Category: Feminismus

Who Cares? Das Programm zum Event

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Das Programm für das Event zu Queerfeminismus und Ökonomiekritik vom 4. bis 6. März 2010 in Berlin ist jetzt online. Ich werde vor Ort sein und am Freitag Abend eine Fishbowl-Diskussion mitgestalten, die unter dem Titel “Deconstruct Capitalism? Reclaim Economy? Kontroversen und Strategien queerfeministischer Ökonomiekritik” steht. Ich bin sehr gespannt auf das Event, das Gruppen, die auf unterschiedliche Weise zu Queer, Feminismus und Ökonomie arbeiten, vernetzen und zeigen will, “dass linke Ökonomiekritik nicht ohne queere und feministische Einsätze gemacht werden kann, ebenso wie Feminismus ohne Ökonomie- und Gesellschaftskritik nicht auskommt” (siehe Call).

Etwas gewundert hatte ich mich gestern darüber, dass die Veranstaltung erst am Freitag Nachmittag (dem 5.3) richtig losgeht, also eher auf zwei Tage ausgelegt zu sein scheint. Für Leute, die nicht in Berlin wohnen, wäre es gut gewesen, das früher zu wissen. Außerdem sind viele für mich besonders interessante Veranstaltungen parallel. Klassisches Event-Problem, aber dieses Mal betrifft es auch Workshops, bei denen es meiner Meinung nach relativ deutlich ist, dass sich dafür die selben Leute interessieren. Das ist schade, aber ich freu mich trotzdem aufs Event.

Intersektionalität – all inclusive?!

Morgen früh beginnt an der Uni Hamburg eine Winterschool mit dem Titel “Intersektionalität als Kritik”, die ich zusammen mit vielen Kolleginnen organisiert habe. In vier Seminaren werden sich über 80 Teilnehmer_innen bis Sonntag mit intersektionalen Fragestellungen und Forschungsansätzen beschäftigen. Zum öffentlichen Teil der Veranstaltung gehören die Vorträgen der Dozent_innen am Donnerstag und Freitag Vormittag (10-13 Uhr im ESA W Raum 221) und eine Diskussionsveranstaltung mit Inputs am Samstag Abend. Von 19 bis 21 Uhr stellen wir uns der Frage “Intersektionalität – all inclusive?!”. Die Veranstaltung findet in der Edmund-Siemers-Allee 1 im westlichen/linken Flügelbau des Hauptgebäudes der Uni in Raum 221 statt und wird von Schriftmittler_innen begleitet. Das Flyer-PDF könnt ihr hier runterladen.

Netzpolitik queer-feministisch-intersektional

Auf der Seite des Feministischen Institut Hamburg ist gestern ein Text von mir erschienen, in dem ich versuche zu erläutern, was eine queer-feministisch-intersektionale Perspektive auf netzpolitische Debatten bedeutet.
Netzpolitik und soziale Gerechtigkeit. Ein queer-feministisch-intersektional inspirierter Blick auf die Themen der digitalen Bürgerrechtsbewegung

Netzpolitische Themen wie die Vorratsdatenspeicherung oder Internetsperren haben in den letzten Jahren eine erstaunliche Mobilisierungsfähigkeit bewiesen. Dies hat nicht zuletzt der Achtungserfolg der Piratenpartei bei der letzten Bundestagswahl gezeigt. Die Debatten um staatliche und privatwirtschaftliche Eingriffe in das Internet und den Schutz der Privatsphäre im digitalen Zeitalter werden in der Öffentlichkeit als Themen wahrgenommen, mit denen sich vor allem technisch versierte und meist männliche Internetnutzer_innen beschäftigen. Anhand des Themas Netzneutralität und zwei Beispielen aus dem Bereich Datenschutz möchte ich zeigen, was Netzpolitik aus einer queer-feministisch-intersektionalen Sicht bedeutet, die vielfältigen sozialen Positionierungen entlang komplexer Verhältnisse sozialer Ungleichheit Rechnung trägt. (Weiterlesen)

Ich freu mich über Kommentare, am besten dort.

Queer Salons in Berlin

Im vergangenen Jahr gab es bereits die ersten fünf Berliner Queer Salons. Jetzt startet die neue Runde, initiiert von Antke Engel & Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe & umgesetzt von wechselnden Vorbereitungskomitees:

21.01. asian affairs: queer Asian film salon (PDF)
18.02. dicker als blut? queere generationen-bildung ohne verwandtschaft
18.03. identitätswechsel mit tagespolitischem überraschungseffekt
15.04. „Oh economy, up yours!“ film salon
20.05. beziehungsformen jenseits von heteronormativität und szenestress
17.06. How to queer things with words

Der Queer Salon ist ein monatliches Event, das durch verschiedene Formen des Miteinander-Tuns das Spektrum queer-politischer Positionen auszuloten trachtet. Wenn queer weder einheitlich ist, noch sich fixieren lässt, wo ist dann der Ort, wo das Vielfältige und Bewegte aufeinander trifft? Und wie wird es produktiv, provokativ, politisch? Wir möchten einen Ort schaffen, der Leute in Kontakt zu bringt, die sich sonst nicht begegnen, und die gemeinsam Machtverhältnisse verhandeln und verändern. Einen Ort, der von unterschiedlichen Menschen und Communities genutzt wird, die queer als Möglichkeit ansehen, Differenzen auf unterschiedliche Weise und diverse Formen von Differenz in ihrer Unterschiedlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Wir wollen uns nicht allein auf Sprache oder das klassische Format der Polit-Diskussion verlassen, sondern Formen der thematischen Auseinandersetzung finden, die auf geteilte Praxen setzen.
Im Anschluss gibt es jeweils in gepflegt-frivoler Atmosphäre bei Snacks und inspirierenden Getränken zu moderaten Preisen Zeit und Raum für Gespräche – möglichst auch, um in wechselnden Konstellationen gemeinsame Ideen – für weitere Salons oder sonstige Praxis – auszuhecken.

Der Queer Salon findet jeden 3. Donnerstag im Monat statt.
Ort: Werkstatt, Adalbertstr. 71 (Hinterhaus, Tür rechts) (U-Kottbusser Tor)
Aktuelle Infos über den Queer Salon und die Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben, gibts beim Institut für Queer Theory.

Transformatorisches lesen

“Hinten kackt die Ente.” – Mit diesem äußerst bedenkenswerten Satz entlässt die arranca! Redaktion aus dem Editorial der 41. Ausgabe “Wie jetzt? Transformationsstrategien I“.
arranca41Das Heft widmet sich Chancen und Ansatzpunkten für große gesellschaftliche Veränderungen. Lesenswert fand ich u.a. Mario Candeias Analyse der vielfältigen molekularen Krisen des autoritären Neoliberalismus, die im nächsten Heft fortgesetzt. Benni Bärmann setzt ebenfalls bei der Hegemoniekrise an und begründet, warum Commons als zentrales Paradigma einer Transformationsstrategie in diesen Zeiten taugen. Es geht den Herausgeber_innen um die Frage nach dem “wie” jenseits eines teleologischen Wartens auf Revolution, und so heißt es im Vorwort:

Doch obwohl der Kapitalismus in seiner derzeitigen Form ideologisch und ganz real angeschlagen ist, wissen wir, dass der revolutionäre «Hammerschlag», der die Wand zwischen der kapitalistisch organisierten Gesellschaft und der besten aller möglichen Welten plötzlich niederreißt, so nicht kommen wird. Geschichte ist keine Lokomotive, sondern wird gemacht – und zwar von uns, irgendwie!

Dieses ‹irgendwie› reicht jedoch, so ratlos man bisweilen vor der stählern erscheinenden Welt stehen mag, nicht aus. Auch wenn das ‹wohin› der Reise keineswegs feststeht, müssen wir uns mit eben dieser Frage beschäftigen: Wie bloß?

Unsere Autor_innen haben sich von dieser Frage provozieren lassen – zu überraschenden Antworten: Nur wenn Disziplin und Rausch aufeinanderprallen, scheppert es so richtig. Die andere Welt muss auch bei Opel möglich sein. Antikapitalist_innen, ihr solltet bei Queers und Hacker_innen spicken! Hugo Chávez hat bei Toni Negri nachgeschaut. Wir machen‘s wie die GNU/Linux-Geeks, auch bei der Zahnbürstenproduktion. Streikende Künstler_innen können zur Not immer noch die Streikweste in der Galerie aufhängen. Wenn sich molekulare Krisenelemente anhäufen, ist ‹weitermachen wie bisher› selbst die Krise. Kein Parlament ist (vorerst) auch keine Lösung! Und stand dazu nicht was bei Sklovskij?

Die Texte bieten sicherlich viel Anlass zur Diskussion (u.a. auch in der nächsten arranca! Ausgabe, die sich ebenfalls dem Thema Transformationsstrategien widmen wird), und ich hoffe natürlich, dass das auch für den Text Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten von Do. Gerbig und mir gilt, in dem wir uns mit queerenden Perspektiven auf ökonomische Praxen der Transformation beschäftigen.

Feministischer Lesestoff

Das Feministische Institut Hamburg hat seinen Jahresreader 2009 (PDF) veröffentlicht. Auf 44 Seiten finden sich dort alle Statements, die verschiedene Autor_innen im laufe des letzten Jahres zu den Themen Arbeit, Feministische Theorien, Gewalt, Interventionen, Ökonomie, Sozialpolitik und Technologie auf der Homepage des Institutes veröffentlicht haben.

nrrrdz000004: kritiken der kritiken an den kritiken

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Die Adventssendung von nrrrdz. Stilecht genießen wir die Winter-Edition von Club-Mate und versuchen uns an einer Kritik der Kritiken an den Kritiken. Es geht um den Umgang mit Sexismuskritik und die Frage, warum das alles so schwierig ist. Aktueller Anlass ist der Text Loser der lesbischen Liebe, der im Mädchenblog behandelt wurde. Die Gesichtspalme des Monats gewinnt der Pro7 Videocast SvenGames TV. Außerdem quatschen über den Twitterclient Kiwi, Kathrins Suche nach dem Palmrest-Sensor, Writeflow und Sugru. Ausführliches zu den beiden letztgenannten dann hoffentlich im Januar.

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Queering Gentrification

Dieser Text ist erschienen in [sic!] Forum für feministische Gangarten Nr. 64, S. 32-33 unter dem Titel “Gibt es eine queere Ökonomiekritik?”

Seit geraumer Zeit finden vielfältige queer-theoretische Auseinandersetzungen mit Kapitalismus und Neoliberalismus statt, die nach den Zusammenhängen von Heteronormativität und sexuellen Politiken mit ökonomischen Verhältnissen und Arbeit fragen. Für eine queere Ökonomiekritik stellt sich immer wieder die Frage, inwiefern queere Politiken in neoliberale Diskurse eingebunden sind. Neoliberale politische Strategien der Ökonomisierung des Sozialen rufen Subjekte als eigenverantwortliche und freie Unternehmer_innen ihrer Selbst an. Paradoxerweise sind neoliberale Verhältnisse damit nicht nur durch den Abbau sozialer Gerechtigkeit und die Einschränkung demokratischer Teilhabe gekennzeichnet, sondern auch durch die Anerkennung von Differenzen, wie beispielsweise Lebensformen, die heteronormativen Vorstellungen nicht entsprechen. Kann diese Ambiguität als Ressource widerständiger Praxen genutzt werden, wie Antke Engel (2009) es fordert, und welche Vorstellung des Kapitalismus ermöglicht es, Widerstand zu denken?
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Wessen Relevanzkriterien?

In der deutschsprachigen Netzszene wird seit ein paar Wochen eine große Wikipediadebatte geführt, in der es um das Löschverhalten von Admins und die Frage, wie speziell in der deutschsprachigen Wikipedia mit Relevanzkriterien umgegangen wird, geht. Die Dabatte könnt ihr in zahlreichen Blogs nachvollziehen, als Background hier mal ein etwas älterer, kurzer Text bei Spiegel Online mit vielen Links und einem Katzenbild: Wikipedia-Autoren ziehen in den Löschkrieg – gegen Katzen.

Was soll in einer kollaborativen Onlineenzyklopädie alles stehen, und was ist irrelenvat? Felix Neumann sieht das Problem in der

mangelnde(n) methodische(n) Reflexion. Die Kriterien Relevanz und Neutralität sind selbst nicht wertfrei. (…) Die ganze Problematik offenbart sich in einem Paradox: Die Wikipedia als Web-2.0-Projekt ist ein postmodernes Medium. Relevanz ist ein modernes Paradigma.

In diesem Zusammenhang finde ich den Hinweis von Wikipedianerin wisewoman, die Johnny Häusler auf Spreeblick zitiert, bedenkenswert:

80% der Wikipedianer in den USA seien männlich, mehr als 65% alleinstehend, mehr als 85% kinderlos und rund 70% jünger als 30 Jahre (Quelle). Zahlen, welche so oder sehr ähnlich die gestern anwesende Wikipedianerin wisewoman auch für Deutschland bestätigte, wobei sie von nur 13% Frauenanteil sprach und außerdem darauf hinwies, dass Wikipedianer in Deutschland so gut wie ausschließlich weiß wären – Deutschsprachler nichtdeutscher Herkunft scheinen in der Wikipedia Seltenheitswert zu haben.

Ohne jetzt mit einem vereinfachten Diversity-Argument daher zu kommen (je unterschiedlicher die Beteiligten desto besser das Produkt), denke ich schon, dass eine selbstkritische Einschätzung nach den Grenzen des eigenen Blickes auf die relevanten Dinge in der Welt notwendig ist. Mich hat die Debatte an den Artikel Gender Trouble im Web 2.0 – Sexismus, Homophobie, Antifeminismus und Heteronormativität im neuen alten Internet von Tanja Carstensen erinnert:

Queer-feministische Inhalte zu löschen, stand auch in der “freien Enzyklopädie Wikipedia” zur Debatte. Im August 2007 wurden dort die Einträge zu “Ladyfest” und “Riot grrrl”zur Löschung vorgeschlagen. Neben Kritik an Relevanz und Qualität der Einträge – der Ladyfest-Artikel wurde als “freie Assoziation zum Thema” charakterisiert, er sei nicht objektiv – schien den Lösch-Befürworter(_inne?)n aber auch das Verständnis von Geschlecht als “hegemoniale heterosexuell verfasste Zweigeschlechtlichkeit” kritikwürdig: “Ich dachte immer das hätte was mit Genetik zu tun.” Auch die im Beitrag enthaltene Aussage, Frauen und Mädchen seien innerhalb der Musik- und Kunstszene unterrepräsentiert, wurde angezweifelt und als Argument für die Löschung herangezogen (vgl. Wikipedia). Fünf Minuten später schlug einer der an der Diskussion beteiligten Personen dann auch noch die Löschung des Eintrags zu “Riot grrrl” vor:

“Ich will mal ganz ketzerisch die Frage nach der Relevant stellen und frage mich auch was das nun genau sein soll. Entstanden in einem eher unedeutenden Kaff, reagiert wie auch immer auf eine empfundene männliche Dominanz in der Musikszene (ist dem so? Wenn ich Radio höre habe ich den Eindruck öfter Frauen, denn Männer singen zu hören), und dann ein paar nicht wirklich bekannte Musikkapellen als Beispiele. Als Literatur werden vor allem Artikel in Zeitschriften mit doch sehr sehr begrenzter Leserschaft angegeben, die Weblinks sind irgendwelche Foren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier krampfhaft etwas groß geschrieben werden soll, von dem kaum jemand je Notiz genommen hat.” (vgl. Wikipedia)

Es muss also auch gefragt werden, um wessen Relevanzkritieren es geht, und unter welchen Bedingungen sie ausgehandelt werden können. Dass Beteiligung und Engagement nicht vergebens sind, zeigen der Ladyfest und der Riot Grrrl Einträge, die es bis heute gibt.

nrrrdz000003: listen und so

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Dinge die neu sind: Wir haben Snow Leopard und diverse Probleme mit unseren Computern. Marlen hat sich eine Xbox gekauft und Kathrin empfielt click to flash. Auch neu sind die Listen bei Twitter. Leute können ihre Follower_innen jetzt in Kategorien einteilen, und wir fragen uns, ob das eine strukturierende Dynamik hat. Der Facepalm des Monats ist ein Stück aus der Games und so Folge “Für Mädchen” und um Spiele wird es auch in der nächsten Folge gehen, die wir Ende November zusammen mit einem sehr tollen Gast machen werden.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz03.mp3[/podcast]

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