Weißsein in der Blogosphäre


Letzten Dienstag war ich auf einer Veranstaltung der FHH mit Susan Arndt, die über Kritische Weißseinsforschung sprach und sich dabei unter anderem mit den Fragen, was Rassismus mit Weißen macht und wie Weißsein durch Rassismus hergestellt wird, beschäftigte.

Susanne Arndts Text Weißsein und Kritische Weißseinsforschung, zusammengestellt aus zwei Texten des Sammelbandes Mythen des weißen Subjekts: Verleugnung und Hierarchisierung von Rassismus (2005, Herausgegeben von Maureen Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche, Susan Arndt im Unrast Verlag), ist mit sicherheit eine gute Einführung ins Thema. Aber auch der Wikipedia Artikel zu Weißsein ist umfangreich und lesenswert.

Im Laufe der anschließenden Diskussion wurde auch eine Frage zu Weißsein und Rassismus im Internet gestellt. Ich erinnere mich leider weder an die genaue Frage, noch an die Antwort. Es wurde jedenfalls daran erinnert, dass in Internetkommunikation zunächst die Möglichkeit gesehen wurde, sich zu begegnen, ohne das Geschlecht von Gesprächspartner_innen zu kennen und ohne das Gegenüber rassistisch zuordnen zu können. Also eine Kommunikation ohne Vorurteil. Dass sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat, weiß jede_r, die schone einmal in einem IRC-Channel war und dort als erstes nach „ASL“ gefragt wurde (age sex location; antwortet mensch mit „female“, ist die nächste Reaktion sehr wahrscheinlich „wanna cyber?“).

Wie es der Zufall so will stolperte ich nun virtuell über einen Artikel von Celina De León: The Segregated Blogosphere aus der April/Mai Ausgabe von Colorlines (nein, nicht die mit den Fähren). De León beschäftigt sich mit offenem Rassismus, der dann zu Tage tritt, wenn Schwarze ihr Schwarzsein im Netz sichtbar machen. Interessant ist, dass sich der Artikel auch mit dem Beispiel einer Bloggerin beschäftigt, die sich als schwarze, queere Feministin im Netz sichtbar machte und dafür immer wieder angegriffen wurde. Ein Interview mit ihr ist übrigens bei Feministing zu lesen. Leider bloggt sie seit 2006 nicht mehr.

Ganz deutlich wird meines Erachtens im Artikel De Leóns, dass auch in der Blogosphäre Weißsein als unreflektierte Norm bestehen bleibt. Und es geht hier nicht um offensichtlichen, rechtsextremen Rassismus von irgendwelche Leuten, die white supremacy offensiv fordern, sondern um linke oder liberale Blogs. Diese Beobachtung trifft für die deutsch-schreibende Szene doch auch zu.

Eine Anschlussfrage, die sch mir nun stellt, ist: Gibt es einen Konflikt zwischen der Forderung nach Situierung und Positionierung und dem Wunsch nach bzw. der Notwendigkeit von Anonymität im Netz?

Gibt es in deutschsprachigen Blogs eine Debatte oder auch einzelne Beiträge über Weißsein als unreflektierte, unsichtbare Norm? Für Hinweise bin ich sehr dankbar! Aber erst technokratie ich das jetzt mal.

3 Gedanken zu „Weißsein in der Blogosphäre“

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung und die Hinweise; wenn ich von der Veranstaltung früher gehört hätte, ich hätt‘ glatt darauf hingewiesen,
    Viele Grüße,

    Riemer

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