Heute Abend (20 Uhr) wird Antke Engel ihr gerade erschienenes Buch “Bilder von Sexualität und Ökonomie. Queere kulturellen Politiken im Neoliberalismus” (transcript) im Centro Sociale vorstellen – organisiert von der AG Queer Studies, auf deren Blog ihr mehr Infos zur Veranstaltung findet. In der taz Hamburg erschien heute ein kleines Interview mit Antke Engel.
Category: Queer
Kann mensch den Kapitalismus dekonstruieren?
Am kommenden Donnerstag wird in der Roten Flora in Hamburg die Frage gestellt, ob Mensch den Kapitalismus dekonstruieren kann. Als Befürworterin dieser Strategie freue ich mich sehr auf die Veranstaltung mit Friederike Habermann, deren Buchpräsentation Ende Januar ich leider verpasst habe.

Klicken, um den ganzen Flyer zu sehen
“?Emanzipation bedeutet immer sowohl Emanzipation als Identität wie auch Emanzipation von einer Identität”?
In einem – gelegentlich identitären – frauenlesbentrans kontext interessieren wir uns für Kapitalismuskritiken, die sexistische, rassistische … Herrschafsverhältnisse gleichermaßen/gleichzeitig miteinbeziehen. Mit der Konsolidierung der bürgerlichen Gesellschaft wurde ?Mensch? gleichgesetzt mit dem weißen, bürgerlichen Mann, dessen Politik aber nie als Identitätspolitik von und für eben jenen weißen bürgerlichen Mann – verstanden wurde und wird. Gleichzeitig ist linke Theorieproduktion, insbesondere in Bereichen der Kapitalismusanalyse heute wie damals männlich geprägt. Nicht zuletzt sind das Gründe, warum mensch auf Veranstaltungen um dieses Thema vorwiegend Männer reden hört.
Inhaltlich soll es am 04.06. darum gehen, wie es möglich ist eine feministische antirassistische Kapitalismuskritik zu formulieren – ohne durch diese Kritik die ?hegemoniale Norm? durch zugesprochene Attribute des ?Anderen? zu erweitern
und so zu einer effizienteren Gestaltung kapitalistischer Strukturen beizutragen.Der homo oeconomicus und das Andere
Kapitalismus, Sexismus, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse werden meist getrennt analysiert. Mit der ´subjektfundierten Hegemonietheorie´ wird ein Ansatz skizziert, der von der Verwobenheit aller Herrschaftsformen ausgeht. Diese Verwobenheit wird zudem anhand des homo oeconomicus aufgezeigt. Dieser, als das Subjekt in der bürgerlichen Wirtschaftstheorie, bildet nicht einfach das Stereotyp des weißen, männlichen Bürgers ab, sondern alle modernen Identitäten sind in Relation zu ihm ? und damit zueinander ? entstanden und formen sich weiter aus: Heute ist der homo oeconomicus (mit einigen soft skills angereichert) zum Leitbild für alle geworden.
Vortrag und Diskussion mit Friederike Habermann
Kneipe im Anschluss
welcome FrauenLesbenTransgender
Do 04.06.2009
19.30h rote flora (Achidi-John-Platz 1/Ex-Schulterblatt 71)
Bamberg statt Bloggen
Es kommt ja immer wieder vor, aber dieses Mal mit Ansage: Über Pfingsten wird hier im Blog aller Vorraussicht nach nichts gehen. Ich bin nämlich in Bamberg und stelle dort morgen Abend zusammen mit Do. Gerbig unsere queer-feministische Perspektiven auf Ökonomie- und Kapitalismuskritik vor. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Freien Uni Bamberg statt.
Happy Herrentag
Heute ist Christi Himmelfahrt, auch als Herren-, Männer- oder Vatertag bekannt. Während die Familie die Mama am Muttertag mit Blumen und Kuchen ehrt, geht’s am Vatertag auf zur feucht fröhlichen Herrenpartie. Eine schöne Aktion dazu gab es 2002 in Berlin. Die AG Gender Killer hatte eine Bekanntmachung im Namen des damaligen Berliner Wirtschaftssenators Gregor Gysi plakatiert, die Gewalt durch heterosexuelle, deutsche Männer thematisiert und eine Ausgangssperre verkündet.
Bekanntmachung
Ausgangssperre für Männer am 09. Mai 2002
1.) Für die Zeit vom 08. Mai 2002, 23.00 Uhr bis zum 10.Mai 2002, 01.00 Uhr wird imgesamten Stadtgebiet eine Ausgangssperre für alle deutschen, heterosexuellen Männer verhängt.
2.) Ausnahmegenehmigungen für besondere Berufsgruppen wie Ärzte und Feuerwehrmänner können bei der zuständigen Behörde bis zum 03. Mai 2002 beantragt werden.
3.) Außer dem Arbeitsrecht bleiben alle weiteren Gesetzte von der Verfügung unberührt.
4.) Zur Durchführung und Durchsetzung der Ausgangsperre wird auf die Erkenntnisse der Meldestellen und anderer Behörden zurückgegriffen.Am so genannten “Herrentag” häufen sich seit Jahren sexistische, rassistische, faschistische und antisemitische Pöbeleien, Übergriffe und Anschläge. Bei den Tätern handelt es sich fast ausnahmslos um deutsche, heterosexuelle Männer. Jahr für Jahr ziehen diese alkoholisiert durch die Straßen und praktizieren Gewalt gegen Frauen, Lesben, Schwule, MigrantInnen, Behinderte und andere Menschen die sie nach ihrer patriarchal-nationalistischen Ideologie für minderwertig halten. Am so genannten “Männertag” tritt diese in Deutschland zur Normalität gewordene Gewalt in potenzierter Form auf. Die Berliner Polizei ist auf Grund ihrer patriarchalen Strukturen und der reaktionären Weltanschauung des Großteils der BeamtInnen nicht in der Lage solcherart Übergriffe zu unterbinden. Aus diesem Grund haben wir uns zu dem ungewöhnlichen Schritt der Ausgangssperre entschlossen. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren zudem die positiven Erfahrungen mit dem Modelprojekt “Platzverweis aus der Wohnung in Fällen häuslicher Gewalt”. Bei diesem von der ehemaligen Frauensenatorin Gabriele Schöttler und dem Polizeipräsidenten Gerd Neubeck gemeinsam initiierten Projekt wurden gewalttätige Männer bis zu 7 Tage der Wohnung verwiesen. Denn die auch am so genannten “Vatertag” auf die Straße getragene sexistische Gewalt findet zum überwiegenden Teil im privaten Raum statt. So stammen die Täter sexualisierter Gewalt zum Großteil aus dem Bekanntenkreis der betroffenen Frauen und Kinder. Mit der Ausgangssperre für Männer soll diese Gewalt nicht wieder in den nicht-öffentlichen, familiären Raum verdrängt werden um sie damit unsichtbar zu machen. Vielmehr soll der öffentliche Raum an diesem Tag als Schutzraum für die Betroffenen etabliert werden. Der Männergewalt soll an diesem Tag ganz praktisch aber vor allem symbolisch etwas entgegengesetzt werden. Es soll aufgezeigt werden, dass rassistische, sexistische, … Übergriffe immanenter Teil der Verhältnisse sind in denen wir leben und die von jedem und jeder einzelnen mehr oder weniger getragen werden. Am 09. Mai 2002 sollen im gesamten Berliner Stadtgebiet Veranstaltungen, Konzerte, Partys, usw. von und für Frauen, Lesben, Schwule, Behinderte, MigrantInnen und Kinder stattfinden. Damit soll den Tätern der (öffentliche und private) Raum genommen werden, den sie sonst so selbstverständlich in Anspruch nehmen.
Im April 2002, Gregor Gysi ( Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen )
Satire!
Edit 2014: Das Dokument ist heute 12 Jahre alt. Eins kann daran gut nachvollziehen, wie sich die Begrifflichkeiten queer-feministischer Auseinandersetzungen verändern. Zum Beispiel war damals das Wort “cis” noch nicht bekannt und heute würde auf so einem Plakat sicher auch von “weiß” die Rede sein, statt lediglich die Differenz “Deutsch” – “Migranten” aufzumachen. Yay Quellen.
Die AG Queer Studies bloggt
Die AG Queer Studies, Organisator_in der Vortragsreihe Jenseits der Geschlechtergrenzen und Herausgeber_in des gerade erschienen Sammelbandes Verqueerte Verhältnisse hat jetzt unter agqueerstudies.de ein eigenes Blog. Dort werden wir über unsere Veranstaltungen und Projekte informieren und demnächst die Vorträge der Ringvorlesung als Podcast zur Verfügung stellen.
An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal ganz besonders auf den Vortrag an diesem Mittwoch hinweisen, den die AG Queer Studies in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) der Uni Hamburg veranstaltet. Christiane Hutson, Lehrbeauftragte in den Gender Studies an der HU und in den Erziehungswissenschaften an der Uni Bielefeld, spricht über die Intersektionen von Rassismus, Hetero/Sexismus und Ableism: Unverschämt. Wir im Spannungsfeld von Rassismus, Hetero/Sexismus und Ableism.
Eine Bank, die zum Nachdenken bewegt?
Es geht oft schief, wenn Unternehmen sich als progressiv und tolerant darstellen, indem Personen, die heteronormativen Normen nicht entsprechen (z. B. Transleute, Schwule, Lesben …) bei der Vermarktung ihrer Produkte “zum Einsatz” kommen – wie zum Beispiel in dieser Ikea-Werbung. Den Spot der Argentinischen Banco Provincia finde ich dagegen sweet (via bitchmagazine.org). Was meint ihr?
Woohoo! Verqueerte Verhältnisse ist da!!!
So viele Ausrufezeichen seht ihr bei mir nicht alle Tage. Das ist purer Mitherausgeberinnenstolz. Muss auch mal sein, nach so langer Arbeit.

“Verqueerte Verhältnisse. Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen” ist seit gestern erhältlich. Damit hat die AG Queer Studies den zweiten Sammelband zur Vortragsreihe Jenseits der Geschlechtergrenzen veröffentlicht. Das Buch ist beim Männerschwarm Verlag in Hamburg erschienen und enthält neben der Einleitung 10 Beiträge zu den Themenbereichen Queer Studies und rassifizierende Machtverhältnisse, Ökonomiekritik, neoliberaler Kapitalismus und Reflektionen queerer Praxen. Zum Sammelband beigetragen haben Jin Haritarworn, Felix Krämer, Nina Mackert, Alexandra Ganser, Antke Engel, Sonja Mönkedieck, Renate Lorenz, Do Gerbig, Joke Janssen, Annett Losert, Jo Bucher und Angelika Goeres (falls ihr das lest an dieser Stelle noch einmal Danke für die tolle Zusammenarbeit!).
Dem Band liegt ein Verständnis von Queer Theory zugrunde, das den Blick über die „klassischen“ Themenfelder der Queer Studies erweitern und Regime der Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit in ihrer Verwobenheit mit anderen Herrschaftsachsen untersuchen will.
Neben Sexualitäten und Geschlechterkonstruktionen rücken vielfältige gesellschaftliche Felder und wissenschaftliche Disziplinen in den Blick, in denen (Identitäts-)Kategorien festgeschrieben und Machteffekte produziert werden. Machtvolle Zuschreibungen und ihre performative Herstellung sind nahezu jedem gesellschaftlichen Handeln und Sprechen immanent und können damit zum Untersuchungsgegenstand werden. Queer Studies stehen demnach vor der Herausforderung, ihr Untersuchungs- und Interventionsfeld radikal erweitern zu müssen und dennoch in ihrer Methodik und (wissens-)politischen Zielsetzung nicht beliebig zu werden. Dieses Buch möchte einen Beitrag zu diesem Projekt leisten.
Hier findet ihr ein PDF mit einem Überblick über den Inhalt. Der Band kann ab sofort für 16 Euro im online und offline Buchhandel erworben werden.
Hugs and Kisses #4 Releaseparty heute im Fundbureau
Erneut hat sich “Hugs and Kisses” nach dem bunten Treiben in der queeren Kultur- und Gedankenwelt umgeschaut und ist mehr als fündig geworden.
Ihr dürft gespannt sein auf eine Fülle von tollen Interviews, wunderschönen Foto´s und aufregenden Berichten über bekannte und unbekannten Gesichter aus dem Film-, Musik- und Kunstbereich. Desweiteren erwarten Euch wieder eine Menge Extras und Überraschungen.
Dieses Ereignis muss gefeiert werden!! Wir haben eine Menge toller Gäste vor Ort und laden Euch herzlichst zu unserer Releaseparty ein:
LIVE: Solange Tô Aberta – QueerPunkFunk aus Rio de Janeiro
2 Dancefloors:
DJ Martha Hari (Mis-Shapes)
DJ Yvette (Hugs and Kisses)
mit IndieElectroPopRockBeatsDJ Matt 3000 (Gedeih und Verderb)
DJ Donna Spring: d.i.s.c.o is my house
mit ElectroHouseTechnobeatsAm: 08.05.09
im Fundbureau, Hamburg/Stresemannstr. 114Ab: 22:00 Uhr
Eintritt: 5 Euro
Buchvorstellung mit Georg Klauda
“Homophober Moslem, toleranter Westen?” – diese Vorstellungen versucht Georg Klauda in seiner Monographie “Die Vertreibung aus dem Serail: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt” (Männerschwarm Verlag) zu historisieren und zu verkomplizieren. Am Dienstag Abend wird er das Buch im Rahmen eines Vortrags mit Diskussion in der Werkstatt 3 (Nernstweg 32, Hamburg Altona) vorstellen.
Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.
Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Referent die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskurse in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.
Weitere Informationen und Termine zur Buch-Tour und ein Interview mit Georg Klauda von Radio Z in Nürnberg
Intersexualität Thema in der Hamburger Bürgerschaft
In der taz nord berichtet Eiken Bruhn, dass in der Hamburger Bürgerschaft heute über die medizinische Behandlung intersexueller Menschen diskutiert wird:
Damit will erstmals ein Landesparlament den “politischen Handlungsbedarf bei der Regelung für ärztliche Behandlungen von Hermaphroditen” ausloten – so der Titel der heutigen Anhörung des Gesundheitsausschusses.
Initiiert haben die Expertenbefragung die Fraktionen von SPD und Linkspartei, die im vergangenen halben Jahr mehrere Anfragen an die Landesregierung zum Thema Intersexualität – früher waren die Begriffe “Zwitter” und “Hermaphroditen” gebräuchlich – gestellt hatten. Zwar sei der Handlungsspielraum gering, räumte gestern die SPD-Gesundheitspolitikerin Anja Domres ein, da sie Ärzten keine Vorschriften machen könnten. Sie hoffe aber, “eine breite Diskussion” anzustoßen. (weiter zum Text)
