Author: Kathrin

Links vom 15. Mai bis 24. Juni 2010

Ohweia, das sind viele.
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WM Zombies

Dawn of the Dorks (BRD 2006, 21 Minuten, PAL, miniDV, Farbe, 4:3) ist ein Film von Eric Esser, an den ich gerade dachte, als ich kurz vor dem ersten Deutschland-WM-Spiel die Reeperbahn entlang ging.

Nach dem Verzehr von Gammelfleisch mutieren die Besucher einer Semesterabschluss-Grillparty. Ihnen wachsen Fanschals, Fußballnational-trikots, Oberlippenbärte, Bierbäuche und sie grölen unaufhürlich Fußballlieder vor sich hin. Und wer mit ihnen in Kontakt kommt, wird einer von ihnen.
Eine kleine, durch Zufall zusammengeführte Gruppe, kann sich in ein Sportlerheim retten und sich dort vor der Horde herannahender Fußballfanzombies verschanzen. So unterschiedlich wie ihre Charaktere sind auch ihre Lösungsansätze.

Ein Zombie-Film mit Nachwirkung.

Who Cares? Open Space in Berlin

Die Berliner_innen, die im März die Who Cares?-Veranstaltung zu queer-feministischer Ökonomiekritik organisiert hatten, machen weiter:

“Who Cares? Wie weiter?”
Komm zum open space am 20. Juni 2010 ! – Feminists — We’re Calling You!

Ökonomiekritik und Queerfeminismus war die Schnittmenge des dreitägigen Diskussions – und Vernetzungsevents vom 4.-6. März 2010 in Berlin-Neukölln. Das Event war in dem bisher anderthalb jährigen Prozess nur ein Zwischenstop und nun geht es weiter!

“Who Cares? Wie weiter?”

ist die Frage zu der wir alle interessierten Menschen (alle Geschlechter/all gender) einladen wollen. Was euch interessiert? Welche Ideen ihr habt? Ideen zu dem “Wie weiter?” Themen zu denen ihr euch austauschen/arbeiten wollt? Zu all dem eignet sich ein Open Space.

Nach einem kurzen Rückblick auf den bisherigen anderthalb jährigen Prozess und auf das Event, haben alle Beteiligten die Möglichkeit ihre Themen und Fragen einzubringen. Wir werden uns dann mehrfach in Kleingruppen und auch in der großen Gruppe dazu austauschen und Punkte und Ergebnisse immer wieder zusammentragen. Durch den Tag wird uns eine open space — Moderatorin begleiten. Für Kekse und Getränke ist gesorgt.

Ökonomiekritik und Queerfeminismus: Worum kann es da gehen? (…)
Wir hoffen, wir konnten eure Neugierde und euer Interesse wecken. Wir sehen uns am Sonntag den 20. Juni von 15 — 20 Uhr im f.a.q. Jonasstr. 40 in Neukölln.

Infos: http://feministische-oekonomiekritik.org/

20 Jahre Jenseits der Geschlechtergrenzen

20 Jahre “Jenseits der Geschlechtergrenzen” Jubiläumsparty
Samstag, 19. Juni 2010, 21 Uhr, Sternstraße 2 im Centro Sociale

Die AG-QueerStudies feiert 20 Jahre ‘Jenseits der Geschlechtergrenzen’. Anno 1990 – das Veröffentlichungsjahr von “Gender Trouble” – als studentisches Projekt an der Uni Hamburg gestartet, besteht die immer noch selbstorganisierte Vortragsreihe seit nunmehr zwei Dekaden. Damals wie heute geht es um kritische Interventionen in die Produktion von (Hetero-)Normalitaeten. Denn: Wir sind gekommen, um zu bleiben  – und uns an den Verhältnissen zu reiben! Was für ein Anlaß zum Feiern! Mit queer-kulturellem Rahmen-Programm, Stößchen, (auch veganer) Torte und Tanz, am 19. Juni ab 21 Uhr im Centro Sociale.

Das – umfangreiche wie grandiose – Programm wird in Kürze auf der Seite der AG Queer Studies veröffentlicht.

flattr revenue & invites

Nachdem vor zwei Wochen eine große Flattr-Welle durch die deutschen Blogs und Podcasts schwappte sind jetzt zum Monatswechsel erste Ergebnisse eingegangen. Ich finde es ganz gut, dass verschiedene Blogs über ihre Flattr revenue berichten und schließe mich in der Stunde der Wahrheit an: 11,82 Euro hat mir der Flattr Button eingebracht. Genug, um einen Anteil für die Serverkosten zu leisten und ein paar Flaschen Hackerbrause für die nächste Nrrrdz Folge. Auf der Ausgabenseite stehen 5 Euro, die ich auf 10 Beiträge in anderen Blogs verteilt habe. Ich denke, das werde ich demnächst mal erhöhen.

Zwei Invites für flatter habe ich derzeit noch. Meldet euch, wenn ihr Bedarf habt und für die Sachen was spenden wollt, die ihr so konsumiert.

SIGINT10 & Feminism: What seemed to be the problem?

Wie ich bereits in meinem kurzen Bericht über die SIGINT10 geschrieben habe, ging es auch am letzten Wochenende in Köln wieder um Geschlecht. Das Thema wurde durch ein Panel auf die Konferenz getragen, das von Ragni ((Sie hat jetzt selbst auch zum Panel bzw. zu einigen “Kritikpunkten” geschrieben: Deaf. For feminism. A reply on failed criticism on a panel at SIGINT
)) moderiert wurde und den Titel “Women and Geek Culture: What seems to be the problem guys?” trug. Mit Heather Kelley, Eleanor Saitta, Leena Simon und Svenja Schröder saßen vier (Queer-)Feminist_innen auf dem Podium, die sich mit unterschiedlichen Facetten von Geekness und Netzkultur beschäftigen: Heather entwickelt Spiele, Eleanor ist Security-Consultant, Svenja erforscht das Web 2.0, Leena engagiert sich für Freie Software und ist Mitglied der Piratenpartei. Auf dem Panel wurde nicht kontrovers diskutiert. Es war eher ein Zusammentragen von Erfahrungen mit sexistischen Repräsentationen in Computerspielen, Lehrern, die sich nicht vorstellen können, dass Schülerinnen Interesse an Informatik haben oder unangenehme Anmachen auf Konferenzen. Am Ende stellten sie ein paar Ressourcen vor, um sich im Netz zum Thema und Lösungsansätzen zu informieren. ((darunter Geek Feminism Blog, Feminism 101 und Do’s and don’t’s of encouraging women in Linux))

Um zu sehen, dass feministische Positionen scharf angegriffen werden, reichte ein Blick auf Twitter. Anstatt sich mit kritischen Nachfragen und Redebeiträgen zu Wort zu melden, kommentierte manch eine_r die Veranstaltung auf diesem Weg mit einem platten Spruch. Das ist zwar etwas feige, heizte die Diskussion im Raum aber trotzdem an. Und auch nachdem alle den Saal verlassen hatten hörte es nicht auf. Ich war während des Panels ziemlich angefressen vom Unvermögen einiger, sich mal auf eine feministische Perspektive einzulassen. Als ich am Abend aber sah, dass sich in verschiedenen Grüppchen Leute (Männer) über Feminismus, Geschlechterrollen, Männlichkeitsbilder und Normativitäten in der Hackerszene unterhielten, war ich sehr zufrieden, denn ich hatte den Eindruck, dass (queer-)feministische Arbeit fruchten kann. Es gibt aber zwei Probleme, die meiner Meinung nach im Weg stehen.

Erstens: Ich hatte den Eindruck, dass vielen im Publikum nicht klar war, mit welchen Feminismen sie es auf dem Podium zu tun hatten. In Deutschland gibt es ja das Problem, dass Feminismus all zu oft mit der Position von Alice Schwarzer gleichgesetzt wird. Anscheinend sind bestimmte Buzzwords wie Heteronormativität, Differenz oder Queer doch noch nicht angekommen – auch wenn manche_r sie selbst im Munde führt. Damit hängt zusammen, dass Feministinnen anscheinend in der Verantwortung stehen, klar zu machen, dass sie nicht sexualitäts- und lustfeindlich sind. Das finde ich gelinde gesagt merkwürdig. ((An dieser Stelle verweise ich auf die sehr klar formulierten 15 Thesen zu Feminismus und Postgender von Antje Schrupp.)) Auch die Debatten um Intersektionalität und den Zusammenhang von Sexismus, Rassismus, Klassismus und anderen Formen von Diskriminierung, die aus der Geschlechterforschung nicht wegzudenken sind, scheinen vollkommen unbekannte Features von Feminismus zu sein. Es hilft nichts: Diese Punkte müssen wohl explizit benannt werden.

Zweitens: Es ist schwierig zu verstehen, dass komplexe gesellschaftliche Phänomene manchmal paradoxe Handlungsstrategien hervorbringen. Relativ viele haben anscheinend schon von Queer und uneindeutigen Geschlechtergrenzen gehört und finden es wichtig, binäre Normativitäten nicht zu reproduzieren. Ich bin der Meinung, dass feministische Politiken und Theorien die Gefahr der Reproduktion von Heteronormativität und Zwangszweigeschlechtlichkeit wieder mehr selbstkritisch hinterfragen müssen, auch wenn sie diese zum Ausgangspunkt der Kritik nehmen. Es kann aber nicht sein, dass sich Leute hinstellen und Queer auf die Fahne schreiben, die nicht bereit sind, ihre eigenen Praxen zu hinterfragen und ihre Position zu benennen, und damit letztlich nur ihre antifeministischen Reflexe legimieren wollen. Queer ist keine harmlose Variante von Feminismus mit einer moderneren Theorie. Queer ist Widerstand gegen das Normale.

SIGINT10 – Mit dem Blick zurück nach vorne

Die SIGINT ist eine vom Chaos Computer Club veranstaltete Konferenz, die am Pfingstwochenende zum zweiten Mal stattgefunden hat. Im Vergleich zum Chaos Communication Congress in Berlin hat die SIGINT einen stärkeren Fokus auf die gesellschaftspolitischen und philosophischen Fragen der Netzkultur. Die bestimmenden Themen waren wie erwartet Urheberrecht, Datenschutz, Überwachung im öffentlichen Raum und der 2011 anstehende Zensus.

Ob das Motto jetzt “Burn the land and boil the sea – You can’t take the sky from me” lautet oder es im Call for Papers heißt “the world of atoms and the world of bits operate on completely different levels.” – der Leitsatz des ersten SIGINT Tages war “Das ist doch jetzt auch nichts vollkommen Neues”. Genau dieser Satz kam in jedem der Vorträge, die ich mir am ersten Veranstaltungstag angesehen habe, auf. Die Netzdebatte hat sich weiterentwickelt. Hieß es bisher noch, dass “die Internetausdrucker” “unsere” Welt nicht verstehen, in der auf einmal alles anders sein wird, blickt man jetzt vermehrt zurück und versucht die Welt zu verstehen, in der und aus der sich Netzkultur, Netzpolitik und die Zukunft entwickeln. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vortrag von Kai Denker. “Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung? Macht und Raum in virtuellen Welten”. Denker ist Dipl. Informatiker, promoviert in Philosophie, hat Poststrukturalisten gelesen und beschäftigt sich mit Machtfragen und der Internet-Raummetapher. Seine historischen, bei Foucault entlehnen Beispiele zeigen, wie in den heutigen Debatten über Netzsperren und Netzneutralität versucht wird, das Internet über Grenzziehungen zu regieren.

Die SIGINT ist die Theoriekonferenz des CCC. Hier werden Diskussionen geführt und Gedanken geordnet. So auch bei Stefan Mertens Input “On Bits and Pieces. How Information and Matter Are Similar”, der sich mit der im CFP formulierten Aussage, die Welt der Atome und die Welt der Bits funktionierten nach vollständig unterschiedlichen Prämissen, auseinander genommen hat. Mertens stellt die Rolle von Produktionsverhältnissen und damit von Gesellschaftlichkeit für materielle und informationelle Güter heraus. Die Frage, wie sich das ebenfalls aus den Produktionsverhältnissen resultierende Prinzip der Nicht-Rivalität (digitale Kopien, Peer-Production) sich auf die Welt der materiellen Güter übertragen ließe, stellte er zum Abschluss des Vortrags, eine Antwort blieb jedoch vorerst aus.

Materialistisch wurde es auch immer wieder in den Vorträgen der monochrom Mitglieder Frank Apunkt Schneider und Johannes Grenzfurthner. Schneider formulierte eine marxistische Kritik des Medienaktivismus. Das war mir zu sehr in einer Hauptwiederspruchslogik verhaftet und reproduzierte letztlich die kapitalistische Erzählung, es gäbe keine Alternative. Aber darum geht es ja: Einerseits müssen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse, das System und die Machtverhältnisse bei unseren Analysen und Strategien in Anschlag nehmen. Andererseits aber auch den Blick dafür bewahren, dass sich Dinge verändern können und eben nicht alles gleich bleibt. Dabei wiederum darf aber die Tatsache, dass die Zukunft noch nicht die Gegenwart ist, nicht zum neuen Hauptwiderspruch werden.

Michael Seemanns (mspro) Politik der Plattformneutralität stand im Mittelpunkt der Keynote des Eröffnungstages. Er verbindet eine technische Argumentation und Bildsprache mit Zielen wie Abschaffung von Diskrimierung, Chancengerechtigkeit und dem Bedingungslosen Grundeinkommen, die seiner Beobachtung nach in Netzkultur nahen Kreisen diskutiert werden. Damit stellt sich die Frage, mit welchen gesellschaftlichen Kämpfen sich die Netzbewegung möglicherweise solidarisieren sollte.

Für eine solche Solidarität oder erstmal nur einen Blick über den eigenen Tellerrand ist es meiner Meinung nach wichtig, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Nick Farrs viel diskutierter Vortrag “Yes We Could: Hackers in Government” scheint mir in die falsche Richtung zu gehen. Da ich nicht dabei war, verweise ich auf cupfigthers affirmative Zusammenfassung und die fundierte Kritik bei sophrosynos. Auch Die Zeit berichtet. Die SIGINT mausert sich mit ihrem diskursorientierten Programm zu einer wichtigen Veranstaltung in der netzpolitischen Szene und hatte – wie es sich gehört – auch ihre Genderdebatte. Dazu mehr im nächsten Text.

a real female nerd

In der This American Life Folge 225: Home Movies, die diese Woche lief, gibt es eine etwas traurige Geschichte über einen echten female Nerd. Susan Burton erzählt, wie sie sich als Teenager nach einem Umzug vom Nerd zum populären Mädchen transformierte – mithilfe eines Seventeen-Abos und schlechter Rechtschreibung. Eine gute Gelegenheit, mal wieder auf meinen langjährigen Lieblingspodcast hinzuweisen. Neu in meiner Podcastliste ist hingegen The Moth. The Moth ist eine non-profit organization, die Storytelling-Abende veranstaltet. In den Podcasts gibt es immer ein bis zwei Geschichten, live vor Publikum erzählt. Ein sehr schönes Format.

Flattr ist keine Umverteilung

Longtail, Monetarisierung, Aufmerksamkeit als Währung, blablup. Das Blog und der Nrrrdz-Podcast haben jetzt Flattr. Damit könnt ihr etwas Geld an mich/uns spenden, nach einem ganz charmanten System: Man zahlt einen Betrag x pro Monat ein, und der wird dann unter all denjenigen verteilt, auf deren Flattr-Button man klickt. Das Video erklärt das Prinzip.

Ich habe einer Freundin heute von Flattr erzählt. Sie hat richtigerweise darauf hingewiesen, dass das zwar eine Alternative zu Werbung ist, jedoch die gleichen Effekte haben wird: Die viel gelesenen, mainstreamigeren Projekte kriegen mehr Geld als Leute, die in und für Nischen produzieren. Nun ist Nische nicht mit sozialer Randgruppe gleichzusetzen, aber es würde mich zumindest nicht wundern, wenn ein gutes iPhone-Blog über Flattr deutlich mehr einnimmt als ein Blog, dass beispielsweise über Asylrechtsfragen informiert. Umverteilung war jetzt auch nicht das Ziel von Flattr. Es geht darum, Microspenden so einfach wie möglich abwickeln zu können, so dass auch bei den kleinen etwas ankommt. Ich finde die Idee gut, verteile gerne selbst ein bisschen Geld auf diese Weise und bin gespannt, wie viel dabei rumkommt.

Ich werde noch ein bisschen mit Plugins experimentieren, bis dahin findet ihr die beiden Flattr-Buttons rechts in der Spalte. Bisher ist Flattr noch nicht offen für alle. Ich habe aber noch einen Invitecode, der an den_die erste Kommentator_in geht, die_der Interesse anmeldet und eine gültige Emailadresse hinterlässt. Ansonsten könnt ihr euch auf der Flattr Website für eine Einladung eintragen.

Frauen im Net

Ich möchte noch mal kurz auf das Frauen im Net – Digitale Medien für Frauen Vernetzungstreffen hinweisen, dass vom 4. bis 6. Juni 2010 im DGB Seminarzentrum in Hattingen stattfinden wird.

Die Veranstaltung “Frauen im Netz” 2010 dient der Weiterbildung, vor allem aber der Vernetzung. Ein Wochenende lang geht es um die Möglichkeiten des Internets für Frauen, um Partizipation und um Repräsentation in den Digitalen Medien. Dazu ist die Gründung eines Netzwerk geplant, um aktiv mehr Frauen an die Computer und die Netzpolitik zu holen.
Das erste Treffen soll zunächst zur Orientierung dienen und die Ziele und Probleme von Frauen im Netz klären. Warum ist der Anteil an sichtbaren Frauen im Netz so niedrig, und wie kann man das ändern? Auf dem Treffen werden Gründe dieser Problematik diskutiert, um Strategien zur Lösung zu finden

Für meinen Geschmack kommt das etwas zu binärgeschlechtlich daher. Anders als beim Gendercamp kann ich nicht so gut einschätzen, welche Leute ich dort treffen werden, welche Feminismen so auftauchen und wie die Personen politisch verortet sind. Nicht-Frauen sind allerdings auch eingeladen. Ich bin gespannt auf die Diskussionen dort, zu denen ich auch mit einem Input beitragen werden. Infos zum Wochenende, der Anmeldung, den Kosten usw. findet ihr unter frauenim.net, Vorabvernetzung auf frauenimnet.mixxt.de.