Hassloch, 1996

Eines der ersten Themen hier im Blog, acht Jahre ist das her, war das African Village im Augsburger Zoo. Im Zuge der damaligen Thematisierung von kolonial-rassistischer Kontinuität im Stile der Völkerschauen kam eine Erinnerung in mir hoch. Es muss Ende der 80er, Anfang der 90er gewesen sein, als ich mit meinen Eltern den Holiday Park im rheinland-pfälzischen Hassloch besuchte. Ich erinnere mich, dass es dort ein „Liliputdorf“ gab, in dem Menschen gelebt und gearbeitet haben. Ich war mir jedoch unsicher, ob sich meine Erinnerung an den Freizeitpark mit Fiktion vermischt hatte. Vielleicht hatte ich zu der Zeit einen alten Film gesehen über den Zirkus gesehen? Ich recherchierte ein bisschen, fand aber nichts heraus.

Über Ninia la Grande bin ich vor kurzem dann aber auf den Artikel „Besuch in der Kleinstadt“ im SZ Magazin gestoßen.

Autor Till Krause teilt meine Kindheitserinnerung. Sie führte ihn zu Brigida Saar, die zwanzig Jahre lang im Holidaypark lebte und sich täglich den Blicken von Besucher_innen wie mir ausgesetzt war. Keine Privatsphäre, keine Rückzugsmöglichkeiten. Die Bewohner_innen konnten den Park noch nicht einmal abends verlassen. Das „Liliputdorf“ wurde erst 1996 geschlossen. Arbeitsbedingungen, die undenkbar sind, basierend auf der Entmenschlichung des Anderen. Niemals weit weg.

In den Kommentaren finden sich auch Stimmen, die es bedauern, dass das Dorf geschlossen wurde: Der Park sei mittlerweile nicht mehr „authentisch“, sondern „austauschbar“.