Author: Kathrin

nrrrdz00018: punkrock podcasting

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Vorwarnungsedit: Die Tonqualität ist echt mies, sorry. Nächstes Mal wird’s wieder besser. Also überspringt die Folge einfach, wenn ihr das nicht hören mögt.

Zum 18. Geburtstag gibt es eine mixed bag Folge mit Spülmaschinengeräuschen, die hoffentlich nicht unerträglich für euch sind. Wir definieren unseren Podcastingansatz kurzerhand als Punkrock und sprechen über’s Programmieren, über die DRadio-Wissen Sendung zu Podcasting und über die re:publica – unter besonderer Berücksichtigung von Genderaspekten. Zum Schluss empfehlen wir den österreichischen Netzpolitikpodcast Netzkinder.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz18.mp3[/podcast]
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Filtersouveränität und Empathie

Ich bin hin und her gerissen, was den Flausch angeht. Auf der einen Seite freue ich mich sehr über die Flauschbewegung. Es ist gut, wenn Leute für einander da sind, sich öffnen, wertschätzen und unterstützen. Die Kultur des Flauschens hat sich unter diesem Begriff in einem Teil meiner Twittertimeline verbreitet, in einem anderen Teil wurde sie auch vorher schon gepflegt, wenn auch ohne diesen von Abnutzung bedrohten Begriff.

Es ist der Flausch, der das alltägliche Leiden aus- und besprechbar macht. Er ist Teil eines Diskurses, der um die Frage kreist, wie netzbewegte Menschen miteinander umgehen. ((Beachtenswert fand ich u.a. Eine Kritik des #Flausch von tante, das re:publica Panel The Dark Side of Action, die von Lantzschi aufgeworfene Frage Wie wollen wir im Netz Verantwortung füreinander tragen?, die in Helgas re:publica Workshop gesammelten Ideen zum Caring Space und auch Franzsikas Text zum Schmerzensmann.))

Auf der anderen Seite merke ich aber, dass die Offenheit und die emotionalen Tiefen, die dadurch zum Vorschein kommen, mich belasten. Es überfordert meine Empathie, bei jedem zweiten Blick in die Timeline mit Gesprächen konfrontiert zu sein, die zeigen, dass es Menschen gerade nicht gut geht. Es macht es mir noch schwerer, mich zu konzentrieren. Es zieht mich runter. Es kann auch triggern, aber ich möchte an der Stelle betonen, dass ich das nicht alles unter diesem Begriff subsumieren will.

Ist das in einem scheinbar unbegrenzten, unidirektionalen Kommunikationsraum nur eine Frage der Filterkompetenz? Wohl kaum. Erstens hat das Flauschen weder ein Hashtag noch ist es zeitlich begrenzt. Zweitens geht es nicht um doofe Leute, die mit ihrem Gefühlskack meine Timeline zuspamen, sondern um Leute, die ich mag. Ich möchte Personen, die mir ans Herz gewachsen sind, die ich für das schätze, was sie im Netz vertreten oder mit denen ich schöne Erlebnisse im Meatspace hatte nicht entfolgen, weil es ihnen nicht gut geht, sie einen Konflikt austragen, der ihnen an die Nieren geht und sie Unterstützung brauchen – auch wenn ich nicht immer die sein möchte und kann, die diese Unterstützung zur Verfügung stellt.

Die Filtersouveränität des Mutens und Unfollow basiert auf der Annahme einer nach außen stabilen Identität und Persönlichkeit. Wir bemühen uns oft, ein solches Bild abzugeben. Damit die Leute wissen, was sie kriegen. Aber im Flausch besteht doch gerade die Möglichkeit, davon abzuweichen. Sollte ich diejenigen Leute zum Schweigen bringen, die sich der Aufforderung, ein funktionierendes Selbst zu performen, widersetzen? Ich möchte es nicht, aber merke, das mein Wohlbefinden in Gefahr ist. Und daran sind nicht die Individuen schuld, die sich zu viel Raum nehmen und gegen die guten Sitten der Zurückhaltung verstoßen, sondern die Verhältnisse und Normen, die sowohl das Leid als auch die Möglichkeit, damit umzugehen, auf eine Weise strukturieren, die nicht gut für uns ist. Wir kommen aber nicht darum, dem Problem in gegenseitiger Verantwortung zu begegnen.

re:publica: Untiefen überwinden

Ich wollte einen Rant schreiben über die durchwachsene Qualität der Talks auf der re:publica, der allerdings nicht so originell sein wird, wie ein guter Rant es sein sollte. Erstens ist sogar schon der FAZ aufgefallen und zweitens wissen es die anderen re:publica-Besucher_innen auch. Wir haben uns vor Ort über dieses Gefühl unterhalten, sich falsch entschieden zu haben und die interessantere Session auf der anderen Stage gerade zu verpassen.

Man geht ja eh hin um die Leute zu treffen, heißt es immer. Das mag für die meisten zutreffen. Aber trotzdem ist es nun mal so, dass die re:publica um das Vortragsformat gebaut ist. Ich habe mir dieses Jahr Mühe gegeben, mehr Vorträge der internationalen Gäste anzuschauen, von deren Themen ich sonst nicht so viel mitbekomme. Aber die Affinität zu den Leuten aus der Twitteria und das Interesse an den Diskussionen, die wir im deutschen Netzkontext seit Jahren führen und Themen, die meinen Alltag prägen, ziehen mich immer wieder zu diesen Talks, die sich im Nachhinein so halbgar anfühlen.

Wer wundert sich auch, wenn die Speaker ein paar Tage vorher verkünden, dass sie nun anfangen werden, sich Gedanken zu machen, worüber sie reden wollen, einen Tag vorher die Folien zusammen klicken und sich am Morgen vor dem Vortrag noch mal das Abstract durchlesen, dass sie irgendwann im Januar abgeschickt haben. Mir ist bewusst, dass das zum Teil auch Pose ist. Prokrastination ist schließlich immer noch schick. Einen Vortrag halten scheint aber in bestimmten Kreisen einfach dazu zu gehören (samt dem freien Eintritt und dem Leben als VIP for a day).

Die andere Seite des Problems ist der unkritische Umgang mit den rezipierten Inhalten, auf den mich eine Bekannte hingewiesen hat, die auf der re:publica war und die sich sonst nicht in dieser Blase aufhält. Wem es beim Konsum eines Vortrages langweilig wird, schaut halt auf Twitter, was gerade noch so läuft. Das mache ich auch oft so. Es ist eigentlich schade.

Die Leute, die auf der re:publica vortragen, haben interessante Gedanken zu Internet, Technologie und Gesellschaft. Das ist klar. Aber sind sie auch nach fünf Jahren noch neu genug, um damit lebendige Diskussionen zu entfachen? Ich habe wie schon zur Spackeriade den Eindruck, dass Entschleunigung und ein Nachdenken über das, was wir da tun, der Szene helfen würden, wenn es darum geht, inhaltlich von der Stelle zu kommen. Ein Blick in die Archive lohnt sich, denn die meisten Themen wurden schon oft durchgekaut, Argumente gesammelt, Definitionen entwickelt und diskutiert. Das vergessen wir aber oft, wenn wir uns davon blenden lassen, wie funky und klug sich Ideen im eigenen Kopf manchmal anfühlen.

Also: Luft holen, Zeit nehmen, tiefer tauchen. Andere schaffen das ja auch <3 PS: Ich hatte Spaß auf der re:publica, war von der Organisation beeindruckt (Plastikstühle sind wichtiger als Wlan!), habe tolle Leute getroffen, einige der Sponsoren großzügig übersehen und mich insgesamt gut unterhalten. Danke!

Es war nicht alles schlecht in der Apfelfabrik

This American Life ist Mike Daisy auf den Leim gegangen, ebenso wie unzählige Hörer_innen der NPR Show. Seine Story hält, wie sich jetzt herausgestellt hat und in der Folge “Retraction” auf sehr hörenswerte Weise nachvollzogen wurde, journalistischen Standards nicht stand. Daisy bereut, seinen Monolog dem This American Life-Team angeboten zu haben. Ira Glass leistet Abbitte und berichtet darüber, wie Daisy beim Überprüfen der Fakten gelogen hat, aber wo das TAL-Team eben auch die Alarmglocken hätte läuten hören müssen. Mr. Daisy and the Apple Factory wurde zurückgezogen.

Meinen Text dazu muss ich glücklicherweise nicht zurückziehen, weil die dort formulierten Überlegungen zu Handarbeit und digitalisierter Produktion – den Bildern von fleißigen Robotern – nicht bei der Empörung ansetzen, die Daisy durch seine Version der Geschichte bei vielen Hörer_innen ausgelöst hat. Puh!

Und die Moral von der Geschicht’? Die Kritik an kapitalistischen Produktionsverhältnissen muss man gut vermarkten. Grundsätzliche Kapitalismuskritik vermarktet sich nicht gut, aber darum ging es ja auch nicht bei dieser Sendung.

GenderCamp 2012

GenderCamp 2012 (17.-20.05.2012, Himmelfahrtswochenende)

BARCAMP FÜR FEMINISMUS IN DER DIGITALEN GESELLSCHAFT

Das GenderCamp ist eine politische Bildungsveranstaltung rund um Feminismus – Queer – Gender – Netzkultur – soziale Netzwerke – Netzpolitik – digitales Leben. Es lehnt sich am Prinzip des „BarCamps“ an. Im Mai 2012 findet es zum dritten Mal im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll bei Hamburg statt.

IST DAS WAS FÜR MICH?

Zielgruppe des GenderCamps sind alle, die sich für die Schnittstellen von Queer-/Feminismus und Netzkultur interessieren:Leute, die sich in beiden Welten tummeln sowie queer-feministische Szenegänger_innen, die in Netzkultur reinschnuppern wollen und Netzbewohner_innen, die sich intensiver mit Queer, Feminismus und Gender beschäftigen möchten. Du bist Feminist_in und der digitalen Netzkultur/-politik gegenüber aufgeschlossen? Auch dann bist du hier richtig.Wenn ihr euch einen Eindruck vom Gendercamp machen wollt, könnt ihr das Programm von 2010 und 2011 unterwww.gendercamp.de nachlesen oder im Dokumentationsblog stöbern.

WAS ERWARTET MICH AUF DEM GENDERCAMP?

Wir wünschen uns, dass das GenderCamp ein Ort des rücksichtvollen Miteinanders ist, an dem sich alle wohlfühlen können. Das passiert aber nicht von alleine, sondern liegt in der Verantwortung aller Beteiligten. Auch während des Camps selbst ist es möglich, sich mit Diskriminierung, dominantem Verhalten und eigenen Privilegien auseinander zu setzen. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass ein geschützter Raum nicht einfach so ensteht: Alle Teilnehmenden sind dafür verantwortlich, ihn zu schaffen. Neben konkreten Tipps und Hinweisen wird es deshalb auch explizite Rückzugsmöglichkeiten geben.

DAS GENDERCAMP WIRD VON DENEN MIT INHALT UND UMGANG GEFÜLLT, DIE DARAN TEILNEHMEN.

Das Programm des GenderCamps wird größtenteils vor Ort von den Teilnehmenden selbst gestaltet: Jede_r kann in den morgendlichen Sessionplanungen einen Vorschlag machen und bekommt einen Platz im Programm. Ob Diskussionsrunden, Workshops, Vorträge, Filme, Planung gemeinsamer Projekte… vieles ist möglich.Vorab wird es einen Aufruf für Sessions geben. Sessions sollen aber auch spontan vor Ort vorgeschlagen werden. Ihr habt jetzt schon Ideen oder wollt etwas vorbereiten? Das ist toll! Eure Ideen könnt ihr hier im Forum auf http://www.gendercamp.de vorstellen und diskutieren.

UND WOFÜR SOLL DAS ALLES GUT SEIN?

Das GenderCamp

  • bietet einen Raum, Un-Wissen zusammenzuwerfen, um voneinander und miteinander zu lernen
  • soll Leuten aus queeren/feministischen Netzcommunities die Gelegenheit geben, sich im so genannten real life zu treffen
  • freut sich, wenn an den drei Tagen viele neue Ideen entstehen und Projekte angestoßen werden können.

ORT DES GENDERCAMPS: FRISCHE LANDLUFT FÜR NEUE GEDANKEN

Das GenderCamp findet auch in diesem Jahr wieder im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Hüll statt (ca. 75 km nordwestlich von Hamburg). Dort gibt es Wiesen, Kühe und Bauernhöfe. Die Teilnehmer_innen übernachten am Tagungsort selbst. Neben Mehrbettzimmern gibt es begrenzt auch Doppel- und Einzelzimmer (gegen Aufpreis). Dank öffentlicher Zuschüsse kostet die Teilnahme mitsamt drei Übernachtungen und Vollverpflegung nur 50 Euro (40 Euro ermäßigt nach Selbsteinschätzung, 60 Euro Solipreis zur Finanzierung der Ermäßigungen).Kinder können gerne mitgebracht werden (unter 12 Jahren kostenlos). Eine Kinderbetreuung kann gemeinsam organisiert werden.Das Essen verdient eine besondere Erwähnung, denn es wurde stets gelobt und geht auf alle Wünsche und Bedürfnisse ein. Mit den üblichen Tagungsmaterialien ist das Haus auch sehr gut ausgestattet. Mehr Infos zu Verpflegung, Teilnahmegebühr, Anfahrt und Unterkunft: http://www.gendercamp.de/networks/content/index.Organisatorische_Details.

Barrierefreiheit: Es gibt ein rollstuhlgerechtes Doppelzimmer, alle Tagungs- und Gemeinschaftsräume sind ebenerdig erreichbar. Für weitere konkreten Fragen und Bedarfen sprecht uns bitte an.

WER LÄDT EIN?

Wie und von wem das GenderCamp mit dem ABC organisiert wird: http://www.gendercamp.de/networks/content/index.OrgaTeam

ZUR ANMELDUNG

Weil die Kapazitäten für Übernachtungsplätze auf ca. 60 Teilnehmer_innen begrenzt sind, ist eine frühzeitige Anmeldung erforderlich.Ab dem 16. März 2012 um 16:03 Uhr könnt ihr euch HIER verbindlich anmelden! Wenn ihr selbst keine Zeit für die Anmeldung habt, fragt Freund_innen, ob sie das für euch tun können.Wir vergeben die Plätze nach der Reihenfolge der Anmeldungen.Bei Bedarf wird es eine Nachrücker_innen-Liste geben.

WAS SONST NOCH WICHTIG IST

Diskriminierungen und Abwertungen aufgrund von Geschlecht, Sexualität, Alter, Herkunft, Hautfarbe, Körper, Aussehen und Bildung werden auf dem Camp nicht hingenommen!Persönliche Grenzen müssen respektiert werden!

Wenn das für Dich nicht selbstverständlich ist, bist Du auf dem GenderCamp nicht willkommen!

Das GenderCamp ist eine Veranstaltung der politischen Bildung. Es wird von der Bundeszentrale/Landeszentrale für politische Bildung finanziell unterstützt.

Koordination: OrgaTeam des GenderCamps, Kontakt über www.gendercamp.de

Termin: 17.-20.05.2012

Teilnahmebeitrag: 50 Euro für Erwachsene, 40 Euro ermäßigt (Selbsteinschätzung!), 60 Euro (Solibeitrag zur Finanzierung der Ermäßigungen) inkl. Unterkunft und Vollverpflegung

ANMELDUNG ab 16. März, 16:03 Uhr HIER: http://www.abc-huell.de/abc/gendercamp-2012/

Wenn du Personen/Projekte/Blogs kennst und findest, dass diese ein Interesse am GenderCamp haben könnten, dann leitet diese Einladung gerne weiter.

BLEIB’ AUF DEM LAUFENDEN:

Community: www.gendercamp.de // Twitter: @gendercamp / @abc_huell // Facebook // e-Mail: gendercamp(at)gendercamp(punkt)de

nrrrdz000017: utopie oder tütensuppe?

nrrrdz logoWir haben uns mal wieder zusammengefunden und eine Runde genrrrdzt. Es geht um offene vs. geschlossene Systeme und die Frage, was passieren muss, bis Apple uns an offenere Plattformen bzw. die Linux-Welt verliert. Es geht um User Experience, den Zugang zur digitalen Welt, glattgeschmirgelte Oberflächen und die Frage, ob IT in den nächsten Jahren die Spur von Utopie, die im universellen Computer, dem Internet und Freier Software angelegt war, verliert und wir es in Zukunft nurmehr mit belanglosen Produkten zu tun haben werden. Die Anregung, uns mit diesem Thema zu beschäftigten, kam von einer Hörerin, die uns auf den den Essay “Wir brauchen wütende Nerds” von Jonathan Zittrain aufmerksam gemacht hat. Vielen Dank dafür!

Bis wir zu diesem wirklich spannenden Thema kommen müsst ihr allerdings einen etwa zwanzigminütigen Werbeblock überstehen, indem ihr erfahrt, was wir in letzter Zeit so getrieben haben. Kathrin hat, zusammen mit Jens Ohlig und Sebastian Vollnhals, ein Buch über Hackerbrause geschrieben (und wo wir gerade dabei sind, stellen wir auch das Hackerbrause-Quartett von RedQuartett vor). Marlen macht zusammen mit Frank (@frellpumpkin) einen Videospielepodcast mit dem schönen Titel “Peach nerdz no hero”. Auch Kathrin gibt es seit einigen Monaten noch an anderer Stelle zu hören, nämlich bei “Der Computer kann alles” im FSK und per Podcast.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz17.mp3[/podcast]
Download (mp3, 49,7 MB, 1 h 44 min)

#dcka – Februar 2012

Der Computer kann alles vom 8. Februar 2012 ist online und kann auf freie-radios.net angehört und runtergeladen werden. Themen der Februar-Sendung:

Mit dem RSS-Feed könnt ihr die monatliche Sendung auch als Podcast abonnieren. Die nächste Sendung läuft am 14. März 2012 von 17 bis 19 Uhr im Freien Sender Kombinat.

ACTA und die Netzbewegung

Scheint so, als sei diese Netzbewegung heute wieder ein Stück sichtbarer geworden. Und gleichzeitig hat sie sich transformiert. Zum Zensurusula-Moment im Sommer 2009 waren es mehrheitlich Leute ab Mitte 20, die gegen eine staatliche Zensurinfrastruktur und für “Löschen statt Sperren” auf die Straße gegangen sind. Das Bild der ACTA-Demos am heutigen Samstag war dagegen weniger von der Generation C64 geprägt als von der Generation youtube, um einmal dieses schlimme Journalistendeutsch zu benutzen. In Hamburg habe ich jede Menge junger Menschen gesehen, die scheinbar mit ihrer ganzen Klasse zur Demo gekommen sind, Schilder dabei hatten und Guy Fawkes Masken trugen. Die Netzbewegung weitet sich aus, je mehr Themen auf den Tisch kommen. Zensur, Überwachung, Urheberrecht. What’s next?

Die Netzbewegung fußt in Deutschland auf Strukturen, die älter sind als das Web 2.0 und Zensursula. Ohne den CCC und die Erfahrungen der 1980er Jahre sähe die hiesige Landschaft anders aus. Aber auch die Diskussionen über “Killerspiele” und illegale Downloads wurden schon vor über zehn Jahren diskutiert. Vertreter_innen der Zivilgesellschaft haben sich an Global Internet Summits beteiligt. Mit Hacktivism hat die Lufthansa schon Erfahrungen gemacht, als Anonymous noch unmaskiert in die Grundschule ging. Eine Soziale Bewegung entsteht nicht aus dem Nichts, sie wird aber ab einem bestimmten Zeitpunkt als solche wahrnehmbar. Für mich war sie seit der Massenverfassungsbeschwerde zur Vorratsdatenspeicherung zu erahnen, mit Zensursula wurde die Netzbewegung fassbar. Die Bewegung manifestiert sich nur selten auf der Straße. Viel passiert im Netz und für alle, die dort nicht dabei sind, es es schwer, zu erahnen, was an Kommunikation, Politisierung und Vernetzung dort Tag für Tag passiert. Die “Freiheit statt Angst”-Demonstrationen waren bisher die Ausnahme. Mit den heutigen Anti-ACTA-Demos sind neue Bilder dazu gekommen, Bilder von Jugendlichen, die für das Internet, in dem sie aufgewachsen sind, auf die Straße gehen. Die Mobilisierung, der Diskurs und die Organisationen, die dahinter stehen, waren aber schon da.

Also falls es noch jemand nicht mitbekommen hat: Die Netzbewegung ist eine Soziale Bewegung. Ein verteiles, informelles Netzwerk von vielen Individuen und unterschiedlichen Organisationen, das über eine kollektive Identität verfügt (das Internet als Lebenswelt, die netzkulturellen Meme, die Werte von Informationsfreiheit, Sharing, Transparenz) und sich mit den Mitteln des öffentlichen Protestes offline und online für gesellschaftlichen Wandel – die Gestaltung der digitalen Gesellschaft – einsetzt.

Robots and hands

Mike Daisey was a self-described “worshipper in the cult of Mac.” Then he saw some photos from a new iPhone, taken by workers at the factory where it was made. Mike wondered: Who makes all my crap? He traveled to China to find out.

Die This American Life-Folge Mr. Daisey and the Apple Factory thematisiert die Produktionsbedingungen in den Sonderwirtschaftszonen Chinas. Mike Daisey begab sich auf eine investigative Reise nach Shenzhen. Dort sitzt u.a. der Elektronikhersteller Foxconn, für den mehr als 300 000 Mitarbeiter_innen Appleprodukte und Bauteile für Sony, Nintendo und Hewlett-Packard herstellen. Seine Erkenntnisse und Eindrücke führt Daisey in Form eines Monologs auf. In zweiten Teil der Folge wird seine Perspektive durch das This American Life-Team vor dem Hintergrund weiterer Recherchen eingeordnet.

Hinter der shiny Oberfläche eines Smartphones steckt jede Menge Arbeit, da muss eine sich keine Illusionen machen. Einen Gedanken zum technokapitalistischen Nord-Süd-Verhältnis fand ich aber besonders interessant: Daisey beschreibt, dass ihn die Tatsache, dass ein Smartphone von sehr vielen Arbeiter_innen in einzelnen Schritten per Hand zusammengesetzt wird, ziemlich überrascht hat, obwohl er sich vorher keine großen Gedanken dazu gemacht hat. Seine Vorstellung von moderner Produktion sei geprägt von den Bildern aus japanischen Automobilfirmen der 1980er Jahre. Er war unbewusst davon ausgegangen, dass er diese Bilder auch in Shenzhen sehen würde, obwohl er auch schon von Sweatshops gehört hatte.

Statt der Hightech-Roboter setzen zehntausende von Arbeiter_innen die ganzen kleinen Teile, aus denen die Gerät bestehen, von Hand zusammen. Bis zum letzten Schritt, dem Polieren des Displays. Maschinen nehmen den Arbeiter_innen in Shenzhen die Arbeit nicht weg. Die Arbeit ist dort nämlich noch günstig genug. Tief eingeschriebene Fortschrittsnarrative lassen uns aber glauben, dass die technologische Entwicklung längst so weit sein müsste. Diese Illusion wirkt besonders absurd, wenn wir von den guten alten Zeiten schwärmen, in denen die Dinge, die wir konsumieren, noch aus echter, authentischer Handarbeit waren.

Nach dem diese Illusion vorerst zerstört ist, müsste aber auch die Frage gestellt werden, ob “Maschinen nehmen uns die Arbeit weg” im Kontext der Forderung eines Bedingungslosen Grundeinkommens ((Vom Netzwerk Grundeinkommen gibt es Poster mit diesem Spruch. Eine von Anne Allex und Harald Rein herausgegebene Veröffentlichung mit Beiträgen zum Existenzgeld heißt “Den Maschinen die Arbeit … uns das Vergnügen!”)) eine solidarische Annahme ist und ob es uns dabei egal ist, dass es eben nicht nur Maschinen sind, die diese Arbeiten jetzt übernehmen.

Zwei mal mehr “Der Computer kann alles”

Ich bin endlich dazu gekommen, die Dezember 2011 (Themen u.a. Guttenberg und Post-Privacy) und Januar 2012 (Themen u.a. Nazileaks, Anonymous, 28c3) Folgen von “Der Computer kann alles” bei freie-radios.net online zu stellen. Wie immer ist die Musik rausgeschnitten. Es gibt jetzt auch einen RSS-Feed zur Sendung, also ab damit in die Podcast Playlist. Ich möchte das auch noch bei itunes einreichen, nur fehlt das Artwork dazu. Falls jemand eine Idee hat, nur zu … :)

Das Interview mit Christian Heller aka plomlompom zu seinem Buch “Post-Privacy. Schöner Leben ohne Privatsphäre” habe ich auch noch mal gesondert bei soundcloud online gestellt. Da geht’s übrigens um Post-Privacy und Kommunismus.

Die nächste Sendung läuft am 8.Februar wie immer von 17 bis 19 Uhr im Freien Sender Kombinat und danach irgendwann in Ihrem Internet.