Category: Feminismus

Vortrag von Gabriele Dietze: Obama vs. Clinton

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Twitter im Augenblick der Amtseinführung

Als die AG Queer Studies das Vortragsprogramm für Jenseits der Geschlechtergrenzen in diesem Wintersemester geplant hat, war das Rennen zwischen Obama und Clinton um die Präsidentschaftskandidatur noch nicht entscheiden. Um so mehr freuen wir uns, eine Woche nach der Inauguration von Barack Obama noch einen passenden Vortrag in unserem Programm zu haben. Dr. Gabriele Dietze von der HU Berlin, deren Habilitation zur Konkurrenz von amerikanischen Race- und Gender-Emanzipationsdiskursen in diesem Jahr bei transcript erscheint, beschäftigt sich mit dem Diskurs über die Konkurrenz zwischen einem Schwarzem Mann und einer weißen Frau um das höchste Amt der USA.

Obama vs Clinton – (Ver)quere Intersektionen von Rassismus und Sexismus

Barak Obama ist der erste amerikanische Präsident of color. Im Vortrag soll diskutiert werden, ob diese ‚unwahrscheinliche‘ Konstellation damit zu tun hat, dass er eine weiss/weibliche Konkurrentin im Nominierungswahlkampf hatte und ob diese ohne einen schwarz/männlichen Gegenkandidaten mehr Chancen gehabt hätte. Es wird davon ausgegangen, das das Duell von Hillary Clinton und Barack Obama um die demokratische Kandidatur eine historisch gewachsene Konkurrenz aufgerufen hat, die seit dem Kampf um die Abschaffung der Sklaverei Frauen- und ‚Race‘-Emanzipationsbewegung eng miteinander verknüpft hat: Eine gemeinsame Front für die Abschaffung der Sklaverei und das allgemeine Wahlrecht zerbröckelte, als nur der schwarze Mann das Wahlrecht erhielt. Lynching wurde häufig damit begründet, ein schwarzer Mann habe sich einer weißen Frau genähert, und in den Emanzipationsbewegungen der Sixties wurde der Begriff ‚Sexismus’ aus dem Begriff ‚Rassismus’ entwickelt.

Der Vortrag soll mit den Instrumenten diskursanalytisch inspirierter Gender Studies – insbesondere mit einer Analyse der Intersektionalitäten von Race, Class, Gender und Sexualität – eine Genealogie eines ‚schwierigen Verhältnisses’ entwerfen. Dabei sollen historisch spezifische Wissensformationen kartiert werden und Möglichkeiten ihrer Variation und Überarbeitung erkundet werden.

Der Vortrag findet am 28. Januar 2009 um 19 Uhr im Raum 0079 des WiWi-Bunkers, Von-Melle-Park 5 auf dem Campus der Uni Hamburg statt. Der Eintritt ist frei.

Aufruf zum Ada Lovelace Day

In der Küchenradiofolge über die Digitale Intimsphäre sprechen das Küchenradioteam und Constanze Kurz ganz am Anfang über Frauen auf dem 25C3 und Frauen in der Informatik. Kurz, Sprecherin des CCC und Informatikdozentin an der HU Berlin ist skeptisch, ob sich der Anteil der Frauen in diesem Kontext in den nächsten Jahren signifikant erhöhen wird. Das sei in den letzten Jahren nicht geschehen, und auch wenn Frauen heutzutage das Internet und Social Networks in großer Zahl nutzen, tauchen sie in den Informatikkursen der deutschen Oberstufen leider kaum auf und machen in entsprechenden Fächern auch an den Unis nicht mehr als 10 % der Studierenden aus.

Das Thema Frauen in Technologie und Informatik ist mir in letzter Zeit nicht nur im Küchenradio über den Weg gelaufen. Beim Electronic Monk las ich von dem Vorhaben eines Ada Lovelace Day. Am 24. März – das ist weder Ada Lovelaces Geburts- noch ihr Todestag – soll es Blogposts über bewunderswerte Frauen in diesem Bereich geben. ada lovelace Warum? Suw Charman-Anderson ist genervt davon, wie innerhalb der Szene, in der Tech-Presse und auf Konferenzen mit Frauen umgegangen wird:

The objectification of women is bad enough when it’s done by the media, but when it’s done by a conference organiser or tech commentator or famous tech publication, what message does it send? Nothing but “You will never be taken seriously, but we might take notice of you if you’re hot.”

Als Grund für die geringe Zahl von Frauen im Feld der Informatik bezeiht sich Suw auf eine Studie, der zufolge Frauen und Mädchen stärker auf Vorbilder angewiesen sind als Männer. Während mir diese Studie etwas zu kurz zu greifen scheint – wie kann ein so komplexes Thema experimentell auf eine Ursache zurück geführt werden und ist es nicht so, dass Jungs in den meisten Bereichen ihr ganzes Leben schon genügend Vorbilder haben, um zu wissen, dass sie es grundsätzlich schaffen können – finde ich doch die davon abgeleitete Idee schön, an einem Tag über tolle Frauen zu bloggen, die beispielsweise Programmiererin, Designerin, Unternehmerin, Soft- oder Hardwareentwicklerin, Technikjournalistin oder -beraterin sind.

Damit sich der Ada Lovelace Tag auch wirklich niederschlägt und es nicht bei einer Hand voll Postings bleibt, wurde zunächst ein Pledge durchgeführt. Erst wenn 1000 Leute mitmachen, sollte das Projekt durchgeführt werden. Das Quorum wurde schnell erreicht, wie ihr oben sehen könnt. Aber wären 2000 oder 10 000 Blogposts am Ada Lovelace Day nicht auch eine schöne Sache?

Der Genderplanet

Die Zahl feministischer, queerer und gender-studies-relevanter Blogs wächst auch im “deutschsprachigen Raum” (auch so ein Konstrukt) und es ist gar nicht so leicht, alles zu finden, was interessant und lesenswert ist. Seit Dezember gibt es eine zumindest für die Nutzer_innen überraschend einfache Lösung, die Danilola und Mari*us im Rahmen des Projektes gender@wiki entwickelt und umgesetzt haben. Der Genderplanet ist ein aggregierter RSS-Feed aus vielen relevanten Blogs von der Mädchenmannschaft über das Drag Kingdom bis zur Berliner Genderbibliothek, und auch dieses Blog ist mit den Beiträgen der Kategorien Feminismus und Queer vertreten.

Ihr könnt den Genderplaneten mit dem Browser oder einem Feedreader nutzen, ganz nach Geschmack. Ich habe den Genderplant-Feed auch hier in die Sidebar integriert. Ihr könnt euch also links gleich mal ansehen, was es in der (queer-) feministisch Bloggosphäre Neues gibt. Tolles Projekt, unbedingt auschecken!

Frauenzeitschriften nerven – Sex Edition

Dass Frauenzeitschriften ein schlechtes Gefühl bei vielen Leser_innen hinterlassen, ist nicht nur eine Behauptung der feministischen Konkurrenz. Annemarie Rettenwander und Lisa Humer haben das experimentiell überprüft. Neben den Rubriken Mode, Kosmetik, Diät und Fitness, die der interessierten Frau mangelnde körperliche Perfektion unter die Nasen reiben, bietet vor allem der Themenbereich Dating, Sex und Partnerschaft immer wieder grauenvolle Beispiele für schräge Bilder von heterosexueller Weiblichkeit frei nach dem Motto tease him, please him & forget about you.

Eine schöne Rubrik zu diesem Thema hat das Blog The Pervocracy. Holly scheint jeden Monat die Cosmopolitan zu lesen und kommentiert unter dem Label cosmocking die vielen Ratschläge, die Cosmo für Frauen und Männer zum Umgang miteinander bereit hält.

Man, there must be a lot of perfume samples in this one, it’s really smelly. (…)

[“Cosmo’s advice for your man”]
Believe it or not, picking up the dry cleaning and changing the oil could get you laid.
I guess. You know what else could get you laid? Showing up to my place

Well, yeah. But also:

Showing up to my place in a leather jacket and tight white t-shirt and greeting me with a kiss that’s a hell of a lot more than a “honey-I’m-home,” asking permission with your eyes before pushing me to the wall right there in the hallway and pressing your body against mine with little gasps from both our lips as your hands run up under my shirt and you kiss like you’d swallow me whole and grab a fistful of my hair and arch my neck back and whisper in my ear exactly what you’re going to do…

You’ll get a lot more and better sex for being sexy than you will for acting like it’s your allowance for doing the chores.

When your guy isn’t home, stash an especially racy pair of panties in his underwear drawer (claim later that it was the result of an innocent laundry mix-up). The next time he opens it to pick out boxers, he’ll be greeted by your suggestive underthings… and no doubt want to locate their owner immediately.
If we’re sharing laundry, doesn’t that mean he sees my undies all the time anyway? Oh right, this is 1953, so he never troubles himself with the laundry, he’s too busy killing mastadons for the family. (…)

If we were friends, I’d warn you: don’t sleep with a guy on the first date. It tells him you’re not top-shelf. And we want top-shelf.
Well, then I’m glad we’re not friends, because I don’t live on a fucking shelf.

Soweit zur Feburar 2009 Ausgabe. Frauen, hockt euch auf das obere Regal, macht einen auf unschuldig, faltet die Wäsche, und gebt es ihm, wenn er es sich verdient hat. Wenn es nach Cosmo oder der GMX- Redaktion geht, ist Sex für Männer das, was Leckerlies für Hunde sind. Weltbilder gibts.

Erwünschte Elternschaft

Auf der Seite des Feministischen Institut Hamburg ist ein kleiner Text von mir veröffentlich worden. Es geht um das Thema meiner Magisterarbeit: Familienpolitik und Elternschaft in Deutschland.

Die deutsche Familienpolitik und die ihr zugrunde liegenden Konzepte von Mutterschaft und Vaterschaft galten lange Zeit als besonders der Tradition verschrieben und rückständig. Überraschenderweise brachte ausgerechnet die Familienpolitik der Großen Koalition eine familienpolitische Wende. Sie wird nicht nur in der medialen Öffentlichkeit als Erfolg verbucht, sondern gilt trotz berechtigter Kritik auch aus feministischer Sicht als Schritt in die richtige Richtung. Während auf gleichstellungspolitischer Ebene Erfolge zu verzeichnen sind, bildet der familienpolitische Diskurs jedoch ein Konzept von normativ erwünschter Elternschaft aus, das Familienformen jenseits der Zwei-Erwerbstätigen-Elternschaft zunehmend stigmatisiert.

Weiterlesen: Familienpolitik: Welche Formen von Elternschaft sind erwünscht? Kommentare zum Text gerne hier posten, es gibt auf der Website nämlich nur ein Gästebuch und keine Kommentarfunktion für die einzelnen Texte.

Das Feministische Institut Hamburg veröffentlicht auf seiner Homepage Statements von verschiedenen Autor_innen. Ziel ist es, “feministische Debatten über die Hochschulen hinaus in breite Öffentlichkeiten zu tragen, dort zur Diskussion zu stellen und damit in politische Praxen einzugreifen.” Die gesammelten Statements aus den Jahren 2006/2007 und 2008 stehen jetzt auch als Reader (PDF) zur Verfügung.

Buchvorstellung mit Friederike Habermann: “Der homo oeconomicus und das Andere”

Auf die Veröffentlichung “Der homo oeconomicus und das Andere. Hegemonie, Identität und Emanzipation” (Nomos 2008) von Friederike Habermann bin ich neulich schon neugierig geworden, als ich bei dieStandard von einer Veranstaltung mit ihr gelesen hatte. Wie schön, dass Habermann ihr Buch Ende Januar in Hamburg vorstellen wird!

Angela Merkel, Condoleezza Rice und nun Barack Obama — das Geschlecht oder die Hautfarbe scheinen heute in keinem Widerspruch zur Karriere mehr zu stehen. Andererseits existieren Sexismen und Rassismen weiter, strukturelle Ungleichheiten lösen sich nicht einfach auf, einige verstärken sich sogar, teilweise kommt es zu Verschiebungen im Verhältnis von sex, race & class. Ein Paradox?

Immer wieder wird beklagt, dass Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse als unverbunden in der Analyse erscheinen — wenn sie denn überhaupt gemeinsam in die Analyse einbezogen werden. Mit der ‘subjektfundierten Hegemonietheorie’ wird ein Ansatz skizziert, der — aufbauend auf Antonio Gramscis Hegemoniebegriff und in Erweiterung durch postmarxistische, postfeministische und postkoloniale Ansätze (Stuart Hall, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Judith Butler) — von der Verwobenheit aller Herrschaftsformen ausgeht. Wesentlich geht es der Autorin weiterhin darum, die bestehende Trennung zwischen historischmaterialistischen als auch postkolonialen und feministischen Ansätzen zu überwinden.

Dafür und darüber hinaus untersucht Friederike Habermann in einem wirtschaftstheoretischen und einem historischen Teil, wie der homo oeconomicus als Fundament der heutigen Wirtschaftstheorie nicht nur das Stereotyp des weißen, männlichen Bürgers abbildet, sondern wie dieser und alle anderen sich in der Moderne herausbildenden Identitäten in Relation zu ihm — und damit zueinander — entstanden und sich weiter ausformen. Heute ist der homo oeconomicus (mit einigen /soft skills/ angereichert) zum hegemonialen Leitbild für alle geworden; da er jedoch in Interaktion mit der Konstruktion des weißen, männlichen Bürgers konstruiert wurde, bleibt es für Mitglieder dieser Identität(en) leichter, erfolgreich zu sein.

Das Buch schließt mit Überlegungen für eine emanzipatorische Theorie und Politik.

Dr. Friederike Habermann ist Volkswirtin, Historikerin und Dr. phil. in Politischer Wissenschaft. Sie ist seit den Achtziger Jahren in Sozialen Bewegungen und seit den Neunzigern im globalen Widerstand aktiv.

Do, 29. Januar 2009, 19:30 Uhr
kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12

Veranstaltet von /homines oeconomici/ in Kooperation mit der rosa luxemburg stiftung hamburg

Nachwehen bei der taz

Er trägt Bart und einen Babybauch: Der Transsexuelle Thomas Beatie wird demnächst ein Baby gebären. Aber ist er Vater oder Mutter des Kindes? VON CIGDEM AKYOL & ARNO FRANK

So fing er an, der viel diskutierte Pro & Contra Text über Thomas Beaties Schwangerschaft in der tageszeitung vom 2. Juni dieses Jahres, über den ich hier geschrieben habe. Gegen den Text von Arno Frank wurde Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt und dieser hat eine Missbilligung ausgesprochen.

In der heutigen Ausgabe lassen verschiedene taz Redakteur_innen das Jahr Revue passieren “blicken zurück auf zwölf Monate voller Verluste und Gewinne, küren ihre Männer und Frauen des Jahres und bekennen sich zu ihrer persönlichen Ökobilanz. Das Jahr 2008 – noch einmal mit Gefühl!” (leider nicht online)

Für Cigdem Akyol, Redakteurin bei tazzwei und Autorin des “Pro”-Textes ist Thomas Beatie der Mann des Jahres, denn er “zeigt der Welt, dass es im Leben tausend Grauschattierungen gibt. Respekt!”

Arno Frank, Leiter des Ressorts tazzwei, zieht eine andere Lehre aus der Affäre und antwortet auf die Frage “Geld oder etwas anderes verloren?”

Nee, nur meinen Respekt vor den Clowns beim deutschen Presserat. Die müsste man mal richtig durchgendern …

Durchgendern. Dieser Mann ist Ressortleiter für den Kulturteil einer sich linksalternativ positionierenden Tageszeitung. Ich fass’ es nicht!

Podiumsdiskussion anlässlich der Abschaffung des Frauen-Referates

Am 15. Dezember findet an der Uni Hamburg eine Podiumsdiskussion anlässlich der Abschaffung des teilautonomen AStA Frauen-Referates durch den AStA statt. Auf dem Podium sitzen VertreterInnen des AStAs, eine Studentin der “Gegenseite” und mit Dagmar Filter und Prof. Dr. Christa Randzio-Plath zwei Frauen, die vermutlich schon einiges an feministischem Hin und gleichstellungspolitischem Her miterlebt haben. Könnte interessant werden.

ausschnitt aus dem flyer der veranstaltung
Auf das Bild klicken und den ganzen Flyer sehen!

Podiumsdiskussion Mo. 15.12.08, 17h,
Hörsaal M (Edmund-Siemers-Allee 1):

Frauenreferat Ja oder Nein?

Feminismus als Schlagwort ist wieder öfter zu hören. Doch auch die Rede von Gleichstellungspolitik und Managing Diversity erfreut sich größerer Bedeutung. Auf dieser Veranstaltung soll diskutiert werden, was Feminismus heißen kann und soll und welche Strukturen für eine feministische Praxis gebraucht werden. Ausgangspunkt der Diskussion wird die Abschaffung des Frauenreferats an der Hamburger Universität sein.

Auf dem Podium diskutieren:
Nicole Meyer (Studentin)
Dagmar Filter (Koordinationsstelle Gender und Queer Studies)
Prof. Dr. Christa Randzio-Plath (Landesfrauenrat HH)
Gun Rüttgers (Gleichstellungsbeauftragte des AStAs)
Benjamin Gildemeister (AStA-Vorstand)
Moderation: Katrin Jäger (Journalistin)

all gender welcome!

Mehr über die Hintergründe: http://frauenlesbentransrat.blogsport.de/