An Edward Saids Kritik des Orientalismus, „a Western style for dominating, restructuring, and having authority over the Orient“, ((Edward Said 1978: Orientalism. London, 12)) mussten dieser Tage sicher viele denken, die schon einmal mit postkolonialen Theorien in Berührung gekommen sind. Caroline Fetscher diskutiert anhand des Begriffes linke und rechte Phantasien über arabische Länder und ihre Bürgerbewegungen im heutigen Tagesspiegel und fordert: Der Westen muss auf seinen Orient verzichten.
Author: Kathrin
mainstreaming the _
Ich sehe ihn seit einiger Zeit nicht mehr nur in queer-feministischen Texten und auf Flyern, sondern auch in unszenig daherkommenden Wohnungsgesuchen an Straßenlaternen. Ich bin mir nicht sicher, ob die performative Bedeutung, die Steffen Kitty Hermann dem linguistischen gender_gap ihrer Zeit verliehen hat, allen, die den _ nutzen bekannt ist, oder ob das _ einfach für cooler befunden wird als das olle Binnen-I. Aber sei’s drum … (Oder wie seht ihr das?)
Neustes Fundstück: In der Rezension von Andreas Fischer-Lescano (Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Uni Bremen) zur Dissertation “Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU” von Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg heißt es:
Zu Guttenbergs Argumentation mäandert vor sich hin und zermürbt die Leser_innen durch seitenlanges Politsprech und die Nacherzählung rechtspolitischer Diskussionen im Konvent. (…) Zu Guttenberg bedient sich bei einer ganzen Reihe von Texten und Autor_innen, ohne die Fremdzitate lege artis kenntlich zu machen. (…) Im hinteren Bereich der Arbeit, wo zu Guttenberg die Notwendigkeit des Gottesbezuges in Verfassungen thematisiert und laizistischen Vertreter_innen vorwirft, dass sie ein Vakuum schaffen, in dem Fundamentalismen aller Art gegenüber dem Humanismus und der Aufklärung leichtes Spiel haben, gibt es weitere urheberrechtlich problematische Passagen. ((Andreas Fischer-Lescano: Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg, Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU. In: Kritische Justiz, Nr. 1/2011, S. 112–119 (PDF).))
nrrrdz000011: de.nrrrdz.misc

Heute gehen wir im Gemischtwarenladen der Themen shoppen (wie im Mac App Store!): Frustration mit der unerreichbaren iTunes Podcast Verzeichnis-Bürokratie (um Hilfe wird gebeten!), der 27c3 samt Haecksenfrühstück und dem Redeverhalten einiger Anwesender, Jodie Foster (When I Looked At Your Face aus “Moi, Fleur Bleu”) und neue Podcasts und Blogs, die wir mögen.
[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz11.mp3[/podcast]
Download (mp3, 91,2 MB)
Haecksen
go make me a sandwich
you play video games? so you are… fat, ugly or slutty
geekfeminism
fanbóys
gendercamp
Stilblüte
Wenn Vorurteile klar erkenntlich überspitzt und sterilisiert dargestellt werden und diese Einsicht zusätzlich durch filmtheoretische Betrachtung gestützt werden kann, kommuniziert der Film die Absurdität des Gezeigten und beschreibt damit sein differenziertes Gegenteil. (Quelle, Kontext)
Plus: Durch die Etablierung von Männertagen hat der AStA sich gegen Diskriminierung an der Uni Hamburg eingesetzt.
Simon II in the making
Norbert Blech berichtet auf queer.de über eine neue Onlinestudie, die von der Berliner “Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung” in Auftrag gegeben und an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter der Leitung von Professor Bernd Simon durchgeführt wird. Die Umfrage richtet sich an Schwule und Lesben und “andere nicht-heterosexuelle Frauen und Männer (einschließlich Trans*-Personen)”. Abgefragt werden die gefühlte Bedrohung durch “Polizisten, Fußballfans, Neonazis, katholischen und evangelischen Christen, Muslimen und Personen mit russischem, türkischem und arabischen Migrationshintergrund” sowie die Zustimmung zu Thesen à la “Den Islam in Deutschland zu akzeptieren ist gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Rückschritt.” Die Thesen sind äußerst suggestiv formuliert und behandeln zum Schluss nur noch die Haltung gegenüber muslimische Migrant_innen.
Die erste Simon-Studie ((Bernd Simon (2008): Einstellungen zur Homosexualität: Ausprägungen und psychologische Korrelate bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund (ehemalige UdSSR und Türkei), in: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie 40, 87-99.)) (vom LSVD in Auftrag gegeben und vom Familienministerium finanziert) spielt im hiesigen homonationalistischen Diskurs eine zentrale Rolle, weil sie, so Jin Haritaworn, “statistisch belegt, was bereits allgemein bekannt ist: dass «Migranten» homophober sind als «Deutsche»” ((Jin Haritaworn 2009: Kiss-Ins und Dragqueens. Sexuelle Spektakel von Kiez und Nation, in: AG Queer Studies (Hg.): Verqueerte Verhältnisse, Hamburg, 41-65 (Zitat S. 41.); zu den methodischen Problemen der Simon-Studie vgl. (2010), ‘Wounded subjects: Sexual exceptionalism and the moral panic on “migrant homophobia” in Germany,’ in M. Boatc, S. Costa and E. Gutierrez Rodriguez (eds.) Decolonising European Sociology, Aldershot: Ashgate, 135-152.)) Bei diesem methodischen Vorgehen ist das auch kein Wunder.
Inszenierung von Privilegien
Wenn (weiße) Student_innen ungewöhnlich früh an der Uni sind und den Reinigungskräften begegnen, denken sicher viele für einen Moment darüber nach, wie ihre Universität – die zumindest in meiner (möglicherweise veralteten) Vorstellung – nicht nur Arbeits-, sondern auch Lebensraum vieler Studierender ist, eigentlich funktioniert. Unter welchen Bedingungen und zu welchen Löhnen Leute die Räume gereinigt werden, während Studierende noch selig schlafen und was eigentlich der Grund dafür ist, dass bestimmte Leute das Bild in den Hörsälen und Seminarräumen prägen, während man andere nur früh am Morgen ihrer Arbeit nachgehen sieht. Bei anderen wiederum scheinen solche Begegnungen Phantasien des wilden, unzähmbaren Afrika auszulösen. Anlässlich eines skandalösen “Image-Films” des Hamburger Uni-AStA hat die AG Queer Studies heute ein Statement veröffentlicht. Dort findet ihr auch viele Links zum Anlass des Protestes.
GenderCamp 2011: Anmeldung ab 11.02.2011
there are only 10 kinds of people in the world:
those who reproduce gender binary and those who deconstruct it.
Das GenderCamp ist ein BarCamp rund um Feminismus, Queer, Gender und Netzkultur. Es findet im Mai 2011 zum zweiten Mal im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll bei Hamburg statt.
Das GenderCamp ist ein offenes Event, dessen Programm vor Ort von den Teilnehmer_innen gestaltet wird: Jede_r, der_die Lust hat, etwas beizutragen, kann in der morgendlichen Sessionplanung einen Vorschlag machen und bekommt einen Slot im Programm. Ob Diskussionsrunden, Workshops, Vorträge, Filme, Planung gemeinsamer Projekte… vieles ist möglich. Ideen können ab sofort im Forum vorgestellt und diskutiert werden. Auf dem letzten GenderCamp ging es unter anderem um „Geschlechterkonstruktionen in Computerspielen“, „Hausrecht im Web“, „Alternativen zur Kleinfamilie“ und Arduino-Mikrocontroller – mehr in der Doku des GenderCamps 2010
Who’s joining GenderCamp?
Zielgruppe des GenderCamps sind alle, die sich für die Schnittstellen von Queer-/Feminismus und Netzkultur interessieren: Leute, die sich in beiden Welten tummeln, queer-feministische Szenegänger_innen, die in Netzkultur reinschnuppern und Netzbewohner_innen, die sich intensiver mit Queer, Feminismus und Gender beschäftigen wollen. Das GenderCamp will vernetzen, Projekte anstoßen und Leuten, die sich aus queeren/feministischen Netzcommunitys kennen, die Gelegenheit geben, sich im real life zu treffen.
Was ist eigentlich dieses Gender von dem hier alle reden?
Auch wenn manche in der Netzszene der Idee anhängen, wir lebten in Post-Gender-Zeiten: Wie in den meisten gesellschaftlichen Feldern ist auch im Internet in Sachen tatsächlicher Gleichstellung von Männern und Frauen noch gar nichts ausgereizt. Androzentrismus und Privilege Denying Dudes (and Girls) tummeln sich überall, von shitstürmenden Trollhorden ganz zu schweigen. Auf dem GenderCamp trifft sich der Teil der (deutschsprachigen) Netzszene, der sich kritisch mit sexistischen Geschlechterverhältnissen auseinandersetzt. Normalität heißt Normalisierung in einer Gesellschaft, die davon ausgeht, dass zwei Geschlechter, durch heterosexuelle Zuneigung verbunden, genug sind und alles andere höchstens dann hervorgeholt wird, wenn es darum geht, die rassialisierten Anderen auf ihren Platz zu verweisen. Feminismus und Queer sind nicht losgelöst von anderen Machtverhältnissen denkbar. Auf dem GenderCamp sind darum all genders welcome, die sich auf einen reflektierten Umgang mit Diskriminierungen aller Art einlassen wollen.
GenderCamp: In a beautiful place out in the country
Das GenderCamp findet auch in diesem Jahr wieder im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll statt, das ca. 75 km südwestlich von Hamburg gelegen ist. Dort gibt es Wiesen, Kühe und Bauernhöfe. Anders als bei anderen BarCamps übernachten die Teilnehmer_innen am Tagungsort selbst. Dank öffentlicher Zuschüsse kostet die Teilnahme mitsamt zwei Übernachtungen und Vollverpflegung nur 45 Euro (35 Euro ermäßigt). Kinder können gerne mitgebracht werden (unter 12 Jahren kostenlos). Bei Bedarf kann gemeinsam eine Kinderbetreuung organisiert werden. Das Essen verdient eine besondere Erwähnung, denn es ist spitze und geht auf alle Wünsche und Bedürfnisse ein. Mit den üblichen Tagungsmaterialien ist das Haus auch sehr gut ausgestattet – Mehr Infos zu Verpflegung, Teilnahmegebühr, Anfahrt und Unterkunft
Na dann: Prost Gender! – Zur Anmeldung
Weil die Kapazitäten für Übernachtungsplätze auf ca. 60 Teilnehmer_innen begrenzt sind, ist eine frühzeitige Anmeldung erforderlich. Ab dem 11. Feburar 2011 um 11:02 Uhr könnt ihr euch direkt beim ABC Hüll verbindlich anmelden:
http://www.abc-huell.de/abc/gendercamp-2011-13-15-05-2011/
Bei Bedarf wird es eine Nachrücker_innen-Liste geben.
Community: www.gendercamp.de // Twitter: @gendercamp #gendercamp / @abc_huell // Facebook: GenderCamp 2011 Event und facebook.com/abchuell
Befremdliches
Ich habe heute ein Gespräch von Margarete Mitscherlich und Bettina Röhl gelesen. Das war im Chrismon, diesem evangelischen Magazin, das Tages- und Wochenzeitungen beiliegt. Ich lese schon Tageszeitungen mit dem Gedanken, dass ich mal Input außerhalb meiner üblichen Filter brauche. Warum also nicht mal in den Christmon schauen?
Das Thema war Mütterlichkeit: schlechte Mütter, kommunistische Mütter, zufriedene Mütter und zu gute Mütter. Interessante Einblicke in zwei Biographien, mit denen ich mich bislang nicht beschäftigt habe. Auf die abschließende Frage “Wie würden Sie Frauen heute Mut machen, Mutter zu werden?” antwortet Röhl:
Heute ist die Familie als Lebensform in Misskredit gekommen. In den Medien spielen Patchwork- und Scheidungsfamilien und homosexuelle Ehen eine wichtigere Rolle als die Familie mit Mann, Frau und Kind, und es gibt tatsächlich sehr viele Scheidungen. Das innere Bild von einer gelingenden Familie ist durch viele ideologische Diskussionen angeknackst. Das verunsichert mehr als die Frage, wie Beruf und Kinder zu vereinbaren sind.
Das innere Bild. Es zeigt Vater und Mutter, deren “bis dass der Tod uns scheidet” nicht durch ein Abhängigkeitsverhältnisse gesichert werden muss, solange nicht diese fiesen Homoehen und Patchworkfamilien das Bild der gelingenden Familie zerstören. Alles ganz einfach. Oder wie formulierte es Malte Welding heute in der Süddeutschen: “Man muss nur jemanden finden, den man mag und den man scharf findet.”
Nur wer loslässt hat beide Hände frei
Hamburg, Stadt im Norden. Am 20. Februar wird die Bürgerschaft gewählt.
Menstruation Machine
Wir leben jetzt ja wieder in der Zukunft, heißt es. Fancy Technik hier, dystopischer Cyberwar da. Vielleicht bauen wir uns die Raumschiffe einfach selbst. Einwand: Erstens ist die Zukunft demnächst und zweitens wäre da noch diese Frage: “It’s 2010, so why are humans still menstruating?”

Hiromi Ozakis Menstruation Machine simuliert das Bluten bei der Menstruation. Wer sie sich umschnallt erlebt durch eingebaute Elektroden die Krämpfe im Unterbauch, die während der Blutung plagen können und fragt sich vielleicht: “What does Menstruation mean, biologically, culturally and historically, to humans? Who might choose to have it, and how might they have it?”