Schmutzige Bücher unordentlich sortiert

Dank Amazon kann ich mir jetzt in den Lebenslauf schrieben, Mitherausgeberin einer Erotik-Anthologie zu sein. Nele Tabler ist wohl schon seit längerem aufgefallen, dass sie bei Amazon die virtuellen Bücherregale umsortiert haben. Heute twittert sie: „Nach Wochen endlich eine brauchbare Antwort bekommen: Belletristik für #Lesben + #Schwule läuft bei amazon nur noch unter Erotik“.

„Verqueerte Verhältnisse“, der 2009 erschienene Sammelband zu unserer Hamburger Vorlesungsreihe „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ ist in den Kategorien „Bücher > Erotik > Tipps für Schwule“ und „Bücher > Ratgeber > Lesben & Schwule > Schwul“ gelandet. Nina Degeles „Gender / Queer Studies: Eine Einführung“ findet sich unter anderem bei „Bücher > Erotik > Tipps für Lesben“, aber auch bei der sozialwissenschaftlichen Fachliteratur.

Eine ganz amüsante Verqueerung kategorialer Zuschreibungen, zumal nicht alle Fachbücher und Textsammlungen aus dem Bereich Queer in der Erotikecke gelandet sind. Problematisch wird es allerdings bei den Romanen und Krimis. Bellestrik mit lesbischen, schwulen, bi- oder transsexuellen Held_innen klassifiziert Amazon pauschal als „Erotik > Tipps für Schwule“ (bzw. Lesben). Oder aber sie landet in der Ratgeberecke wie zum Beispiel der Roman „Stone Butch Blues“ von Leslie Feinberg (Ratgeber > Lesben & Schwule > Coming-out). In genau diesen beiden Kategorien findet sich auch das Werk „Mein schwuler Friseur – oder wie Sie sich mit 2222 Vorurteilen über Ihre Mitmenschen lustig machen“. Das ist wirklich grotesk. Es muss doch möglich sein, dass Amazon seinen Bestand katalogisiert ohne damit Leute erneut vor den Kopf zu stoßen.

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