Category: Feminismus

Lacher des Tages

ist definitiv der Frauenbrowser, den das Portal annabelle.ch gemeinsam mit Microsoft kreiert hat. Diese IE8 Version enthält Bookmarks und Webslices, die “auf die Bedürfnisse und Interessen der Schweizer Frau” abgestimmt sind. Shopping, Reise, Männer, Kochen: “Frauen nutzen Medien einfach anders”.

nrrrdz000002: keine wahlempfehlung

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In der zweiten Folge von Nrrrdz greifen wir kurz vor der Bundestagswahl ein hot topic der Netzszene auf. Wir sprechen über die Piratenpartei, Feminismus und Geschlechterpolitik. Wie haben wir die Diskussion wahrgenommen, was sind für uns die wirklich wichtigen Fragen, und warum ist das alles nicht so einfach? Passend dazu auch der Facepalm des Monats: Franziska Heine im Interview mit dem Piratenpartei-Podcast.

Links zur Folge:

  • Die Piraten-Feminismus-Debatte (Linksammlung)
  • Zusammenfassung der Diskussion bei der Mädchenmannschaft
  • Felix Neumanns Kritik am Politikverständnis der Piraten
  • Fiddle.Knows zur “Junge Freiheit”-Debatte
  • Strömungen innerhalb des Feminismus (Wikipedia)
  • Sociological Images (Löhne in Männer- und Frauenberufen)
  • PiPaPo: Podcasts für und über die Piratenpartei
  • Zum Schluss: Ein großes Danke an sv für den Jingle!

    [podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz02.mp3[/podcast]

    Download (mp3, 65MB)

    And I quote:

    Eine kritische Auseinandersetzung müsste sich u.E. solchen Fragen widmen, wie der nach dem jeweiligen Zugang zu gesellschaftlichen Privilegien, zu umfassenden sozialen und politischen Rechten sowie zu sozio-ökonomischen und kulturellen Ressourcen. Mit Bezug auf eine Komplexität von Macht- und Herrschaftsverhältnissen bedeutet dies, dass wechselnde Konstellationen der Machtdifferenz, der Unter- und Überordnung entstehen, deren jeweilige Stabilität oder Anfechtbarkeit sich nicht beliebig gestaltet. Unterschiedliche Positionen und die sich zwischen ihnen entfaltenden Machtdynamiken stellen den Kontext dar, aus dem heraus sich Motivationen für politische Veränderungen entwickeln. Wenn in einem spezifischen politischen Kontext unterschiedliche Ausmaße an Definitions- und Gestaltungsmacht, an Repräsentationsmöglichkeiten und Sprechpositionen aufeinander treffen, führt dies zu Konflikten. Eigene Privilegien in Frage zu stellen und den Zugang zu sozialen und politischen Rechten zu teilen heißt dann auch, Unterschiede für gesellschaftliche Veränderungsperspektiven und nicht für die eigenen Interessen produktiv zu machen. Die innewohnende Konflikthaftigkeit als produktiv für die politische Praxis anzusehen ist nicht zuletzt eine wesentliche Voraussetzung dafür, Herrschaftsverhältnisse zu analysieren und unter Bedingungen von Machtdifferenzen miteinander arbeiten zu können.

    Antke Engel, Nina Schulz, Juliette Wedl 2005: Kreuzweise queer: Eine Einleitung, in: femina politica 1/2005, Queere Politik: Analysen, Kritiken, Perspektiven, S. 14f.

    Szientismus oder Politik?

    Piraten, Gender und Pragmatik ist eine sehr lesenswerte Analyse zum Politikverständnis der Piratenpartei. In der Genderdebatte treffen “idealtypisch zwei fundamental verschiedene Positionen aufeinander: Eine szientistische und eine Standpunkttheorie”, und es habe sich gezeigt, dass viele Mitglieder der Piratenpartei vom Glauben an den gesunden Menschenverstand und objektiv fundierte Politik geprägt seien.

    Expertokratie, Technokratie, kann also nicht funktionieren. Es verkennt, daß politische Fragen im wesentlichen Wertekonflikte sind. Es läßt sich objektiv, naturwissenschaftlich, nicht klären, wer Recht hat. Ob »Freiheit« oder »Sicherheit« das Ziel von Politik sein kann, muß ausgehandelt, diskutiert werden, es müssen Kompromisse gemacht werden, und im letzten kann weder Schäuble noch die Piratenpartei für sich reklamieren, daß ihre Werte im naturwissenschaftlichen Sinne objektiv korrekt seien – und dann wird abgestimmt.

    Felix Neumann schreibt auch darüber, was das für die Diskussion über Geschlechterpolitik in der Piratenpartei heißen kann, und hat weitere Überlegungen im Text Soziale Systeme hacken formuliert. Vielleicht kann seine Analyse dazu beitragen, die Logik mancher Debatten zu durchschauen und Strategien zu entwickeln, feministische und queere Anliegen besser zu vermitteln, so eine sich darauf einlassen will.

    Linksammlung Piraten vs. Feminismus

    Große Gender Diskussion diese Woche auf Twitter und in den Blogs! Wie halten es die Piraten mit der Frauenfrage, dem Feminismus, was bedeutet Gleichberechtigung für die Partei und wie sieht es mit queer-feministischen Ansätze aus? Um die Diskussion ein bisschen zu dokumentieren, habe ich ich einige Links zu Blogposts, sowohl von Piratenkritiker_innen als auch Piratenmitgliedern und feminismuskritischen Pirat_innen gesammelt. Dort findet ihr jeweils ausführliche Diskussionen. Ich finde es gut, dass diese Debatte geführt wird, denn es muss sich meiner Meinung nach jetzt zeigen, wie die Piraten zu Fragen stehen, die sich möglicherweise nicht allein durch die Verteidigung und Stärkung bürgerlicher Freiheitsrechte beantworten lassen.

    GenderCamp Planungstreffen

    Letzte Woche ist ein länger gehegter Plan plötzlich wieder aufgetaucht, und entwickelte plötzlich eine erstaunliche Dynamik. Es ist wohl Zeit für ein GenderCamp. Am 09.09.09 um 19 Uhr teffen wir uns in Hamburg zum ersten offline planen.@plastikstuhl fasst alles zusammen:

    Am Mittwoch, den 09.09.09 um 19 Uhr findet ein erstes, offenes Treffen zur Planung, Konzeption und Ideen-Sammlung für ein GenderCamp statt. Dies soll ein zwei- bis dreitägiges Workshop-Event à la BarCamp werden, das voraussichtlich im nächste Jahr im ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V stattfinden soll und Themen zwischen “Gender” und “Internet” abdecken wird.
    Ort für Vorbereitungstreffen ist das Büro von dock europe (Amandastraße 60 in Hamburg), einem der Kooperationspartner_innen des ABC Bildungs- und Tagungszentrum.

    Über die Zwischenergebnisse halten wir euch über die üblichen Kanäle auf dem Laufenden.

    nrrrdz000001: woher wohin

    nrrrdz logo

    nrrrdz ist da!!!111einself! Marlen (vom heiter scheitern Podcast) und ich unterhalten uns über Feminismus und Netzkultur. In der ersten Folge sprechen wir darüber, was wir mit dem Podcast vorhaben, wie wir ins Internet geraten sind, und was Geschlecht mit dem Zugang zu Technik und zum Netz zu tun haben könnte. Wir erinnern uns an die Utopie des Internet als geschlechtsneutralem Raum und überlegen, warum nichts daraus geworden ist, und wie wir das finden. Zum Schluss präsentieren wir den Facepalm des Monats, dieses Mal mit Mobile Macs.

    [podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz01.mp3[/podcast]

    Download (mp3, 60MB)

    Der Feed für den Podcast (https://www.iheartdigitallife.de/feed/podcast/) müsste jetzt funktionieren. Falls ihr noch Probleme habt, und zum Beispiel diese Weiterleitung zum Eintrag über den Addicted to Race Podcast noch mal auftaucht, seid so lieb und sagt mir Bescheid. Nrrrdz ist jetzt auch im iTunes Podcastverzeichnis.

    Verantwortlichkeit als verteiltes System

    Google muss nach einem Gerichtsurteil die Identität einer anonymen Blogger.com-Userin weitergeben. Ihr Blog war dem Modell Liskula Cohen gewidmet, die sie dort u.a. als “skank” und “ho” bezeichnete. Cohen kann jetzt zivilrechtliche Schritte einlegen, wird dies aber Presseberichten zu folge nicht tun. ((Nebenbei bemerkt: Vergleicht mal das Foto, dass die NY Daily News augewählt hat, mit dem Foto auf Daily Tech.)) In der feministischen Blogosphäre wurde in Redaktion auf das Urteil mal wieder einiges über Trolle, Belästigungen und Diffamierungen geschrieben, und zuerst wollte ich nur den Link zu Jessica Valentis Text über anonyme Trolls posten, aber das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit.

    Als Teil der Redaktion eines online Fanzines mit Community habe ich mich jahrelang mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Es geht ja nicht nur um Trolle, die anonyme Wüteriche, mit denen eh niemand was zu tun haben will. Es sind auch Leute, die eigentlich zur “Community” gehören, aber manchmal einen “Humor” an den Tag legen, der nicht auszuhalten ist. Er hat in die immer gleichen rassistischen, sexistischen, behindertenfeindlichen (you name it) Kerben, soll provozieren, verletzt Leute und stabilisiert Machtverhältnisse. Die Seitenbetreiber_innen denken sich tausend Methoden aus, um mit diesem Problemen umzugehen. Problem Nummer 1: Moderation ist kompliziert und aufwändig, und gerade für Hobbyprojekte ab einer gewissen Größe kaum noch zu leisten. Problem Nummer 2: User_innen für alle Zeiten aussperren geht nicht. Problem Nummer 3: Gerichtich vorgehen will eigentlich niemand, denn auch das kostet Zeit und Geld, und überhaupt hatten wir uns das mit dem Internet so nicht vorgestellt. Es bleibt also schwierig, und dazu kommt: Andere Leute aus der “Community” solidarisieren sich, mit dem immer gleichen Argument, im echten Leben würde die Person so etwas doch nie sagen, ja noch nicht einmal denken. Und überhaupt: Meinungsfreiheit! Political Correctness! Zensur!

    Ich kann mich bei dieser Kritik leider nicht ausnehmen. Ich habe auch schon Leute in solchen Situationen verteidigt, weil ich sie kannte und mochte.

    Jessica Valenti unterstreicht, dass Widerstand gegen Onlinebelästigung Teil von feministischem Aktivismus sein muss, da sie auf den selben Machtstrukturen und Privilegien beruht, die Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Diskriminierungsformen im Real Life hervorbringen. Ich habe den Eindruck, dass Social Networks, Twitter und Blogs die Lage entspannt haben, da die Nutzer_innen heute viel besser in der Lage sind, zu filtern, mit wem sie es dort zu tun haben wollen, und mit wem nicht.

    Der oben genannte Fall zeigt aber, dass das Thema nicht abgeschlossen ist, und die Frage, wie mit vermeintlich anonymen Onlinebullies umgegangen werden kann, passt ja leider schön in die große Debatte um staatliche Regulierung des Netzes und den Mut, denn wir eigentlich haben sollten, uns auf die Freiheit dieses Raumens einzulassen. Am Ende des Tages bleibt also die Frage, welche Internetkultur wir schaffen. In diesem Sinne verteidigt Kate Harding die Entscheidung des New Yorker Gerichts in ihrem Text Cyberbullies don’t deserve anonymity, aber macht auch klar:

    Every online insult does not demand a lawsuit – if it did, I’d have about a thousand different suits pending as we speak – but we’ve spent too long letting hateful troublemakers equate “freedom of speech” with “freedom from criticism or consequences”. And the more we argue about online harassment from a strictly legalistic perspective, the more we ignore the fundamental issue: cowards who use a veil of anonymity, however flimsy and easily shredded, to launch attacks on their enemies, really ought to be silenced. Perhaps not by law, but by an online society that unequivocally rejects such behaviour as inappropriate, immature, and unwelcome.

    Nicht die Gerichte, sondern die Betreiber_innen und Nutzer_innen müssen die Aufgabe nehmen, Räume zu schaffen, in denen sich Leute sicher fühlen und gerne bewegen: Verantwortlichkeit als verteiltes System.

    Feministisches Institut mit RSS und Kommentaren

    An dieser Stelle ein kleiner Hinweis: Die Website des Feministischen Institut Hamburg läuft jetzt auf WordPress. Endlich können die Beiträge kommentiert und per RSS abonniert werden. Verschiedene Autor_innen setzen sich auf der Seite aus feministischer Perspektive mit Themen aus Bereichen wie Arbeit, Bildung, Ökonomie, Sozialpolitik oder Technologie auseinander und geben dadurch Einblicke in aktuelle, facettenreiche feministische Wissensproduktion.