Category: DigitalLife

Im Falle eines Falles

Mein Computer (ein Macbook) ist über 4 Jahre alt, ordentlich umgebaut und generalüberholt, im großen und ganzen noch OK, aber er hat so seine Macken. Wenn ich in Keynote Präsentationen bearbeite und mir die anschaue oder aber mit Quicktime Filme gucke es vorkommen, dass das Ding beim Umschalten in den Vollbildmodus ausgeht. Zwei mal schon war nach dem Neustart dann das Dock wieder so wie bei frisch installierten Systemen und die Exposéeinstellungen waren auch weg. Ohne meine aktiven Ecken werde ich unglücklich. Ohne meine Programme da unten kann ich mit dem Dock nix anfangen. Aber ich mache ja Backups und die Einstellungen fürs Dock sind da auch gespeichert.

HOME/Library/Preferences/com.apple.dock.plist

Damit ich es beim nächsten Mal wieder finde. =)

Wikitruth bei Kulla

Ich hab seit Monaten eine nicht zu Ende formulierte Überlegung zu Wikileaks auf Platte, die ungefähr so geht:

Wikileaks legt nahe, dass das Offenlegen von Informationen entscheidend ist, um den Lauf der Dinge zu verändern. Die Wahrheit zu erfahren allein reicht aber nicht. Wir wissen, dass Kriege abgefuckt sind, dass im Irak gefoltert und Zivilist_innen getötet wurden. Das macht die Sache nicht weniger kompliziert. Eine Haltung ist damit noch lange nicht in Sicht. Alle Jubeljahre kann es natürlich auch mal vorkommen, dass eine Wahrheit ans Tageslicht kommt, die eine Sache ganz anders aussehen lässt. Wo wirklich vertuscht wurde, wo die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt worden ist. Aber Politik läuft im Regelfall nicht so ab. Interessenkonflikte, systemische Widersprüche, Machtansprüche oder meinetwegen auch das Ringen um Konsens bestimmen das Geschäft. Wikileaks beruht auf der Idee, dass die Wahrheit reicht, damit das Kartenhaus der Mächtigen zusammenfällt. Auf mich macht vieles von dem Gerede rund um Wikileaks dein Eindruck, als ginge es darum, durch die Aufdeckung der Wahrheit das Kartenhaus der Mächtigen einstürzen zu lassen.

Neulich fragte Kulla auf Twitter, zu welchem Thema er denn dieses Jahr einen Vortrag zum Chaos Communication Congress einreichen könnte, der dann in guter Tradition wieder abgelehnt und in der C-Base gehalten wird. Mein Vorschlag war “Warum die Wahrheit uns nicht retten wird – Wikileaks Edition”. Das kam dabei raus:

Warum Wahrheit und Transparenz nicht frei machen

Die Wahrheit über Herrschaft und Ausbeutung wurde von Wikileaks und Transparenz-Kampagnen nicht bekannter gemacht: daß sie nämlich abgeschafft gehören, wenn die Menschen frei sein sollen. Die dagegen läppischen Wahrheiten über dieses oder jenes Verbrechen helfen dabei wenig. (weiterlesen)

Mal schauen, was das Auswahlkommittee zum 27C3 dazu sagt.

Drittens: Die Akte CCC

Warum das eine Akte ist, hat sich mir jetzt nicht erschlossen, aber ansonsten hat mir das Portrait über den Chaos Computer Club, das bei 3Sat Neues zu sehen war, gut gefallen. Es geht darum, wie aus einem Treffen von Komputerfrieks Anfang der 80er ein Hackerverein mit politischem Einfluss wurde, mitsamt Kongress, Mate, Datenschleuder und Chaosradio. Netzpolitik.org hat alle relevanten Links zum runterladen und streamen gesammelt.

Netzferne

Kleiner Nachtrag noch zur Feminismus 2.0 Veranstaltung, die ich letzte Woche in Bremen besuchte: Inhaltlich für mich nichts neues – but that’s okay i guess. Interessant fand ich aber die Gespräche mit anderen Besucherinnen, die meisten davon eher “netzfremd” und nicht mit feministischer Netzkultur, Blogs und “unseren” Netzwerken auf twitter, facebook, Mailinglisten und Treffen vertraut. Einige erzählten, dass sie selbstverständlich das Internet nutzen (mit einem Augenzwinkern: “ich hab auch Email und so”) und vor allem die Seiten von Printzeitungen- und Zeitschriften regelmäßig besuchen. Lust, tiefer einzutauchen, war weniger zu verspüren. Wie kommt’s? Auf Spiegel Online, Zeit.de und co. werden Artikel gelesen, aber auch die Kommentare. Dort vermissen meine Gesprächspartnerinnen wirkliche Diskussionen. Jeder verkündet nur seine Meinung und setzt noch einen drauf, alles wirkt männerdominiert. Und schon ist die Lust auf Internet vergangen, wen wundert’s.

Mir ist noch ein zweiter Grund, sich vom Netz fern zu halten, begegnet: Der Datenschutz! Die Sicherheit! “Man hört ja immer so viel.” “Ich will nicht, dass jeder meine Daten googlen kann.” Vielleicht werden wir eines Tages sagen, dass das eine schlaue Haltung in weiser Voraussicht war. Das glaube ich aber nicht. Auf Nachfrage erschienen mir die Ängste sehr diffus und ich versuchte zu erklären, warum ich im Netz eine öffentliche Person bin oder anders gesagt: Selbstbewusst bestimmte Daten in die Hände des Netzes gebe. Die native Informantin der digitalen Welt geht mit gutem Beispiel voran, dachte ich mir. Schade jedenfalls, wenn die aktuellen Diskussionen über Datenschutz und Privacy so rüberkommen, dass sie Leute davon abhalten, das Netz für sich zu entdecken und im Umgang damit ihre Handlungsmächtigkeit weiter zu entwickeln, statt in der Angst zu verharren.

Nachtrag: Antje Schrupp hat etwas sehr passendes zum Thema geschrieben: Was sollen denn die Nachbarn sagen? Jetzt frage ich mich, warum ich eigentlich keine handgemalten Antje-Schrupp-Flyer an dem Abend verteilt hab. Ihr Blog würde den Ladies sicher gut gefallen.

Feminismus 2.0 in Bremen

Der Bremer Frauenausschuss veranstaltet am nächsten Dienstag einen Politika-Abend zum Thema “Feminismus 2.0 – neue Chancen der Netz – Politik?” Zu Gast in Dr. Sylvia Pritsch, Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und derzeit Gastprofessorin an der Universität der Künste, Berlin. Themen des Abends sind Geschlechterbilder im Web 2.0 und Chancen für eine feministisch-queere Netzpolitik. Ich bin sehr gespannt auf den Abend, die Referentin, Diskussionsthemen und die Leute, die dort sein werden. Seit einiger Zeit bin ich ja wöchentlich in Bremen und falls ich dort Leser_innen habe, die sich für das Thema interessieren, würde ich mich freuen, sie dort zu sehen.

Dienstag 21. September 2010
Beginn: 19:30 Uhr – 21:30 Uhr, anschließend chill out Musik
Ort: Theaterschiff, Tiefer 104/Anleger 4, 28195 Bremen (an der Wilhelm-Kaisen-Brücke)
Eintritt: 2,56 Euro | Ermäßigt 1,00 Euro

Zum netzpolitischen Wochenende

Am Wochenende war die Freiheit statt Angst Demo in Berlin und ich nutzte die Gelegenheit, die Netzpolitische Soirée der Grünen Bundestagsfraktion zu besuchen. Der Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in Schleswig Holstein Thilo Weichert, die Grüne Fraktionsvorsitzende Renate Künast und der amerikanische Autor, Blogger und Journalistikprofessor Jeff Jarvis (der hier über die Veranstaltung geschrieben hat) diskutierten über Netzpolitik, den Schutz der Privatsphäre und die Öffentlichkeit. Jeff Jarvis war sicher ein Grund dafür, warum sich dort so viele bekannte Gesichter einfanden. Gewohnt unterhaltsam sprach er wie schon auf der re:publica über seinen Penis und das Deutsche Paradox. Ein Plädoyer dafür, Öffentlichkeit als Wert gegen den Datenschutz zu verteidigten, dessen Fahne vor allem Thilo Weichert in der Runde hochhielt. Dieser wirkte dabei etwas unbeholfen kapitalismuskritisch (“Google hat doch nur Profit im Sinn!”), befand, dass man die Menschen aufklären muss und machte Werbung für den elektronischen Personalausweis und De-Mail.

“Bingo!” schallte es durch den vollbesetzten Raum in der Heinrich-Böll-Stiftung, als Renate Künast einmal einen Satz mit “Internet” und “kein rechtsfreier Raum” bildete. Ansonsten riss sie alle möglichen netzpolitischen Themen an, verwirrte mit einer indirekten Forderung nach staatlichen Souveniershops und es hätte ihrem Beitrag gut getan, wenn sie zumindest einige der Punkte etwas vertieft hätte.

Freiheit statt Angst 2010 - Wagen der Grünen
Grüne finden, dass verschiedene Akteure nicht alles wissen müssen.

Völlig ungeklärt scheint zum Beispiel die Forderung “Man muss auch anonym sein dürfen.” In welchem Fall, wem gegenüber und unter welchen Bedingungen? Meint Künast, dass es möglich sein muss, einen Service zu benutzen, ohne dass ein NutzerInneprofil angelegt wird? Geht es um Anonym sein in Foren, Chats oder als KommentatorIn? Den Leser_innen, Betreiber_innen, Provider_innen oder Behörden gegenüber? Soll die Impressumpflicht für Weblogs abgeschafft werden? Was hielte Künast als Teil der Exekutive davon, wenn ich beispielsweise per Tor dafür sorge, dass keine Rückschlüsse auf meine Identität gezogen werden können?

Diese Fragen zeigen schon, dass es nicht so einfach ist, die Möglichkeit der Anonymität in praktische Politik zu übersetzen. Daneben gibt es Themen wie Netzneutralität, die noch mal eine ganz andere technische Tiefe besitzen. Das spannende ist aber, dass in der Netzpolitik einige allgemeine Wertefragen für unsere Zeit verhandelt werden. Aus diesem Grund gehen der antikapitalistische Block und die jungen Liberalen gemeinsam auf die Straße. Netzpolitik bietet genug Raum, sich zu positionieren und in den Paradoxien Anknüpfungspunkte zu finden. Renate Künast hat Recht: Privat und Öffentlich lassen sich nicht mehr in den Grenzen von 1900 denken. Seit Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches hat sich aber auch in dieser Hinsicht schon einiges geändert. Man denke nur an die Rechte des Ehemannes als Familienoberhaupt in der Familie – auch so ein geschützter Kernbereich der privaten Lebensgestaltung.

Künast sagt, dass sie die Diskussion mit der “Netzcommunity” anstrebt. Sie könnte auch sagen, dass sich die Grünen mit den politischen Kämpfen auseinandersetzen oder sich gar in diese einmischen wollen. Aber die Rhetorik des Kampfes ist weitestgehend verschwunden. Vorherrschend ist das Vokabular der Deliberation: Wir müssen reden. Wir müssen darüber diskutieren, was Privatsphäre und Öffentlichkeit heute bedeuten. Wir müssen einen Konsens finden, denn wir können nicht darauf hoffen, dass der Markt die optimale und effiziente Lösung findet. Der Markt ist die Alternative zu diesem Bild von Diskurs, bei dem Machtverhältnisse weder als Prämisse noch als Effekt benannt werden.

Die Grünen planen bis zu ihrem nächsten Bundesparteitag auf einer Reihe von Veranstaltungen Positionen zu erarbeiten und sich in diesem Feld deutlicher als bisher zu positionieren. Jenseits von verbraucherschützerischer Seifenblasenpolitik, die sich der Angst vor den Algorithmen von Google und Facebook bedient, könnte es dann zum Beispiel um Bürgerrechte und informationelle Selbstbestimmung für alle gehen. Auch für ALGII-Bezieher_innen und Asylbewerber_innen, die staatlicher Grenzüberschreitung in einem Maße ausgesetzt sind, die so manchem privilegisierteren Netzbewegten dystopisch anmuten. Es könnte auch um gesellschaftliche Teilhabechancen gehen, die durch das Internet eröffnet werden, nur leider nicht für jede_n. Ob man durch die Diskussion mit der “Netzcommunity” zu diesen Themen kommt, bleibt abzuwarten und hängt nicht zuletzt auch von der Netzbewegung selbst ab, die auch nach einer kleineren Freiheit statt Angst 2010 noch in der Lange ist, Themen zu setzen und Forderungen. Die Rede von Monty Cantsin auf der Abschlusskundgebung taugt dafür allemal.

let it beep

Für Berlin sind am kommenden Sonntag Sonne und Temperaturen über 20°C vorausgesagt und in meinem Posteingang fand ich gestern das hier:

:::electricdress – let it beep))):::

löten+loungen/
/solar sounds

sonntag, 12/09/2010
14:00 – 22:00 uhr

let it beep flyer vorne
let it beep flyer hinten

://about blank – garten
markgrafendamm 24c
berlin s-bhf. ostkreuz

JASCHA BARUCH (://about blank, b)
BABY STEINBUTT(nutempo/ electricdress, p)
SK MIZE (hro)
CHICA PAULA (kalk pets, b)

14:00 – 19:00 workshop:
solar beep engines

weil’s im frühling so viel spaß gemacht hat, gibt’s jetzt an so herbstlichen sommertagen noch einmal im schönen ://about blank garten: löten + loungen part II – let it beep)))
es wird wieder einen workshop geben, in dem gebastelt, geschraubt, gelötet, gestaltet werden kann und dabei diesmal solarbetriebene dynamische noise-engines entstehen. und denen, die keine lust auf löten haben oder sich vielleicht ein letztes mal aufs tanzen im sonnenschein konzentrieren wollen, sei
gesagt, für musikalische unterhaltung und das tanzbein, warmes essen und kühlen sekt ist gesorgt. (bei schlechtem wetter geht es rein!!!)

zum workshop sei angemerkt: bitte pünktlich kommen und unbedingt gestaltungs-klim-bim in die handtasche gepackt: wir bauen das innenleben, ihr bringt die hülle! z.b. alte puppen, kuscheltiere oder
andere belebbare körper. an alle, die beim letzten mal teilgenommen haben: bringt bitte eure geschöpfe mit, damit sie noch einmal zusammen tanzen können!

und beachten: wenn für electricdress bisher die notwendigkeit bestand, die workshops im ausschluss von männlich geborenen und sozialisierten menschen durchzuführen (mit ausnahme von solchen, die sich als frau definieren), so planen wir unseren nachmittag im ://about blank diesmal geschlechteroffen, mit dem bewusstsein, besonders frauen* ansprechen zu wollen und einen offenen prozess der strukturellen veränderung in berlin anzustoßen und nicht (nur) das zurückziehen in von uns geschaffene abgegrenzte räume.

Freiheit statt Angst 2010

Samstag 11. September 2010, 13 Uhr, Potsdamer Platz, Berlin

Im letzten Jahr war ich zum ersten Mal bei der Freiheit Statt Angst Demo in Berlin und staunte über die unzähligen Piraten und das Nebeneinander von schwarzem Block und Jungle Liberalen. Dieses Jahr freue ich mich auf den Streetview kritischen Foebud, gefolgt von Prügel Streetview.
Schließlich war die Frage nach Transparenz/Openness und/oder Datenschutz eine der interessantesten netzpolitischen (Meta-)Debatten des letzten Jahres. Es wird zu überprüfen sein, ob wir es hier mit einem Kampf potentieller leerer Signifikanten um den Platz der zentralen Forderung im Diskurs zu tun haben. Lesenswert dazu: Mspros Unterstützungspost für die Freiheit statt Angst-Demo.

nrrrdz000008: vom googolsten ins tausendste

nrrrdz logo

Wir fangen bei Google an, hören aber längst nicht dabei auf und mäandern durch verschiedene Usecases und Nutzungspraxen bis wir schließlich bei der Werbung hängen bleiben und über das Große Ganze und die Dauerbrenner Zuschreibungen, Identitäten und Normen reden. Wir haben etwas Anlauf gebraucht, aber nach etwa einer Stunde und einer Mate kommen wir richtig in Fahrt. Beim Facepalm geht’s um’s mal wieder nicht gemeint werden. Diesmal haben wir aber auch ein Sternchen zu vergeben: Fürs Einmischen.

Download (mp3, 94,5 MB)

Erwähntes:
Chaosradio 154: Wer hat Angst vorm Googlemann?
Facepalm: Spreeblick – Randgruppenbegegnungen
Bindenwerbung: Stayfree – A Date With Ryan
Sternchen: Küchenradio zu Studio 70

nrrrdz000008: vom googolsten ins tausendste

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Wir fangen bei Google an, hören aber längst nicht dabei auf und mäandern durch verschiedene Usecases und Nutzungspraxen bis wir schließlich bei der Werbung hängen bleiben und über das Große Ganze und die Dauerbrenner Zuschreibungen, Identitäten und Normen reden. Wir haben etwas Anlauf gebraucht, aber nach etwa einer Stunde und einer Mate kommen wir richtig in Fahrt. Beim Facepalm geht’s um’s mal wieder nicht gemeint werden. Diesmal haben wir aber auch ein Sternchen zu vergeben: Fürs Einmischen.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz08.mp3[/podcast]
Download (mp3, 94,5 MB)

Erwähntes:
Chaosradio 154: Wer hat Angst vorm Googlemann?
Facepalm: Spreeblick – Randgruppenbegegnungen
Bindenwerbung: Stayfree – A Date With Ryan
Sternchen: Küchenradio zu Studio 70