Warum Beckstein jetzt bleiben sollte

SpOn vermeldet Chaostage bei den Christsozialen, und ausgerechnet jetzt wirft Beckstein den Hut?

Im Bundestagswahlkampf 2002 kam ich zufällig bei einer Veranstaltung des Harburger CDU Direktkandidaten und ehemaligen Verteidigungsminister Volker Rühe vorbei. Günther Beckstein war damals Innenminister Bayerns und als Redner zum Thema innere Sicherheit mit von der Partie. Er erzählte eine Geschichte aus München. Dort hatten sich im selben Jahr Punks angekündigt, um Chaostage zu veranstalten. Becksteins erfolgreiche Strategie sah vor, die jugendlichen Chaoten schon am Bahnhof von der Polizei abzufang und zu fragen, was sie in der Landeshauptstadt wollten. Großmütter besuchen, sei die Antwort gewesen. Zu ihren Omas hätte die Polizei die Jugendlichen sehr gerne gefahren. Schließlich ist Familie sehr wichtig. Nunja, die Chaoten sind dann lieber zurück gefahren, und die Chaostage fanden nicht statt – so die Erzählung Becksteins vor dem applaudierenden Harburger Marktplatz. Beckstein ist ein Chaosmanager par excellence, und auf diesen Mann will die CSU jetzt verzichten?

Im Ernst: Ein Hardliner wie Schill, gut, dass er erstmal weg ist.

2 Gedanken zu „Warum Beckstein jetzt bleiben sollte“

  1. jaja, die münchener chaostage. ich kenne die menschen, die diese erfunden haben und habe selbst mitgemacht, wochenlang die presse an der nase herumzuführen.

    es reichte aus, fünf oder zehn flugblätter zu kopieren. mit einem davon ist mensch dann über den hauptbahnhof oder durch den ostbahnhof gelaufen, und bei den obligatorischen kontrollen wurden diese beschlagnahmt. so einfach war das damals, infos zu lancieren.

    ein schöner deal war es auch, die eigens zur presseverarschung aufgesetzte webseite chaostage-muenchen.de im layout der csu-webseite zu halten. ein gefundenes fressen für die münchener presse. mich hat nur erstaunt, dass der merkur größer berichtet hat als die abendzeitung oder die münchener bild.

    ich weiß noch, wie wir ein punkkonzert am rotkreuzplatz angekündigt haben, mit vier frei erfundenen punkbands. „kotzgeburt“, „gehirnschimmel“, „bullenkacke“ und „wichsfabrik“ waren die namen der bands. drei hundertschaften waren da, um das konzert zu verhindern, aber kein punk war so doof, darauf reinzufallen.

    die chaostage waren eine riesige vorführung der polizei- und presseparanoia, schade, dass die legende der „an der festung münchen abprallenden punkerhorden“ (bild) gerade mal sechs jahre später widerspruchslos geglaubt wird.

    wenn beckstein also davon redete, dass er die chaostage verhinderte, machte er sich ziemlich lächerlich. und jede_r nicht hinterfragende muss, scheint mir, ordentlich aufs hirn gefallen sein.

    unter beckstein (als innenminister) war es normal, wenn die staatschützer dich mit namen ansprachen und wussten wo du warst. es war normal, dass mensch mehrmals am tag in eine „verdachtsunabhängige personenkontrolle“ geriet und mit den worten „bleib amoi steh‘, burschi.“ begrüßt wurde. kein mensch fand es seltsam, wenn kinder und jugendliche stundenlang in einem polizeikessel eingeschlossen wurden, weil sie ihren protest kundtun wollten.

    ich mache drei kreuze, wenn beckstein zwar nicht tot aber immerhin weg ist. jede_r ist besser als beckstein.

    wenn beckstein also das chaos managen soll, dass derzeit in der csu herrscht, dann wird erstmal das maximilianeum abgeriegelt und tränengas reingeschossen, jeder der dann rauskommt wird vom usk verprügelt und wenn beim verhör auf beschuldeigtenrechte verwiesen wird, gibt es zu hören, dass in der ettstraße schon einige aus versehen die treppe runtergefallen seien. raus kommt dann ein verahren wegen schwerem landfriedensbruch und widerstand gegen die staatsgewalt.

    mir san mir.

Kommentare sind geschlossen.