Re:publica 09: Der Mittwoch

Warum, so schießt es mir mitten in der Nacht durch den Kopf, wurde am ersten Tag der re:publica 2009 nicht ein Thema wie Netzzensur und das EU Telekom Paket diskutiert? Ein Thema, dass aktuell ist, die Anwesenden betrifft und interessiert und zu dem Expert_innen etwas zu sagen haben, dass das interessierte Publikum nicht schon seit Jahren in Blogs, auf Twitter, in Zeitungen und im Freundeskreis diskutiert.

Statt dessen war der erste Konferenztag geprägt von Diskussionen, die irgendwie keine waren, und Themen, die 2007 vielleicht noch jemanden hinter dem Ofen oder Laptop hervor gelockt hätten. Nach langweiliger Standort-Werbung von Petra Müller einer ganz guten Keynote von Johnny Häusler von Spreeblick und einem wirklich interessanten Vortrag von John Kelly, der in „Mapping The Global Blogosphere“ die Forschungsarbeit von Morningside-Analytics vorgestellt hatte, ging es um „Blogs in Deutschland. Status Quo und Ausblick“. Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl, Robert Basic und Sascha Pallenberg auf dem Podium redeten darüber, ob die deutschsprachige Blogosphäre zu langweilig ist, zu wenig content produziert wird, fragten sich, wo die Nachwuchsblogger (_innen?) sind, ob wir Presseausweise brauchen oder vielleicht einen Bloggerverband. Tessa hat aufgeschrieben, was es dazu zu sagen gibt.

Später ging es um die „Medien im Wandel“. Was gibt es dazu im Jahr 2009 eigentlich mehr zu sagen als „Joa, wandelt sich, es ist unverkennbar.“? Der Herr von Radio Fritz hatte eh keine Lust mehr auf Gerede über Medien, Der Freitag-Chefredakteur Jakob Augstein findet, dass die klassischen Medien von Bedeutung sind, weil sie Institutionen sind (das sind Blogs im streng soziologischen Sinne allerdings auch), die anderen redeten andere Sachen und Moderator Johnny Häusler merkte schnell, dass das da vorne gerade nicht besonders gut läuft und auch nicht interessant ist, dazu brauchte es die Kritik auf der Twitter/SMS-Wall im Hintergrund gar nicht. Ich fand es gut, dass er das Publikum dazu aufgefordert hat, sich schnell einzumischen.

Neben diesen beiden Panels gab es noch den Vorträge zu Hypmachine/Musikblogs (nicht gesehen), die von moot von 4chan, der unterhaltsam vortrug, aber mich inhaltlich nicht umhaute, und einen Panel mit Max Winde, Marco Kaiser und Cem Basman als Moderator über Mobiles Microblogging. Auch hier wurde mir mal wieder nicht ganz klar, was der Sinn der Übung ist. Das Twitter super ist und auch von unterwegs Spaß macht, wissen diejenigen, die es benutzen.

Merkwürdig, dass die Veranstalter_innen der re:publica 09 nicht mehr Mut hatten, am ersten Tag neue Themen zu setzen, aktuelle Themen aufzugreifen und RednerInnen zu finden, die eine Debatte anregen können, die die Konferenz über die nächsten Tage begleitet. Vielleicht haben sie den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, vielleicht war das Programm am ersten Tag aber auch absichtlich so gestaltet, dass man nichts verpasst, wenn man erstmal in Ruhe ankommt und „Hallo“ sagt, und bei dem die Presse bereits bekannte Themen aufgreifen und in „Blogger diskutieren in Berlin über Zukunft der Medien“ Headlines verarbeiten kann. Ich hatte leider nicht das Gefühl, dass die Besucher_innen den ersten Tag besonders spannend fanden. Trotzdem bin ich extrem zuversichtlich, dass es heute Nachmittag in der Kalkscheune gut wird. Es ist ja nicht so, dass die deutschen Blogger_innen immer nur schlecht gelaunt sind und meckern. Bei „Deutschland sucht…“ hatten wir spätestens bei den literal Videos auch viel Spaß.