Author: Kathrin

Postgender in Bingen

Gerade ist der Bundesparteitag der Piratenpartei in Bingen zu Ende gegangen. Mein durch Twitter und ein bis zwei Stunden Livestream am Samstag Abend geprägter Eindruck ist, dass die Piraten inhaltlich kein Stück weiter gekommen sind. Personaldebatten, GO-Anträge und eine Meta-Diskussion über Kernthemen und Programmerweiterungen standen im Vordergrund der als chaotisch wahrgenommenen Veranstaltung. Und was macht unsere alte Freundin, die Genderdebatte?

Leena Simon hat als für den stellvertretenden Parteivorsitz kandidiert. Dass sich außer ihr keine Frau um ein Vorstandsamt beworben hat, war ein Faktor für ihre kurzfristige Entscheidung, den sie auch in ihrer Kandidatinnenrede transparent gemacht hat. Darüber hinaus positionierte sie sich – im Gegensatz zu einigen ihrer Konkurrenten – zu Fragen wie Atomkraft, Bildung, Freie Software, um ihre Arbeitsschwerpunkte und Kompetenzen deutlich zu machen. Im Anschluss antwortete die Kandidatin auf Fragen aus dem Plenum. Die Schlange vor dem Mikrofon war deutlich länger als bei allen anderen Kandidaten und unter den Fragestellenden waren deutlich mehr Frauen. Bis auf wenige Ausnahmen ging es um Leenas Position in der Genderdebatte, um ihr angebliches Fehlverhalten bei der Gründung einer Mailingliste für Piratinnen und der Herausgabe einer Presseerklärung zu diesem Thema. Der Ton war oft wütend und feindselig, Parteimitglieder versuchten Leena mit immer gleichen Fragen danach, ob denn eine Frau zu sein ihrer Meinung nach als Qualifikation für das Amt ausreiche und ob sie noch irgendwelche anderen Themen außer diesem Gender habe, festzunageln. Leenas Reaktionen waren bewundernswert souverän und am Ende sprangen immerhin 28,2 Prozent der Stimmen dabei raus. Ein Ergebnis im Mittelfeld der Kandidaten. Der Parteivorstand der Piratenpartei besteht am Ende von Bingen ausschließlich aus Männern.

Für mich hat dieser Parteitag gezeigt, dass eine Debatte über Geschlechterpolitik bei den Piraten zurzeit sinnlos ist. Da stellen sich Frauen hin und finden allen Ernstes, dass es kein Problem gibt, dass sie in diese Partei eingetreten sind, weil für sie Kategorien keinen Rolle mehr spielen und sie nicht zwischen Männern und Frauen unterscheiden wollen. Schön. Warum ist die Kategorie Geschlecht dann aber doch so wirkmächtig, dass sich keine einzige Frau (außer Leena Simon) findet, die Interesse an einem Vorstandsamt in ihrer Partei hat? Ist das statistischer Zufall, oder hat es doch etwas mit der Gesellschaft zu tun?

Ich glaube gar nicht mal, dass Frauenfeindlichkeit und Sexismus bei den Piraten besonders stark ausgeprägt sind. Es gibt allerdings krasse antifeministische Reflexe, die dann in Sexismen und Bashing abgleiten. Hätte eine Frau kandidiert, die bösen F- und G-Wörter vermieden und den female Postgenderpiraten gegeben, wäre sie vermutlich gewählt worden. Es hat aber keine Frau kandidiert. Wenn die Piraten en gros das nicht problematisch finden … dann sollen sie eben finden. Ich finde dann wiederum, dass die Mehrheit der Piraten und Piratinnen naiv und politisch nicht ernst zu nehmen sind, auch wenn ich beispielsweise Mahas Vorstoß in Sachen Queerpolitik ganz charmant finde. Oder um es mit streamspace zu sagen: “Same old, same old, and far from progressive.

Weitere Analysen findet ihr bei Antje Schrupp, mspro und Nilzenburger.

Ein Zimmer in Bremen

Ab Juni werde ich auf einer halben Stelle an der Uni Bremen arbeiten. Ich bleibe in Hamburg wohnen, weil ich Hamburg mag und die Stelle befristet ist. Aber drei Mal pro Woche pendeln ist teuer und anstrengend. Darum suche ich jetzt ein Zimmer in Bremen, in dem ich zwei, vielleicht auch mal drei Nächte die Woche schlafen kann. Ich suche:

  • ein WG-Zimmer für unter 200 Euro incl. (Warmmiete, DSL …)
  • die Uni ist mit dem Fahrrad erreichbar
  • die Mitbewohner_innen finden es ok, dass ich nicht oft da bin
  • klein kann das Zimmer ruhig sein
  • sehr gerne möbliert
  • Zwischenmiete bis Ende des Jahres finde ich auch super

Sehr schön wäre auch ein Arrangement mit einer WG, die ein Gästezimmer hat, dass sie für zwei Nächte pro Woche (voraussichtlich Mo-Di-Mi) fest an mich vermietet. Oder es findet sich eine Person, die in Bremen lebt, ebenfalls pendelt und ihr Zimmer an diesen Tagen an mich vermietet. Je günstiger, desto besser, denn ich habe ja auch noch ein Zimmer in Hamburg zu unterhalten :)
Wenn ihr i heart digital life lest wisst ihr ja, für was ich mich so interessiere. In Hinblick auf Zusammenwohnen ist es vielleicht noch gut zu wissen, dass ich relativ ordentlich bin, aber sehr entspannt mit anderen Ordnungsvorstellungen umgehe. Wenn ihr was wisst, erreicht ihr mich am besten per Mail: mail {at} iheartdigitallife {punkt} de – Tipps zur Wohnungssuche in Bremen auch gerne in die Kommentare posten. Thx!

Awww! Gendercamp

logo für das gendercamp im mai 2010 in hüllEs ist vorbei. Wie schade! Das Gendercamp war die mit Abstand beste Veranstaltung, die ich je mitorganisiert habe. Danke an alle, die da waren. Eindrücke, die Glücklich machen, könnt ihr hier oder hier lesen. Für die Dokumentation der Sessions haben wir ein Blog bei posterous eingerichtet, das schon gut gefüllt ist mit Audiomittschnitten, schriftlichen Protokollen und Fotos. Es fehlt nur noch mein Text über die extrem inspirierende Netzpolitiksession. Das wird ein bisschen komplizierter. Weil wir uns nicht voneinander trennen können, hängen wir noch zusammen im IRC ab. Bis zum nächsten Gendercamp im ABC Hüll, das wir 2011 auf jeden Fall auf die Beine Stellen wollen. Bei mixxt gibt es auch schon einen Strang dazu.

Über 60 000 Unterschriften für die Hebammen

Das sind mehr als über 9000 und auch mehr als 50 000! Auf dem Gendercamp haben wir uns beim Abendessen darüber unterhalten, wie toll es ist, dass die E-Petition der Hebammen so gut funktioniert. Vielleicht hat die Petition gegen die Netzsperren einen Teil dazu beigetragen, dass diese Möglichkeit, Themen in der Öffentlichkeit zu pushen und dem Bundestag auf die Agenda zu setzen, mittlerweile ziemlich bekannt ist. Ich bin ziemlich sicher, dass Hebammen und Geburtspfleger über viele Kanäle mit den Müttern und Familien, die sie betreuen und betreut haben, vernetzt sind. Die Aktionen gegen die Anhebung der Versicherungsprämie, zusammengefasst auf dem Genderblog, zeigt aber auch mal wieder, dass sich soziale Medien nicht nur bei Themen, für die sich in erster Linie netzaffine Leute interessieren, politisch nutzen lassen. Hebammen für Deutschland ist zwar ein gruseliger Name für eine Kampagne, aber ich wünsche der Aktion trotzdem noch viel Erfolg und viele Unterschriften.

Links vom 24. April bis 9. Mai 2010

Auch wenn hier im letzten halben Monat nicht viel passiert ist, schreiben ja andere genug kluge, lesenswerte und informative Texte. Lest: Read more

nrrrdz000006: freiheiten

nrrrdz logo

Inspiriert von der Diskussion zwischen Christian Heller und Dirk Baranek auf der re:publica, den Ereignissen rund um das Sexismus-Panel – hier die Stellungnahme von Johnny Häusler – und Rochus Wolffs Blogpost Eine Frage von Freiheit sprechen wir über die großen Fragen: Freiheit, Gleichheit, Netzneutralität, Kapitalismus, Trolle. Der Facepalm des Monats führt uns mal wieder zu Bits und so, wo wir mit dem women acceptance factor Bekanntschaft machen mussten.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz06.mp3[/podcast]
Download (mp3, 91MB)

tisch mit aufnahmegerät, mikro und hackerbrause
Produktionsverhältnisse bei nrrrdz

Links vom 2. März bis 23. April 2010

Wow, lange nicht mehr aufgeräumt.
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Angst vor Asche


Eyjafjallajökull at 15.10 GMT 17/4/2010
by Sverrir Thor, creative commons by-nc-nd 2.0

Heute morgen habe ich in der S-Bahn den Stern gefunden. Ich betrachtete gerade das Foto von der Aschewolke über dem Eyjafjallajökull auf dem Cover, als eine ältere Frau mich ansprach: “Schrecklich! So viel Asche, nicht?” – “Ja, das sieht schon bombastisch aus.” – “Da kriegt man gleich Angst!”

Angst vor der Aschewolke? Sie scheint in einer anderen Medienwelt zu leben.

Hackonomy bei der re:publica

Wie peinlich! Sich selbst beim Vortragen sehen und dann das ganze auch noch shamelessly promoten. Aber hey, für die Daheimgebliebenen … Dank Philip Steffan (robotporn, bausteln) gibt es einen Mittschnitt von Jens’ und meinem Vortrag über Making, Crafting, Bausteln und ihr Verhältnis zum Kapitalismus.

Im Vortrag ging es uns vor allem darum, ein paar Fragen aufzuwerfen. Was ist dran an der Revolutionsrhetorik, die gerade überall auftaucht, wo über Making, DIY und co. geschrieben wird? Welche globalen Produktionsverhältnisse stehen dahinter, wie gestalten wir das gemeinsame Entwickeln und Produzieren von Dingen und wer ist dabei? Die lebhafte und vielfältige Diskussion nach dem Vortrag war super spannend für mich. Von der Freegan-Bewegung bis zum Kapitalismus als gesellschaftlichem Konsens war alles dabei. Einige nickten und fühlten sich an Debatten über alternative Wirtschaftsformen erinnert. Hard & Negri und ein Buch namens “Newtopia” (das hab ich mir notiert, es aber nicht gefunden) wurden empfohlen. Andere fanden das meiste, was wir gesagt haben, falsch. Beim DIY entstehe vor allem unnützer Tand, darum nichts tun statt makerbot.

Manchen war es zu schwammig, aber ja: es ging uns eben um die Beschreibung eines Diskurses und um einige Überlegungen, die wir zur Brötchen- bzw. Reisfrage in den Raum gestellt haben. Da sieht man ja, was dabei raus kommt :)

Video und Folien nach dem Klick!
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Was geht im LHC?

Ich hab ein schönes Erklärbärvideo in der Suppe gefunden, das zeigt, was im LHC des CERN so gemacht wird. Dabei kam mir die Frage, ob es eigentlich NUMBY-Proteste gibt, wenn Teilchenbeschleuniger gebaut werden. ((NIMBY heißt “not in my backyard” und bezeichnet das Phänomen, dass Leute etwas als Problem wahrnehmen und dagegen aktiv werden, weil es in ihrem direkten Umfeld auftaucht. Da Teilchen unterirdisch beschleunigt werden, muss es in dem Fall “not under my backyard” heißen. Da hat Joël recht.))