Halt deine Daten zusammen?

Gestern war ich beim einem Kongress von Campus Grün zum Thema Datenschutz eingeladen. „Halt deine Daten zusammen und pass auf dich auf!“ hatte ich den Workshop genannt, in dem es weniger um Gender und Soziale Netzwerke als um den Kontrollverlust, unterschiedliche Perspektiven auf Datenschutz und sinnvoll Strategien des Empowerments gehen sollte. Ich hatte einige Überlegungen vorangestellt, die im Anschluss kontrovers diskutiert wurden. Es ging zum einen darum, dass Datenschutzdiskurse von abstrakten Bürgern und ihren Schutzrechten ausgehen, dabei aber oft sehr mahnend und erzieherisch agieren und dabei Gefahren selten anhand von Szenarien konkret vorstellbar machen. Nur der auf Facebook spionierende Chef kommt natürlich immer wieder vor. Vor diesem Hintergrund wundert es mich nicht, warum die Schere zwischen Datenschutzbewusstsein und den Nutzungspraxen zum Teil sehr zu klaffen scheint und es würde mich auch nicht wundern, wenn viele sich insgeheim ein bisschen dumm vorkommen, weil sie das Problem nicht sehen.
Die andere Seite der Medaille ist die abschreckende Wirkung, die Datenschutz- und Privacydebatten auf Nutzer_innen haben, die sich bislang noch nicht ins Netz trauen. Darüber habe ich vor einiger Zeit schon mal etwas geschrieben. Es ging mir gestern also darum, die Diskussion ein bisschen in die Richtung der Vermittlung zu lenken – auch der Vermittlung zwischen datensparsamen Auskennern und diesen Menschen, die im Netz belangloses Zeug mitteilen, dass niemanden interessiert.

Im Laufe unserer Diskussion kristallisierten sich vier Punkte heraus, die mir wichtig sind:
1. Es bringt nichts, Nutzer_innen für ihren unbedachten Umgang zu dissen. Vielleicht haben sie gut überlegte Gründe dafür, das Zeug so zu benutzen, wie sie es tun. Offen sein schadet nichts. Es ist nicht automatisch Naivität wenn jemand anders handelt als man selbst es für richtig hält.
2. Leute zum Handeln bringen ist besser als ihnen Angst zu machen. Aus Spaß am Gerät entsteht Zutrauen in die eigenen Kenntnisse und dann wollen sich Leute bestimmt auch irgendwann mit den cooleren, aber vielleicht auch komplexeren Möglichkeiten, ihre Kommunikation zu gestalten, beschäftigen.
3. Vielfältige Szenarien entwerfen, um Datenschutz- und Privacyprobleme zu vermitteln und auch mal konkret werden. Das erfordert Kreativität aber könnte helfen.
4. Attraktive Alternativen aufbauen, wenn es Sinn macht und Infrastruktur sowieso vorhanden ist (z.B. Jabber Server für die Fachschaft). Die Betreiber_innen dieser alternativen Angebote müssen sich aber auch kritisch damit auseinandersetzen, wie sie mit dieser Machtposition umgehen.

Das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber als Anregung taugt’s vielleicht. Mir erscheint es jedenfalls wichtig, von der Strategie wegzukommen, die weiland meine Oma an den Tag legte, wenn ihre Töchter oder Enkelinnen am Wochenende ausgingen: „Halt deine Beine zusammen!“