war es zu schwammig, aber ja: es ging uns eben um die Beschreibung eines Diskurses und um einige Überlegungen, die wir zur Brötchen- bzw. Reisfrage in den Raum gestellt haben. Da sieht man ja, was dabei raus kommt :)

Video und Folien nach dem Klick!

Hackonomy – Making, Crafting, Bausteln: Endgegner des Kapitalismus? from bausteln on Vimeo.

Hackonomy – wann ihr weiterklickt, müsst ihr selbst entscheiden

Die offiziellen Videoaufzeichnungen aus den großen Räumen gibt’s bei youtube, einige Videos aus den Workshopräumen bei Philip auf vimeo und Audiomittschnitte bei netzpolitik.org.

8 Gedanken zu „Hackonomy bei der re:publica“

  1. Jetzt muss nur noch einer so ein Dingens bauen, was die Folien bei Slideshare an der richtigen Stelle weiterklickt.

  2. Danke für die Doku (ich war daheim geblieben).

    Es herrscht die Meinung vor, jenseits von Kapitalismus kann es nichts geben, weil da nichts ist. Diese Tautologie hat was und verweist auf das Problem: Etwas völlig *Anderes* kann nur im *Gegebenen* entstehen und kann damit nicht etwas *völlig* Anderes sein. Deswegen ist es eine völlige Überforderung von einem winzigen Beginn eines Andereren, wie z.B. Hackism, zu fordern, es müsse in jeder Hinsicht das schlechte Alte hinter sich lassen. Das kann nicht gehen. Gleichzeitig müssen auch bei den beginnenden neuen Entwicklungen, Keimformen, die Defizite aufgezeigt werden, um der weiteren Entwicklung die Chance zugeben, tatsächlich eine Alternative aufzubauen. Die zu diskutierende Frage ist also immer die nach den Potenzen.

    Dazu gibt es dann aber auch schon ein Menge, dass ihr beide nicht zu kennen scheint. Jedenfalls hat mich gewundert, dass nichts (fast nichts: Friederike Habermanns „Halbinsel“-Buch wurde kurz erwähnt) davon bei euch auftauchte. Seit ein paar Jahren sammeln wir genau dito: Keimformen, Neues im Alten, hier: http://www.keimform.de

    Zwei Stichworte: Commons-Diskurs, Peer-Produktion

    Jetzt noch inhaltlich zu eurem Vortrag. Nee, Kathrin, Wirtschaft sind nicht die »Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung menschlicher Bedürfnisse dienen« bzw. die »Gewinnung und Verteilung von Ressourcen aller Art«. Das ist WiWi-Dogmatik. Es blendet aber die zwei Drittel der gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten (»Einrichtungen und Handlungen« und »Ressourcen«) aus, die gemeinhin _nicht_ als Wirtschaft betrachtet werden und manchmal begrifflich als »Reproduktion« (Lebensgemeinschaften, Freizeit, unbezahlte Tätigkeiten….) von der »Produktion« abgespalten wird. Ich dachte, dass Queer-Theorie u.a. auch das sichtbar macht…

    Nun kannst du das auch umdrehen und diese ausgeblendeten zwei Drittel als »andere Formen des Wirtschaftens« bezeichnen, um sie definitorisch reinzuholen. Ein wenig klang dein Vorschlag, das »eigene Handeln als Wirtschaften wahrzunehmen«, danach. Das finde ich aber geradezu gruselig. Lebensgemeinschaften/Familien wie ein Wirtschaftsunternehmen betreiben? Horror! Frigga Haug hat das mal ziemlich gut auf den Punkt gebracht (ausm Kopf): Wirtschaft=Zeitsparlogik, Familie=Zeitverausgabungslogik.

    Die umgekehrte Denkrichtung finde ich viel wichtiger: Produktion zur Befriedigung aller menschlichen Bedürfnisse nach der Zeitverausgabungslogik. Das passt auch viel besser zu Hacktvism und Peer-Produktion. — Auch wenn wir die Wirtschaft erstmal nicht so schnell loswerden.

  3. Ich bin ein bisschen verwirrt.

    Wirtschaft sind nicht die »Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung menschlicher Bedürfnisse dienen« bzw. die »Gewinnung und Verteilung von Ressourcen aller Art«. Das ist WiWi-Dogmatik. Es blendet aber die zwei Drittel der gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten (»Einrichtungen und Handlungen« und »Ressourcen«) aus, die gemeinhin _nicht_ als Wirtschaft betrachtet werden und manchmal begrifflich als »Reproduktion« (Lebensgemeinschaften, Freizeit, unbezahlte Tätigkeiten….) von der »Produktion« abgespalten wird.

    Ich bin der Meinung, das nach diesem Wirtschaftsbegriff viele Teile der Reproduktionsarbeit auch gemeint sind. Wenn ich für meine Freund_innen koche, oder mit ihnen zusammen, dann ist das nach dem Begriff auch Wirtschaften. Ich habe aber nicht davon gesprochen, dass „Wirtschaften“ immer bezahlt, rationalisiert etc sein muss. Die Trennung von Produktion und Reproduktion wollte ich damit auf keinen Fall wieder aufmachen.

    Du hast Recht: Wir sind in diesen Debatten gar nicht so tief drin (und nehmen uns trotzdem das Recht, über das Thema zu sprechen, OMG!! ;-) ). Aber ich kann ja nachfragen, denn ich verstehe nicht, warum mein Wirtschaftsbegriff von dir als WiWi Dogmatik gelesen wurde, und warum du denkst, dass „über das eigene Handeln als wirtschaften“ nachdenken als Konsequenz heißen muss, dass ich mein Unternehmerinnentum ausbaue? Es kann ja auch heißen, darüber nachzudenken, dann dort gerade die Alternativen zu stärken – das heißt dann aber nicht, „nicht wirtschaften“, sondern „anders wirtschaften“.
    Was ist denn dein Wirtschaftsbegriff?

  4. Du hast recht, implizit habe ich mich mit dem »gemeinhin« auf die mit dem Geldverkehr verbundene Wirtschaft bezogen (was auch aus dem Wikpedia-Begriff spricht, der Grundlage deiner Def. ist). Dass du explizit nicht den Geldverkehr meinst, ist mir nicht klar geworden. Die Wiwi geht vom Geldverkehr aus.

    Dann finde ich aber deine Lösung, das Kochen für die Freund_innen mit den Begriff reinzuziehen, sehr problematisch — wie beschrieben: Kochen als Job für Geld in einer Kantine ist was komplett anderes als Kochen für Freund_innen, um einen schönen Abend zu genießen. Diesen Unterschied ums Ganze verunsichtbarst du, wenn du quasi alles (ich übertreibe jetzt) zur Wirtschaft erklärst.

    Ich gehe schon auch vom traditionellen Wiwi-Wirtschaftsbegriff aus (geldregulierte Produktion, Verteilung und Konsumtion von Gütern als Waren). Ich ziehe nur einen anderen Schluss, was eine mögliche Alternative angeht: »nicht wirtschaften«, weil »anders wirtschaften« immer noch Wirtschaften ist. Die WiWi-Dogmatik besteht darin, dass unterstellt ist, anders als »wirtschaftlich« können die notwendigen Tätigkeiten in einer Gesellschaft nicht organisiert werden (obwohl es faktisch nicht stimmt, was sogar das Statistische Bundesamt zeigt). »Wirtschaft« ist das Normale, ist das Quasi-Natürliche, das ich dekonstruieren will.

    Für Freund_innen kochen, Freie Software entwickeln und Hackivism (nein: keine Hackonomy) genießen sind nach dem Wiwi-Begriff im engeren Sinne keine Wirtschaftstätigkeiten, obwohl sie gewiss eine Schnittstelle zur Wirtschaft haben (müssen): Kochzutaten und -infrastrukturen einkaufen, Rechner kaufen, Bauteile kaufen — und: Geld verdienen, um das alles kaufen zu können. Aber die Tätigkeiten selbst sind keine Wirtschaft, und das ist gut so und nicht schlecht, Chance, nicht Manko.

    Ich denke, dass wir auch nur so die faktische Sphärenspaltung von (männlich konnotierter) öffentlicher, rationaler, produktiver Sphäre und (weiblich konnotierter) privater, emotionaler, reproduktiver Sphäre aufgebrochen bekommen, wenn »Produktion« nicht-ökonomisch wird und nicht, wenn »Reproduktion« ökonomisch wird (das jetzt in der Sphärenspaltung gesprochen). Und das erstes gehen kann, ist IMHO die interessante keimförmige Potenz, die bei euch leider nicht vorkam. Was wir brauchen, sind nicht »neue ökonomische Identitäten« (das ist ja fast Marketing-Sprech), sondern neue menschliche Identitäten — wenn überhaupt noch Identitäten, dann eh keine kollektiven mehr.

    Trotzdem hat mir euer Beitrag gefallen, das muss ich auch mal sagen, weil es sonst zu kritisch rüberkommt.

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