nrrrdz000001: woher wohin

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nrrrdz ist da!!!111einself! Marlen (vom heiter scheitern Podcast) und ich unterhalten uns über Feminismus und Netzkultur. In der ersten Folge sprechen wir darüber, was wir mit dem Podcast vorhaben, wie wir ins Internet geraten sind, und was Geschlecht mit dem Zugang zu Technik und zum Netz zu tun haben könnte. Wir erinnern uns an die Utopie des Internet als geschlechtsneutralem Raum und überlegen, warum nichts daraus geworden ist, und wie wir das finden. Zum Schluss präsentieren wir den Facepalm des Monats, dieses Mal mit Mobile Macs.

 

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Der Feed für den Podcast (http://www.iheartdigitallife.de/feed/podcast/) müsste jetzt funktionieren. Falls ihr noch Probleme habt, und zum Beispiel diese Weiterleitung zum Eintrag über den Addicted to Race Podcast noch mal auftaucht, seid so lieb und sagt mir Bescheid. Nrrrdz ist jetzt auch im iTunes Podcastverzeichnis.

16 Gedanken zu „nrrrdz000001: woher wohin“

  1. Vielen Dank für diese tolle Premiere!
    Ich habe viel gelernt: Körbchengröße und Pillenwissen als Extra-Fragerunde, wenn erster Online-Community-Login als Frau für fehlgeschlagen erklärt wird. Wow!

    Zu den Mobile-Macs-Mackern mit ihrer Quicktime-Zicke noch ein Wörtchen: ihr seid vor allem auf die Repräsentation von Weiblichkeitsbildern übertragen auf Technik eingegangen. Ich halte es auch schon für eine sexistische Struktur (als Voraussetzung), wenn die Männlichkeiten, die sich hier zum Technikpläuschchen versammlen, so wunderbar unmarkiert/unsichtbar/unbenannt bleiben dürfen und von dieser „anonymen“ und bequemen Position aus solche Dinger raushauen.

    Und noch eine Frage/Anregung: damit ich nicht Gefahr laufe, den Podcast beim Hermustöbern ständig wegzuklicken: wird es eine Download-Möglichkeit geben?

  2. Lustig: Im Kindernetz hat auch mein Internet-Bloggerleben angefangen. Da habe ich mich allerdings eher auf den Benutzerprofilen und deren Gästebüchern rumgetrieben und nicht im Forum.
    Ich finde es durchaus angenehm, euch zuzuhören und ich finde es definitiv wichtig, dass es einen Feminimus-Netz-Podcast gibt!
    Fürs nächste Mal würde ich mir jedoch wünschen, wenn ihr klarer begrenzte Themen pro Podcast habt und euch kürzer fasst. Ist mir klar, das war jetzt das erste Mal und ihr müsst euch erstmal warmreden, aber ich habe mich mehrmals ertappt wegzudriften oder ich wollte unbedingt mitreden, was ja leider nicht ging. :)
    Aber bitte weitermachen! Dann höre ich vielleicht auch mal nicht nur vorallem Musik-Podcasts. :)
    Und Facepalm ist ne super Kategorie! Wenn ich über etwas stolpere, melde ich es euch.

  3. „Ich halte es auch schon für eine sexistische Struktur (als Voraussetzung), wenn die Männlichkeiten, die sich hier zum Technikpläuschchen versammlen, so wunderbar unmarkiert/unsichtbar/unbenannt bleiben dürfen und von dieser “anonymen” und bequemen Position aus solche Dinger raushauen.“

    Anonymität ist eine sexistische Struktur? Nun ja.

    Und woher nimmst du eine Unbenanntheit der Akteure? Namensnennung auf der Seite reicht nicht? Welche Daten müssten noch angegeben werden damit die Sprecher nicht mehr „anynom“ sind?

    ———–
    Zum eigentlichen Thema: Die Abwertung die ihr wahrgenommen habt ist mir nicht aufgefallen beim hören. Viel mehr wird Tim herabgesetzt bzw. setzt sich selber herab. Er ist der alte Zausel, der seit 15 Jahren mit dem alten Quicktime gut kann, und nun kommt das neue Quicktime (die junge Braut) und will nicht mit ihm, eben weil er der alte Zausel ist.

  4. Und nach der alternativen Sichtweise noch eine persönliche Anmerkung:
    Mich hat die Bemerkung im Podcast auch etwas verwundert, der hinkende Vergleich kam etwas unerwartet. Aber warum ihr euch an dem von euch eingebrachten Begriff „Zickigkeit“ so abarbeitet ist mir etwas weit weg vom eigentlichen Text.

  5. wow! super… nrrrdz FTW!

    Aber ’n Mikro solltet ihr euch besorgen. Wenn ihr euch keins holt, mache ich ’ne Fundraising-Aktion auf betterplace auf… ;-)

  6. Moin ihr Beiden,
    ich schließe mich Steff an und gratuliere zu einem gelungenen Auftakt! Die erste Folge war schon mal toll und ich erwarte die kommenden mit Spannung.

    Ich möchte auch gerne noch was anmerken, weil ich den Eindruck habe, dass Steffs Punkt nicht wirklich verstanden wurde oder der eigentliche Punkt, so schwer klar zu machen scheint…

    Es geht hier doch nicht um Anonymität von Podcast Gestalter_innen, sondern um Positionalität (hierzu auch gerne noch mal „heiter scheitern“ hören :) und sprachliche Gewalt. Und um Verletzungen, die aus einer bestimmten gesellschaftlichen Position heraus sooooooo schwer zu verstehen sind.

    Die Analogie, ein Programm verhielte sich wie eine zickige Frau, weil der Nutzer mit ihm(Programm)/ihr(Frau) nicht mehr machen kann was er will (oder gewöhnt ist), transportiert sexistische Gewalt. Das habt ihr im Podcast ja eigentlich schon analysiert. Ich fand das Lachen der anderen, wahrscheinlich männlich identifizierten Personen, als Reaktion genau so schlimm vielleicht sogar noch schlimmer…. so nach dem Motto: ja, ja das kennen wir, Frauen, die nicht so wollen wie wir, Männer – nicht witzig, für die, die mit sich machen lassen soll!

    Darin keine diskursive und sprachliche Gewalt, also auch keine sexistischen Strukturen sehen zu können, verweist eben auf eine unmarkierte und „nicht-betroffene“ Position.
    Keine Spur von Sensibilität oder Reflektivität für die Gewalt des Diskurses, der hinter solchen Äußerungen steht!
    (zur Erinnerung: Frau = Objekt = hier gleichgesetzt mit Programm = eine Art Oberfäche, auf der sich ein Mann austoben kann)

    Ok, vielleicht hift´s, keine Ahnung. Aber ich habe es mal probiert den Punkt klarer zu machen.

    Alles Liebe für euch und
    rock on, you two ;)

  7. Mein erster Gedanke beim Lesen: Super, endlich! Mein erster Gedanke beim Hören: Super, bitte mehr davon!
    Den Rückblick in die Geschichte des Netz und eure Erfahrungen dazu fand ich auch deshalb so interessant, weil sich meine eigenen Erfahrungen teilweise sehr davon unterscheiden, während andere (und auch Überlegungen dazu) nahezu identisch sind. Da bleibt mir noch Stoff zum Nachdenken..
    Sehr gut und wichtig finde ich die Kategorie Facepalm; diesmal war es aber vielleicht etwas zu hmm.. unstrukturiert?, sodass Menschen, die sich nicht mit Feminismus, Sexismus etc. auseinandersetzen Probleme haben könnten, die Kritik nachzuvollziehen. Ich hab’s aber verstanden;-) und das ist ja auch nicht immer alles so einfach zu erklären. (Und eigentlich ist ja schon die Tatsache, dass andere Menschen etwas sexistich finden, „Beweis“ dafür, dass es sexistisch war – oder sollte es sein..)
    Freu mich jedenfalls schon aufs nächste Mal!

  8. Gleich mal vorneweg: Ich bin männlich, über einen Kommentar bei MobileMacs auf euren Podcast gestoßen und hab nur den „Facepalm“-Teil gehört. Nun hab ich allerdings den Drang, da doch mal meinen Senf dazuzugeben:

    Klar, solche Kommentare setzen die Frau auf eine Stufe mit einem Objekt und sind daher absolut sexistisch bzw. frauenverachtend. Geschenkt.

    Allerdings denke ich, dass zur richtigen Bewertung eines Zitats auch immer der Kontext gehört, und der hat mir bei euch etwas gefehlt:
    Zunächst einmal sitzen da drei Männer in einem Raum und führen ein lockeres Gespräch. Dass man da im Laufe der Unterhaltung vergisst, dass die Äußerungen hinterher öffentlich sind und Äußerungen macht, die man sich ansonsten vielleicht besser zweimal überlegt, halte ich für ganz normal.
    Sei’s drum: Bezüglich eurer Kritik ist es eigentlich egal, ob man so etwas nun öffentlich oder nicht öffentlich äußert oder auch nur grundsätzlich eine solche Auffassung vertritt.

    Ich denke nur, hier muss man beachten, wer das sagt: Der Vergleich kam von Tim Pritlove. Da ich seinen Podcasts nun schon eine Weile folge, denke ich, dass Tim ziemlich sicher keine solchen Ansichten vertritt, aber öfter mal etwas polemisch wird. Daher hielt ich das ganze von Anfang an für einen fragwürdigen Witz und nun wird mir klar, dass man das auch anders auffassen kann.
    Dass Tim auch anders kann und auf einer ernsthaften Ebene ganz andere Ansichten vertritt, kann man etwa im dieGesellschafter-Podcast nachhören.

    Dass in einem Technik-Podcast auch mal über andere Sachen gesprochen wird, ist doch eher erfreulich. Oder denkt ihr, dass solche Podcasts nur von blassen Nerds gemacht werden, die außer Technik nichts im Sinn haben und sich mit nichts anderem (also in diesem Fall partnerschaftlichen Beziehungen) „auskennen“? Auch das ist bei Tim im Übrigen ganz klar nicht der Fall.

    Und bezüglich des „metrosexuellen Akkus“: Ich hab den Vergleich nie verstanden, bin mir aber ziemlich sicher, dass für Homosexuelle dass gleiche gilt wie oben beschrieben.

  9. Ui – endlich hab ich das auch gehört!

    Also: Super, hat mir sehr gut gefallen und war sehr interessant.

    Das war jetzt natürlich zu billig. Um also noch etwas genauer zu werden: Es hat mir sehr gut gefallen, wie ihr euch vorgestellt habt und wie ihr ausführlich erklärt habt, warum dieser podcast nicht noch einer unter 1000en ist. Ein besonderes Positionierungssternchen für die Infos zu euren Geld-Einnahme-Quellen. ;) Genug Hintergrundinfo also, um Ambitionen und Nervpotenziale verstehen und einordnen zu können. Danke.

    Den Facepalm des Monats finde ich sehr gelungen, ihr erwischt damit ja auch ein sehr beliebtes Feld „Maschine/Technik, die in ihrer Funktionsweise verweiblicht/sexualisiert wird“. Das begegnet mir sehr häufig bei technischen Geräten und neben dem Sexismus, der über die Abwertung funktioniert, passt es ja auch noch sehr gut zu eurem podcast, weil Frauen als Technik-Nutzerinnen erst mal nicht imaginiert werden. Also: Bitte weiter machen!

    F30, weil Dein Kommentar nun vor meinem steht, antworte ich doch einfach noch mal darauf.

    Ich denke auch, dass Kontexte für Bemerkungen wichtig sind. Zu der zitierten Bemerkung gibt es allerdings auch schon genug Kontext, um sie als sexistisch zu verstehen, z.B. eine sexistisch strukturierte Gesellschaft, Technik als „Männerspielzeug“, (ausschließlich) Männer, die über Technik reden, zwei Podcasterinnen, die sich aufgrund von Erfahrungen angegriffen fühlen…

    Der Kontext, den Du als fehlend benennst (drei Männer in einem lockeren Gespräch), entlastet die Bemerkung meiner Meinung nach allerdings überhaupt nicht.
    Im Gegenteil: Ich gehe nicht davon aus, dass die drei nach Jahren der Produktion immer noch nicht gemerkt haben, dass ihre podcasts auch einer gewissen Öffentlichkeit zugänglich sind. Das Argument, die drei könnten vielleicht vergessen haben, dass sie öffentlich reden, zieht also nicht.
    Um so trauriger ist es doch dann, wenn die drei – obwohl sie ja öffentlich gehört werden – davon ausgehen, dass bestimmte Sachen problemlos sagbar sind.
    Und Du sagst ja selbst, dass es im Grunde nicht darauf ankommt, ob Sachen in einem öffentlichen oder privaten Raum gesagt werden. Sexismus bleibt Sexismus.

    Dann geht es um die Sprecher_Innenposition: Du sagst, Tim Pritlove sei öfter mal polemisch und Du hast die Aussage für einen fragwürdigen Witz gehalten.
    Fragwürdige und polemische Witze muss man sich aber leisten können. Und sie sind nicht immer für alle genauso witzig wie für die Person, die gerade daneben gehauen hat. Und wenn Tim Pritlove öfter öffentlich polemisch ist, dann wird er sich einfach damit auseinandersetzen müssen, dass andere Leute in dieser Öffentlichkeit seine Äußerungen nicht witzig finden und ggf. kritisieren.

    Und wenn jemand in anderen Zusammenhängen differenzierte Ansichten über Sexismus etc. hat, dann heißt das einfach noch lange nicht, dass keine Aussage dieser Person nun noch sexistisch sein kann. Die bei nrrrdz zitierte Aussage war sexistisch und insofern hat der Sprecher in dem Moment eine sexistische Ansicht vertreten.
    Das schließt tatsächlich nicht aus, dass man in anderen Zusammenhängen Sexismus blöd findet. Aber zwischen „Sexismus blöd finden“ und „innerhalb sexistischer Strukturen Sexismen produzieren“ liegen noch mal ein paar Welten.

    Ich fände es im Übrigen erstrebenswert, wenn Kritik an -Ismen inhaltlich ernster genommen werden würde.
    Ich sehe in dem Beitrag von Marlen und Kathrin nämlich auch die meines Erachtens tolle Möglichkeit zu kritischer Selbstreflektion.
    MobileMacs könnten sich z.B. mit den von ihnen produzierten Sexismen auseinander setzen, sie noch mal überdenken oder sich mal Gedanken darüber machen, wen sie bei mobileMacs eigentlich gerne ansprechen wollen, um in Zukunft reflektierter mit den eigenen Positionen umgehen zu können.
    Kritik also in dem Sinne als Anleitung zur Selbstverbesserung zu nehmen, ist ja eigentlich nicht so furchtbar.

    Und noch mal abschließend zu F30s Kommentar zurück: Frauen objektivieren ist sexistisch und unnötig. Ja.
    Aber eben nicht geschenkt. Wenn die nrrrdz das Gefühl haben, dieser Spruch ist sexistisch und verletzend und darf so nicht einfach stehen bleiben, dann wird er wohl sexistisch und verletzend gewesen sein. Und damit haben die beiden doch Grund genug, den gehörten Sexismus zu kommentieren und zu kritisieren.

    Geschenkt wäre, das Ganze ein weiteres Mal runterzuschlucken, zu überhören oder sich auf andere Inhalte zu konzentrieren. Und das ist auf Dauer sehr frustrierend.
    Die Umgehensweise, das zu-oft-Gehörte einfach mal in einem podcast zu bearbeiten, finde ich hingegen sehr produktiv.

    Außerdem ist es doch eine tolle Möglichkeit für andere, noch mal drüber nachzudenken, wie das, was man sagt, eigentlich so ankommt. Und ob man bestimmte Dinge nicht auch anders ausdrücken kann.

    Und Kathrin, um das auch noch mal zu sagen, nina hatte das auch schon angesprochen: Ich finde es vollkommen ok, wenn Du (oder Marlen und Du) etwas kritisierst, was Dir negativ aufgefallen ist. Ich würde da nicht davon sprechen, dass Du „Sexismus in etwas hineingelesen hast“ neben anderen gleichberechtigten Lesarten. Offensichtlich war es für Dich ja von Belang und eine unnötige Bemerkung und dann wirst Du schon richtig liegen, wenn Du daran Sexismus kritisierst.
    Ihr erklärt ja gut, warum euch der Beitrag gestört hat und damit ist der Sexismus nicht einfach eine Auslegungssache.

    Und wenn andere Hörer_Innen in dem Zitat keinen Sexismus finden oder den Inhalt nicht so schlimm oder vielleicht auch eher lustig finden, dann werden sie wahrscheinlich nicht die Erfahrungen gemacht haben, die ihr zwei als spezifisch Positionierte mit irgendwie spezifisch anders positionierten Technik-podcasts gemacht habt.
    Das hast Du für meinen Geschmack im Abschluss ein bisschen zu doll wieder relativiert.

    Punkt.
    Dieser total schwule Akku und sein effeminierter Besitzer freuen sich schon auf die nächste Folge.

  10. Macht Spaß euch zuzuhören. Weibliche Nerd’s brauchts viel mehr und eure feministische Perspektive finde ich auch interessant.

    Mag daran liegen das ich ein Mann bin, aber eure Kritik an dem Spruch von Tim Pritlove finde ich reichlich überzogen.

    Frauen untereinander reden mitunter genauso über Männer, Männer Reden so über andere Männer, Frauen reden so über Frauen. Und das ist doch auch völlg okay. Und nicht nur im Kontext seines Geschlechts ist man immer irgendwie Teil einer Gruppe und als solches muß man auch mit dem Humor der anderen klar kommen.

    Viele Aussagen des Feminismus kann ich unterschreiben, aber solche übermäßige politische Korrektheit ist in meinen Augen ein Problem dieser ganzen „Bewegung“ (und ihr Name – „Feminismus“ als Begriff ist btw. eine Katastrophe).

  11. Hätte ich mit am Tisch gesessen, hätte ich gerne die Geschichte erzählt, wie ich damals 1997 wegen einem Witz übers nackt auf dem Tisch tanzen aus dem ICQ-Lesbenchat flog, mein Frausein dann via Pillenfrage (die ich zwar korrekt beantworten konnte, wenn auch nicht aus eigener Erfahrung) nachweisen sollte, woraufhin ich – wieder zugelassen – versuchte, die Absurdität solcher Geschlechtstests im textbasierten Cyberraum zum Thema zu machen, daraufhin nicht nur erneut gekickt, sondern gleich gebannt wurde, und dann nur dank meiner gleichzeitigen Anwesenheit in einem (wie Marlen sagen würde) ’schmutzigen‘ Chat einen Kontakt zu einer Lesbenchatterin herstellen konnte, die als nächsten Geschlechtsbeweis einen Telefoncheck verlangte, bei dem meine Stimme sich als höher entpuppte als die ihre (ich ‚hörte‘ sie übrigens als Transfrau – unüberrascht, denn Transfrauen gab es damals im Lesbenchat relativ viele, aber absurditätssteigernd fand ich’s trotzdem), woraufhin ich dann am Ende sehr desillusioniert meine Aufenthaltgenehmigung im Lesbenchat wieder zugestanden bekam.

    Vielleicht hätte ich auch über meine diversen Experimente mit Geschlechtsidentifizierungsverweigerung und den dabei erfahrenen Geschlechtszuschreibungen im gemischten ICQ-Chat berichtet. Und spätestens dann hätte ich dringend Kate Bornstein und dem Internetkapitel ihres wunderbaren „My Gender Workbook“ (1998) für die Inspiration zu solchen Unternehmungen und meine anfängliche Internetutopie danken müssen. Ich war sehr enttäuscht überrascht, als ich merkte, dass kaum jemand sonst diese Utopie hegte bzw. überhaupt Interesse am Nachdenken über geschlechtliche Möglichkeiten und Grenzen im ICQ (das war für mich anfangs das einzige Internet, das ich kannte) hatte.

    Seit online fast alles bebildert (oder doch wenigstens sorgfältig layoutet) ist und sein muss, machen mir große Teile des Internets übrigens deutlich weniger Spaß als früher. Ich war gerne nur Text.

    Und weil ich ja beim Aufnehmen offensichtlich nicht dabei saß, mein Geltungsbedürfnis aber ebenfalls kaum Grenzen kennt, sah ich mich jetzt (trotz des höheren Zeitaufwands fürs getippte Wort) berufen, diese Geschichten und Gedankenhäppchen der Welt nicht vorzuenthalten.

    Jedenfalls freue ich mich auf die nächste Folge von Nrrrdz!

    Zu Arcade Fire, Sven und F30 verweise ich gern an dieser Stelle auf Derailing for Dummies und danke Heiter Scheitern für den Link dorthin, der mir in Zukunft ganz unglaublich viel Widerspruchs- und Erklärungsarbeit ersparen wird.

    So. Ich glaube, mein Geltungsbedürfnis ist für heute erstmal befriedigt.

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