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Pille danach bald in Deutschland rezeptfrei?

Wendung in Sachen #wiesmarties. Foto von Stephen Chipp (CC BY-NC 2.0)

Wendung in Sachen #wiesmarties. Foto von Stephen Chipp (CC BY-NC 2.0)

Heute Abend meldet die Süddeutsche „Pille danach“ wird in Deutschland rezeptfrei. Yeah! Beim Lesen der Meldung kommen aber schon erste Fragen auf: Wie jetzt, nur ellaOne? Und was ist mit den anderen Präperaten? Und ist die ellaOne Pille danach nicht die teurere Variante?

Ich habe mich auf die Schnelle auf die Suche nach Quellen gemacht, um zu verstehen, was da auf EU-Ebene passiert ist und wie das die deutsche Gesundheitspolitik beeinflusst, die sich, dank CDU, bislang einer Freigabe der Pille danach verweigert hat.

Bisher war die Lage in der EU so, dass für Präperate auf Levonorgestrel-Basis keine Rezeptpflicht bestand. In 24 Ländern war die LNG-Pille-danach bisher frei in der Apotheke erhältlich, in Deutschland und sieben anderen Ländern nicht. Die Ulipristalacetat-haltige ellaOne® war bisher in der EU grundsätzlich rezeptpflichtig.

Der Herstelle von ellaOne, Laboratoire HRA Pharma, hat nun beantragt, die Rezeptpflicht fallen zulassen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat das Sagen darüber, welche Medikamente in EU rezeptpflichtig sind und welche nicht. In einer Presseerklärung vom 21.11.2014 vermeldet die EMA: EMA recommends availability of ellaOne emergency contraceptive without prescription“. Die Entscheidung muss jetzt aber noch von der Kommission bestätigt werden: „This CHMP recommendation will now be sent to the European Commission for a legally binding decision.“

Wie betrifft das nun Deutschland?
Vorweg: Soweit ich es verstehe, ist eine durch die Kommission bestätigte EMA-Entscheidung EU-weit bindend, wäre da nicht Richtlinie 2001/83/EG. Nach Titel II, Artikel 4(4) dürfen Mitgliedsstaaten „den Verkauf, die Lieferung und den Gebrauch von empfängnisverhütenden oder schwangerschaftsunterbrechenden Arzneimitteln verbieten oder einschränken“ (S. 14 und an der Stelle ein Dank an @literalschaden für den Austausch dazu). Das heißt, dass Deutschland der Entscheidung nicht zwingend folgen muss.

Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer: Die Rezeptpflicht der LNG-Pille wurde in Deutschland bisher mit der Rezeptlicht der ellaOne begründet. Die Pharmazeutischen Zeitung schreibt:

Kritiker begründen ihre Ablehnung gegen eine Freigabe von LNG bislang jedoch unter anderem mit der Rezeptpflicht für Ulipristal. Ihr Argument: Frauen, die nicht zum Arzt, sondern lieber gleich in die Apotheke gehen, seien bei alleiniger Freigabe von Levonorgestrel auf nur ein Präparat festgelegt – unabhängig davon, ob es für sie das am besten geeignete Arzneimittel ist.

Dieses Argument fällt jetzt weg, wenn die EU sagt, dass beide Präperate ohne Rezept in der Apotheke verkauft werden können. Und nun kommmt’s:

*trommelwirbel*

… Gesundheitsminister Gröhe scheint dieser Logik tatsächlich zu folgen. Laut SZ hat er „schon Ende vergangener Woche […] die Freigabe eines weiteren Präparats mit dem Wirkstoff Levonorgestrel in Aussicht gestellt.“

Infolge der Entscheidung der EMA können jetzt also beide Formen der Pille danach in Deutschland rezeptfrei werden: Die teurere ellaOne und die etwas preiswerteren Präparate auf LNG-Basis. Für die reproduktive Selbstbestimmung von Leuten, die schwanger werden können, wäre das ein wichtiger Schritt. Wir sollten den nun anstehenden Entscheidungsprozess aber weiterhin genau beobachten – auch im Hinblick auf die Frage, ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen (das machen sie bisher nur bei unter 20-Jährigen) oder nicht.

CFP: Politisches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten – Grassroots zwischen Autonomie, Aufschrei und Überwachung

Ich bin derzeit, neben allerlei anderem, mit der Planung einer Tagung beschäftigt, die Ende November 2014 in Göttingen von Statten gehen wird. Der Call for Papers ist gerade angelaufen und geht noch bis zum 20. Juni. Ich bin gespannt auf die Einreichungen. Den Call und weitere Infos zu diesem Projekt findet ihr auf digitale-oeffentlichkeiten.de.

nrrrdz000023: experimentell verschlüsselt

nrrrdz logoWir sprechen über Kommunikationstools, Verschlüsselung und Passwortverhalten. Unter der Prämisse, möglichst viel Verschlüsselung nutzen zu wollen, hat Marlen verschiedene Experimente mit alternativen Kommunikationstools unternommen, darunter Chat Secure und Threema als SMS-Ersatz sowie Telegram als Alternative zum Facebook Messenger. Was ist davon hängen geblieben, was hat sich nicht etabliert und warum nicht? Nicht ganz so neu ist die Verschlüsselung von Mails per PGP. Hier haben wir uns Keybase angeschaut, ein neuartiger Schlüsselserver und zugleich ein Verschlüsselungstool. Der Heartbleed-Bug war Anlass, alle Passwörter zu ändern – endlich mal mit 1Password und komplizierteren Passwörtern als bisher. Zum Schluss geht’s um Silkes Aktion #lauffeuer, die Leute dazu bewegen will, den Schritt von Twitter weg in Richtung der freien und offenen Alternative Friendica zu machen.

Links zur Folge:

Telegram und Vkontakte

Keybase und PGP:

Heartbleed und Passwörter:

Lauffeuer und Friendica:

 
Download (mp3, 50,7 MB, 110 Minuten)

nrrrdz000022: ein_geladen

nrrrdz logoIm Gegensatz zu anderen Podcast brauchten wir heute keinen Wecker, um auf genau eine Stunde zu kommen. Wir starten ins neue Jahr mit einem Rückblick auf den 30C3. Ungeplant landen wir bei einer Diskussion über die Frage, für wen der Ort funktioniert und warum es trotz der bottom-up Strukturen schwierig ist, den Kreis der derjenigen, die sich zu dieser Party eingeladen fühlen und dort ohne zusätzlichen Aufwand eine gute Zeit haben können, zu erweitern. Zuletzt sprachen wir übrigens in Nrrrdz000011 über den 27C3. Zum Schluss gibt es noch einen Hinweis auf das zweite Dine & Discuss der Hamburg Geekettes.

Leider knistert es auf der Aufnahme :( Tut uns leid!

Links zur Folge:

  • Review zum Projekt ChaospatInnen von einer der Organisatorinnen
  • Hamburg Geekettes Dine & Discuss #2 am 28.1.14
  • Der Computer kann alles Januar 2014 mit noch mehr zum 30C3
  •  
    Download (mp3, 28,8 MB, 60 Minuten)

    nrrrdz000021: hacken in der menstruationshütte

    nrrrdz logoNummer 21! Marlen war beim Berlin Geekettes Hackathon. Ihr Team setzte dort das Projekt „Period Quest“ um, räumte den ersten Preis ab und erntete durchaus irritierte Reaktionen. Außerdem sprechen wir über Marlens Chrome Erweiterung Aster*sk, die triggernde Wörter für euch aufkreuzt, und über Kathrins Besuch bei ifixit.

    Links zur Folge:

  • Chrome Erweiterung Aster*sk
  • ifixit.com
  • Cuterus Leaks!, das Spiel aus Period Quest
  • Berlin Geekettes Hackathon
  • Berlin Geekettes Hackathon: Apps in 24 Stunden (Meldung bei heise.de)
  • Hackleague
  • Termine in Hamburg:

  • Tech meets Social — Hands-on Innovation Lab am 21.11.13
  • github from scratch Workshop der Hamburg Tech School am 30.11.13
  •  
    Download (mp3, 35,1 MB, 77 Minuten)

    #dcka im Oktober 2013: Netzpolitik nach der Bundestagswahl, BND, Cybersexism und GTA

    logo des der computer kann alles podcastNach einer kurzen und vorproduzierten Folge im September waren „Der Computer kann alles“ diese Woche wieder live auf Sendung. Die Oktober-Folge gibt’s jetzt bei freie-radios.net zum runterladen – wie immer ohne Musik.

    Wir sprachen über die Piraten und Netzpolitik nach der Bundestagswahl, den Internetwahlkampf der SPD (Spoiler: Dit war nix. Wir sagen warum.), den Bundesnachrichtendienst, der wenig überraschend auch bei einigen deutschen Providern mithört, ein LOL-Katzenfestival in Nordirland und Laurie Pennys neues Essay „Cybersexism“. Den gibt’s leider nur als Ebook bei Amazon; er wird aber nächstes Jahr als Teil ihres neues Buches erscheinen. Alternativ könnt ihr euch ihren Vortrag zu Cybersexism anschauen. Außerdem hat Heino GTA 5 gespielt und findet, dass es „nicht mehr lustig“ ist.

    Die nächste Sendung hört ihr am 13. November vom 17 bis 19 Uhr auf FSK, später auf freie-radios.net und im Podcast Feed.

    nrrrdz000020: mesh-up

    nrrrdz logoEine zombieesque Folge 20: Der Podcast lebt noch. Wir starten mit dem Vorhaben, uns in Zukunft weiterhin selten, dafür aber regelmäßig zu Wort zu melden. In der heutigen Folge sprechen wir über Chelsea Manning und den Editwar, der dazu gestern auf der deutschsprachigen Wikipedia zu erleben war. Marlen berichtet von der Open Tech School, wo sie als Coach ein App Summer Camp für Schülerinnen begleitet hat, und von den Hamburg Geekettes, die gerade im Entstehen sind. Zum Schluss bleiben wir aktivistisch und in Hamburg, wo gerade ein großes Freifunknetz mit vielen Knoten aufgebaut wird.

    Links zur Folge:

  • Wikipedia-Eintrag zu Chelsea Manning
  • Helga bei Femgeeks: Wann hört die unwürdige Behandlung von Chelsea Manning auf?
  • Doku zu Trans* in US-Gefängnissen: Cruel and Unusual
  • Webseite der Open Tech School und JavaScript for Absolute Beginners Workshop
  • Hamburg Geekettes Facebook-Page, dort mit Infos zum Kickoff-Meeting am 12. September
  • Kathrins Artikel zu Freifunk und das Interview mit Aktivisten von Freifunk Hamburg
  •  
    Download (mp3, 34,3 MB, 75 Minuten)

    Links (Juli 2013)

    Bell Hooks, All About Love (bell hooks on trayvon martin vs. the state and george zimmerman
    Bell Hooks, All About Love (on trayvon martin vs. the state and george zimmerman)
    Neuer Feminismus?
    Anna-Katharina Messmer in der taz zu der Frage, wem die „altgediente Erzählung von den zerstrittenen Feministinnen“ nützt, die gerade die #auschrei-Debatte wieder populär gemacht. hat.
    Woman’s work : The twisted reality of an Italian freelancer in Syria
    Francesca Borri macht Kriegsberichterstattung in Syrien und schreibt über die Arbeitsbedingungen als freie Journalistin, ignorante Herausgeber_innen und den Konkurrenzdruck unter den traumatisierten Kolleg_innen.

    Hassloch, 1996

    Eines der ersten Themen hier im Blog, acht Jahre ist das her, war das African Village im Augsburger Zoo. Im Zuge der damaligen Thematisierung von kolonial-rassistischer Kontinuität im Stile der Völkerschauen kam eine Erinnerung in mir hoch. Es muss Ende der 80er, Anfang der 90er gewesen sein, als ich mit meinen Eltern den Holiday Park im rheinland-pfälzischen Hassloch besuchte. Ich erinnere mich, dass es dort ein „Liliputdorf“ gab, in dem Menschen gelebt und gearbeitet haben. Ich war mir jedoch unsicher, ob sich meine Erinnerung an den Freizeitpark mit Fiktion vermischt hatte. Vielleicht hatte ich zu der Zeit einen alten Film gesehen über den Zirkus gesehen? Ich recherchierte ein bisschen, fand aber nichts heraus.

    Über Ninia la Grande bin ich vor kurzem dann aber auf den Artikel „Besuch in der Kleinstadt“ im SZ Magazin gestoßen.

    Autor Till Krause teilt meine Kindheitserinnerung. Sie führte ihn zu Brigida Saar, die zwanzig Jahre lang im Holidaypark lebte und sich täglich den Blicken von Besucher_innen wie mir ausgesetzt war. Keine Privatsphäre, keine Rückzugsmöglichkeiten. Die Bewohner_innen konnten den Park noch nicht einmal abends verlassen. Das „Liliputdorf“ wurde erst 1996 geschlossen. Arbeitsbedingungen, die undenkbar sind, basierend auf der Entmenschlichung des Anderen. Niemals weit weg.

    In den Kommentaren finden sich auch Stimmen, die es bedauern, dass das Dorf geschlossen wurde: Der Park sei mittlerweile nicht mehr „authentisch“, sondern „austauschbar“.

    Das kleine digitale und das große Ganze:
    Die re:publica für zu Hause

    Das Internet heizt sozialen Wandel an, ermöglicht neue soziale Bewegungen und ist damit auch eine Bedrohung für die herrschende Ordnung. Während Staaten, Sicherheitsapparate und Kapital immer konzentrierter versuchen, gesellschaftlichen Veränderungsdruck durch die Regulierung des Internets in den Griff zu bekommen, sind die sozialen Bewegungen gefordert, den Kampf um das offene Internet gemeinsam zu gewinnen.

    Das war die These im Abstract zu der Diskussion über „Das kleine Digitale und das große Ganze“ auf der diesjährigen re:publica, die Anne Roth (@annalist), Hans Christian Voigt und ich am Dienstag bestritten haben — ohne dabei jedoch vordergründig kontrovers zu sein.


    Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany (CC BY-SA 3.0 DE)

    Ich glaube aber, die Kontroverse steckt bei diesem Thema im Detail. Was heißt es eigentlich, im Rahmen der re:publica – und damit unter dem Banner von Sponsoren wie Daimler und Comdirect – darüber nachzudenken, was die politische Regulierung des Internets mit sozialen Kämpfen zu tun hat? Was heißt es, die keine Hoffnung in die Reformfähigkeit von Institutionen zu haben, sich also nicht auf change management zu verlassen? Was heißt es weiterzukämpfen unter den Bedingungen neoliberaler Kontrollregime? Was heißt es, die Apathie zu überwinden?

    Es gab von unserer Seite aus keine knackige Lösung oder den ultimativen Aufruf zum Handeln. Die vielen Diskussionsbeiträge (im Vortrag ab Minute 38) aus dem Publikum zeigten mir aber, dass die angesprochenen Fragen viele umtreibt und die meisten re:publica-Besucher_innen das Netz nicht als Selbstzweck sehen.

    Bei Anne gibt’s noch die von HC auf Storify gesammelten Reaktionen auf den Vortrag zu lesen. Falls ihr Lust auf mehr re:publica habt: Michael Kreil hat eine übersichtliche Visualisierung aller vorhandenen Mitschnitte gebaut.

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