Author: Kathrin

Frauenzeitschriften nerven – Sex Edition

Dass Frauenzeitschriften ein schlechtes Gefühl bei vielen Leser_innen hinterlassen, ist nicht nur eine Behauptung der feministischen Konkurrenz. Annemarie Rettenwander und Lisa Humer haben das experimentiell überprüft. Neben den Rubriken Mode, Kosmetik, Diät und Fitness, die der interessierten Frau mangelnde körperliche Perfektion unter die Nasen reiben, bietet vor allem der Themenbereich Dating, Sex und Partnerschaft immer wieder grauenvolle Beispiele für schräge Bilder von heterosexueller Weiblichkeit frei nach dem Motto tease him, please him & forget about you.

Eine schöne Rubrik zu diesem Thema hat das Blog The Pervocracy. Holly scheint jeden Monat die Cosmopolitan zu lesen und kommentiert unter dem Label cosmocking die vielen Ratschläge, die Cosmo für Frauen und Männer zum Umgang miteinander bereit hält.

Man, there must be a lot of perfume samples in this one, it’s really smelly. (…)

[“Cosmo’s advice for your man”]
Believe it or not, picking up the dry cleaning and changing the oil could get you laid.
I guess. You know what else could get you laid? Showing up to my place

Well, yeah. But also:

Showing up to my place in a leather jacket and tight white t-shirt and greeting me with a kiss that’s a hell of a lot more than a “honey-I’m-home,” asking permission with your eyes before pushing me to the wall right there in the hallway and pressing your body against mine with little gasps from both our lips as your hands run up under my shirt and you kiss like you’d swallow me whole and grab a fistful of my hair and arch my neck back and whisper in my ear exactly what you’re going to do…

You’ll get a lot more and better sex for being sexy than you will for acting like it’s your allowance for doing the chores.

When your guy isn’t home, stash an especially racy pair of panties in his underwear drawer (claim later that it was the result of an innocent laundry mix-up). The next time he opens it to pick out boxers, he’ll be greeted by your suggestive underthings… and no doubt want to locate their owner immediately.
If we’re sharing laundry, doesn’t that mean he sees my undies all the time anyway? Oh right, this is 1953, so he never troubles himself with the laundry, he’s too busy killing mastadons for the family. (…)

If we were friends, I’d warn you: don’t sleep with a guy on the first date. It tells him you’re not top-shelf. And we want top-shelf.
Well, then I’m glad we’re not friends, because I don’t live on a fucking shelf.

Soweit zur Feburar 2009 Ausgabe. Frauen, hockt euch auf das obere Regal, macht einen auf unschuldig, faltet die Wäsche, und gebt es ihm, wenn er es sich verdient hat. Wenn es nach Cosmo oder der GMX- Redaktion geht, ist Sex für Männer das, was Leckerlies für Hunde sind. Weltbilder gibts.

Jugend nach 9/11: Anyone But Me

Dank der Queerulantin habe ich die Webserie Anyone But Me entdeckt. In den bisher drei kurzen Folgen geht es um die 16-jährige Vivian, die mit ihrem Vater zu ihrer Tante zieht – von New York City in die Kleinstadt. Vivian muss sich in die neue, sehr winzige Highschool einfinden und vermisst ihre Liebste ganz schrecklich. Die Serie hat sich das Leben von Jugendlichen, die die Welt vor 9/11 nicht kennen zum Thema gemacht.

Anyone But Me kommt angenehm unaufgeregt daher, und ich habe mich sofort in die Stimme von Hauptdarstellerin Rachael Hip-Flores verliebt. Ab Dienstag läuft die neue Folge bei Strike.tv. Darauf freue ich mich schon.

Links vom 2. bis 9. Januar 2009

Es ist mal wieder Zeit, ein paar delicious-posts zu einem Artikel zusammen zu fassen. Es geht um Tina Fey, Frauenzeitschriften, eine Dokumentation über die Verfolgung Homosexueller im NS, die Krise und zwei wirklich erschreckende, aktuelle Fälle von Diskriminierung – nach dem Klick.
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Lessons from 2008

Frauen aufgepasst!

Ich dachte mir, was neues von Sarah Haskins wäre mal wieder nett. Lenkt schön von Tropfnasen ab. Und passend zum Jahresanfang gibt es jetzt auch eine Ausgabe zum Thema Diät. Ich sag nur Kekse vs. Abnehmen.

Erwünschte Elternschaft

Auf der Seite des Feministischen Institut Hamburg ist ein kleiner Text von mir veröffentlich worden. Es geht um das Thema meiner Magisterarbeit: Familienpolitik und Elternschaft in Deutschland.

Die deutsche Familienpolitik und die ihr zugrunde liegenden Konzepte von Mutterschaft und Vaterschaft galten lange Zeit als besonders der Tradition verschrieben und rückständig. Überraschenderweise brachte ausgerechnet die Familienpolitik der Großen Koalition eine familienpolitische Wende. Sie wird nicht nur in der medialen Öffentlichkeit als Erfolg verbucht, sondern gilt trotz berechtigter Kritik auch aus feministischer Sicht als Schritt in die richtige Richtung. Während auf gleichstellungspolitischer Ebene Erfolge zu verzeichnen sind, bildet der familienpolitische Diskurs jedoch ein Konzept von normativ erwünschter Elternschaft aus, das Familienformen jenseits der Zwei-Erwerbstätigen-Elternschaft zunehmend stigmatisiert.

Weiterlesen: Familienpolitik: Welche Formen von Elternschaft sind erwünscht? Kommentare zum Text gerne hier posten, es gibt auf der Website nämlich nur ein Gästebuch und keine Kommentarfunktion für die einzelnen Texte.

Das Feministische Institut Hamburg veröffentlicht auf seiner Homepage Statements von verschiedenen Autor_innen. Ziel ist es, “feministische Debatten über die Hochschulen hinaus in breite Öffentlichkeiten zu tragen, dort zur Diskussion zu stellen und damit in politische Praxen einzugreifen.” Die gesammelten Statements aus den Jahren 2006/2007 und 2008 stehen jetzt auch als Reader (PDF) zur Verfügung.

Buchvorstellung mit Friederike Habermann: “Der homo oeconomicus und das Andere”

Auf die Veröffentlichung “Der homo oeconomicus und das Andere. Hegemonie, Identität und Emanzipation” (Nomos 2008) von Friederike Habermann bin ich neulich schon neugierig geworden, als ich bei dieStandard von einer Veranstaltung mit ihr gelesen hatte. Wie schön, dass Habermann ihr Buch Ende Januar in Hamburg vorstellen wird!

Angela Merkel, Condoleezza Rice und nun Barack Obama — das Geschlecht oder die Hautfarbe scheinen heute in keinem Widerspruch zur Karriere mehr zu stehen. Andererseits existieren Sexismen und Rassismen weiter, strukturelle Ungleichheiten lösen sich nicht einfach auf, einige verstärken sich sogar, teilweise kommt es zu Verschiebungen im Verhältnis von sex, race & class. Ein Paradox?

Immer wieder wird beklagt, dass Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse als unverbunden in der Analyse erscheinen — wenn sie denn überhaupt gemeinsam in die Analyse einbezogen werden. Mit der ‘subjektfundierten Hegemonietheorie’ wird ein Ansatz skizziert, der — aufbauend auf Antonio Gramscis Hegemoniebegriff und in Erweiterung durch postmarxistische, postfeministische und postkoloniale Ansätze (Stuart Hall, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Judith Butler) — von der Verwobenheit aller Herrschaftsformen ausgeht. Wesentlich geht es der Autorin weiterhin darum, die bestehende Trennung zwischen historischmaterialistischen als auch postkolonialen und feministischen Ansätzen zu überwinden.

Dafür und darüber hinaus untersucht Friederike Habermann in einem wirtschaftstheoretischen und einem historischen Teil, wie der homo oeconomicus als Fundament der heutigen Wirtschaftstheorie nicht nur das Stereotyp des weißen, männlichen Bürgers abbildet, sondern wie dieser und alle anderen sich in der Moderne herausbildenden Identitäten in Relation zu ihm — und damit zueinander — entstanden und sich weiter ausformen. Heute ist der homo oeconomicus (mit einigen /soft skills/ angereichert) zum hegemonialen Leitbild für alle geworden; da er jedoch in Interaktion mit der Konstruktion des weißen, männlichen Bürgers konstruiert wurde, bleibt es für Mitglieder dieser Identität(en) leichter, erfolgreich zu sein.

Das Buch schließt mit Überlegungen für eine emanzipatorische Theorie und Politik.

Dr. Friederike Habermann ist Volkswirtin, Historikerin und Dr. phil. in Politischer Wissenschaft. Sie ist seit den Achtziger Jahren in Sozialen Bewegungen und seit den Neunzigern im globalen Widerstand aktiv.

Do, 29. Januar 2009, 19:30 Uhr
kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12

Veranstaltet von /homines oeconomici/ in Kooperation mit der rosa luxemburg stiftung hamburg

Ein paar Wünsche für 2009

fliegende laternen
von sheng-fa lin ???, creative commons by-nc-nd 2.0

Ich wünsche mir, dass ich den Januar gut hinter mich bringe. Danach fängt ein neuer Lebensabschnitt an. Neujahr ist bei mir eigentlich erst Ende des Monats, wenn ich mein Studium beendet haben werde (Futur II!). Ich habe schon Pläne für die Zeit danach. Das ist alles sehr aufregend und wird sicher anstrengend, aber ich freu mich drauf.

Ich wünsche mir, mehr zu lesen, vor allem Bücher und Zeitungen. Anachronistisch, weil aus Holz. Ich habe das Gefühl, dass ich beim Zeitunglese weniger selektiere und dass das meiner Allgemeinbildung nicht schadet.

Ich wünsche mir, dass @wolfseule ab und zu bloggt und dass viele Leute ihre Musik hören, dass die Historiker_innen-Crew bei deconstruction history ihr Experiment intensiviert und dass die drei von heiter scheitern weiter heiter scheitern. Ich wünsche mir, diese Texte mal in Songs zu hören. Und natürlich, dass es allen meinen Freund_innen gut ergeht! Fühlt euch jetzt bitte nicht unter Druck gesetzt ;-)

Ich wünsche euch allen ein erträgliches tolles neues Jahr! Diese Wunschlaternen habe ich gestern Nacht zum ersten Mal im Silvestereinsatz gesehen, allerdings nicht so viele auf einem Haufen. Ich glaube, die werden ein Trend 2009.

Links vom 24. Dezember 2008 bis 1. Januar 2009

Nach dem Klick gibt’s die Links von zwischen den Tagen.
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Nachwehen bei der taz

Er trägt Bart und einen Babybauch: Der Transsexuelle Thomas Beatie wird demnächst ein Baby gebären. Aber ist er Vater oder Mutter des Kindes? VON CIGDEM AKYOL & ARNO FRANK

So fing er an, der viel diskutierte Pro & Contra Text über Thomas Beaties Schwangerschaft in der tageszeitung vom 2. Juni dieses Jahres, über den ich hier geschrieben habe. Gegen den Text von Arno Frank wurde Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt und dieser hat eine Missbilligung ausgesprochen.

In der heutigen Ausgabe lassen verschiedene taz Redakteur_innen das Jahr Revue passieren “blicken zurück auf zwölf Monate voller Verluste und Gewinne, küren ihre Männer und Frauen des Jahres und bekennen sich zu ihrer persönlichen Ökobilanz. Das Jahr 2008 – noch einmal mit Gefühl!” (leider nicht online)

Für Cigdem Akyol, Redakteurin bei tazzwei und Autorin des “Pro”-Textes ist Thomas Beatie der Mann des Jahres, denn er “zeigt der Welt, dass es im Leben tausend Grauschattierungen gibt. Respekt!”

Arno Frank, Leiter des Ressorts tazzwei, zieht eine andere Lehre aus der Affäre und antwortet auf die Frage “Geld oder etwas anderes verloren?”

Nee, nur meinen Respekt vor den Clowns beim deutschen Presserat. Die müsste man mal richtig durchgendern …

Durchgendern. Dieser Mann ist Ressortleiter für den Kulturteil einer sich linksalternativ positionierenden Tageszeitung. Ich fass’ es nicht!

Links vom 13. bis 21. Dezember 2008

Alle Links der vergangenen Woche nach dem Klick!
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