-
Interview mit Silke Meyer über Geschlechterverhältnisse im Internet und feministisches Bloggen
Author: Kathrin
Moon
“Moon” (2009, Duncan Jones) erzählt die Geschichte von Sam Bell (gespielt von Sam Rockwell), der alleine auf einer Mondstation arbeitet. Ein wunderbarer Film, den im Kino sich anzusehen lohnt.
Der Protagonist ist eine männliche Figur, anhand dessen die großen Fragen des Menschseins in der Moderne verhandelt wird. Das Selbstverhältnis, das Mensch-Maschine-Verhältnis und schließlich das Verhältnis zum System. Die Sphäre der Produktion ist fest in männlicher Hand: Sam, seine Chefs, die ihm Videobotschaften auf die Raumstation schicken, und schließlich der Robotor GERTY (mit der Stimme von Kevin Spacey). Sam hat eine Frau, die ihn auf der Erde zurück erwartet. Tess (Dominique McElligott) wird den ZuschauerInnen nur über ihre Videobotschaften gezeigt. Sie zieht die gemeinsame Tochter Eve groß und ist Sams Ankerpunkt, der in dem Wissen lebt, in einigen Wochen wieder zurück bei ihr zu sein. Seine Erinnerungen an Tess und die kleine Tochter geben ihm Kraft, solange ihn der Wecker morgens aus den leidenschaftlichen Träumen reißt. Sie ist Objekt der Begierde und die Hüterin der Reproduktionssphäre.
Kapitalistische Vergesellschaftung und die heterosexuelle Matrix sind verwoben, zugleich reproduziert der Film jedoch auch diese symbolische Ordnung. Sam erkämpft sich Handlungsmacht durch solidarisches Handeln mit sich selbst und der Maschine. Sogar die Produktionsmittel werden angeeignet (vgl. TheGurkenkaiser: Moon als politischer Film). Die heterosexuelle Matrix bekommt deutlich kleinere Risse, die symbolische Ordnung wird scheinbar nicht bekämpft. Denkt man den Plot weiter wird aber klar, dass auch die Familie nicht heil bleiben wird.
Podcasts mit/von Frauen*
Gestern habe ich mich gefragt, wie eigentlich um die Frauenquote in meiner Podcast-Aboliste bestellt ist. Meine Lieblingspodcasts werden entweder von professionellen Radioteams gemacht oder es sind Interviewformate und Gesprächsrunden von Leuten, die sich locker und in irgendeiner Art kenntnisreich oder reflektiert über etwas unterhalten, was mich interessiert. Queeres Leben, Computer, Geschichte und Gelaber über dies und das ohne thematischen Fokus. Ich hab 22 Podcasts abonniert. Bei den meisten davon höre ich alle Folgen, bei einigen nur die mit besonders interessanten Themen.
Es gibt keinen Podcast von einer oder mehreren Frauen, vier mit einer Frau* im festen Team wie beispielsweise Küchenradio und Medienradio. Daneben gibt es einige Interviewpodcast die ab und an Frauen als Gesprächspartnerinnen haben und Podcasts, bei denen verschiedene Leute die Beiträge machen, darunter auch Frauen. (Eigene Projekte und heiter scheitern nehme ich jetzt mal aus.)
Also unterm Strich: Es ist wenig. Darum habe ich mal bei Twitter gefragt, ob Leute Tipps für mich haben. Einmal Abends, einmal Mittags und es wurde auch retweetet. Es kamen nur wenige Vorschläge, die ich hier für euch gesammelt habe:
- previously.us (thematisch genau das richtige für mich, denn es geht um US Serien. Leider sind die Texte eingelesen, darum funktioniert der Podcast für mich nicht)
- Tech Weekly vom Guardian mit Aleks Krotoski
- GTD Virtual Study Group Podcast von Tara Rodden
- GamerGirlsRadio
Mir sind auch noch ein paar Podcasts eingefallen:
- Schlaflos und München (das habe ich in meinen Anfangszeiten als Podcasthörerin gehört, es spricht mich aber schon länger nicht an)
- Addicted to Race (leider eingestellt)
- den sex positiven Podcast von Betty Dodson und Charlin Ross
- Destination DIY (nach einem Jahr Pause gibt es seit August wieder neue Folgen)
Soweit so gut mit den unvollständigen Listen. Ich würde mich über weitere Vorschläge in den Kommentaren freuen. Aber was will ich eigentlich damit sagen?
Das Geschlecht der Macher_innen spielt erstmal eine untergeordnete Rolle bei der Podcastwahl. Themen, Sympathie, Machart usw. sind wichtiger. Es geht mir auch nicht um die weibliche Stimme oder so etwas. Ich mag einfach solche Gesprächsformate und wundere mich über den absoluten Männerüberhang. Warum podcast keine von den feministischen Bloggerinnen? Ein monatliches Roundup von Mädchenblog-Autor_innen über Skype wäre toll. Antje Schrupp, unter deren Namen es drei Videos bei youtube gibt, in denen Feministinnen bestimmte Begriffe erläutern, könnte ihre feministischen Freundinnen unterschiedlicher Generationen interviewen. Und es muss ja nicht Feminismus oder queerer Content sein. Rassismuskritik wäre ein interessantes Thema, DIY aber auch, Theater, Innenpolitik, Zombies oder auch Gelaber über dies und das ohne thematischen Fokus.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich nicht darüber diskutieren, warum Frauen hier weniger vertreten zu sein scheinen. Dann heißt es wieder technikferne, mangelndes Selbstbewusstsein, im besten Fall zu wenig Zeit, yada yada yada. Die (defizitären) Frauen vs. die Männer. Mir geht es eher darum, die Idee in den Raum zu werfen und euch zu fragen, ob ihr nicht Lust auf Podcasting habt und ob ihr Ideen im Hinterkopf habt, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden.
Zwei Jahre Missy
Mensch, zwei Jahre ist es schon her, dass die erste Missy Ausgabe raus kam. Was für ein schönes Ereignis das damals war! Und ich habe den Eindruck, dass die Missy tatsächlich eine integrierende Kraft in der feministischen Szene geworden ist: Als Ort zum Veröffentlichen im Heft oder als Gastbloggerin, mit Veranstaltungen oder wenn die HerausgeberInnen auf Podien auftreten oder Vorträge halten. Das soll nicht heißen, dass die Missy alles richtig macht oder in irgendeiner Form den (sic!) neuen (sic!) Feminismus repräsentiert (sic!). Sie bringt aber eine feministische Perspektive unter die Leute, die an den Kiosken bisher gefehlt hat.
Ab nächsten Montag ist die neue Ausgabe erhältlich – wie immer in allen Bahnhofskiosken und in gut sortierten Zeitschrifteläden. Ich hab sie als Abonnentin schon bekommen und durchgeblättert. Themen sind unter anderen Christiane Rösinger, das Mensch-Tier-Verhältnis und Upcycling Mode. Auch für die interessierte Nrrrd hat die Missy was zu bieten: Einen Artikel von Svenja Schröder und Jasper Nicolaisen über queere Charaktere in Computerspielen und einen Artikel über die Arbeitsverhältnisse in der Hardware-Produktion, den es auch online gibt. In Berlin (am 20. November 2010 mit Christiane Rösinger) und Hamburg (am 2. Dezember mit Forgotten Birds) gibt es zu dieser Ausgabe auch wieder Release-Partys.
nrrrdz000009: cybersniff 2000

Diese Folge ist das Duke Nuken Forever des nrrrdz Podcasts: Wir reden endlich über Spiele. Unsere unterschiedlichen Umgangsweisen und Begeisterungsniveaus überbrücken wir, indem wir uns über Spiele unserer Kindheit und Jugend austauschen und darüber nachdenken, welche Spiele uns grundsätzlich ansprechen und welche eher nicht. Geschlechterverhältnisse und nackte Frauen kommen auch vor.
[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz09.mp3[/podcast]
Download (mp3, 110,2 MB)
Links:
Die Spielefolge von heiter scheitern: hs21 – geh spielen!
Alles über ELO-Punkte: ELO Zahl bei Wikipedia
Immer Ärger mit den Feeds:
Diese und die letzte Folge von nrrrdz tauchen nicht im iTunes Store auf. Sie werden runtergeladen, wenn man den Feed abonniert hat, aber sind nicht gelistet. Ich benutze das “Podcasting Plugin by TSG” und weiß nicht, wo ich mit der Fehlersuche anfangen soll. Darum bin ich für sachdienliche Hinweise und Tipps dankbar!
links for 2010-11-09
-
"Der größte Wunsch, den ich an künftige Formen des Internets habe: Die Hardware soll verschwinden, nur die Funktionen sollen bleiben. Das Internet soll zu einer Umweltbedingung werden und dafür sorgen, dass ich überall online sein kann, telefonieren, schreiben, lesen, fernsehen, Musik hören, ohne sperrige Gerätschaft herumschleppen zu müssen."
links for 2010-11-08
-
Lesenswerte politikwissenschaftliche Einordnung von politischer Partizipation und Mobilisierung im sozialen Netz. Das Buch ist bestellt :)
Die Zukunft von Gestern
Vielle werden schon bei twitter oder nerdcore auf die Doku “Richtung 2000 – Vorschau auf die Welt von morgen” gestoßen sein. Das ZDF zeigte 1972 eine Zukunftsvision, in der die Welt stark von Technik bestimmt ist, die Umwelt wieder sauberer und die Computer immer noch mit Lochkarten arbeiten. Nach der Hälfte der ca. 30-minütigen Sendung endet die Vorschau auf das Jahr 2000 und wir sehen eine Bestandsaufnahme über die gesellschaftlichen Probleme, die 1972 als Ausgangslage für die Zukunft wahrgenommen werden: Umweltverschmutzung, Krieg, Nahrungsmittelüberproduktion und sich verändernde Rollenmuster von Mann und Frau. Apropos: Achtet mal darauf, was für Leute in der Zukunftsvision in diesem Zug sitzen und zusammen mit Herrn B. zur Arbeit pendeln. Die Sendung gibt viel Stoff für Gespräche und zum Nachdenken über die Zukunft, die wir vor zehn Jahren erlebt haben.
Freundliche Übernahme: NoBNQ stellt Konzept vor
Es tut sich was in der Nachbarschaft jenseits der Reeperbahn. Die Interessengemeinschaft NoBNQ hat eine Broschüre (PDF) vorgelegt, in dem sie ein tolles Konzept für die Übernahme und soziale Neugestaltung und Nutzung des Bernhard-Nocht-Quartiers in St. Pauli Süd vorstellen. Genossenschaftliche Wohnungen sind ebenso eingeplant wie eine kreative Nutzung der Gewerberäume für den Stadtteil, in denen beispielsweise das Stadtteilarchiv, der Hafenbasar, eine Kantine und ein Fab Lab Raum finden sollen.
Das besondere am vorgelegten Konzept ist, dass es nicht nur tolle Ideen, sondern auch einen Finanzierungsplan enthält. Jetzt müssen sich die Behörde und die Eigentümer Köhler und von Bargen dazu verhalten. Die taz hamburg schreibt heute, dass die Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde eine Förderung über das Rahmenprogramm für integrierte Stadtentwicklung (RISE) nicht für möglich hält. Ich habe aber den Eindruck, dass die Stadt aufgrund der vielfältigen Proteste Rund um Gängeviertel, NoBNQ, Frappant und co. viel zu sehr unter Druck steht, um sich das nicht noch mal ernsthaft überlegen zu müssen. Die Lektüre der Broschüre lohnt sich in jedem Fall, wie auch schon die nachfolgende Presseerklärung deutlich macht.
Beim durchblättern kann die LeserIn auf neue Ideen kommen. Es entsteht ein Bild dessen, was hier möglich ist, und was unwiderbringlich verlorengeht – wenn die Stadt uns hier nicht entschieden unter die Arme greift.
In ersten Gesprächen hat die Stadt der Initiative bereits weitgehende Finanzierungsmöglichkeiten angeboten, um das gesamte Areal zu kaufen. Unter anderem ein neues Programm (Wohnungsbaukreditanstalt: Baugemeinschaften im Bestand), das man bereits als Reaktion des Senats auf die wachsende Kritik an der neoliberalen Stadtentwicklungspolitik interpretieren kann. Dieses Programm ermöglicht es MieterInnen, ihre Häuser mit einem sehr geringen Eigenanteil zu kaufen und in eine Genossenschaft umzuwandeln. Anders als mit den Investoren, ließen sich so dauerhaft günstige Mietwohnungen auf St. Pauli halten – und zusätzlich zwei neue genossenschaftliche Mietshäuser bauen.
In unserer Broschüre wird darüberhinaus modellhaft skizziert, wie Produktion in die Stadt zurückkehren – und mit Bildung kombiniert und lokal verankert werden kann. Das Projekt soll eine öffentliche Ressource für den Stadtteil werden. Das ist der deutlich innovative Anteil unseres Konzepts, und auch dafür hat die Stadt Fördermittel, etwa aus dem “Rahmenprogramm für integrierte Stadtentwicklung (RISE) in Aussicht gestellt.
Ein Blick auf die konkreten Vorhaben verdeutlicht, welche Ausstrahlungskraft von einem solchen Projekt ausgehen wird: im Fab Lab wird Klassen- und Generationenübergreifend an modernsten digitalen Geräten gearbeitet und gelernt. Ameise Vinyl verlagert seine Plattenproduktion zu uns nach St. Pauli, ins musikalische Herz der Stadt. Harrys Hamburger Hafenbazar lockt, zurück in den alten Räumen, Touristen in St. Paulis Untergrund. Im St. Pauli Archiv lassen sich die Eindrücke wissenschaftlich vertiefen, im Café Betriebskantine Stadtfabrik wird darüber diskutiert, während Kinder im Innenhof ein Raumschiff konstruieren.
All das ist nicht umsonst zu haben. Die Zahlen finden Sie aufgeschlüsselt in der Broschüre.
Doch werfen wir einen kurzen Blick auf die Alternative der Investoren, die bereits ihren langen Schatten über das Viertel wirft. Schauen wir auf die Praxis von Köhler & von Bargen:
– ja, in zwei Häusern haben die Renovierungsarbeiten begonnen. Hier ist es gelungen, für viele Mieter eine langfristige Sicherung des Mietvertrags und eine zehnjährige Bindung des Mietpreises durchzusetzen.Doch das gilt nicht für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers:
– die Mieten für den weitaus größten Teil der BewohnerInnen, nämlich die in der Erichstrasse, können so rasant steigen, wie es der Mietenspiegel zulässt. Hier gibt es keinerlei Bindungen oder Zusagen.
– entgegen der öffentlichen Zusicherungen der Investoren, niemanden zu kündigen, passiert genau das: In einem Gebäude, das von den Investoren zum Abriß vorgesehen ist, wurde unter fadenscheiniger Begründung gekündigt.
– das noch aus vornapoleonischer Zeit stammende Gebäude der “Pension Flehmig” geht ohne Dach bereits in den zweiten Winter. Es wird gemunkelt, dass die Investoren es darauf anlegen, das historische Gebäude so verkommen zu lassen, dass sie auch dafür eine Abrissgenehmigung bekommen.
Wenn wir an dieser Praxis ablesen, was von den Zusagen der Investoren Köhler & von Bargen zu halten ist, dann ist für die nächsten Jahre der Ärger für die MieterInnen vorprogrammiert.
Nun hat es die Stadt in der Hand: den Stadtteil den Investoren zu überlassen – oder mit der Förderung dieses Projekts auf St. Pauli ein entschlossenes Zeichen gegen Verdrängung zu setzen – und die hier gewachsene, selbstbewusste, erfinderische, soziale Vielfältigkeit zu erhalten.
Gerade im Lichte der wachsenden Protestbewegungen gegen undemokratische Stadtentwicklung und der Forderung nach einem Recht auf Stadt, sollte deutlich sein, was hier eigentlich auf dem Spiel steht:
Besitzt die Stadt, ihre Regierung und Verwaltung, die Resonanzfähigkeit, um die Impulse, die das lokale Wissen ihr zuspielt, aufzugreifen?
Die Politik ist am Zug.
links for 2010-11-01
-
Ein nicht-internetgestürtzes Peer2Peer Sharingnetzwerk in der Stadt.
-
Das Team vom Missy Magazin hat die löbliche Aufgabe übernommen, die Panales und Vorträge des Kongresses "Das flexible Geschlecht" am Wochenende in Berlin zu dokumentieren. Lohnt sich!