Author: Kathrin

nrrrdz000001: woher wohin

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nrrrdz ist da!!!111einself! Marlen (vom heiter scheitern Podcast) und ich unterhalten uns über Feminismus und Netzkultur. In der ersten Folge sprechen wir darüber, was wir mit dem Podcast vorhaben, wie wir ins Internet geraten sind, und was Geschlecht mit dem Zugang zu Technik und zum Netz zu tun haben könnte. Wir erinnern uns an die Utopie des Internet als geschlechtsneutralem Raum und überlegen, warum nichts daraus geworden ist, und wie wir das finden. Zum Schluss präsentieren wir den Facepalm des Monats, dieses Mal mit Mobile Macs.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz01.mp3[/podcast]

Download (mp3, 60MB)

Der Feed für den Podcast (https://www.iheartdigitallife.de/feed/podcast/) müsste jetzt funktionieren. Falls ihr noch Probleme habt, und zum Beispiel diese Weiterleitung zum Eintrag über den Addicted to Race Podcast noch mal auftaucht, seid so lieb und sagt mir Bescheid. Nrrrdz ist jetzt auch im iTunes Podcastverzeichnis.

Gängeviertel

Gestern Abend war ich in den letzten Überresten des Hamburger Gängeviertels, wo Künstler_innen mit einer Besetzung gegen den Abriss protestieren. Hintergrundinfos gibt es auf gaengeviertel.info, den aktuellen Stand der Entwicklung erfahrt ihr ebenfalls dort, oder auf twitter. Oder besucht das Gängeviertel, sprecht mit den Leuten und schaut euch die Exponate in der kleinen Ausstellung über das Viertel an.

It’s innocent


Wer das Video im RSS-Reader nicht sieht, sollte einen Browser anwerfen :)

Eine vertiefte Analyse von Katy Perrys “I kissed a girl” wurde im heiter scheitern podcast vorgenommen.

Verantwortlichkeit als verteiltes System

Google muss nach einem Gerichtsurteil die Identität einer anonymen Blogger.com-Userin weitergeben. Ihr Blog war dem Modell Liskula Cohen gewidmet, die sie dort u.a. als “skank” und “ho” bezeichnete. Cohen kann jetzt zivilrechtliche Schritte einlegen, wird dies aber Presseberichten zu folge nicht tun. ((Nebenbei bemerkt: Vergleicht mal das Foto, dass die NY Daily News augewählt hat, mit dem Foto auf Daily Tech.)) In der feministischen Blogosphäre wurde in Redaktion auf das Urteil mal wieder einiges über Trolle, Belästigungen und Diffamierungen geschrieben, und zuerst wollte ich nur den Link zu Jessica Valentis Text über anonyme Trolls posten, aber das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit.

Als Teil der Redaktion eines online Fanzines mit Community habe ich mich jahrelang mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Es geht ja nicht nur um Trolle, die anonyme Wüteriche, mit denen eh niemand was zu tun haben will. Es sind auch Leute, die eigentlich zur “Community” gehören, aber manchmal einen “Humor” an den Tag legen, der nicht auszuhalten ist. Er hat in die immer gleichen rassistischen, sexistischen, behindertenfeindlichen (you name it) Kerben, soll provozieren, verletzt Leute und stabilisiert Machtverhältnisse. Die Seitenbetreiber_innen denken sich tausend Methoden aus, um mit diesem Problemen umzugehen. Problem Nummer 1: Moderation ist kompliziert und aufwändig, und gerade für Hobbyprojekte ab einer gewissen Größe kaum noch zu leisten. Problem Nummer 2: User_innen für alle Zeiten aussperren geht nicht. Problem Nummer 3: Gerichtich vorgehen will eigentlich niemand, denn auch das kostet Zeit und Geld, und überhaupt hatten wir uns das mit dem Internet so nicht vorgestellt. Es bleibt also schwierig, und dazu kommt: Andere Leute aus der “Community” solidarisieren sich, mit dem immer gleichen Argument, im echten Leben würde die Person so etwas doch nie sagen, ja noch nicht einmal denken. Und überhaupt: Meinungsfreiheit! Political Correctness! Zensur!

Ich kann mich bei dieser Kritik leider nicht ausnehmen. Ich habe auch schon Leute in solchen Situationen verteidigt, weil ich sie kannte und mochte.

Jessica Valenti unterstreicht, dass Widerstand gegen Onlinebelästigung Teil von feministischem Aktivismus sein muss, da sie auf den selben Machtstrukturen und Privilegien beruht, die Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Diskriminierungsformen im Real Life hervorbringen. Ich habe den Eindruck, dass Social Networks, Twitter und Blogs die Lage entspannt haben, da die Nutzer_innen heute viel besser in der Lage sind, zu filtern, mit wem sie es dort zu tun haben wollen, und mit wem nicht.

Der oben genannte Fall zeigt aber, dass das Thema nicht abgeschlossen ist, und die Frage, wie mit vermeintlich anonymen Onlinebullies umgegangen werden kann, passt ja leider schön in die große Debatte um staatliche Regulierung des Netzes und den Mut, denn wir eigentlich haben sollten, uns auf die Freiheit dieses Raumens einzulassen. Am Ende des Tages bleibt also die Frage, welche Internetkultur wir schaffen. In diesem Sinne verteidigt Kate Harding die Entscheidung des New Yorker Gerichts in ihrem Text Cyberbullies don’t deserve anonymity, aber macht auch klar:

Every online insult does not demand a lawsuit – if it did, I’d have about a thousand different suits pending as we speak – but we’ve spent too long letting hateful troublemakers equate “freedom of speech” with “freedom from criticism or consequences”. And the more we argue about online harassment from a strictly legalistic perspective, the more we ignore the fundamental issue: cowards who use a veil of anonymity, however flimsy and easily shredded, to launch attacks on their enemies, really ought to be silenced. Perhaps not by law, but by an online society that unequivocally rejects such behaviour as inappropriate, immature, and unwelcome.

Nicht die Gerichte, sondern die Betreiber_innen und Nutzer_innen müssen die Aufgabe nehmen, Räume zu schaffen, in denen sich Leute sicher fühlen und gerne bewegen: Verantwortlichkeit als verteiltes System.

Links vom 10. bis 19. August 2009

Foto von drei zerrissenen Aufklebern mit bunten Spaceinvadors an einer Tür

Kein neuer Content, aber ergänzend zu den Links der vergangenen Tage, die wie immer nach dem Klick kommen, bekommt ihr noch ein hübsches Bild =) Read more

Kritikunfähig

Gestern berichtete der Braune Mob e.V. von einer Plakatkampagne der Grünen im nordrheinwestphälischen Kaarst und stellte fest, dieses Plakat ist Ein Grund, nicht Grün zu wählen. Die Kaarster Grünen hatten zu diesem Zeitpunkt schon auf Kritik reagiert, falls man das so nennen möchte. Im Mädchenblog stellt sv fest, dass die Kaarster Grünen damit nur mangelnde Reflektionsfähigkeit und ihren Glaube an die eigene Unfehlbarkeit zur Schau stellen. Außerdem hat sie ein weiteres Wahlplakat der Kaarster Kampagne entdeckt, in dem extrem unkritisch mit dem Thema Körpernormen umgangenen wird.

Auch die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland zeigt in ihrer Stellungnahme, dass die Kaarster Grünen in ihrem Rechtfertigungsversuch “weiße Definitionsmacht mit Verweis auf anonyme Stimmen ‘mit Migrationshintergrund'” verteidigen, “anstatt Verantwortung zu übernehmen“. Wer weiß, vielleicht kommt man in Kaarst doch noch zu der Erkenntnis, dass antirassistische Grundsätze nicht immun machen, sondern eine_n immer wieder dazu anregen sollten, für Kritik offen zu sein und das eigene Handeln zu hinterfragen. Das Handelsblatt hat derweil eine kleine Geschichte aus der Frage gemacht, wie diese bescheuerten Wahlplakate eigentlich entstehen: Sex, Lügen und Wahlplakate in der kleinen PR-Agentur am Rande der Stadt.

Scharfe Hackerbrause

Gestern habe ich eine neue Colasorte aus Hamburg gekostet: Cola Rebell mit Chili. Ob sie mir geschmeckt hat, erfahrt ihr im Hackerbrauseblog.

Aufwerten

Fotografie des mehrstöckigen Frappant-Blockes in Altona

Ikea hat 10 Millionen Euro für das Areal in der Neuen Großen Bergstraße in Hamburg-Altona ausgegeben und will in den nächsten Jahren seine weltweit erste innerstädtische Filiale mit Vollsortiment eröffnen. Der graue Frappant-Klotz weicht einem blauen, und GAL-Politikerin Eva Botzenhardt hofft, “dass jetzt jedem einleuchtet, dass es mit Ikea eine Aufwertung des Stadtteils gibt.”

Vielleicht ist es noch nicht angekommen. “Aufwertung” wird von vielen Hamburger_innen mittlerweile als Problem wahrgenommen. Die Mieten steigen, die Löhne eher nicht, und in Coffee to Go Bechern können die Leute nunmal nicht wohnen. Ich habe noch niemanden getroffen, der sich über diese Entwicklung gefreut hat, und frage mich, was “Aufwertung” in diesem Zusammenhang bedeutet. Die wenigsten werden sich von den Karstadt- und Frappantgebäude in Altonas Altstadt ästhetisch angesprochen fühlen, aber beeinträchtigen sie in der heutigen Situation die Lebensqualität der Bürger_innen?

Was wird passieren, wenn Ikea kommt? Klar ist: Es wird mehr Arbeitsplätze und mehr Verkehr im Viertel geben. Möglicherweise kommen die Leute nur, um Möbel zu shoppen. Vielleicht bleiben sie aber auch noch ein Weilchen in der Gegend und trinken einen Kaffee. Die 50 Cent Shops, Gemüsehändler und Dönerläden weichen Starbucks, niedlichen Bistros und schicken Bars. Das Viertel wird “lebendiger”, wie es so schön heißt. Erst steigen die Ladenmieten, und dann die Mieten für Wohnraum. Was bringt das den Bewohner_innen Altonas? Und sind die Leute, die sich zurzeit im Viertel aufhalten, nicht lebendig?

Ausgestorben sieht anders aus: In Altona-Altstadt gibt es nette Straßen, einige Kneipen, Supermärkte, relativ unterschiedliche Häuser, Stadtteilkultur, Schulen, sogar ein neues Schwimmbad wurde gerade eröffnet. Altona Altstadt liegt zwischen Ottensen, der Schanze und St. Pauli. An kommerzialisierter Kultur in unmittelbarer Nähe mangelt es nicht.

Der Verein “Lebendiges Altona” (leider ohne aktuelle Website) setzt sich dafür ein, statt Ikea eine Sozial-, Kultur- und Wohngenossenschaft zu schaffen, damit preiswerter, ökologischer und familiengerechter Wohnraum sowie Räume für Kunst und Kultur gefördert werden. Das klingt gut! In der schwarz-grünen Hamburger Lokalpolitik dagegen wird die Bedeutung des Begriffes “Aufwertung” anscheinend nicht an den unterschiedlichen Bedürfnisse, die in einem Stadtteil existieren, festgemacht. Gut ist ein Ort dann, wenn viel Gewerbe und Gastronomie vorhanden ist, Gewinne steigen und die Wirtschaft wächst. Verdrängungseffekte werden kommentarlos in Kauf genommen.

Hinsetzen

Herrenpissoir mit Kaktus beflanzt und Schild mit Aufschrift Be A Girl
im Freien Sender Kombinat Hamburg

Links vom 26. Juli bis zum 9. August 2009

Die ganzen Leute, die in den letzten Tagen hier auf dem Blog waren, weil sie nach einer alternativen CDS Party gesucht hatten, waren wohl gestern auch in der Fora. Holla, war das voll!
Nach dem Klick gibt’s die Links der vergangenen zwei Wochen. Read more