iPhone identity

„Weil es ist ja nicht so, dass es die Welt in einer Art und Weise verändern würde, dass jemand, der kein iPhone hat darunter zu leiden hätte“
(Holgi in NSFW014)

Schon verrückt, wie aufgeladen das Thema iPhone nach all den Jahren immer noch ist. Es erregt die Gemüter, jede_r hat eine Meinung dazu und dieses Antennenproblem ist wahrscheinlich um Haaresbreite an der Tagesschau vorbeigeschrammt. Die Eigenschaften mobiler Internetgeräte lösen nach wie vor großes Staunen aus. Das fällt mir auf, wenn ich nebenbei erwähne, eine Email in der Straßenbahn gelesen zu haben oder wenn mir jemand eine Wegbeschreibung ausdrucken und ich mit Verweis auf Google maps dankend ablehne. Wenn ich mein iPhone aus der Hosentasche nehme passiert es ständig, dass Leute ein Statement abgeben: Warum sie sich keins kaufen und warum sie keins brauchen. Es ist ja wirklich nicht so, dass ich rumlaufe und frage „Guck mal, ein iPhone, warum hast du eigentlich noch keins?“ Woher kommt dieser Impuls?

Vermutlich ist das iPhone ein Grenzobjekt der digitalen Gegenwartskultur – ein Objekt, dass die Gedanken bevölkert und zu dem man sich positioniert, um etwas über seine Identität auszusagen. Und damit ist es eben nicht so einfach, wie Jonathan Man es in seinem Song darstellt:

6 Gedanken zu „iPhone identity“

  1. Ich denke, die von Dir beschriebenen Reaktionen entstehen durchaus auch aus dem Grund, dass der Besitz eines iPhones ein Statement über die individuell zur Verfügung stehenden Geldmittel darstellt. Solch ein Statement provoziert eben Reaktionen.

    Apples Imagewandel hin zur Marke für schicke Statussymbole trägt dazu bei, dass das iPhone in der gesamten Gesellschaft heute viel eher als eine Demonstration von schickem (und kostspieligem) Lifestyle angesehen wird, denn als ein schlicht sehr funktionales und hilfreiches Werkzeug, als das Du es wahrscheinlich wahrnimmst.

    Innerhalb der bereits schon länger technik- und netzaffinen Sphäre erzeugt ein gezücktes iPhone (wenn es nicht gerade das brandneue Modell ist) doch keine deutlichen Reaktionen mehr, oder?

    PS: Danke für die Podcast-Folge über das Thema „Geld“. Sollte, in dem von Euch gesetzten Kontext, tatsächlich viel öfter thematisiert werden.

  2. Hm. Ich hab natürlich auch ne Meinung zu den Dingern. Frage mich aber vor allem bei Deinem Artikel: Ob mensch den Menschen mal verraten sollte, dass auch andere Jeräte diese Funktionen haben (Mails lesen, Orte nachsehen)? Ist ja auch nicht so, dass ein Konzern dat für sich gepachtet hätte…

  3. Nach den stark gestiegenen Verkaufszahlen von Android-Handys kann man ja hoffen, dass sich die Sphären „teures Statussymbol“ und „mobiles Kommunikationsgerät“ durch eine breitere Auswahl an Geräten (und deren Kosten) so langsam demokratisiert.
    Daher würde ich auch Nicolas zustimmen: Vermutlich braucht es eine Firma wie Apple, um eine gewisse Geräteklasse erst einmal über den Umweg der Begünstigten zu etablieren. In einem zweiten Schritt kommt dann der Rest nach.

  4. @kteatime stimmt, im moment ist das iphone einerseits noch pars pro toto, es steht für die ganze klasse der „smartphones“, andererseits verdeckt es sie aber auch noch ein bisschen. das ändert sich gerade aber stark. vielleicht brauchte es auch die konzentration auf eine marke um dies idee „internet so richtig im handy dabei haben“ irgendwie bekannt und verhandelbar zu machen.
    und klar, die preisfrage auszublenden ist ein bisschen selbstwidersprüchlich. aber erstaunlich oft höre ich doch „ich brauch mein handy nur zum telefonieren und zum sms schreiben“ und seltener „es is mir einfach zu teuer“ – und das in kontexten wo „etwas zu teuer finden“ kein problem ist zu sagen.

  5. Ich musste heute spontan noch mal an deinen Beitrag denken.
    Heute war ich mal wieder in Sachen Kinderbetreuung unterwegs, es gab einen Ausflug. Auf dem Rückweg sind wir durch das beschauliche Wetter (relativ kleine Stadt in der hessischen Provinz) gefahren, neben mir ein Junge, ca. 12 Jahre alt, der neben mir saß, weil er viel Unfug getrieben hat. Wir fuhren vorbei ein zwei Teenagern, einer davon hatte ein iPad in einer Hülle in der Hand (ich konnte das iPad auch nur schlecht erkennen). Und plötzlich spring der Junge auf, mit den Worten „Der hat ein iPad“ und fängt an gegen die Scheibe zu schlagen, um die Aufmerksamkeit des iPad-Besitzenden zu erregen. Ich war ziemlich, naja schockiert trifft es nicht richtig, aber so in der Richtung.

    Die Kinder fragen auch immer nur bei iPhones, ob das ein iPhone ist und ob sie’s mal sehen dürfen. Andere Telefone sind komplett uninteressant, egal was sie können. An sich finde ich es eigentlich nur beachtlich, weil ich in meiner Naivität nicht gedacht hätte, dass der iPhone-Hype auch schon bei Kindern zwischen 8 und 12 angekommen ist. Gerade weil ich nicht sooo viel Werbung mitbekommen habe und ich annehme, dass die Kids nicht den ganzen Tag Bitundso hören und Heise lesen ;)

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