Author: Kathrin

Links vom 19. bis 23. Januar 2009

Sexismus, Rassismus, Vorratsdatenspeicherung und das Dschungle Camp. Empfehlenswerte Links der vergangen Tage nach dem Klick!
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Monochrom in Hamburg

Am kommenden Samstag, dem 24. Januar 2009, ist Frank Apunkt Schneider, Mitglied der deutsch-österreichischen Kunstgruppe monochrom zu Gast im Trottoir in Hamburg (Hamburger Hochstraße 24 / St. Pauli). Er präsentiert ab 20 Uhr ein Powerpoint-Infotainment über Georg Paul Thoman: Die Eigenurintherapie des Realen.

Georg P. Thomann (1945-2005) war ein österreichischer Großkünstler, dessen Weg durch die Kunstgeschichte des späten 20. Jahrhunderts radikale Positionen von Wiener Aktionismus über Situationismus, Punk, Neoismus, Appropriation Art bis bis zur Repolitisierung im Umfeld der p.c.-Bewegung miteinander verband.

2002 wurde Georg P. Thomann als österreichischer Beitrag zur Sao Paulo Bienale geschickt. Dabei stellte sich heraus, dass er (und seine über hundertseitige Biographie) von der Wiener Gruppe monochrom erfunden worden war. Und zwar, um der Kunst etwas von der Würde zurückzugeben, die sie als bürgerliches Selbstvergewisserungsmedium freilich nie hatte.

Georg Paul Thomann, heißt es in einem Programmtext, „ist eine Sonde, die in zeitgenössische Kunstmilieus eingesenkt wird, eine Lebensform, die auf den Kurzschlüssen basiert, die erzeugt werden, wenn die so genannte Wirklichkeit mit Eigenurin therapiert wird. Er taucht an ausgewählten Orten der Kunstlandschaft auf und hinterlässt sie so, wie er sie vorzufinden sich gewünscht hätte.“

Frank Apunkt Schneider ist Mitglied bei monochrom und wird im Anschluss an seinen Vortrag über Georg Paul Thomann einige der letzten Exemplare des längst vergriffenen Thomann-Readers „Wer erschoss Immanenz?“ versteigern.

Monochrom ist eine deutsch-österreichische Kunstgruppe, die das gleichnamige Magazin herausgibt und die Webseite www.monochrom.at betreibt.

Examined Life: Laufen, Denken, Sprechen

Einflussreiche Denker_innen unserer Zeit laufen durch die Gegend und sprechen im Kontext des jeweiligen Raumes über verschiedene Dinge. Netter Ansatz, gute Klamotten. “Examined Life” von Astra Tyler ist bestimmt ein sehenswerter Film (via foucaultblog). Ich hoffe, der läuft auch mal in einem Hamburger Kino.

Thanks and have fun running the country

Die Inauguration ist ein politisches Spektakel, das mir suspekt ist. Gleichzeitig freue ich mich aber für die Leute, die heute in Washington noch einmal den Wahlsieg feiern werden. Wer sich heute Nachmittag noch auf die Amtseinführung Obamas einstimmen möchte, sollte sich die aktuelle Folge von This American Life anhören. Die Folge 372: The Inauguration Show ist den Gedanken und Hoffnungen ganz unterschiedlicher Amerikaner_innen gewidmet. Die This American Life Reporter sprechen mit Leute aus dem Umweltschutz, für die es neu ist, zum ersten Mal nicht gegen die Regierung agieren zu müssen. Sie interviewen Vertreter von Veteranenverbänden, die hoffen, jetzt bestimmte Policies durchsetzten zu können. Wir hören von Kindern mit guten Ratschlägen, Evangelikalen, die sich möglicherweise auf eine moderatere Position einlassen und Leute aus der Button-Industrie, die sich fragen, wie es nach dem erfolgreichen Wahljahr weiter geht. “Democracy is the government of the people, by the people, for the people.” (Abraham Lincoln), also hört auf das Volk und schaut nicht nur die Inthronisierung an.

Top 5 Serien im Herbst 2008

Als kleine Ergänzung zu meinem Text über die Frühjahrssaison in der amerikanischen Serienlandschaft hier noch meine Lieblingsserien im Herbst 2008.

1. Desperate Housewives und 30 Rock
Desperate Housewives ist in dieser Staffel richtig spannend. Am Anfang einen 5-Jahressprung zu wagen war eine hervorragende Idee, und keine Serie behandelt so gut die Frage was es heißt, in der heutigen Zeit eine Frau in der weißen, amerikanischen Middleclass zu sein, ob mit oder ohne traditionelle Familie, ob mit oder ohne ausreichend Kohle, ob als Hausfrau oder Geschäftsfrau.
30 Rock dürfte einigen mittlerweile ein Begriff sein, nachdem Tina Fey mit ihren Sarah Palin Parodien weltberühmt wurde. Für mich ist 30 Rock definitiv die witzigste Serie im letzten halben Jahr, und ich mag vor allem Alec Baldwin als Jack Donaghy sehr gerne.

3. Gossip Girl
Beklopptes Setting, merkwürdiges Drehbuch, aber sehr lustige Dialoge. Die Welt des Web 2.0 wird auf die Spitze getrieben, wenn Teenies ihre Mitschüler beobachten und erwähnenswertes sofort auf Gossip Girl landet. Von dort aus verbreiten sich die Infos per Handy rasant und kaum ist große Pause macht es überall “piep”. Alle wissen Bescheid. Da die zentralen Charaktere ohnehin alle Societykids sind, müssen sie sich ohnehin daran gewöhnen, im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stehen. Nothing to hide.

4. Dexter
Immer wieder spannend: Der Serienkiller und Blutspritzexperte Dexter Morgan bei seinen Versuchen, mit der Welt da draußen klar zu kommen. Auch die letzte Staffel war wieder gut, auch wenn das Finale nicht so nervenzerreißend war wie sonst.

5. House
Es ist eine schwere Aufgabe, diese Serie nicht langweilig werden zu lassen. Nach 10 Minuten die erste Diagnose, nach 20 Minuten die zweiten, es geht schief, Patient kratzt fast ab, aber dann fällt House noch was ein. Lebensrettung in Minute 30. Zwischendurch die üblichen fiesen Kommentare, aber immerhin ist die House & Cuddy Storyline diese Staffel ganz spannend.

Nicht gesehen, aber könnte gut sein: Mad Men.

Und ihr so?

Serien-Wahnsinn! L-Word, Big Love & The United States of Tara

Am Sonntag wüschte ich mir wirklich, in den USA zu leben. Mit Kabelabos von HBO und Shotime und einem Tivo (wegen der Überschneidungen) ausgestattet würde ich am 18. Januar die ganze Nacht vor der Glotze hängen und Serien gucken, die mit neuen Staffeln oder erstmalig ausgestrahlt werden.

Da wäre zum einen die sechste und letzte Staffel von The L-Word (Shotime). Ich schwanke da immer zwischen aufrichtigem Interesse an den Stories und extremem Amüsement aufgrund der Übertreibungen. Die neue Staffel beginnt mit dem Tod einer zentralen Figur (auf youtube erfahrt ihr schon, wer es ist), und in den nur acht Folgen wird dann gezeigt, wie es dazu kam. Das verspricht zum Abschied noch mal überzogenes und glamuröses Drama nach meinem Geschmack.

Während es bei L-Word um relativ etablierte lesbische, bisexuelle und trans Leute, die in Hollywood leben, geht, findet wirkliche Devianz in Sandy, Utah statt. Big Love (HBO) ist eine Serie über eine polygame Familie mit fundamentalistisch-mormonischem Hintergrund und geht in die dritte Staffel. Wird Bill eine vierte Frau in die Ehe bringen? Wie entwickelt sich der Machtkampf zwischen Barb, Nicky und Margene? Wie gehen die acht Kinder mit ihrer nicht-normativen Familiesituation um? Und was treiben die Familien auf dem compound in Juniper Creek, wo die Sitten etwas rauer sind? Big Love ist extrem spannend und herausfordernd, weil hier sehr nuanciert die Repräsentation von Polygamie als traditionelle und unterdrückerische Herrschaft über Frauen auf eine Repräsentation von Polygamie als auch von Frauen selbstgewählte Lebensform stößt. Und außerdem spielt Chloë Sevigny mit. Habe ich euer Interesse geweckt? Hier ist eine kleine Einführung, zugleich aber auch Zusammenfassung dessen, was in den bisherigen zwei Staffeln geschehen ist (Spoiler).

Und schließlich ist da noch die Serienhoffnung 2009: The United States of Tara (Shotime). Ein sehr gutes Omen ist die Tatsache, dass Diabolo Cody die Serie entwickelt hat, die oscar-prämierte Drehbuchautorin von Juno. Tara, gespielt von Toni Colette, ist eine Frau mit multipler Persönlichkeitsstörung. Sie ist Tara, Alice, Buck und T. Dass die weibliche Hauptrolle zu eindimensional angelegt ist, wird man dieser Serie also schon mal nicht vorwerfen können.

Das macht doch Lust auf mehr! Oh, und die zweite Staffel von Flight of the Concords (HBO) fängt am Sonntag auch an. Es ist also für genug Seriennachschub gesorgt, auch für Leute wie mich, die Vampire nicht spannend finden.

Links vom 12. bis 17. Januar 2009

Termine und Texte. Die Links der vergangenen Woche nach dem Klick!
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Aufruf zum Ada Lovelace Day

In der Küchenradiofolge über die Digitale Intimsphäre sprechen das Küchenradioteam und Constanze Kurz ganz am Anfang über Frauen auf dem 25C3 und Frauen in der Informatik. Kurz, Sprecherin des CCC und Informatikdozentin an der HU Berlin ist skeptisch, ob sich der Anteil der Frauen in diesem Kontext in den nächsten Jahren signifikant erhöhen wird. Das sei in den letzten Jahren nicht geschehen, und auch wenn Frauen heutzutage das Internet und Social Networks in großer Zahl nutzen, tauchen sie in den Informatikkursen der deutschen Oberstufen leider kaum auf und machen in entsprechenden Fächern auch an den Unis nicht mehr als 10 % der Studierenden aus.

Das Thema Frauen in Technologie und Informatik ist mir in letzter Zeit nicht nur im Küchenradio über den Weg gelaufen. Beim Electronic Monk las ich von dem Vorhaben eines Ada Lovelace Day. Am 24. März – das ist weder Ada Lovelaces Geburts- noch ihr Todestag – soll es Blogposts über bewunderswerte Frauen in diesem Bereich geben. ada lovelace Warum? Suw Charman-Anderson ist genervt davon, wie innerhalb der Szene, in der Tech-Presse und auf Konferenzen mit Frauen umgegangen wird:

The objectification of women is bad enough when it’s done by the media, but when it’s done by a conference organiser or tech commentator or famous tech publication, what message does it send? Nothing but “You will never be taken seriously, but we might take notice of you if you’re hot.”

Als Grund für die geringe Zahl von Frauen im Feld der Informatik bezeiht sich Suw auf eine Studie, der zufolge Frauen und Mädchen stärker auf Vorbilder angewiesen sind als Männer. Während mir diese Studie etwas zu kurz zu greifen scheint – wie kann ein so komplexes Thema experimentell auf eine Ursache zurück geführt werden und ist es nicht so, dass Jungs in den meisten Bereichen ihr ganzes Leben schon genügend Vorbilder haben, um zu wissen, dass sie es grundsätzlich schaffen können – finde ich doch die davon abgeleitete Idee schön, an einem Tag über tolle Frauen zu bloggen, die beispielsweise Programmiererin, Designerin, Unternehmerin, Soft- oder Hardwareentwicklerin, Technikjournalistin oder -beraterin sind.

Damit sich der Ada Lovelace Tag auch wirklich niederschlägt und es nicht bei einer Hand voll Postings bleibt, wurde zunächst ein Pledge durchgeführt. Erst wenn 1000 Leute mitmachen, sollte das Projekt durchgeführt werden. Das Quorum wurde schnell erreicht, wie ihr oben sehen könnt. Aber wären 2000 oder 10 000 Blogposts am Ada Lovelace Day nicht auch eine schöne Sache?

Winter auf der Elbe

vereister hamburger hafen

eisschollen im hamburger hafen

Der Genderplanet

Die Zahl feministischer, queerer und gender-studies-relevanter Blogs wächst auch im “deutschsprachigen Raum” (auch so ein Konstrukt) und es ist gar nicht so leicht, alles zu finden, was interessant und lesenswert ist. Seit Dezember gibt es eine zumindest für die Nutzer_innen überraschend einfache Lösung, die Danilola und Mari*us im Rahmen des Projektes gender@wiki entwickelt und umgesetzt haben. Der Genderplanet ist ein aggregierter RSS-Feed aus vielen relevanten Blogs von der Mädchenmannschaft über das Drag Kingdom bis zur Berliner Genderbibliothek, und auch dieses Blog ist mit den Beiträgen der Kategorien Feminismus und Queer vertreten.

Ihr könnt den Genderplaneten mit dem Browser oder einem Feedreader nutzen, ganz nach Geschmack. Ich habe den Genderplant-Feed auch hier in die Sidebar integriert. Ihr könnt euch also links gleich mal ansehen, was es in der (queer-) feministisch Bloggosphäre Neues gibt. Tolles Projekt, unbedingt auschecken!