Kaffee und kolonialrassistische Kontinuität

Dass bei mancher Edeka-Filiale kein Gespür für Eurozentrismus und Rassismus vorhanden zu sein scheint, wissen geneigte Leser_innen dieses Blogs schon seit Alibabas Ananasshow (dieser Artikel bringt im übrigens immer viele Leute über das Suchergebnis zu „Ananas schneiden“ auf die Seite). Im Edeka hier in der Nähe gibt es seit längerem Kaffeespezialitäten von Becking Kaffee. Die Hamburger Firma schmückt ihre Verpackungen mit einem klassisch kolonialrassitischen Motiv: Einem dienenden Schwarzen Jungen.1

Ich hatte vor einiger Zeit eine Email an Becking Kaffee geschrieben, die bis heute leider unbeantwortet blieb.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Beim Einkaufen im Supermarkt bin ich auf Ihre Kaffeeprodukte aufmerksam geworden und habe mich über das Motiv auf dem Etikett geärgert.

Meines Erachtens reproduzieren sie damit das kolonialrassistische Stereotyp des unterwürfigen, dienen Schwarzen Jungen/Sklaven. Ich finde es höchst problematisch, solche Motive zu verwenden, gerade wenn man selbst eine privilegierte weißen und europäischen Position inne hat und in einem Land wie Deutschland ansässig ist, das selbst eine imperialistische und kolonialistische Vergangenheit hat.

Eine solche Abbildung mag „romantisch“ wirken und an die gute alte Zeit und Kaffeetradition erinnern. Doch letztlich ist dies ein äußerst verklärendes Bild auf eine Zeit, in der europäische Staaten Menschen im „Rest der Welt“ unterwarfen, unterdrückten und ausbeuteten – all dies vor dem Hintergrund einer Ideologie, welche diese Politik als „Zivilisierung“ scheinbar rückständiger „Wilder“ legitimierte. Bis heute wirkt sich dieses Denken auf die Machtverhältnisse innerhalb von Gesellschaften und in der ganzen Welt aus.

Ich bin der Meinung, dass ein Motiv, wie ich es auf Ihren Kaffeepackungen sehe, nicht nur an diese Zeit erinnert, sondern Stereotype aufrechterhält, die zu einer rassistischen Weltauffassung beitragen. Sie werden vermutlich erwidern, dass diese rassistische Konnotation von ihnen nicht intendiert war, und ich glaube Ihnen das auch. Die Wirkung von Bildern und Äußerungen hängt jedoch nicht von der Intention derjenigen ab, die sie verbreiten.

Ich finde den Gedanken daran, dass Schwarze Kinder in unserer Gesellschaft Menschen, die ihnen in Bezug auf die Hautfarbe ähnlich sehen, lediglich auf Plakaten von Hilfsorganisationen, oder auf Kaffeeverpackungen als unterwürfige Diener sehen, erschreckend und beschämend.

Aus den oben dargelegten Gründen möchte ich Sie dazu auffordern, über ein Neudesign Ihrer Verpackungen nachzudenken.

Mit freundlichen Grüßen,

Kathrin Ganz

Dieser Briefwechsel wird von mir öffentlich geführt. Mein Schreiben sowie Ihre Antwort werde ich zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen.

Apropos Kaffee: Der Chaosradio Express Podcast #119 zum Thema ist wirklich hörenswert.

  1. Ich habe mich dagegen entschieden, das Foto direkt in den Text zu posten. []

4 Gedanken zu „Kaffee und kolonialrassistische Kontinuität“

  1. Ich kann auch nicht verstehen, warum man noch im 21. Jahrhundert mit kolonialer Romantik noch Werbung macht, dabei geht der Trend doch eindeutig in Richtung Öko.
    Übrigens, der Kaffee Podcast ist wirklich gut.

  2. He Kathrin,
    wo denn? In hh, st pauli. Hab angetestets, ob er nicht im schlichten Gold besser aussieht. Ich fands besser ;) kannst du ja mitmachen..
    Das Schreiben bringt bestimmt nix. Vielleicht ne Petition?

    Mäxchen

  3. der artikel ist ja schon ein paar jahre alt … auf das schreiben gab es keine antwort.

  4. Ja aber der kaffee steht immer noch in den regalen. Schreiben interessiert die nicht, mehr etwa was eindruck hinterlaesst, einen direkte aktion.
    Nehmt EDEKA ihn aus den regalen nicht, muessen wir das machen. Just do it by ourself.. wir machen einer liste von den edekas in hamburg und „holen“ die da raus :-)
    Sarotti haben die den mohr verboten, dass ist zwei jahr her, u remember ;-)

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