Category: gp

Die freundliche Empfehlung (3.11. bis 8.12.2012)

Makers: The New Industrial Revolution by Chris Anderson – review | Books | The Guardian
A critical review of Chris Andersons new book. Favourite quote: " There is indeed very little patience, in this book's Silicon Valley ideology of ambient über-wealth, for the ordinary and humdrum."
Refugeecamp – Soup von Carridwen
Geflüchtete, die sich an Berliner Refugee Camp Protest beteiligen, erzählen.
One Laptop per Child: Wenn äthiopische Kinder wie Äffchen dargestellt werden [Kommentar]
Zahlreiche Techblogs und Magazine berichteten vor einiger Zeit über ein "One Laptop Per Child"-Projekt in Äthiopien. Der Artikel analysiert, wie darin mit dubiosen Annahmen und durch fehlende Recherche rassistische Vorstellungen über Afrika reproduziert werden.

Workshop in Hamburg:
Where’s the riot in my Interrrnet?

Nächste Woche findet an der Uni Hamburg die Frauen*Hochschulwoche statt. Steff und ich geben dort am Mittwoch (28.11) von 14-17 Uhr zusammen einen Workshop zu queer-feministischem Aktivismus im Netz. Um was es geht und für wen der Workshop geöffnet ist, seht ihr unten. Diese und alle weiteren Veranstaltungen der Frauen*Hochschulwoche sind jetzt online in diesem PDF. Im Laufe der Woche gibt es die Ausstellung “Fair A Gender?” zu sehen, außerdem Veranstaltungen zu kritischer Männlichkeit, Frauen und Revolution, Körperarbeit, Frauen in Afghanistan, Definitionsmacht und Intersektionalität. Für Einstieger_innen wahrscheinlich besonders interessant und an dieser Stelle empfohlen sei der Workshop von Do. Gerbig mit dem Titel “Fiktion und Wirklichkeit der zwei-geschlechtlichen Ordnung”. Organisiert wird die F*HW vom AStA.

Achtung: In der unten angegeben Emailadresse war zunächst ein Fehler.

Where‘s the Riot in my Intrrrnet?
Queer-feministischer Aktivismus im Netz

Wir(1) richten uns an pünktliche(2) L*I*F*T*_*(3), die sich in ihrem Alltag im Netz bewegen, Interesse an queer-feministischem Aktivismus haben und Netzaktivismus als Schnittstelle erkunden wollen.

Neben Über- und Einblicken in vergangene und aktuelle Orte queer-feministischer Netzaktivismen, stellen wir ein paar Netz-Technologien (Blog, Podcast, Twitter/Mikroblogging, Soziale Netzwerke etc.) vor und fragen euch und uns nach Situationen, in denen wir queer-feministisch im Netz aktiv werden wollten und woran es bisher scheiterte.
Das Ziel ist klar: mehr queer-feministische Aktionen/Sichtbarkeiten/Geschichten/… im Netz!

Bei Fragen und Unsicherheiten setzt euch mit uns per Mail in Verbindung:
qf-netzaktivismus |ät| riseup.net

Es freuen sich auf Euch
Kathrin und Steff

(1) Kathrin, auf Twitter @ihdl, bloggt auf iheartdigitallife.de, macht mit Marlen den Podcast “Nrrrdz” und im Freien Sender Kombinat das netzpolitische Magazin “Der Computer kann alles”. Sie ist außerdem bei hatr.org involviert, einer Sammelstelle für Hass-Kommentare im Netz. Steff ist ein Drittel des “heiter scheitern”-Podcast-Haufens, twittert u.a. als @tutnrrrso und bloggt ein wenig auf tutnurso.blogsport.de.
(2) um einen gleichen Info-Stand und eine Verständigung über ein umsichtiges Miteinander gewährleisten zu können.
(3) Selbstverortend: Lesb(e/isch)*-Intersex*-Frau*Femme*-Trans*_uneindeutig_genderqueer* (Sternchen „*“ steht für die individuelle Aneignung und das Ausfüllen einer Identitätskategorie, Leerstelle/gap „_“ steht für Verortungen zwischen Identitätskategorien, jenseits davon und solche, die sich nicht auf einen Begriff beziehen).
Der Workshop ist nicht für Cis-Männer* offen!

14 Uhr bis 16 Uhr
Von-Melle-Park 5
Raum 2095/2197

Die freundliche Empfehlung (Oktober 2012)

Ich vergesse immer noch, dass ich Links für euch sammeln wollte, die ich für beachtenswert halte. Hier sind zwei aus dem letzten Monat.

Online Shopping im In- und Ausland
Für diejenigen, die in Klamottengeschäften mit Standardgrößen nicht (immer) fündig werden, gibt es bei Reizende Rundungen eine tolle Übersicht mit Bestellmöglichkeiten im In- und Ausland.
Decolorize The Color Line? « stop! talking.
(en) accalmie nimmt sich die Kritik an Critical Whitness vor, die kürzlich in der AK erschienen ist. Differenziert und deep, cause "things are more complicated than they seem".

Feministische Brüche und feministische Archive: “Wir schauen zu, wie Wissen verloren geht”

Wie versprochen nun also der follow-up-post zum Vortrag über die Lesben/Frauen-Archive in der digitalen Welt ein paar Themen der Diskussion und Überlegungen dazu.

Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Mit meinem Vortrag wollte ich unter anderem einen Einblick geben, wie Feminismus im Netz Öffentlichkeit herstellt, Beziehungen stiftet und Interventionen ermöglicht. Ich habe versucht, Metaphern dafür zu finden, was Twitter für uns bedeutet und betont, dass es auch für uns, die wir soziale Medien täglich nutzen, alles andere als trivial ist, sich darin zurecht zu finden. Aber es ist eben trotz der Informationsflut und der Unsicherheit, wie Beziehungen in der virtuellen Welt zu gestalten sind, auch unglaublich reizvoll. Daran anschließend habe ich mir die Frage gestellt, welche Bedeutung die Verortung in vorangegangenen feministischer Politiken für uns, die wir im Netz feministisch umherschwirren, hat. Als Beispiel habe ich u.a. Somlu’s Text über das Frauenwiderstandscamp im Hunsrück genannt, der eine sehr alte und bekannte Diskussion über Kinder und Mütter mit aktuellen Diskussionen um Kinder und Heteroprivilegien beim Gendercamp verknüpft. Ich argumentierte, dass solche Blogposts hilfreich für aktuelle feministische Diskussionen sein können, weil Feminismus eben auch heißt, wahrzunehmen, wofür vor uns gekämpft wurde, wer gekämpft hat, worüber gestritten wurde und welche Praxen darin entwickeltet worden sind.


Disability Zines Exhibit by Barnard Library Zine Collection on Flickr. CC BY-NC-SA 2.0

Erzählungen über das, was war, sind immer auch dazu da, etwas darüber zu sagen, was heute ist. Sich kritisch in Geschichte zu verorten heißt deshalb meiner Ansicht auch, diese zu dekonstruieren, also auf ihre Entstehungsbedingungen zu befragen. Zu fragen, warum heute etwas auf eine bestimmte Weise erzählt wird und wie Macht mit dieser Erzählung verwoben ist. Ich habe vor allem von meinen Historiker_innen-Freund_innen und ihrer Arbeit gelernt, dass Archive für dieses Unterfangen von großem Nutzen sein können, wenn sie vielfältig und von kundigen Spezialist_innen erschlossenen und aufbereiteten Quellen und Materialien zur Verfügung stellen.

Als ich die Frauenwiderstandscamps erwähnte murmelten einige im Publikum so etwas wie “ah ja, genau”. Ich erwähnte, dass ich bis zu diesem Blogpost noch nichts davon gehört hatte. In der Diskussion knüpften mehrere Frauen daran an und meinten, dass die Lesben/Frauenarchive, in denen sie arbeiten, voll mit Quellen dazu sind.

Da waren wir an dem Punkt, der die Diskussion beherrschen sollte: Gibt es einen Bruch zwischen der zweiten Frauenbewegung und der heutigen und geht dieser mit einem ähnlichen Verlust von Wissen und Geschichte einher, wie der Bruch zwischen der ersten und der zweiten Frauenbewegung? Und was bedeutet das für die Lesben/Frauen-Archive und Bibliotheken?

Eine Teilnehmerin fasste es zusammen: “Wir schauen zu, wie Wissen verloren geht.”

Es ging also nicht darum, dass die jungen Frauen* heute unpolitisch seien, sondern um die fehlenden Verbindungen zwischen den feministischen Generationen, die – auch das wurde angemerkt – sich nicht immer am Alter festmachen lassen. Eins kann sich das vielleicht als zwei Netzwerke vorstellen, wo die Punkte untereinander jeweils stark verbunden sind, es mehrere Zentren mit besonders vielen Verbindungen gibt, wo es aber zwischen den beiden Netzwerken nur wenige Verbindungen gibt. Das hat meiner Ansicht nach weniger etwas damit zu tun, dass die Themen, die uns beschäftigen, heute ganz andere wären. Ich nehme es eher als eine andere Akzentuierung wahr, wobei einige Grundfragen, gerade die der innerfeministischen Debatten, tatsächlich relativ konstant bleiben. Kämpfen wir im kapitalistischen System oder dagegen? Institutionalisiert oder autonom? Welche Rolle spielt das Begehren? Wer sind (legitime) Bündnispartner_innen? Wer ist das “wir” des feministischen Projektes? Wie verhält sich Feminismus als politisches Projekt zum Kampf gegen Rassismus und zu anderen politischen Bewegungen? Außerdem muss die Erzählung der sich ablösenden Frauenbewegungen, der feministischen Wellen, auch kritisch befragt werden – daran hat mich Marlen zum Glück noch mal erinnert. Zwar erscheint es mir nützlich, einen Begriff für die Peaks zu haben, also für die Zeiten, wo viel passiert, wo sich Intensität des Diskurses verstärkt. Aber es besteht eben auch die Gefahr, erstens das Dazwischen unsichtbar zu machen und zweitens den Peaks auf einen bestimmten Nenner zu bringen, der die Vielschichtigkeit und die Konflikte ausblendet, die den intensiven Diskurs erst erzeugen. Denn wenn alle das gleiche zu sagen hätten, würde ja gar nicht so viel gesprochen werden.

Zu den Erzählungen, die ich über die zweite Frauenbewegung kenne, gehört, dass die Protagonistinnen erst im Laufe der Zeit ihre Vorläuferinnen bzw. deren Texte entdeckt haben. Ich glaube, da haben wir es heute schon mit einer anderen Situation zu tun: Wir wissen zumindest, dass es die neue Frauenbewegung gab. Sie ist besser dokumentiert und hat sich in die Kulturproduktion eingeschrieben. Es gibt immer mal wieder einen Arte Themenabend. Es gibt Bücher, Verlage, Bibliotheken und Archive, wo eins fündig wird. Es gibt Gender Studies, wo in der Regel die Möglichkeit besteht, sich mit dem Thema eingehender zu befassen.


An ironhard archive with flowers. Foto von Aureusbay auf Flickr. CC BY-NC 2.0

Trotzdem fehlt es vielfach an Wissen und an Verbindungspunkten. Und vielleicht auch am Interesse, sich eingehender miteinander zu beschäftigen. Vielleicht sind es also die Beziehungen, die fehlen, oder die gemeinsamen Orte. Bibliotheken und Archive könnten ja solche Orte sein. Im Publikum bemerkte eine, dass die Institutionen mehr Öffentlichkeitsarbeit machen müssten, um für “Jüngere” – damit meine ich diejenigen, die den jüngeren/neueren Netzwerken angehören – relevant zu sein. Ich habe überlegt, was das konkret heißen könnte. Der erste Punkt wäre sicherlich, sichtbarer zu sein, das Internet stärker einzubeziehen werden und die Netzwerke auszuweiten. Zum Beispiel mal rausfinden, welche Emailverteiler in der jeweiligen Stadt genutzt werden. Zweitens könnten die Institutionen stärker an aktuelle Debatten anknüpfen und die Verbindungslinien herstellen. Drittens – Raumpolitiken – finde ich es prinzipiell ok, wenn sich die Räume nicht (immer) als “open for all genders” verstehen. Aber sind das dann unausgesprochen Cis-Lesben/Frauenräume? Die Ein-/Ausschlusspraxen müssten aus meiner Sicht erstens klarer benannt werden, zweitens aber auch überdacht werden.

Von der anderen Seite her gedacht, frage ich mich aber: Muss uns immer alles auf dem Silbertablett präsentiert werden? Wie ist es um das Interesse und Geschichtsbewusstsein derjenigen bestellt, die solche Orte nicht wahrnehmen? Ist das überhaupt eine geteilte Erfahrung von “jüngeren” Feminist*innen? Für welche der “älteren” sind die Bibliotheken und Archive auch noch nie interessant oder zugänglich gewesen?

Und dann gibt es noch den Gedanken, dass es Brüche auch aus Gründen sind, dass sie notwendig und produktiv sind. Die Erfahrung, die es bedeutet, einen Diskussionsprozess selbst durchgemacht zu haben, lässt sich wahrscheinlich durch Bücher und Erzählungen nicht ersetzen. Und die Effekte solcher Diskurse verstärken sich ja auch dadurch, dass sie wiederholt werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass Frauen*, die bestimmte Debatten schon vor 30 Jahren geführt haben, nur bedingt Interesse daran haben, dass ihnen frisch “Bekehrte” mit ihrer Begeisterung die Ohren abkauen. Umgekehrt haben die “Jüngeren” vielleicht auch keine Lust, wenn die “Älteren” immer sagen, “ach, das haben wir früher auch schon diskutiert und ihr werdet schon noch sehen, dass …”

Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion weiter entwickelt. Ich bin sicher, dass die Lesben/Frauen-Archive an der Sache dran bleiben und über Anknüpfungspunkte und neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit verstärkt nachdenken. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die aktuellen feministischen Strömungen und gerade auch die Netzaktivistischen demnächst an einen Punkt kommen, wo das Bedürfnis danach wächst, die eigene Arbeit auch längerfristig zu dokumentieren und festzuhalten. Wir können uns ja nicht darauf verlassen, dass sich das Internet alles merkt, dass wir alle Texte, Meme und Shitstorms auch in zwei oder zwangzig Jahren noch finden können. Spätestens dann müssen wir noch einmal darüber nachdenken, wie sich das Digitale archivieren lässt und ob wir unsere Sachen den Firmenarchive von Google, Twitter und Facebook überlassen wollen. Wir sollten also mit denjenigen ins Gespräch kommen, die Ahnung von Archiven haben.

Zum Weiterlesen: “Einzelkämpfer_innen oder Kollektive? Auch eine Generationenfrage” von Lantzschi.

Die Archive ins Netz und das Netz in die Archive?

Am letzten Freitag war ich in Kassel auf der Jahrestagung der deutschsprachigen Lesben/Frauenarchive und -bibliotheken (Dachverband ida), die von der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung organisiert wurde. Auf der Tagung wurde unter anderem über “Zugangswege zu und Vernetzung von Quellen zur Geschlechtergleichstellung” gesprochen. Ich war eingeladen, dazu einen Vortrag zu halten, in dem es zum einen um die Frage ging, warum die Lesben/Frauen-Archive und -Bibliotheken das Internet mehr nutzen und auch in den Sozialen Netzwerken in Erscheinung treten sollten und wie sie das umsetzen könnten. Zum anderen ging es darum, ob sie zukünftig auch feministische Blogs, Diskussionen und Aktionen aus dem Internet archivieren sollen.

Die Diskussion, die sich an meinen Vortrag anschloss, fand ich außerordentlich interessant und ich habe mir fest vorgenommen, darüber auch etwas zu bloggen. Das mache ich dann aber in einem zweiten Post. Hier kommen jetzt erst einmal das Vortragsmanuskript Die Archive ins Netz und das Netz in die Archive? Lesben/Frauenarchive in der digitalen Welt (PDF) und die Prezi zum Durchklicken.

Übergriffigkeit als ‘boys fun’ beim ZDF

Ich musste heute mal wieder meinen Unmut zum Ausdruck bringen und habe eine Mail ans ZDF geschrieben. In einer Sendung namens “neoparadis” wurde einfach mal eine Frau von einem Moderator (andeutungsweise) begrabscht, als lustiger Spaß zwischen Kumpels. Worum es genau geht, könnt ihr bei derspringendepunkt.tumbler.com nachlesen. Dort findet ihr auch einen Link zum Youtube Video mit der Sendung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich wende mich an Sie, um meinen Protest gegen die Sendung “neoparadise” vom 4.10.2012 zum Ausdruck zu bringen. Ich muss an dieser Stelle nicht genauer auf den Inhalt eingehen, weil Sie mit Sicherheit schon eine Reihe von Zuschriften zu dieser Sendung bekommen haben. Nur so viel: Ich finde es schrecklich, wenn sexuelle Übergriffigkeit auf diese Weise verharmlost wird, wenn sich über die Gefühle von Opfern Lustig gemacht wird und so getan wird, als müssten Frauen das halt locker nehmen und wegstecken können. Ist ja nur Spass, eine lustige Wette zwischen Kumpeln, die sich zwar irgendwie merken, dass das “eklig” ist, aber dann doch rumkumpeln und sich gegenseitig für ihre witzige Aktion auf die Schulter klopfen. Nein, ist es nicht.

Im Übrigen tut es nichts zur Sache, ob die Frau tatsächlich berührt worden ist oder nicht. Für die ZuschauerInnen war das nicht erkennbar. Der Frau zu nahe gekommen ist der Moderator so oder so. Grenzüberschreitendes Verhalten nennt man das.

Es schränkt die Freiheit von Frauen ein, jederzeit damit rechnen zu müssen, dass ihre körperliche Integrität missachtet wird. Diesen Zustand, wie in der Sendung gesehen, unkritisch zu reproduzieren, halte ich für absolut fahrlässig. Mich hat erschreckt, dass anscheinend die gesamte Redaktion bei dieser Sache versagt hat.

Ich verbleibe mit der Empfehlung an die beteiligte Redaktion bzw. Produktionsfirma, ein Antisexismustraining durchzuführen und den verantwortlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt im Sender zum Thema zu machen. Es ist bitter notwendig.

Mit freundlichen Grüßen,

Kathrin Ganz

Update: Mir wurde heute Abend die Standardantwort zugeschickt, die auch der springende Punkt erhalten hat. Darauf habe ich noch mal geantwortet:

Vielen Dank für ihre Antwort. Das wäre doch nicht nötig gewesen! Schließlich handelt es sich darum um eine Standardmail, die ich bereits aus dem Internet kenne. Das Argument, dass es in der Szene nicht zu einer tatsächlichen Berührung gekommen ist, konnte ich in meiner ersten Email darum schon vorwegnehmen. Hätten Sie meine Email gelesen, wäre Ihnen das sicher aufgefallen. Auch war mir bekannt, dass das Einverständnis der Messehostess eingeholt worden ist. Meine Kritikpunkte bleiben also bestehen.

Falls es beim ZDF noch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem kritisierten Inhalt geben sollte, bitte ich Sie, mich darüber zu informieren, ob der Sender etwas zu unternehmen gedenkt, dass dergleichen zukünftig nicht wieder geschieht. Das ist mir wichtiger als schnell ein Feedback auf meine Email zu erhalten, die aus einer bereits bekannten Standardantwort besteht.

Teilhabe durch neutrale Plattformen? Über die Piraten, die Quote und LQFB

Für die Artikelreihe “Was ist der Streit Wert?” des Gunda-Werner-Instituts habe ich mal wieder mit der parteiinternen Geschlechterpolitik der Piraten beschäftigt. Ich habe versucht, die Diskussionen um Postgender, den Frauenanteil und die Quote differenziert zu betrachten. Am Ende formuliere ich so etwas wie einen Featurerequest. Aber das könnt ihr ja dort nachlesen.

Über den Commentman, der in den Kommentaren noch mal Postgender als die Bekämpfung von Gender Mainstreaming einordnet, habe ich schmunzeln müssen: “Die Genderdiskussion ist extern an die Partei herangetragen worden von politischen Extremisten.”

Aufklärung II: Eine Frage an die Leser

Inhaltswarnung: sexualisierte Gewalt, r*pe culture.

Heute morgen habe ich erst entdeckt, dass dank einer Verlinkung bei der Mädchenmannschaft noch einige Kommentare unter meinen Text über Aufklärung (die über Sex, nicht das Zeitalter) gepostet wurden. Danke für’s Teilen eurer Perspektiven und Erfahrungen! Die Erzählungen machen deutlich, wie rape culture weibliche Sexualität mit-konstruiert. Das gibt zu denken. Mir geht es übrigens dabei nicht darum zu sagen, dass es falsch ist, Mädchen über die Gefahr sexualisierter Gewalt aufzuklären und es besser wäre, eine flauschige Bubble aufzubauen. Ich versuche für mich zu ergründen, wie das Thema Gewalt in das Sprechen über Sex eingewoben ist und was das mit uns macht.

Ich bin neugierig geworden und frage mich auch, wie das eigentlich bei Jungs ankommt. Vielleicht haben ja von den Lesern welche Lust, ihre Erinnerungen zu schildern. Ihr habt ja in der Regel den selben Unterricht erlebt und die selben Fernsehsender gesehen. Was machen diese Erzählungen mit jungen Männern? Wie habt ihr die Aufklärung, das Sprechen über Sex und die Repräsentationen davon wahrgenommen?

Mich interessieren Erfahrungen, wie sie auch in den Kommentaren (Triggerwarnung) unter dem anderen Text geschildert worden sind. Also seid so gut und postet keine allgemeinen Ausführungen und Einschätzungen zum Thema und keine Kommentare, die nur aus Lösungsvorschlägen bestehen. Danke.

Nachgetragen

Eigentlich wollte ich hier ja wieder regelmäßig Links für euch sammeln. In letzter Zeit ist einiges im Draft-Ordner liegen geblieben. Anyway, hier sind drei lesenswerte Texte aus den letzten Wochen.

queer_in theory: Feminismus ist hart
Thinkpunk über das Spiel, dass nicht zu gewinnen ist: Wenn Feministinnen dazu gedrängt werden, alle noch so offensichtlichen Argumente mit ausgewiesener Fachkenntnis zu belegen (incl. Methodenkenntnisse und epistemologischer Begründung) und sich dann anhören müssen, sie vermitteln ihre Ansichten auf eine viel zu akademische Weise.

"Der Computer hat Angst vor Vollmond" – jetzt.de
Algorithmuskunst! Shing-Tat Chung hat einen abergläubischen Handelscomputer entwickelt. Der Investmentfonds "Superstitious Fund" handelt nach der Magie der Zahlen und nach Mondphasen.

Atommüll: Weg! Weg!! Weg!!!
Wohin mit dem Scheiß? Ein ausführlicher Bericht über die Geschichte der bis dato ungelösten (und scheinbar unlösbaren) Atommüllfrage.

#dcka im September 2012: Backlash, GEMA, Konzernmacht, Post-Privacy

logo des der computer kann alles podcastDie aktuelle “Der Computer kann alles”-Folge vom 12. September ist zwar schon seit einer Woche online, ich möchte sie hier aber noch mal erwähnen, weil sie mir dieses mal besonders gut gefallen hat. Das muss an den schaurigen Themen liegen. Wir sprechen über die vielen Gesichter des Backlash: Leute, die sich über WG-Anzeigen mokieren, sexistische Kackscheiße und die konservative Angst von einer “Zwangssolidarität” mit Pussyriot. Es geht um den Protest der Clubbetreiber_innen gegen die GEMA-Tariferhöhungen und deren mediale Gegenoffensive, die Macht der großen Netzkonzerne über Informationen und das Ende der Netzneutralität. Schön finden wir beide sancznys Text über das Post-Privacy-Wunderland, also reden wir darüber. Um die Sache abzurunden geht es am Ende noch mal um ein Backlash-Phänomen, diesmal in Form einer DDOS-Attacke gegen Telecomix, die irgendwelchen Hatern zu liberal, zu feministisch und zu pc sind.

Am 10. Oktober gehen wir dann in die nächste Runde: Von 17 bis 19 Uhr auf FSK und später dann auf freie-radios.net und im Podcast Feed.