„Milk“ & „The Times of Harvey Milk“

Nach dem ich letzte Woche in der „Milk“ Preview war, hatte ich heute Abend die Gelegenheit, die Dokumentation von „The Times of Harvey Milk“ von 1984 zu sehen. Die beiden Filme so kurz nacheinander zu sehen, war sehr interessant. Zuallererst: Super gemacht, Mr. Penn. Die Mimik, die lachenden Augen und die manchmal leicht wegbrechende Stimme erkennt man wieder, wenn man das Archivmaterial in der Dokumentation sieht. Dazu kommt, dass Penn in seiner Rolle als Harvey Milk viele O-Töne spricht, die auch in der Doku vorkommen. Also ich sag mal, das mit dem zweiten Oscar für die Beste männliche Hauptrolle geht von meiner Seite aus klar. Die Dokumentation und der Film erzählen die selbe Geschichte, und sind sich in vielen Punkten sehr ähnlich, auch wenn die Doku mehr von dem erzählt, was nach dem Mord von Milk und Bürgermeister George Moscone passiert ist.

Ein Punkt ist mir allerdings aufgefallen. Es geht um die Frauen. Während es in „Milk“ viel um den schwulen Kreis um den Aktivisten und Kandidaten Harvey Milk geht, um seine Freunde und Lebensgefährten, kommen in der Dokumentation viel mehr Frauen zu Wort, die ebenfalls Wegbegleiterinnen und Supporterinnen waren. Die einzige Frau, die in „Milk“ eine Rolle spielt, ist Anne Kronenberg(Frisur super getroffen!). In der Doku kommen aber auch Jeannine Yeomans und Sally M. Gearhart vor. Letztere spielten beim Kampf gegen Proposition 6, als es um ein Berufsverbot für homosexuelle Lehrer_innen ging, eine wichtige Rolle. Andererseits wird in der Doku die Sängerin Anita Bryant, die die Kampagne „Save Our Children“ gründete und eine zentrale Figur in der amerikanischen Anti-Gay-Rights Bewegung war, soweit ich richtig aufgepasst habe, nur am Ende kurz in einem O-Ton von Harvey Milk benannt. „Milk“ ist also „schwuler“ als die Dokumentation, und er erzählt eine kohärentere Geschichte, da die Zeit zwischen den Ereignissen durch Dialoge gefüllt wird, und dadurch alles etwas straffer wirkt. Dabei tritt Milks Engagement für andere Minderheitenthemen und der Kontext, in dem seine Arbeit als Stadtrat stand – durch die Umstellung der Wahl von einer Stadtweiten Wahl auf eine Wahl der Stadträte durch die Bezirke kamen einige Vertreter_innen von Minderheiten ins Amt – leider ein bisschen in den Hintergrund.

Ich mochte beide Filme sehr gerne, denn ich stehe auf Leute, die sich für politische Ziele begeistern, und habe keine grundlegende Abneigung gegen Leute, die sich in den Politikbetrieb wagen. Also geht in „Milk“ und wenn sich die Gelegenheit ergibt, schaut euch auch „The Times of Harvey Milk“ an. Es lohnt sich.

Ein Gedanke zu „„Milk“ & „The Times of Harvey Milk““

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