“xo xo” ist nicht nur was für Gossip Girls. Auch gestandene Kerle küssen sich neuerdings via Mobiltelefon. Reuters ruft unter Berufung auf eine Studie von T-Mobile zum Kuss-x als Grußformel bei Männern den neuen, sensiblen Metrotextual aus. Aber ihr wisst ja.
Author: Kathrin
Lacher des Tages
ist definitiv der Frauenbrowser, den das Portal annabelle.ch gemeinsam mit Microsoft kreiert hat. Diese IE8 Version enthält Bookmarks und Webslices, die “auf die Bedürfnisse und Interessen der Schweizer Frau” abgestimmt sind. Shopping, Reise, Männer, Kochen: “Frauen nutzen Medien einfach anders”.
Kaufkraftbindung gleich Aufenthaltsqualität
BewohnerInnen Altonas haben einen Offenen Brief an den IKEA-Gründer Ingvar Kamprad geschrieben. Darin formulieren sie sehr anschaulich, worin das Problem der politischen Definitionsmacht einer lebenswerten Stadt liegt, über das hier im Blog auch schon diskutiert wurde.
Zunächst mal ein Rat: Glaub unseren Politikern kein Wort! Diese Menschen haben eine gestörte Wahrnehmung von der Wirklichkeit in unserem Viertel. Sie halten das Frappant-Gebäude, das du für dein Möbelhaus abreißen möchtest, für einen „Schandfleck“. Das stimmt aber nicht. Im Frappant arbeiten über hundert Künstler, Theaterleute und Musiker. Wir haben dort in den letzten Jahre großartige Parties gefeiert und jede Menge spitzenmäßige Konzerte und Ausstellungen gesehen, mit kaum Geld und viel Einsatz aus dem Boden gestampft. Das ist unseren Politikern aber nicht nur herzlich egal, sie machen den angeblichen „Schandfleck“ auch noch dafür verantwortlich, dass die angrenzende Fußgängerzone „unattraktiv“ sei. Schon vor Jahren haben sie per Expertise feststellen lassen, dass es ihr an „Aufenthaltsqualität“ fehle, dass sie „unbelebt und ungastlich“ sei. Sie behaupten dort, dass unsere Flaniermeile „nicht mehr die Funktion eines Bezirkszentrums sowie eines wichtigen Zentrums für das öffentliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben einnimmt.“ Wie gesagt, Ingvar, glaub ihnen kein Wort! Setz dich an einem beliebigen Sommernachmittag ins Eiscafé Filippi oder vor Dat Backhus und du wirst mit eigenen Augen feststellen: Jede x-beliebige deutsche Kleinstadt würde sich die Finger lecken nach so viel Leben. Jede Menge Leute sind hier unterwegs, Normalos und Freaks mit und ohne Kopftuch, Punk und Alkis mit und ohne Hunden, Opis und Omis, Kinder und Jugendliche.
Tatsächlich meinen unsere Politiker auch garnicht „Leben“. Was sie meinen, steht in ihrer Expertise: „Der Funktionsverlust – insbesondere der Großen Bergstraße – manifestiert sich in einer anhaltend sinkenden Kaufkraftbindung.“ Klingt kompliziert, ist aber eine ganz einfache Logik: Es kann noch so viel auf der Straße los sein – wenn nicht genug verkauft wird, behaupten sie, es gäbe dort kein „Leben“. Lächerlich, nicht wahr? Aber so geht eben die Standortlogik neoliberaler Politik: Nur wo ordentlich abgemolken wird, ist es schön. Alles andere ist hässlich.
Der vollständigen Protestbrief gegen den geplanten Bau einer IKEA-Filiale in der Großen Bergstraße kann auf www.wirsindwoanders.de gelesen und unterzeichnet werden (via Gentrification Blog).
Links vom 5. bis 17. Oktober 2009
Nach dem Klick! Read more
No Homo
Vielleicht ist das der Anfang den Aufschwungs, vielleicht aber auch nur eine kurze Zwischenmeldung in ruhigen Zeiten.
Links vom 16. bis 27. September 2009
Ich habe aufgeräumt. Hier kommen die Links der letzten Tage.
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nrrrdz000002: keine wahlempfehlung

In der zweiten Folge von Nrrrdz greifen wir kurz vor der Bundestagswahl ein hot topic der Netzszene auf. Wir sprechen über die Piratenpartei, Feminismus und Geschlechterpolitik. Wie haben wir die Diskussion wahrgenommen, was sind für uns die wirklich wichtigen Fragen, und warum ist das alles nicht so einfach? Passend dazu auch der Facepalm des Monats: Franziska Heine im Interview mit dem Piratenpartei-Podcast.
Links zur Folge:
Zum Schluss: Ein großes Danke an sv für den Jingle!
[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz02.mp3[/podcast]
Download (mp3, 65MB)
Guter Dreck, schlechter Dreck
Markus Schreiber, Chef des Bezirksamts Mitte, äußert sich im taz-Interview mit Iris Hellmuth und Sven Stillich über die Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse in St. Pauli und Wilhelmsburg und meint “Fast alle können dort bleiben”.
Wir wollen die Künstler nutzen, um eine Atmosphäre zu schaffen. Die Künstler kommen zuerst, dann wird der Stadtteil aufgewertet. Gentrifiziert. Die sind die Vorhut.
Der Begriff Gentrifizierung, von vielen vor ein paar Monaten noch als zu sozialwissenschaftlich, zu abstrakt und lebensfern wahrgenommen, ist ja mittlerweile in aller Munde. Dass ein SPDler und Bezirksamtsleiter ihn affirmativ verwendet, überrascht mich aber doch ein bisschen. Es ist aber auch wirklich kein Geheimnis, warum sich die Künstler_innen des Gängeviertels – für die er nur warme Worte übrig hat – lieber in Wilhelmsburg einnisten sollen.
Schreiber hat gut erkannt, wie das alles funktioniert: Wer Stadtteilpolitikmarketing macht, muss Vielfalt fördern. Die Viertel sollen ja am Ende nicht alle gleich aussehen, und darum differenziert Schreiber zwischen gutem und schlechtem Dreck.
Was wertet Wilhelmsburg ab?
Das hat viel mit Dreck zu tun. Damit, wie die Häuser und der öffentliche Raum aussehen. Die Ausstellung wird Wilhelmsburg verändern – und weil der Wohnungsbestand stark öffentlich gefördert ist, gelingt es hoffentlich, dass die Mieten nicht explodieren. Wir wollen den Stadtteil verändern, ohne die Bewohner zu verdrängen.
In Wilhelmsburg schadet Dreck. In St. Pauli ist er ein Standordfaktor:
Städte sind lebende Organismen: Wenn sich an der einen Stelle etwas ändert, dann gibt es an einer anderen etwas Neues. Leute, die mehr Geld haben und trotzdem nach St. Pauli ziehen, machen das, weil es so bunt ist. Ein bisschen rumpelig, verrucht, dreckig, kreativ. (…)
Ich glaube St. Pauli ist durch den Schmutz, die Obdachlosen und Prostituierte ein bisschen davor geschützt, ganz Eppendorf oder ganz beliebig zu werden.
(…)
Haben Sie den Film “Empire St. Pauli” gesehen?
Ja.
Da wird einiges übertrieben – aber da ist auch etwas dran. Das Gefühl, dass man St. Pauli nicht beliebig machen darf, das teile ich.
Die Zitate sind nur ein Vorgeschmack auf ein Interview voller Knülleraussagen, in dem wir erfahren, dass Schreiber weder Sushi noch Hundescheiße wirklich mag, dass höhere Bildungsabschlüsse bei steigenden Mieten helfen, und dass hohe, schlanke Bürotürme besser sind, als hohe, dicke Bürotürme. Wahnsinn! Unbedingt lesen!
Wahlkreis Hamburg Mitte
Vor ein paar Wochen war ein alter Freund von mir, der jetzt in Berlin lebt, mal wieder in Hamburg. Wir saßen im Park Fiction, schauten auf den Hafen und unser Gespräch drehte sich um die Hamburger Verhältnisse und die anstehende Bundestagswahl. Er erzählte mir eine alte Geschichte über Johannes Kahrs, den Direktkandidaten der SPD in Hamburg Mitte. Sie spielt Anfang der 1990er Jahre in Hamburger Juso Kreisen und ist in Kahrs Wikipedia Eintrag dokumentiert:
Im Mai 1992 erstattete die Hamburger Juso-Landesvorständlerin und innerparteiliche Konkurrentin Silke Dose Anzeige wegen nächtlicher anonymer Telefonanrufe mit drohendem und beleidigendem Inhalt. Die Drohanrufe wurden über mehrere Monate hinweg wiederholt. Sie vermutete einen Stalker. Die Fangschaltung der Ermittler ergab Kahrs als Anrufer. Das Strafverfahren gegen Kahrs, in dem ihn Ole von Beust vertrat, wurde gegen Zahlung der Gerichtskosten und eines Bußgeldes von 800 DM eingestellt. Daraufhin forderten ihn im August 1992 über 50 Hamburger Sozialdemokraten erfolglos zum Rücktritt von allen politischen Ämtern auf.
Auch im Mopo-Archiv kann man die Geschichte finden, oder bei der FAZ:
Auch Strategen machen Fehler. Kahrs macht einen großen 1992. Die damals 22 Jahre alte Silke Dose, linke Gegnerin von Kahrs im Hamburger Juso-Vorstand, erhält nachts anonyme Anrufe, in denen der Anrufer teils auflegt, teils schweigt oder sie mit Sätzen wie „Ich krieg dich, du Schlampe“ bedroht. Die junge Frau beantragt eine Fangschaltung.
Ich bin schockiert darüber, dass dieser Mann es in der SPD so weit bringen konnte und schon drei Mal und ohne Listeplatz-Absicherung als Direktkandidat in den Bundestags eingezogen ist. Trotz der Sache mit Silke Dose, trotz der Spenden aus der Rüstungsindustrie, über die die FAZ berichtet. Er ist Sprecher des Seeheimer Kreises (das ist der konservative Flügel der SPD Bundestagsfraktion) und hat einen großen Einfluss auf die Hamburger SPD.
Es gibt – manche wird diese Aussage wundern – gute Gründe, die SPD bei der Bundestagswahl zu wählen. Schwarz-Gelb verhindern, neue Atomkraftwerke verhindern, die gesetzliche Krankenversicherung bewahren, dafür sorgen, dass ALG2 nicht gekürzt wird … das kleinere Übel eben. Einen Grund, Johannes Kahrs zu wählen, sehe ich nicht. Ich drücke Farid Müller die Daumen, obwohl es ein bisschen peinlich ist, dass er seine Tweets mit #FaridMueller verschlagwortet.
And I quote:
Eine kritische Auseinandersetzung müsste sich u.E. solchen Fragen widmen, wie der nach dem jeweiligen Zugang zu gesellschaftlichen Privilegien, zu umfassenden sozialen und politischen Rechten sowie zu sozio-ökonomischen und kulturellen Ressourcen. Mit Bezug auf eine Komplexität von Macht- und Herrschaftsverhältnissen bedeutet dies, dass wechselnde Konstellationen der Machtdifferenz, der Unter- und Überordnung entstehen, deren jeweilige Stabilität oder Anfechtbarkeit sich nicht beliebig gestaltet. Unterschiedliche Positionen und die sich zwischen ihnen entfaltenden Machtdynamiken stellen den Kontext dar, aus dem heraus sich Motivationen für politische Veränderungen entwickeln. Wenn in einem spezifischen politischen Kontext unterschiedliche Ausmaße an Definitions- und Gestaltungsmacht, an Repräsentationsmöglichkeiten und Sprechpositionen aufeinander treffen, führt dies zu Konflikten. Eigene Privilegien in Frage zu stellen und den Zugang zu sozialen und politischen Rechten zu teilen heißt dann auch, Unterschiede für gesellschaftliche Veränderungsperspektiven und nicht für die eigenen Interessen produktiv zu machen. Die innewohnende Konflikthaftigkeit als produktiv für die politische Praxis anzusehen ist nicht zuletzt eine wesentliche Voraussetzung dafür, Herrschaftsverhältnisse zu analysieren und unter Bedingungen von Machtdifferenzen miteinander arbeiten zu können.
Antke Engel, Nina Schulz, Juliette Wedl 2005: Kreuzweise queer: Eine Einleitung, in: femina politica 1/2005, Queere Politik: Analysen, Kritiken, Perspektiven, S. 14f.