racism 2005 pt. 1

Next week, there’ll be an event organized by some people of the Humboldt University in Berlin, where there had a cross-discipliary course in gender studies on „emotions“ in winter term. One of the teachers, a biologist, vehemently defended the concept of „human races“ as neutral category in science and as a biological-antrophological fact.

Some of the students left the course after a few weeks and endless discusions. They started the AG gegen Rassismus (study group against racism) and are now trying to problematize racist concepts in current biology. To support them, I post the announcement and a comment on what happend during the course by the AG gegen Rassismus.

MENSCHENRASSEN

Zur Aktualität rassistischer Konzepte in den Biowissenschaften

Veranstaltung am Donnerstag, 9. Juni 2005, 18:00 Uhr Humboldt-Universität zu Berlin (Hauptgebäude), Unter den Linden 6, Raum 2097

mit Heidrun Kaupen-Haas (Medizinsoziologin): Wissenschaftlicher Rassismus – Zeichen der Moderne
Ulrich Kattmann (Biologe): Wie die Europäer weiß wurden – Die Vielfalt der Menschen und die Einfalt, sie als Rassen zu definieren

Darin schienen sich so unterschiedliche Gelehrte wie Carl von Linné, Alexander von Humboldt, Charles Darwin und Immanuel Kant einig: Menschen ließen sich in Gruppen einteilen, deren „Schicksal“; durch „natürliche“ bzw. „vererbte“ Faktoren bestimmt seien, welche sie zu „Verlierern der Evolution“ oder aber zur „höherbegabten Rasse“ prädestinieren.

Die europäische Moderne und die Entstehung der Humanwissenschaften im 18. und 19. Jahrhundert sind eng mit einer wissenschaftlichen Selbstvergewisserung der Superiorität des weißen Oberschicht-Mannes verbunden.

Die Rassenkonstruktionen der europäischen Moderne gipfelten schließlich in den Vernichtungsideologien des Nationalsozialismus. Die Einteilung von Menschen in verschiedene Rassen ist seit eh und je ein Konstrukt zu rassistischen Zwecken. In den Biowissenschaften wandelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Menschenrassen-Konzepte: Typologische und völkische Einteilungen wurden durch genetische abgelöst, Kritik an der wissenschaftlichen
Verwendbarkeit und der politischen Bedeutung wurden problematisiert.

Doch eine genetische Zuordnung zu Rassen ließ sich mit den Fortschritten der Genetik immer weniger vornehmen. Dennoch sind heute deswegen Menschenrassen-Konzepte in den Biowissenschaften keinesfalls obsolet. „Menschenrassen gibt es.“ wurde z.B. von einem Biologie-Prof. der Humboldt-Universität im letzten Semester im Rahmen eines interdisziplinären Seminars geäußert. Zur Darstellung aktueller Auffassungen in der Biologie und zur Eröffnung eines kritischen Blicks auf die Forschungen zu Menschenrassen sollen die Vorträge und eine anschließende Diskussion dienen.

Bei Rückfragen: aggegenrassismus(a)gmx.net

Anbei noch unsere Selbstdarstellung und eine Zusammenfassung der Ereignisse, die zur Gründung unserer AG geführt haben.

Obwohl das Konzept der „Menschenrassen“ in der Biologie umstritten ist, bemüht sich ein Bio-Prof der HU vehement, es als neutrale Wissenschaftskategorie zu verteidigen. Im Wintersemester 2004/05 fand ein interdisziplinäres Team-Teaching-Seminar zum Thema „Emotionen“, vertreten durch die Disziplinen Biologie, Philosophie und Gender-Studies statt.

Schon in der zweiten Sitzung kam es jedoch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Biologie-Professor, der postulierte, es gäbe „Menschenrassen“; und einigen Studierenden, die dieses anzweifelten. Trotz der heftigen Kritik nutzte der Bio-Prof. die folgenden Sitzungen, um mündlich und schriftlich kund zu tun, dass in der Biologie das Konzept der „Menschenrassen“; völlig unumstritten sei und dass es durchaus möglich wäre, den Begriff „Rasse“ ohne jeglichen historischen Bezug zu gebrauchen. In einer Zusatzsitzung, die anberaumt wurde, weil etwa die Hälfte der Studierenden die Thematik nicht wichtig genug fand, um sie weiterhin innerhalb der regulären Seminarzeit zu behandeln, kam es dann endgültig zum Eklat: der Bio-Prof. rückte von der Darstellung nicht ab, dass es zwischen 3 und 200 „Menschenrassen“ gäbe. Er bekräftigte, dass der Begriff keine politische Dimension habe, sondern ausschließlich ein auf Fakten basierendes Konzept innerhalb der Biologie sei. Ohne Rassebegriff sei die Evolution nicht zu verstehen, so der Bio-Prof. Des Weiteren leugnete er schlichtweg, dass es dazu innerhalb der Biologie durchaus andere Positionen gibt und diffamierte sowohl diejenigen, die ihn darauf aufmerksam machten, als auch die WissenschaftlerInnen, deren Forschungen seine Argumente widerlegen. Zudem erwähnte er auf unsere Frage hin, wozu es seiner Meinung nach sinnvoll wäre, an dem biologischen Rassekonzept festzuhalten, dass es Studien gäbe, die Intelligenzunterschiede zwischen Schwarzen und weißen in den USA feststellten. Offensichtlich war er auch hier der Meinung, dass das bloße Einbringen dieser „Information“; keine Positionierung seinerseits beinhaltete. Es sei weiterhin eine genetische Komponente von Rassismus auszumachen; dieser sei den Menschen angeboren. Nicht etwa der Rassismus als solcher sei also gefährlich, sondern das Verleugnen seiner genetischen Anlage in allen Menschen.

Um dies zu belegen, verglich er Menschen mit Ratten:´fremde Ratten` würden sofort tot gebissen, wenn sie in das Territorium anderer Rattengruppen eindrängen. Dass in Biologielehrbüchern ´der Mensch` in aller Regel als weiß und männlich dargestellt und so eine andro- und ethnozentrische Norm konstruiert wird, wurde von Herrn Elepfandt mit dem Hinweis verteidigt, dass es sich um ´deutsche Bücher` handle und weiße in Deutschland die Mehrheit bildeten. Auf unsere Anmerkung, dass es in Deutschland durchaus einige Frauen gäbe, antwortete er schlichtweg nicht.

Die Diskussionen im Seminar zogen sich an diesem Punkt bereits über Wochen hin. Allerdings ging der Bio-Prof. auf Kritik von Seiten der Studierenden oft nicht ein oder konstatierte, diese sei „moralisch“, also unwissenschaftlich. Seine Vorstellung von ´Menschenrassen` stellte er als einen unbestrittenen und ´objektiven` Standpunkt in der Biologie dar. Gleichzeitig wertete er wiederholt die Gender-Studies als Studiengang ab und stellte ihre Wissenschaftlichkeit in Frage. Diese völlig unsachliche Haltung paarte sich mit seiner Unfähig- und Unwilligkeit, sich trotz mehrfacher Aufforderung politisch zu positionieren. Zudem stilisierte er sich als Opfer: zu Unrecht angegriffen und darüber hinaus als weißer Mann diskriminiert. Zum einen könne er nichts für den politischen Missbrauch des Begriffs ´Rasse` und zum anderen stelle er lediglich unserer einseitigen Kritik alternative und neutrale Informationen zur Verfügung.

All das war zu viel, und so kam es zum Bruch: ca. 20 KritikerInnen aus den Gender Studies der Philosophie und der Biologie sahen sich gezwungen den Dialog zu beenden und gestalteten fortan ein autonomes Seminar. Daraus entstand eine AG, die sich aus weißen Studierenden zusammensetzt.

Wir wollen der Lehre des Bio-Profs etwas entgegensetzen und die rassistischen Kontinuitäten in den Biowissenschaften und der gesamten Uni thematisieren. Es ist uns wichtig, die Normalität zu brechen, mit der Inhalte wie die obigen gelehrt und von vielen Studierenden als „neutral“; aufgenommen werden.

AG gegen Rassismus