Netzferne

Kleiner Nachtrag noch zur Feminismus 2.0 Veranstaltung, die ich letzte Woche in Bremen besuchte: Inhaltlich für mich nichts neues – but that’s okay i guess. Interessant fand ich aber die Gespräche mit anderen Besucherinnen, die meisten davon eher „netzfremd“ und nicht mit feministischer Netzkultur, Blogs und „unseren“ Netzwerken auf twitter, facebook, Mailinglisten und Treffen vertraut. Einige erzählten, dass sie selbstverständlich das Internet nutzen (mit einem Augenzwinkern: „ich hab auch Email und so“) und vor allem die Seiten von Printzeitungen- und Zeitschriften regelmäßig besuchen. Lust, tiefer einzutauchen, war weniger zu verspüren. Wie kommt’s? Auf Spiegel Online, Zeit.de und co. werden Artikel gelesen, aber auch die Kommentare. Dort vermissen meine Gesprächspartnerinnen wirkliche Diskussionen. Jeder verkündet nur seine Meinung und setzt noch einen drauf, alles wirkt männerdominiert. Und schon ist die Lust auf Internet vergangen, wen wundert’s.

Mir ist noch ein zweiter Grund, sich vom Netz fern zu halten, begegnet: Der Datenschutz! Die Sicherheit! „Man hört ja immer so viel.“ „Ich will nicht, dass jeder meine Daten googlen kann.“ Vielleicht werden wir eines Tages sagen, dass das eine schlaue Haltung in weiser Voraussicht war. Das glaube ich aber nicht. Auf Nachfrage erschienen mir die Ängste sehr diffus und ich versuchte zu erklären, warum ich im Netz eine öffentliche Person bin oder anders gesagt: Selbstbewusst bestimmte Daten in die Hände des Netzes gebe. Die native Informantin der digitalen Welt geht mit gutem Beispiel voran, dachte ich mir. Schade jedenfalls, wenn die aktuellen Diskussionen über Datenschutz und Privacy so rüberkommen, dass sie Leute davon abhalten, das Netz für sich zu entdecken und im Umgang damit ihre Handlungsmächtigkeit weiter zu entwickeln, statt in der Angst zu verharren.

Nachtrag: Antje Schrupp hat etwas sehr passendes zum Thema geschrieben: Was sollen denn die Nachbarn sagen? Jetzt frage ich mich, warum ich eigentlich keine handgemalten Antje-Schrupp-Flyer an dem Abend verteilt hab. Ihr Blog würde den Ladies sicher gut gefallen.

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