Author: Kathrin

Die Geschichte vom Palmrest-Sensor

Heute schreib ich mal was ohne Feminismus, Gesellschaftskritik und so. Aber es geht um digital life. Um daran teilnehmen zu können, brauchen wir ja Gerätschaften. Mein Macbook ist innen weiß, außen mittlerweile Schwarz und schon ein paar Jahre alt und leistet mir noch gute Dienste. Nur war seit einiger Zeit der Lüfter ohne triftigen Grund auf Dauerbetrieb. Das stört nicht nur, das ist dem Fangirl auch peinlich. Zunächst hatte ich natürlich Flash und “seltsame Prozesse im Hintergrund” im Verdacht, aber da war nichts. Es musste an der Hardware liegen.

Mit einem ehemaligen von Apple zertifizierten Servicetechniker (so jemanden im Freundeskreis zu haben ist einfach Gold wert) habe ich einen Hardwaretest durchgeführt, demzufolge der linke Palmrest-Sensor kaputt war. Der misst die Temperatur dort, wo die Handfläche ruht, also beim Akku. Normalerweise weiß dann der Lüfter, wann es dem Gerät zu heiß wird, weil zum Beispiel gerade der Akku explodiert. Ist der Sensor kaputt, wird pro forma gelüftet.

Nun gut, ein neuer Sensor muss her. Aber wo sitzt der denn?
Der Techniker des Vertrauens war überzeugt, dass er auf dem Topcase sitzt. Das ist der Teil des Macbooks mit der Tastatur, dem Trackpad usw. Das Topcase wurde getauscht, doch das Lüften nahm kein Ende.
“Oha”, sagte der Techniker des Vertrauens, “dann ist das wohl auf dem Logicboard.” Viele Schrauben raus, altes Logicboard raus, neues rein, Schrauben wieder rein. Und der Lüfter? Bläst weiter.

Die Geschichte endet wie im Märchen, denn aller guter Dinge sind drei, und den entscheidenden Geistesblitz hatte schließlich ich: “Wenn der Palmrest-Sensor die Temperatur beim Akku misst, vielleicht sitzt er dann ja am Akku?” – Voilà: Akku raus, Macbook nur am Stromnetz betrieben und der Lüfter gibt Ruhe. Mit neuem Akku ist jetzt alles wieder in Ordnung. Himmlische Ruhe!

Pro-Tipp fürs Leben

when the drama lama spits at you - spit right back

Die neue Lebensweisheit meiner Mitbewohnerin.

Soziale Ungleichheit und Netzneutralität

The Internet provides our communities with a medium to access services, find jobs, connect to friends, make inexpensive international phone calls to family members, and to advocate for social change. Many of the most valuable things we do online are noncommercial; they exist because the Internet is the first mass media system with no gatekeepers to dole out privilege to the highest bidder. That freedom and openness is what makes the Internet different from broadcasting and cable. We can’t allow Comcast, AT&T, Verizon and other broadband providers to deliver substandard Internet service to our communities.

Spannend: Netzpolitische Kommentare werden ja meistens aus einer scheinbar neutralen, universellen Perspektive verfasst, die wenig situiert ist. Im Gegensatz dazu diskutieren Malkia Cyril, Chris Rabb und Joseph Torres das wichtige Theme der Netzneutralität in ihrem Artikel The Internet Must Not Become a Segregated Online Community aus einer dezidiert verorteten Perspektive (via feministing). Welche Auswirkungen hat es für den Alltag und die politische Organisierung von nicht-weißen, nicht-mittelständischen Leuten, wenn Telekommunikationsunternehmen zu Gatekeepern werden und beispielsweise preiswerten Zugang zum Internet auf wenige, ausgewählte und zahlungskräftige kommerzielle Websites beschränken können? Im Zusammenhang mit Netzneutralität ist es neben einem grundsätzlichen Einfordern von freiem Internet also wichtig zu fragen, was die Konsequenzen von Beschränkungen sind: Welche Anbieter können es sich leisten, sich in die Angebotspalette von Providern einzukaufen und welche nicht? Auf welchen Kundenkreis wären die Angebote zugeschnitten, und wer kommt dabei nicht vor? Und schließlich: Wer kann sich einen ungefilterten Zugang zum Netz dann noch leisten, und wer nicht? Ein Verzicht auf Netzneutralität bedeutet, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse und soziale Ungleichheit eine noch stärke Auswirkung auf den Zugang zum Netz und die Frage, wer das Netz für seine Interessen nutzen kann, haben werden, als sie es im Zeitalter der digitale divide ohnehin schon tun.

Links vom 15. November bis 2. Dezember 2009

Nach dem Klick!
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Queering Gentrification

Dieser Text ist erschienen in [sic!] Forum für feministische Gangarten Nr. 64, S. 32-33 unter dem Titel “Gibt es eine queere Ökonomiekritik?”

Seit geraumer Zeit finden vielfältige queer-theoretische Auseinandersetzungen mit Kapitalismus und Neoliberalismus statt, die nach den Zusammenhängen von Heteronormativität und sexuellen Politiken mit ökonomischen Verhältnissen und Arbeit fragen. Für eine queere Ökonomiekritik stellt sich immer wieder die Frage, inwiefern queere Politiken in neoliberale Diskurse eingebunden sind. Neoliberale politische Strategien der Ökonomisierung des Sozialen rufen Subjekte als eigenverantwortliche und freie Unternehmer_innen ihrer Selbst an. Paradoxerweise sind neoliberale Verhältnisse damit nicht nur durch den Abbau sozialer Gerechtigkeit und die Einschränkung demokratischer Teilhabe gekennzeichnet, sondern auch durch die Anerkennung von Differenzen, wie beispielsweise Lebensformen, die heteronormativen Vorstellungen nicht entsprechen. Kann diese Ambiguität als Ressource widerständiger Praxen genutzt werden, wie Antke Engel (2009) es fordert, und welche Vorstellung des Kapitalismus ermöglicht es, Widerstand zu denken?
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Ein digital native

Der Sohn einer Freundin kam neulich mit einem Englischtest zurück, in dem er statt “sorry” und “thanks” die Kürzel “sry” und “thx” geschrieben hatte. Das passiert halt, wenn sich Jugendliche einen relevanten Teil ihrer angewandten Englischskills beim online Spielen aneignen.

Zeichnen

Auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestages kann zurzeit eine Petition mit dem Titel Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen gezeichnet werden. Ein paar Hintergrundinfos findet ihr im Digitale Linke Blog.

Links vom 3. bis zum 10. November 2009

Aufgeräumt. Die Links der letzten Tage kommen nach dem Klick!
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Wessen Relevanzkriterien?

In der deutschsprachigen Netzszene wird seit ein paar Wochen eine große Wikipediadebatte geführt, in der es um das Löschverhalten von Admins und die Frage, wie speziell in der deutschsprachigen Wikipedia mit Relevanzkriterien umgegangen wird, geht. Die Dabatte könnt ihr in zahlreichen Blogs nachvollziehen, als Background hier mal ein etwas älterer, kurzer Text bei Spiegel Online mit vielen Links und einem Katzenbild: Wikipedia-Autoren ziehen in den Löschkrieg – gegen Katzen.

Was soll in einer kollaborativen Onlineenzyklopädie alles stehen, und was ist irrelenvat? Felix Neumann sieht das Problem in der

mangelnde(n) methodische(n) Reflexion. Die Kriterien Relevanz und Neutralität sind selbst nicht wertfrei. (…) Die ganze Problematik offenbart sich in einem Paradox: Die Wikipedia als Web-2.0-Projekt ist ein postmodernes Medium. Relevanz ist ein modernes Paradigma.

In diesem Zusammenhang finde ich den Hinweis von Wikipedianerin wisewoman, die Johnny Häusler auf Spreeblick zitiert, bedenkenswert:

80% der Wikipedianer in den USA seien männlich, mehr als 65% alleinstehend, mehr als 85% kinderlos und rund 70% jünger als 30 Jahre (Quelle). Zahlen, welche so oder sehr ähnlich die gestern anwesende Wikipedianerin wisewoman auch für Deutschland bestätigte, wobei sie von nur 13% Frauenanteil sprach und außerdem darauf hinwies, dass Wikipedianer in Deutschland so gut wie ausschließlich weiß wären – Deutschsprachler nichtdeutscher Herkunft scheinen in der Wikipedia Seltenheitswert zu haben.

Ohne jetzt mit einem vereinfachten Diversity-Argument daher zu kommen (je unterschiedlicher die Beteiligten desto besser das Produkt), denke ich schon, dass eine selbstkritische Einschätzung nach den Grenzen des eigenen Blickes auf die relevanten Dinge in der Welt notwendig ist. Mich hat die Debatte an den Artikel Gender Trouble im Web 2.0 – Sexismus, Homophobie, Antifeminismus und Heteronormativität im neuen alten Internet von Tanja Carstensen erinnert:

Queer-feministische Inhalte zu löschen, stand auch in der “freien Enzyklopädie Wikipedia” zur Debatte. Im August 2007 wurden dort die Einträge zu “Ladyfest” und “Riot grrrl”zur Löschung vorgeschlagen. Neben Kritik an Relevanz und Qualität der Einträge – der Ladyfest-Artikel wurde als “freie Assoziation zum Thema” charakterisiert, er sei nicht objektiv – schien den Lösch-Befürworter(_inne?)n aber auch das Verständnis von Geschlecht als “hegemoniale heterosexuell verfasste Zweigeschlechtlichkeit” kritikwürdig: “Ich dachte immer das hätte was mit Genetik zu tun.” Auch die im Beitrag enthaltene Aussage, Frauen und Mädchen seien innerhalb der Musik- und Kunstszene unterrepräsentiert, wurde angezweifelt und als Argument für die Löschung herangezogen (vgl. Wikipedia). Fünf Minuten später schlug einer der an der Diskussion beteiligten Personen dann auch noch die Löschung des Eintrags zu “Riot grrrl” vor:

“Ich will mal ganz ketzerisch die Frage nach der Relevant stellen und frage mich auch was das nun genau sein soll. Entstanden in einem eher unedeutenden Kaff, reagiert wie auch immer auf eine empfundene männliche Dominanz in der Musikszene (ist dem so? Wenn ich Radio höre habe ich den Eindruck öfter Frauen, denn Männer singen zu hören), und dann ein paar nicht wirklich bekannte Musikkapellen als Beispiele. Als Literatur werden vor allem Artikel in Zeitschriften mit doch sehr sehr begrenzter Leserschaft angegeben, die Weblinks sind irgendwelche Foren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier krampfhaft etwas groß geschrieben werden soll, von dem kaum jemand je Notiz genommen hat.” (vgl. Wikipedia)

Es muss also auch gefragt werden, um wessen Relevanzkritieren es geht, und unter welchen Bedingungen sie ausgehandelt werden können. Dass Beteiligung und Engagement nicht vergebens sind, zeigen der Ladyfest und der Riot Grrrl Einträge, die es bis heute gibt.

nrrrdz000003: listen und so

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Dinge die neu sind: Wir haben Snow Leopard und diverse Probleme mit unseren Computern. Marlen hat sich eine Xbox gekauft und Kathrin empfielt click to flash. Auch neu sind die Listen bei Twitter. Leute können ihre Follower_innen jetzt in Kategorien einteilen, und wir fragen uns, ob das eine strukturierende Dynamik hat. Der Facepalm des Monats ist ein Stück aus der Games und so Folge “Für Mädchen” und um Spiele wird es auch in der nächsten Folge gehen, die wir Ende November zusammen mit einem sehr tollen Gast machen werden.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz03.mp3[/podcast]

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