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nrrrdz000001: woher wohin

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nrrrdz ist da!!!111einself! Marlen (vom heiter scheitern Podcast) und ich unterhalten uns über Feminismus und Netzkultur. In der ersten Folge sprechen wir darüber, was wir mit dem Podcast vorhaben, wie wir ins Internet geraten sind, und was Geschlecht mit dem Zugang zu Technik und zum Netz zu tun haben könnte. Wir erinnern uns an die Utopie des Internet als geschlechtsneutralem Raum und überlegen, warum nichts daraus geworden ist, und wie wir das finden. Zum Schluss präsentieren wir den Facepalm des Monats, dieses Mal mit Mobile Macs.

[podcast]https://www.iheartdigitallife.de/podcast/nrrrdz01.mp3[/podcast]

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Der Feed für den Podcast (https://www.iheartdigitallife.de/feed/podcast/) müsste jetzt funktionieren. Falls ihr noch Probleme habt, und zum Beispiel diese Weiterleitung zum Eintrag über den Addicted to Race Podcast noch mal auftaucht, seid so lieb und sagt mir Bescheid. Nrrrdz ist jetzt auch im iTunes Podcastverzeichnis.

Verantwortlichkeit als verteiltes System

Google muss nach einem Gerichtsurteil die Identität einer anonymen Blogger.com-Userin weitergeben. Ihr Blog war dem Modell Liskula Cohen gewidmet, die sie dort u.a. als “skank” und “ho” bezeichnete. Cohen kann jetzt zivilrechtliche Schritte einlegen, wird dies aber Presseberichten zu folge nicht tun. ((Nebenbei bemerkt: Vergleicht mal das Foto, dass die NY Daily News augewählt hat, mit dem Foto auf Daily Tech.)) In der feministischen Blogosphäre wurde in Redaktion auf das Urteil mal wieder einiges über Trolle, Belästigungen und Diffamierungen geschrieben, und zuerst wollte ich nur den Link zu Jessica Valentis Text über anonyme Trolls posten, aber das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit.

Als Teil der Redaktion eines online Fanzines mit Community habe ich mich jahrelang mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Es geht ja nicht nur um Trolle, die anonyme Wüteriche, mit denen eh niemand was zu tun haben will. Es sind auch Leute, die eigentlich zur “Community” gehören, aber manchmal einen “Humor” an den Tag legen, der nicht auszuhalten ist. Er hat in die immer gleichen rassistischen, sexistischen, behindertenfeindlichen (you name it) Kerben, soll provozieren, verletzt Leute und stabilisiert Machtverhältnisse. Die Seitenbetreiber_innen denken sich tausend Methoden aus, um mit diesem Problemen umzugehen. Problem Nummer 1: Moderation ist kompliziert und aufwändig, und gerade für Hobbyprojekte ab einer gewissen Größe kaum noch zu leisten. Problem Nummer 2: User_innen für alle Zeiten aussperren geht nicht. Problem Nummer 3: Gerichtich vorgehen will eigentlich niemand, denn auch das kostet Zeit und Geld, und überhaupt hatten wir uns das mit dem Internet so nicht vorgestellt. Es bleibt also schwierig, und dazu kommt: Andere Leute aus der “Community” solidarisieren sich, mit dem immer gleichen Argument, im echten Leben würde die Person so etwas doch nie sagen, ja noch nicht einmal denken. Und überhaupt: Meinungsfreiheit! Political Correctness! Zensur!

Ich kann mich bei dieser Kritik leider nicht ausnehmen. Ich habe auch schon Leute in solchen Situationen verteidigt, weil ich sie kannte und mochte.

Jessica Valenti unterstreicht, dass Widerstand gegen Onlinebelästigung Teil von feministischem Aktivismus sein muss, da sie auf den selben Machtstrukturen und Privilegien beruht, die Rassismus, Sexismus, Homophobie und andere Diskriminierungsformen im Real Life hervorbringen. Ich habe den Eindruck, dass Social Networks, Twitter und Blogs die Lage entspannt haben, da die Nutzer_innen heute viel besser in der Lage sind, zu filtern, mit wem sie es dort zu tun haben wollen, und mit wem nicht.

Der oben genannte Fall zeigt aber, dass das Thema nicht abgeschlossen ist, und die Frage, wie mit vermeintlich anonymen Onlinebullies umgegangen werden kann, passt ja leider schön in die große Debatte um staatliche Regulierung des Netzes und den Mut, denn wir eigentlich haben sollten, uns auf die Freiheit dieses Raumens einzulassen. Am Ende des Tages bleibt also die Frage, welche Internetkultur wir schaffen. In diesem Sinne verteidigt Kate Harding die Entscheidung des New Yorker Gerichts in ihrem Text Cyberbullies don’t deserve anonymity, aber macht auch klar:

Every online insult does not demand a lawsuit – if it did, I’d have about a thousand different suits pending as we speak – but we’ve spent too long letting hateful troublemakers equate “freedom of speech” with “freedom from criticism or consequences”. And the more we argue about online harassment from a strictly legalistic perspective, the more we ignore the fundamental issue: cowards who use a veil of anonymity, however flimsy and easily shredded, to launch attacks on their enemies, really ought to be silenced. Perhaps not by law, but by an online society that unequivocally rejects such behaviour as inappropriate, immature, and unwelcome.

Nicht die Gerichte, sondern die Betreiber_innen und Nutzer_innen müssen die Aufgabe nehmen, Räume zu schaffen, in denen sich Leute sicher fühlen und gerne bewegen: Verantwortlichkeit als verteiltes System.

Queer Flora Party

queer_flora

Am 8. August findet anlässlich des, aber nicht zum CSD die alljährliche Queer Soliparty in der Roten Flora (Achidi-John-Platz 1, Schanzenviertel) statt. Ab 23 Uhr legen das Café Bukarest, Martha Hari von Mis-Shapes, matt3000, filou, dj am pult, dj if, bosie m. und Bibibeatgrid auf.

Christopher Streets Kochshow
(Dauerwerbesendung)

Auch im 40. Jahr nach Stonewall serviert die große CSD-Kantine wieder nur Einheitsbrei. Was gibt’s denn dieses Jahr im Angebot? Oh, wieder die gleiche Pampe aus der Dose – produziert vom Hamburg Pride e.V. und seinen Sponsoren, verpackt in einer durchgestylten Werbekampagne – diesmal mit dem Anliegen, den Artikel 3 des Grundgesetzes zu erweitern.
Der „Gleichheitsartikel“ soll um den Zusatz „sexuelle Identität“ ergänzt werden. Das würde uns wohl schmecken, aber weitere Zutaten der offiziellen Hamburg Pride sehen fade aus aus: (Steuer-)rechtliche Gleichstellung und Adoptionsrecht „für Homosexuelle“ und „die Einhaltung der Menschenrechte für Homosexuelle in allen Ländern der EU“ – diese Forderungen gehen uns nicht weit genug, weil sie an Ländergrenzen haltmachen, anstatt uneingeschränkt für Menschenrechte einzutreten.
An der Tafel platznehmen und mitessen darf, wer einen Clubausweis zum großen Speisesaal der Festung Europa hat und brav aus dem erweitertem Standardmenü wählt – schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell, intersexuell. Für Überraschungsgäste mit queeren Gelüsten gibt es nicht einmal den Katzentisch.
Wir löffeln da nicht mit, uns ist der Appetit in der CSD-Kantine schon lange vergangen. Wir wollen uns nicht dem heterosexuellen Normalfall anpassen und uns gleichmachen lassen zu einer attraktiven Zielgruppe für Sponsor_innen – queer ist kein Lifestyle!
Wir wollen auch nicht das schillernde „Andere“ sein und uns während der „politischen Parade“ der Hamburg Pride von Tourist_innen fotografieren lassen. Kein Kommentar zu unseren Leben!
Für alle, die von Einheitsbrei nicht satt werden und ihrem queeren Heißhunger nachgeben wollen, machen wir eine gepfefferte alternative CSD-Party in der Roten Flora – nicht kommerziell, improvisiert, selbstorganisiert und solidarisch. Guten Appetit!

Die Erlöse des Abends spenden wir der Organisation „Coming Out“. Sie leistet in Russland unter extrem schwierigen Bedingungen Basisarbeit. Weitere Informationen gibt es unter http://piter.lgbtnet.ru und bei der Party.

Zwei schöne Projekte

Ein paar Klicks bzw. ein bisschen Reinfuchsen, und schon entstehen zwei schöne neue Projekte, die ich diese Woche an den Start bringen konnte. Die AG Queer Studies hat jetzt neben ihrem neuen Blog auch einen Podcast. Dort dokumentieren wir – wie schon bei Radio FSK – die Vorträge aus unserer Reihe “Jenseits der Geschlechtergrenzen”. Einige Referent_innen haben uns freundlicherweise das Recht eingeräumt, ihre Vorträge als Podcast zur Verfügung zu stellen. Alle zwei Wochen werden wir einen Vortrag posten. Zur Premiere gibt es einen Vortrag von Do. Gerbig zur “Widerstänigkeit des prozessual-strategischen Subjekts”. Es gibt den Podcast jetzt auch schon im iTunes Store Podcast Verzeichnis. Alle weiteren Infos dazu direkt im AG Queer Studies Blog.

Screenshot vom iTunes Store mit dem Podcast Jenseits der Geschlechtergrenzen

Das andere Projekt ist eine Gruppen bei Soup.io mit dem Namen digitalekulturresearch, die ich eingerichtet habe, um Material zur Analyse digitaler Kultur sammeln möchte. Das können zum Beispiel Bücher, Artikel oder Grafiken zur kultur- oder sozialwissenschaftlichen Bearbeitung des Forschungsfeldes Internet und Web 2.0 sein. Ich freue mich, wenn sich noch weitere Mitsammler_innen finden.

Screenshot der soup.io Seite digitalekulturresearch

Feministisches Institut mit RSS und Kommentaren

An dieser Stelle ein kleiner Hinweis: Die Website des Feministischen Institut Hamburg läuft jetzt auf WordPress. Endlich können die Beiträge kommentiert und per RSS abonniert werden. Verschiedene Autor_innen setzen sich auf der Seite aus feministischer Perspektive mit Themen aus Bereichen wie Arbeit, Bildung, Ökonomie, Sozialpolitik oder Technologie auseinander und geben dadurch Einblicke in aktuelle, facettenreiche feministische Wissensproduktion.