„the self proclaimed lesbians get their picture in the yearbook“


Zwei 17-jährige Schülerinnen sind zusammen. Ihr Foto landet unter der Überschrift „The Cutest Couple“ im Schuljahrbuch. Die Schule will das zunächst nicht zulassen, erlaubt es dann aber trotz elterlicher Bedenken. Doch es gibt es Insitutionen wie Fox-News und die Sendung The O’Reilly Factor, die sich dem Problem annehmen. Bill O’Reilly, dem Daily Telegraph zufolge immerhin Nummer 82 der 100 einflußreichsten Konservativen in den USA, diskutiert den Fall mit der Psychologin Laura Berman.

O’Reilly, bekannt für seine meinungsstarken politischen Kommentare, hofft glaubt zu wissen, dass dies alles nur eine Provokation sei. Kids machen den Erwachsenen einfach gerne Ärger. Er beruft sich dabei auf Nachforschungen. Wie schön, dass man sich in solchen Fällen noch ordentliche Recherche leistet. Berman sieht in besagtem Foto allerdings vielmehr ein Indiz für die zunehmende Anerkennung von Homosexualität: „homosexuality is becoming thankfully more normalized“. Dankenswerterweise? O’Reilly gibt zu bedenken, dass 50-60 % „des Landes“ über diese Aussage Bermans verärgert sein werden. Warum? „We don’t want to normalize homosexuality in a public way, in an academic setting – highschool – among minors.“ Und zwar aus drei Gründen. Zum einen ist da der soziale Aspekt: In Amerika sei Homosexuell zu sein schwieriger als Heterosexuell zu sein. Zum anderen gibt es Menschen, die aus religiösen Gründen der Meinung sind, dass dieser „Lifestyle“ gegen ihren Glauben verstößt. Falsch ist das beides nicht.

Kommen wir also zum dritten Punkt. Dem Sender liegt brisantes Fotomaterial vor, das uns nicht vorenthalten wird: In der Zwischenzeit wurde auf das Foto der beiden Mädchen gezoomt. Dort sieht man, wie sie Händchen halten: „an exposition of sexuality on minors […] is inappropriate in an acamdemic setting“.

Berman bringt O’Reillys Befürchtungen auf den Punkt: Die Anerkennung von Homosexualität würde dazu führen, dass mehr Menschen Homsexuell werden.

Während Berman der Meinung ist, es gehe hier doch um die Liebe zwischen zwei Menschen, hat O’Reilly den ganz dringenden Verdacht, dass diese „self-proclaimed lesbians“ uns ihre Sexualität unter die Nase reiben: „Look, Doctor: There is no reason why Brandy and Lupe had to declare themselves anything other than friends“. In die Schulen gehöre solch unangemessenes Verhalten jedenfalls nicht: „You do not define yourself in a highschool in a sexual way. Period.“

Berman trägt die Diskussion mit viel Fassung und gibt zu bedenken: „You can’t encourage it, it happens any way“. Darauf O’Reilly: „That’s the old argument, let’s legalize drugs because it happens anyway. There should be boundarys.“

Interessant an O’Reillys Äußerungen finde ich, dass er hier argumentiert, dass Homosexuelle vor der Gesellschaft geschützt werden sollten, in dem die Repräsentation von Homosexualität verbannt wird. So würden weniger Leute auf die Idee kommen, Schwul oder Lesbisch zu sein, und alle hätten weniger Probleme. Homosexualität ist schließlich – im Gegensatz zu race – eine Frage des Handelns: „There is a difference between who you are and what you do.“ Was man tut, kann man auch lassen. O’Reilly ist diskursiv aus dem Schneider. Er, Autor des Buches „Kids Are Americans Too“, will nämlich nicht, dass homosexuelle Jugendliche tyrannisiert werden. Er will sie vielmehr von der Mehrheit der Bevölkerung – die seiner Meinung nach das Recht hat, ihre homophobe Meinung zu vertreten – schützen. Im Gegensatz dazu muss sich die liberale Psychologin darauf beziehen, dass Homosexualität eine Eigenschaft ist, die einfach da ist.

Es wird deutlich, dass es die Denormalisierung von Heterosexualität wäre, die einen Bruch in diese Debatte einführen würde. Das versucht Berman ansatzweise auch, aber es geht leider unter. Das Privileg der Norm, überall auf unsichtbare Weise sichtbar zu sein, zeigt sich schon darin, dass heterosexuell auftretende Teenager nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihre Sexualität zur Schau zu stellen.

Das Video gibts bei dailymotion.com und natürlich auch bei youtube. Die Chicago Sun-Times hat auch was dazu, und falls jemand an weiteren Meinung interessiert ist, helfen Suchmaschinen.