Author: Kathrin

Audiolith & Frauen, anyone?

Ich bin ja was aktuelle Musik angeht nicht mehr so auf der Höhe der Zeit, aber neulich hab ich mich mal wieder gefragt, wie das eigentlich mit Audiolith und den Frauen so ist. Da gab es irgendwann Flicke als Sängerin bei Juri Gagarin – die sind mittlerweile aber aufgelöst, konnte ich dem Internet entnehmen. Seit kurzem gibt es noch Ira Atari. Ansonsten ist das ein Kerleverein. Das ist jetzt wahrlich nicht besonders ungewöhnlich. Aber bei Audiolith, das ja gemeinhin als nettes, cooles und auch politisches, vielleicht sogar reflektiertes Projekt gilt und von Leuten gemocht wird, die sich dafür halten, hat es mich schon immer ein bisschen gewundert.

Kennt ihr das? Irgendein Thema taucht auf, einer kommt eine Frage dazu in den Sinn und man wundert sich darüber, darüber noch nie etwas gelesen zu haben, obwohl es doch so naheliegend ist. Meistens denke ich dann ja “Ach, das wird ein alter Hut sein. Du hast dich nicht genügend mit dem Thema beschäftigt dir und dir ist die Diskussion mal wieder entgangen”. I blame myself. Wegen Audiolith hab ich aber doch mal in die Followerrunde gefragt und sogar ein bisschen selbst gegoogelt (Engagement! Einself!!). Nüscht. Einzig bei den Texten zu Ira Atari wird hie und da kurz angemerkt. Stating a Fact. Als sei das vorher niemandem aufgefallen. Aber echt mal: Gefühlt tanzt der halbe Planet Blogsport zu Audiolith. Das ist konsensmusik. Also will ich hier noch mal die Leser_innen Runde frage: Wurde das schon mal öffentlich problematisiert? Für sachdienliche Hinweise sei gedankt.

not only did I have privileges, but that I was rooted in history

Der Begriff des Privilegs interessiert mich weiterhin, auch wenn ich mich neulich nicht genügend mit den Kommentaren und ausführlichen Reaktionen beschäftigen konnte. Mich interessiert, wie politischen Haltungen aus einer privilegierten Position heraus entwickelt werden und wie sich Solidarität ausdrückt. Sich damit auseinander zu setzen, dass die Freiheiten, Zugänge und die (größtenteils) psychischen Unversehrtheit, die ich als Ressource zur Verfügung habe nicht einfach so gegeben, sondern Teil von Geschichte und Unterdrückungsverhältnissen sind, ist anstrengend, aber eben immer noch eine Entscheidung, die ich frei bin zu treffen. Der Essay “How Can I Be sexist? I’m An anarchist!” (PDF) ((Den Text gibt es auf verschiedenen Websites und als PDF, falls der Link nicht mehr funktioniert fragt eine Suchmaschine eures Vertrauens.)) von Chris Crass beschäftigt sich mit den emotionalen Aspekten der Auseinandersetzungen aus der Perspektive eines weißen, gender-privilegierten heterosexuellen Aktivisten. Ich kenne viele Gefühle und Erlebnisse, die er beschreibt von dieser oder jener Seite der Machtachse. Zum Beispiel das Gefühl selbst von kritischen, pro-feministischen Männern nicht für voll genommen zu werden und nichts Interessantes zu einem Gespräch beizutragen, weil die Gesprächsführung voll “Ja eh klar, aber”-Phrasen ist, die gar nicht abwertend gemeint sind. (Und jetzt fragt mich bitte nicht, ob ihr auch so seid, sondern achtet darauf.) Aber auch diesen Drang, kritische Auseinandersetzung anderer mit weißer oder heterosexueller Dominanz im Kopf durchspielen zu müssen und sich dabei zu ertappen, die Situation zu verharmlosen oder die Schuld bei den von Diskrimierung Betroffenen zu suchen. Es kratzt an einer und es ist viel schwerer über diese Sachen nachzudenken und zu schreiben als solidarisch auf die Belange der Benachteiligten dieser Welt hinzuweisen. Also nehmt euch die Zeit und lest den Text.

nrrrdz000012: hassen und hassen lassen

nrrrdz logo

Wir starten prickelnd in eine neue Folge nrrrdz, denn es gibt Hacker_innenbrauserezensionsexemplare von Piranja Cola. Um unseren Ruf nicht zu verlieren starten wir nach einem Süppchen (Kathrins Suppenrezept auf soup.io) mit iOS Content: Marlen wartet auf ihr iPad2 und wir empfehlen euch die Spiele Happy Birds Tiny Wings, Sparkle und Dungeon Raid. Dann aber geht es lang und ausführlich um hatr.org und das Easterhegg, auf dem wir über Ostern beide abhingen. Wichtig wichtig: Nrrrdz hat eine neue Feed-URL, bitte denkt daran, eure Podcatcher upzudaten bzw. geht noch mal ins iTunes Podcast Verzeichnis, denn da gibt es einen neuen Eintrag.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz12.mp3[/podcast]
Download (mp3, 69,6 MB)

Halt deine Daten zusammen?

Gestern war ich beim einem Kongress von Campus Grün zum Thema Datenschutz eingeladen. “Halt deine Daten zusammen und pass auf dich auf!” hatte ich den Workshop genannt, in dem es weniger um Gender und Soziale Netzwerke als um den Kontrollverlust, unterschiedliche Perspektiven auf Datenschutz und sinnvoll Strategien des Empowerments gehen sollte. Ich hatte einige Überlegungen vorangestellt, die im Anschluss kontrovers diskutiert wurden. Es ging zum einen darum, dass Datenschutzdiskurse von abstrakten Bürgern und ihren Schutzrechten ausgehen, dabei aber oft sehr mahnend und erzieherisch agieren und dabei Gefahren selten anhand von Szenarien konkret vorstellbar machen. Nur der auf Facebook spionierende Chef kommt natürlich immer wieder vor. Vor diesem Hintergrund wundert es mich nicht, warum die Schere zwischen Datenschutzbewusstsein und den Nutzungspraxen zum Teil sehr zu klaffen scheint und es würde mich auch nicht wundern, wenn viele sich insgeheim ein bisschen dumm vorkommen, weil sie das Problem nicht sehen.
Die andere Seite der Medaille ist die abschreckende Wirkung, die Datenschutz- und Privacydebatten auf Nutzer_innen haben, die sich bislang noch nicht ins Netz trauen. Darüber habe ich vor einiger Zeit schon mal etwas geschrieben. Es ging mir gestern also darum, die Diskussion ein bisschen in die Richtung der Vermittlung zu lenken – auch der Vermittlung zwischen datensparsamen Auskennern und diesen Menschen, die im Netz belangloses Zeug mitteilen, dass niemanden interessiert.

Im Laufe unserer Diskussion kristallisierten sich vier Punkte heraus, die mir wichtig sind:
1. Es bringt nichts, Nutzer_innen für ihren unbedachten Umgang zu dissen. Vielleicht haben sie gut überlegte Gründe dafür, das Zeug so zu benutzen, wie sie es tun. Offen sein schadet nichts. Es ist nicht automatisch Naivität wenn jemand anders handelt als man selbst es für richtig hält.
2. Leute zum Handeln bringen ist besser als ihnen Angst zu machen. Aus Spaß am Gerät entsteht Zutrauen in die eigenen Kenntnisse und dann wollen sich Leute bestimmt auch irgendwann mit den cooleren, aber vielleicht auch komplexeren Möglichkeiten, ihre Kommunikation zu gestalten, beschäftigen.
3. Vielfältige Szenarien entwerfen, um Datenschutz- und Privacyprobleme zu vermitteln und auch mal konkret werden. Das erfordert Kreativität aber könnte helfen.
4. Attraktive Alternativen aufbauen, wenn es Sinn macht und Infrastruktur sowieso vorhanden ist (z.B. Jabber Server für die Fachschaft). Die Betreiber_innen dieser alternativen Angebote müssen sich aber auch kritisch damit auseinandersetzen, wie sie mit dieser Machtposition umgehen.

Das ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber als Anregung taugt’s vielleicht. Mir erscheint es jedenfalls wichtig, von der Strategie wegzukommen, die weiland meine Oma an den Tag legte, wenn ihre Töchter oder Enkelinnen am Wochenende ausgingen: “Halt deine Beine zusammen!”

Ein Problem melden

Wie Josef K. fühle ich mich in den letzten Monaten gegenüber iTunes. Wie ein fauler Joseph K. allerdings, der es nur alle paar Wochen wieder auf die Reihe kriegt, sich mit seinem Problem auseinander zu setzen. Kafka meets Lobo/Passig. Irgendwann im Herbst war jedenfalls der Podcast-Feed von nrrrdz kaputt, dann haben wir ihn gefixt und er war wieder valide, aber im iTunes Podcast Directory wurden trotzdem keine neuen Folgen mehr ab Folge 7 dargestellt. Wir haben trotzdem erstmal weiter gemacht. Irgendwann sind wir dann auf die Idee gekommen, mit Feedburner einen neuen Feed zu generieren und den dann einzureichen. Ging dann alles nicht so reibungslos, but to make a long story short: Nrrrdz hat einen neuen Eintrag im iTunes Store und eine neue Feed URL: http://feeds.feedburner.com/Nrrrdz4/. Ihr müsst das dann wohl ändern, um die nächste Folge nicht zu verpassen.

Ixodes Femminista

Ixodes Femminista: Diese Unterart besteht größtenteils aus Weibchen und wurde lange Zeit für einen Nebenwiderspruch gehalten. Sei es durch Evolution und Ausbreitung, sei es durch genauere Forschungen, die Aussagen älterer Lehrbücher über Merkmale wie auffällige Körperbehaarung oder Lila Äußeres wurden als unzutreffend und für die Bestimmung zu unzuverlässig erwiesen. Hingegen bieten unterschiedliche Reaktionen auf das sus-sexistus-vulgo, das vulgäre Sexistenschwein häufig zuverlässige Anhaltspunkte. Es besteht die Hoffnung, daß eine Ausbreitung von Verhaltensmustern der Ixodes Femminista die Landplage sus-sexistus-vulgo durch Verringerung ihres Fortpflanzungserfolgs dezimiert.

Bei ihrer Gattungsbestimmung der Zecke hat sich die kulturelle Praxis selbst übertroffen.

Privilegien

In der vorletzten Missy gibt es ein Dossier zu Tierrechten und dem Mensch-Tier-Verhältnis, das ich erst gestern gelesen habe. Dabei bin ich bei einem Interview mit Carol J. Adams auf einen interessanten Gedanken zum Privilegienbegriff gestoßen.

Eine patriarchale Weltsicht geht davon aus, dass der Zweck die Mittel heiligt. Diese Ethik instrumentalisiert die Natur, ebenso wie Tiere und nicht dominante Menschen, zum Teil auf sehr gewaltsame Weise. Aber die Gewalt wird unsichtbar, sie wird von Individuen nur noch als Privileg wahrgenommen, das ihnen Genuss bereitet: das Privileg, Tiere zu essen, Frauen auszunutzen oder sich keine Gedanken darüber zu machen, wer das Hotelzimmer putzt. ((Carol J. Adams im Interview mit Chris Köver, Missy 1/2011, S. 46.))

Von Privilegien ist ja oft die Rede, wenn es um die andere Seite dieser komplizierten und verwobenen Machtverhältnisse geht, mit denen wir uns politisch, akademisch und in unseren Leben rumschlagen müssen. Ohne je gezielt danach gesucht zu haben bin ich bisher noch nicht auf eine gute Definition gestoßen. Da der gute alte Foucault (zumindest bei mir) ein bisschen Eindruck hinterlassen hat, setze ich jetzt mal voraus, dass die (oder besser: wir) Privilegierten nicht einfach die Unterdrücker_innen und Täter_innen in einer top-down Beziehung personaler oder juridischer Macht ((Vereinfacht: a verbietet b etwas oder a kontrolliert b mit Gewalt.)) sind, wie es in Adams Formulierung noch ziemlich durchklingt. Sie sind dementsprechend aber auch nicht diejenigen, die von jemand noch privilegierterem mit einem verbrieften Vorrecht ausgestattet sind und zum Beispiel Schnapps brennen oder Kirchensteuer eintreiben dürfen. Zumindest bedeutet der Begriff in unseren heutigen Diskussionen etwas anderes. Versuchen wir es also einmal so:

Privilegierte sind Personen (Subjektpositionen), die auf eine Weise in Diskurse und die symbolische Ordnung eingebunden sind, die es ihnen nahe legt, Resultate von Gewaltbeziehungen als genussvoll erlebte Normalität wahrzunehmen. Das Steak, das neue Auto, das saubere Hotelzimmer oder die von Mutti gewaschenen Jeans, die Repräsentationshoheit über Afrikaner_innen,… Was meint ihr: Taugt diese behelfsmäßige Definition?

Das Böse erkennen

Ich sitze im Zug und schaue mir die letzte Folge der Millenium Trilogie an. Kinder im Grundschulalter laufen vorbei und schauen neugierig auf den Bildschirm. Lisbeth Salander sitzt in voller Montur vor Gericht. Das eine Kind sagt zum anderen: “Da war eben eine Böse”.

Dröger Stil, korrekt zitiert

Der Plagiatskandal des ehemaligen Bundesverteidigungsministers KTzG machte es erforderlich, hier und da zu erläutern, was eigentlich eine wissenschaftliche Arbeit ausmacht. Schade nur, dass es die meisten beim Umgang mit den Quellen und dem korrekten Zitieren belassen. Mspro fügt in wir müssen reden 19 noch den langweiligen, trockenen Stil hinzu. Was fehlt: Wissenschaftliche Arbeiten zeichnen sich durch ein klar formuliertes Erkenntnisinteresse aus, dem mit Bezug auf Theorien und mit Hilfe von Methoden (in unterschiedlicher Gewichtung und abhängig von der Disziplin) nachgegangen wird. Geschwafel ist auch mit Fußnoten und Gänsefüßchen Geschwafel.

Beyond Re/Production: Care Work

In Berlin geht die Veranstaltungsreihe zu Queerfeminismus und Ökonomiekritik weiter, die letztes Jahr mit dem Event im März so großartig gestartet ist. Es dreht sich dieses Mal alles um die unterschiedlichen Facetten von Haus- und Sorgearbeit: Beyond Re/Production: Care Work.