Category: DigitalLife

iPhone identity

“Weil es ist ja nicht so, dass es die Welt in einer Art und Weise verändern würde, dass jemand, der kein iPhone hat darunter zu leiden hätte”
(Holgi in NSFW014)

Schon verrückt, wie aufgeladen das Thema iPhone nach all den Jahren immer noch ist. Es erregt die Gemüter, jede_r hat eine Meinung dazu und dieses Antennenproblem ist wahrscheinlich um Haaresbreite an der Tagesschau vorbeigeschrammt. Die Eigenschaften mobiler Internetgeräte lösen nach wie vor großes Staunen aus. Das fällt mir auf, wenn ich nebenbei erwähne, eine Email in der Straßenbahn gelesen zu haben oder wenn mir jemand eine Wegbeschreibung ausdrucken und ich mit Verweis auf Google maps dankend ablehne. Wenn ich mein iPhone aus der Hosentasche nehme passiert es ständig, dass Leute ein Statement abgeben: Warum sie sich keins kaufen und warum sie keins brauchen. Es ist ja wirklich nicht so, dass ich rumlaufe und frage “Guck mal, ein iPhone, warum hast du eigentlich noch keins?” Woher kommt dieser Impuls?

Vermutlich ist das iPhone ein Grenzobjekt der digitalen Gegenwartskultur – ein Objekt, dass die Gedanken bevölkert und zu dem man sich positioniert, um etwas über seine Identität auszusagen. Und damit ist es eben nicht so einfach, wie Jonathan Man es in seinem Song darstellt:

Die politischen Dimensionen der Daten und Informationen

Antje Schrupp und mspro haben heute jeweils Texte geschrieben, die sich um Datenschutz und den Begriff des Datenmissbrauchs drehen. Beide hinterfragen – wie auch schon Christian Heller – die Idee, dass Daten unbedingt geschützt werden müssen. Sie werben für eine Kultur der Transparenz. Mspro kritisiert dabei den Begriff des Datenmissbrauchs grundsätzlich. Zum Einen: Weil sich die Lesarten von Daten nicht fixieren lassen, ist immer mit Kontrollverlust zu rechnen. Zum Anderen: Wo die einen Daten so nutzen, dass es negative Konsequenzen für das Subjekt hat, machen andere tolle, nützliche und schöne Dinge mit den Daten, an die “DatenurheberInnen” niemals gedacht hätten. Man könnte sagen, dass die Fragen, ob Daten ge- oder missbraucht werden, immer eine im weitesten Sinne politische ist. Weil sie nicht grundsätzlich beantwortet werden kann, ist auch ein absoluter Datenschutz normativ nicht wünschenswert.

Mir ist dieser datenschutzkritische Ansatz sehr sympathisch, weil mir die Debatte zurzeit sehr ins Paranoide abrutscht, zu wenig an konkreten Problemen orientiert ist und ich Kontrollverlust für eine ernstzunehmende, aber auch interessante Vision halte. Was mir jedoch auffällt ist, dass oft von “fertigen” Menschen ausgegangen wird. Zwar erkennt mspro an, dass “nicht jeder den Mut, die Stärke, die Macht und die Unabhängigkeit dazu [hat, sich dem Druck, Daten könnten missbraucht werden, anzupassen]. Es braucht ein gehöriges Maß an Privilegiertheit dazu, sich freizügig zu verhalten.” Es scheint mir aber die Einsicht zu fehlen, dass diese Privilegien unter anderem mit den Instrumenten der Daten und Informationen verteilt werden. Hier argumentiere ich mit Foucault nicht im Sinne einer zentralisierten Masterplan-Machtinstanz, sondern im Sinne von komplexen strategischen Machtlinien, die sich durch die Subjekte, Institutionen, Bilder un Daten ziehen. Wie mit Daten regiert wird, hat Foucault in seinen Ausführungen zur Biomacht beschrieben, in denen es um das „Auftreten der Bevölkerung“ als ökonomisches und politisches Problem geht.

Machtwirkungen haben auch Informationen, sie sind nämlich als Repräsentationen Teil von Subjektivationsprozessen. Hier finden wir interessante Hinweise bei Butler, die zeigt, wie Subjekte (also Menschen, also wir) durch Macht nicht nur unterworfen, sondern gleichzeitig von ihr hervorgebracht werden und sich durch ein performatives Ins-Verhältnis-Setzen zu Normen aktiv selbst hervorbringen. Über die Wirkungen von Repräsentationen denke ich im Zusammenhang mit mspros These der Plattformneutralität nach, seit ich seinen Text “Plattformneutralität, Gender und die verdammte der Realität” (der Text vom 28.05.2010 ist aus bekannten Gründen gerade nicht online zu finden) über Gender und die Sigint 10 gelesen habe. Darin setzt er sich mit der Skandalisierung einer künstlerischen Abbildung einer nackten Frau, die auf der Sigint zu sehen war, auseinander. Im Sinne der von ihm geforderten radikalen Informationsfreiheit, die er Plattformneutralität nennt, könne eine solche Repräsentation kein no go sein. Es müsse also darum gehen, durch eine Erhöhung des Frauenanteils auf Konferenzen dieser Art eine Situation zu schaffen, in der Frauen genug Selbstbewusstsein haben, störende Informationen wie diese ignorieren zu können.

Was mspro ausblendet ist, dass solche Repräsentationen eine Rolle spielen bei der andauernden Subjektwerdung. Ich habe nach dem Lesen des Textes über die Nachtfotos von Bikinimädchen im Partykeller meines Onkels nachgedacht, die auf mich als junges Mädchen sicher anders wirkten als auf meine beiden Cousins. Und neulich, als Max und Björn in der Märchenstunde beim “Tapferen Schneiderlein” wieder über den König sprachen, der einfach mal beschließt, seine Tochter dem Helden des Märchens zur Frau zu geben, kam mir auch wieder in den Sinn, wie wenig neutral Informationen sind und was sie immerzu mit uns machen.

Wir müssen uns also immer überlegen, was die Informationen, die wir so in die Welt setzen, und die Daten, die wir gebrauchen und verarbeiten, mit uns und mit den anderen in der Welt machen, ob nützen oder schaden, Handlungsfähigkeit einschränken oder erweitern. Das scheint mir die politische (oder vielleicht sogar ethische) Frage zu sein, die am Datenschutz weiterhin hängt und mit denen wir uns selbst, unsere Freunde, die Unternehmen und die Staaten konfrontieren müssen.

nrrrdz000007: geld

nrrrdz logo

Heute geht’s um Geld. Eigentlich ein Thema, über das immer und überall viel geredet wird, aber komischerweise selten in Podcasts und Blogs, wenn es um die Anschaffung von neuen technischen Geräten geht. Der neuste Mac, das neueste iPhone und Reisen zu Konferenzen sind teuer. Uns interessiert, warum die Frage, was sich wer leisten kann, so selten thematisiert wird. Eine Apple-lastige Folge, bei der am Ende nur klar ist, dass Steve Jobs viel Geld verdient. Dieses Mal ohne Facepalm des Monats, weil uns die Sachen einfach zu doof waren, um es Wert zu sein, sich darüber aufzuregen. Aufmerksamkeitsressourcen sind schließlich auch knapp.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz07.mp3[/podcast]
Download (mp3, 84MB)

Erwähntes:
Der Wein und… Podcast mit uns: Wein und … Nerds
Spiegel Online: Neue Erziehungsstudie: Die Kinderglücksformel

Digitale und analoge Überforderung

Ich komme gerade aus der Unibibliothek mit Schirrmachers “Payback” in der Hand, steige in den Aufzug in den 8. Stock und beginne ein bisschen zu lesen. Wie üblich hält der Aufzug auf fast jeder Etage. So komme ich ein paar Seiten weit und erfahre, dass sich Schirrmacher von den digitalen Medien, dem Internet und den ganzen Gerätschaften überfordert fühlt. Sein Kopf kommt nicht mehr mit. “Nicht mehr lange, und ich könnte Ehrenmitglied jener wachsenden Gruppe von Japanern werden, die nicht nur systematisch ihre U-Bahn-Station verpassen, sondern mittlerweile auch immer häufiger vergessen, wie die Station überhaupt heißt, an der sie aussteigen müssen.” Der Aufzug hält im siebten Stock und ist leer. Ich schaue auf die Anzeige und sehe: Es hat niemand auf die Taste 8 gedrückt. Der Aufzug fährt nach unten.

SIGINT10 & Feminism: What seemed to be the problem?

Wie ich bereits in meinem kurzen Bericht über die SIGINT10 geschrieben habe, ging es auch am letzten Wochenende in Köln wieder um Geschlecht. Das Thema wurde durch ein Panel auf die Konferenz getragen, das von Ragni ((Sie hat jetzt selbst auch zum Panel bzw. zu einigen “Kritikpunkten” geschrieben: Deaf. For feminism. A reply on failed criticism on a panel at SIGINT
)) moderiert wurde und den Titel “Women and Geek Culture: What seems to be the problem guys?” trug. Mit Heather Kelley, Eleanor Saitta, Leena Simon und Svenja Schröder saßen vier (Queer-)Feminist_innen auf dem Podium, die sich mit unterschiedlichen Facetten von Geekness und Netzkultur beschäftigen: Heather entwickelt Spiele, Eleanor ist Security-Consultant, Svenja erforscht das Web 2.0, Leena engagiert sich für Freie Software und ist Mitglied der Piratenpartei. Auf dem Panel wurde nicht kontrovers diskutiert. Es war eher ein Zusammentragen von Erfahrungen mit sexistischen Repräsentationen in Computerspielen, Lehrern, die sich nicht vorstellen können, dass Schülerinnen Interesse an Informatik haben oder unangenehme Anmachen auf Konferenzen. Am Ende stellten sie ein paar Ressourcen vor, um sich im Netz zum Thema und Lösungsansätzen zu informieren. ((darunter Geek Feminism Blog, Feminism 101 und Do’s and don’t’s of encouraging women in Linux))

Um zu sehen, dass feministische Positionen scharf angegriffen werden, reichte ein Blick auf Twitter. Anstatt sich mit kritischen Nachfragen und Redebeiträgen zu Wort zu melden, kommentierte manch eine_r die Veranstaltung auf diesem Weg mit einem platten Spruch. Das ist zwar etwas feige, heizte die Diskussion im Raum aber trotzdem an. Und auch nachdem alle den Saal verlassen hatten hörte es nicht auf. Ich war während des Panels ziemlich angefressen vom Unvermögen einiger, sich mal auf eine feministische Perspektive einzulassen. Als ich am Abend aber sah, dass sich in verschiedenen Grüppchen Leute (Männer) über Feminismus, Geschlechterrollen, Männlichkeitsbilder und Normativitäten in der Hackerszene unterhielten, war ich sehr zufrieden, denn ich hatte den Eindruck, dass (queer-)feministische Arbeit fruchten kann. Es gibt aber zwei Probleme, die meiner Meinung nach im Weg stehen.

Erstens: Ich hatte den Eindruck, dass vielen im Publikum nicht klar war, mit welchen Feminismen sie es auf dem Podium zu tun hatten. In Deutschland gibt es ja das Problem, dass Feminismus all zu oft mit der Position von Alice Schwarzer gleichgesetzt wird. Anscheinend sind bestimmte Buzzwords wie Heteronormativität, Differenz oder Queer doch noch nicht angekommen – auch wenn manche_r sie selbst im Munde führt. Damit hängt zusammen, dass Feministinnen anscheinend in der Verantwortung stehen, klar zu machen, dass sie nicht sexualitäts- und lustfeindlich sind. Das finde ich gelinde gesagt merkwürdig. ((An dieser Stelle verweise ich auf die sehr klar formulierten 15 Thesen zu Feminismus und Postgender von Antje Schrupp.)) Auch die Debatten um Intersektionalität und den Zusammenhang von Sexismus, Rassismus, Klassismus und anderen Formen von Diskriminierung, die aus der Geschlechterforschung nicht wegzudenken sind, scheinen vollkommen unbekannte Features von Feminismus zu sein. Es hilft nichts: Diese Punkte müssen wohl explizit benannt werden.

Zweitens: Es ist schwierig zu verstehen, dass komplexe gesellschaftliche Phänomene manchmal paradoxe Handlungsstrategien hervorbringen. Relativ viele haben anscheinend schon von Queer und uneindeutigen Geschlechtergrenzen gehört und finden es wichtig, binäre Normativitäten nicht zu reproduzieren. Ich bin der Meinung, dass feministische Politiken und Theorien die Gefahr der Reproduktion von Heteronormativität und Zwangszweigeschlechtlichkeit wieder mehr selbstkritisch hinterfragen müssen, auch wenn sie diese zum Ausgangspunkt der Kritik nehmen. Es kann aber nicht sein, dass sich Leute hinstellen und Queer auf die Fahne schreiben, die nicht bereit sind, ihre eigenen Praxen zu hinterfragen und ihre Position zu benennen, und damit letztlich nur ihre antifeministischen Reflexe legimieren wollen. Queer ist keine harmlose Variante von Feminismus mit einer moderneren Theorie. Queer ist Widerstand gegen das Normale.

SIGINT10 – Mit dem Blick zurück nach vorne

Die SIGINT ist eine vom Chaos Computer Club veranstaltete Konferenz, die am Pfingstwochenende zum zweiten Mal stattgefunden hat. Im Vergleich zum Chaos Communication Congress in Berlin hat die SIGINT einen stärkeren Fokus auf die gesellschaftspolitischen und philosophischen Fragen der Netzkultur. Die bestimmenden Themen waren wie erwartet Urheberrecht, Datenschutz, Überwachung im öffentlichen Raum und der 2011 anstehende Zensus.

Ob das Motto jetzt “Burn the land and boil the sea – You can’t take the sky from me” lautet oder es im Call for Papers heißt “the world of atoms and the world of bits operate on completely different levels.” – der Leitsatz des ersten SIGINT Tages war “Das ist doch jetzt auch nichts vollkommen Neues”. Genau dieser Satz kam in jedem der Vorträge, die ich mir am ersten Veranstaltungstag angesehen habe, auf. Die Netzdebatte hat sich weiterentwickelt. Hieß es bisher noch, dass “die Internetausdrucker” “unsere” Welt nicht verstehen, in der auf einmal alles anders sein wird, blickt man jetzt vermehrt zurück und versucht die Welt zu verstehen, in der und aus der sich Netzkultur, Netzpolitik und die Zukunft entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vortrag von Kai Denker. “Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung? Macht und Raum in virtuellen Welten”. Denker ist Dipl. Informatiker, promoviert in Philosophie, hat Poststrukturalisten gelesen und beschäftigt sich mit Machtfragen und der Internet-Raummetapher. Seine historischen, bei Foucault entlehnen Beispiele zeigen, wie in den heutigen Debatten über Netzsperren und Netzneutralität versucht wird, das Internet über Grenzziehungen zu regieren.

Die SIGINT ist die Theoriekonferenz des CCC. Hier werden Diskussionen geführt und Gedanken geordnet. So auch bei Stefan Mertens Input “On Bits and Pieces. How Information and Matter Are Similar”, der sich mit der im CFP formulierten Aussage, die Welt der Atome und die Welt der Bits funktionierten nach vollständig unterschiedlichen Prämissen, auseinander genommen hat. Mertens stellt die Rolle von Produktionsverhältnissen und damit von Gesellschaftlichkeit für materielle und informationelle Güter heraus. Die Frage, wie sich das ebenfalls aus den Produktionsverhältnissen resultierende Prinzip der Nicht-Rivalität (digitale Kopien, Peer-Production) sich auf die Welt der materiellen Güter übertragen ließe, stellte er zum Abschluss des Vortrags, eine Antwort blieb jedoch vorerst aus.

Materialistisch wurde es auch immer wieder in den Vorträgen der monochrom Mitglieder Frank Apunkt Schneider und Johannes Grenzfurthner. Schneider formulierte eine marxistische Kritik des Medienaktivismus. Das war mir zu sehr in einer Hauptwiederspruchslogik verhaftet und reproduzierte letztlich die kapitalistische Erzählung, es gäbe keine Alternative. Aber darum geht es ja: Einerseits müssen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse, das System und die Machtverhältnisse bei unseren Analysen und Strategien in Anschlag nehmen. Andererseits aber auch den Blick dafür bewahren, dass sich Dinge verändern können und eben nicht alles gleich bleibt. Dabei wiederum darf aber die Tatsache, dass die Zukunft noch nicht die Gegenwart ist, nicht zum neuen Hauptwiderspruch werden.

Michael Seemanns (mspro) Politik der Plattformneutralität stand im Mittelpunkt der Keynote des Eröffnungstages. Er verbindet eine technische Argumentation und Bildsprache mit Zielen wie Abschaffung von Diskrimierung, Chancengerechtigkeit und dem Bedingungslosen Grundeinkommen, die seiner Beobachtung nach in Netzkultur nahen Kreisen diskutiert werden. Damit stellt sich die Frage, mit welchen gesellschaftlichen Kämpfen sich die Netzbewegung möglicherweise solidarisieren sollte.

Für eine solche Solidarität oder erstmal nur einen Blick über den eigenen Tellerrand ist es meiner Meinung nach wichtig, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Nick Farrs viel diskutierter Vortrag “Yes We Could: Hackers in Government” scheint mir in die falsche Richtung zu gehen. Da ich nicht dabei war, verweise ich auf cupfigthers affirmative Zusammenfassung und die fundierte Kritik bei sophrosynos. Auch Die Zeit berichtet. Die SIGINT mausert sich mit ihrem diskursorientierten Programm zu einer wichtigen Veranstaltung in der netzpolitischen Szene und hatte – wie es sich gehört – auch ihre Genderdebatte. Dazu mehr im nächsten Text.

Flattr ist keine Umverteilung

Longtail, Monetarisierung, Aufmerksamkeit als Währung, blablup. Das Blog und der Nrrrdz-Podcast haben jetzt Flattr. Damit könnt ihr etwas Geld an mich/uns spenden, nach einem ganz charmanten System: Man zahlt einen Betrag x pro Monat ein, und der wird dann unter all denjenigen verteilt, auf deren Flattr-Button man klickt. Das Video erklärt das Prinzip.

Ich habe einer Freundin heute von Flattr erzählt. Sie hat richtigerweise darauf hingewiesen, dass das zwar eine Alternative zu Werbung ist, jedoch die gleichen Effekte haben wird: Die viel gelesenen, mainstreamigeren Projekte kriegen mehr Geld als Leute, die in und für Nischen produzieren. Nun ist Nische nicht mit sozialer Randgruppe gleichzusetzen, aber es würde mich zumindest nicht wundern, wenn ein gutes iPhone-Blog über Flattr deutlich mehr einnimmt als ein Blog, dass beispielsweise über Asylrechtsfragen informiert. Umverteilung war jetzt auch nicht das Ziel von Flattr. Es geht darum, Microspenden so einfach wie möglich abwickeln zu können, so dass auch bei den kleinen etwas ankommt. Ich finde die Idee gut, verteile gerne selbst ein bisschen Geld auf diese Weise und bin gespannt, wie viel dabei rumkommt.

Ich werde noch ein bisschen mit Plugins experimentieren, bis dahin findet ihr die beiden Flattr-Buttons rechts in der Spalte. Bisher ist Flattr noch nicht offen für alle. Ich habe aber noch einen Invitecode, der an den_die erste Kommentator_in geht, die_der Interesse anmeldet und eine gültige Emailadresse hinterlässt. Ansonsten könnt ihr euch auf der Flattr Website für eine Einladung eintragen.

Frauen im Net

Ich möchte noch mal kurz auf das Frauen im Net – Digitale Medien für Frauen Vernetzungstreffen hinweisen, dass vom 4. bis 6. Juni 2010 im DGB Seminarzentrum in Hattingen stattfinden wird.

Die Veranstaltung “Frauen im Netz” 2010 dient der Weiterbildung, vor allem aber der Vernetzung. Ein Wochenende lang geht es um die Möglichkeiten des Internets für Frauen, um Partizipation und um Repräsentation in den Digitalen Medien. Dazu ist die Gründung eines Netzwerk geplant, um aktiv mehr Frauen an die Computer und die Netzpolitik zu holen.
Das erste Treffen soll zunächst zur Orientierung dienen und die Ziele und Probleme von Frauen im Netz klären. Warum ist der Anteil an sichtbaren Frauen im Netz so niedrig, und wie kann man das ändern? Auf dem Treffen werden Gründe dieser Problematik diskutiert, um Strategien zur Lösung zu finden

Für meinen Geschmack kommt das etwas zu binärgeschlechtlich daher. Anders als beim Gendercamp kann ich nicht so gut einschätzen, welche Leute ich dort treffen werden, welche Feminismen so auftauchen und wie die Personen politisch verortet sind. Nicht-Frauen sind allerdings auch eingeladen. Ich bin gespannt auf die Diskussionen dort, zu denen ich auch mit einem Input beitragen werden. Infos zum Wochenende, der Anmeldung, den Kosten usw. findet ihr unter frauenim.net, Vorabvernetzung auf frauenimnet.mixxt.de.

Postgender in Bingen

Gerade ist der Bundesparteitag der Piratenpartei in Bingen zu Ende gegangen. Mein durch Twitter und ein bis zwei Stunden Livestream am Samstag Abend geprägter Eindruck ist, dass die Piraten inhaltlich kein Stück weiter gekommen sind. Personaldebatten, GO-Anträge und eine Meta-Diskussion über Kernthemen und Programmerweiterungen standen im Vordergrund der als chaotisch wahrgenommenen Veranstaltung. Und was macht unsere alte Freundin, die Genderdebatte?

Leena Simon hat als für den stellvertretenden Parteivorsitz kandidiert. Dass sich außer ihr keine Frau um ein Vorstandsamt beworben hat, war ein Faktor für ihre kurzfristige Entscheidung, den sie auch in ihrer Kandidatinnenrede transparent gemacht hat. Darüber hinaus positionierte sie sich – im Gegensatz zu einigen ihrer Konkurrenten – zu Fragen wie Atomkraft, Bildung, Freie Software, um ihre Arbeitsschwerpunkte und Kompetenzen deutlich zu machen. Im Anschluss antwortete die Kandidatin auf Fragen aus dem Plenum. Die Schlange vor dem Mikrofon war deutlich länger als bei allen anderen Kandidaten und unter den Fragestellenden waren deutlich mehr Frauen. Bis auf wenige Ausnahmen ging es um Leenas Position in der Genderdebatte, um ihr angebliches Fehlverhalten bei der Gründung einer Mailingliste für Piratinnen und der Herausgabe einer Presseerklärung zu diesem Thema. Der Ton war oft wütend und feindselig, Parteimitglieder versuchten Leena mit immer gleichen Fragen danach, ob denn eine Frau zu sein ihrer Meinung nach als Qualifikation für das Amt ausreiche und ob sie noch irgendwelche anderen Themen außer diesem Gender habe, festzunageln. Leenas Reaktionen waren bewundernswert souverän und am Ende sprangen immerhin 28,2 Prozent der Stimmen dabei raus. Ein Ergebnis im Mittelfeld der Kandidaten. Der Parteivorstand der Piratenpartei besteht am Ende von Bingen ausschließlich aus Männern.

Für mich hat dieser Parteitag gezeigt, dass eine Debatte über Geschlechterpolitik bei den Piraten zurzeit sinnlos ist. Da stellen sich Frauen hin und finden allen Ernstes, dass es kein Problem gibt, dass sie in diese Partei eingetreten sind, weil für sie Kategorien keinen Rolle mehr spielen und sie nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden wollen. Schön. Warum ist die Kategorie Geschlecht dann aber doch so wirkmächtig, dass sich keine einzige Frau (außer Leena Simon) findet, die Interesse an einem Vorstandsamt in ihrer Partei hat? Ist das statistischer Zufall, oder hat es doch etwas mit der Gesellschaft zu tun?

Ich glaube gar nicht mal, dass Frauenfeindlichkeit und Sexismus bei den Piraten besonders stark ausgeprägt sind. Es gibt allerdings krasse antifeministische Reflexe, die dann in Sexismen und Bashing abgleiten. Hätte eine Frau kandidiert, die bösen F- und G-Wörter vermieden und den female Postgenderpiraten gegeben, wäre sie vermutlich gewählt worden. Es hat aber keine Frau kandidiert. Wenn die Piraten en gros das nicht problematisch finden … dann sollen sie eben finden. Ich finde dann wiederum, dass die Mehrheit der Piraten und Piratinnen naiv und politisch nicht ernst zu nehmen sind, auch wenn ich beispielsweise Mahas Vorstoß in Sachen Queerpolitik ganz charmant finde. Oder um es mit streamspace zu sagen: “Same old, same old, and far from progressive.

Weitere Analysen findet ihr bei Antje Schrupp, mspro und Nilzenburger.

Awww! Gendercamp

logo für das gendercamp im mai 2010 in hüllEs ist vorbei. Wie schade! Das Gendercamp war die mit Abstand beste Veranstaltung, die ich je mitorganisiert habe. Danke an alle, die da waren. Eindrücke, die Glücklich machen, könnt ihr hier oder hier lesen. Für die Dokumentation der Sessions haben wir ein Blog bei posterous eingerichtet, das schon gut gefüllt ist mit Audiomittschnitten, schriftlichen Protokollen und Fotos. Es fehlt nur noch mein Text über die extrem inspirierende Netzpolitiksession. Das wird ein bisschen komplizierter. Weil wir uns nicht voneinander trennen können, hängen wir noch zusammen im IRC ab. Bis zum nächsten Gendercamp im ABC Hüll, das wir 2011 auf jeden Fall auf die Beine Stellen wollen. Bei mixxt gibt es auch schon einen Strang dazu.