Category: Hamburg

Schwarz-Grüner Koalitionsvertrag

Meine zwei Lieblingsstellen bisher:

Die Zusammensetzung der Bevölkerung in Großstädten ändert sich rasant. Der Anteil der Älteren nimmt ständig zu. Immer mehr Menschen stammen selbst oder ihre Vorfahren aus Ländern mit nicht-deutschen Muttersprachen. Hier muss eine erfolgreiche Metropole reagieren. Kein Talent darf verschwendet werden.

Der Ausdruck “Menschen mit Migrationshintergrund” ist wohl out. Die neue Wendung liest sich aber noch etwas umständlich. Sie kommt mir etwas exakter vor in Hinblick darauf, was PolitikerInnen meinen, wenn sie sowas sagen oder schreiben. Mit “Menschen mit Migrationshintergrund” waren Kinder deutschsprachigen ÖsterreicherInnen nie gemeint.

Und natürlich:

Die Hochschulen sollen Mittel für Innovationen in Lehre und Forschung zu Gender Studies und Gender Mainstreaming ausweisen.

Da bin ich ja mal gespannt.

Mehr lesen? Hier.

Feministische Werkstatt: Grundeinkommen… und ein whine über den Diskurs

Nächsten Donnerstag findet wieder die Feministische Werkstatt im Kölibri statt. Thema dieses Mal ist ein absolutes Lieblingsthema von mir *räusper*: Das bedingungslose Grundeinkommen.

Das bedingungslose Grundeinkommen –
eine feministische Perspektive?!

Derzeit gewinnt die Forderung nach einem Grundeinkommen in der politischen Arena an Bedeutung. Allerdings ist auffallend, dass sich FeministInnen nur selten und zögerlich dazu äußern. In der Werkstatt geht es darum, aus feministischen Perspektiven eigene Positionen zu einem bedingungslosen existenzsichernden Grundeinkommen zu finden.
Gabriele Winker vom Feministischen Institut diskutiert gemeinsam mit VertreterInnen des Netzwerk Grundeinkommen die Frage, wie FeministInnen die Debatte für ein bedingungsloses Grundeinkommen erweitern und vertiefen können.

Wo? Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
Alle Infos auch unter:
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Bei der Avanti-Veranstaltung zu Feminismus und Familienpolitik vor ein paar Wochen, die ansonsten sehr gut war, war das Grundeinkommen ja auch schon Thema. Es wurde ins Gespräch gebracht, als die Frage nach konkreten, emanzipatorischen Forderungen gestellt wurde, die in die Debatte um unbezahlte (Familien-)Arbeit eingebracht werden könnten. Aus dem Publikum wurde an dieser Stelle wie immer die berechtigte Frage gestellt, was die Bedingungen für den Bezug des bedingungslosen Grundeinkommen sein sollten: Staatsbürgerschaft oder Aufenthalt in Deutschland? Selbstverständlich, so die Verfechter_Innen der Grundeinkommensidee auf dem Podium, sollte es nicht an Staatsbürgerschaft gebunden sein. Daraufhin wurde die Frage gestellt, wie dieses Konzept in Hinblick auf Migration und die scharfen, mörderischen Kontrollen an europäischen Außengrenzen denkbar sei. Und an dieser Stelle gab es – wie so oft – einen Turn in der Argumentation der Befürworter_innen: Es ginge gar nicht um einen konkreten, realpolitischen Vorschlag. Niemand wolle das Grundeinkommen wirklich einführen, sondern es solle in erster Linie eine Perspektive darstellen, um einen Diskussion zu eröffnen, in der eben auch Nationalstaatlichkeit und vor allem der Arbeitsbegriff neu verhandelt werden könnten.

Also was jetzt? Konkrete Forderung oder Gedankenspiel? Das Grundeinkommen wird je nach dem, was gerade passt, entweder so oder so in die Diskussion gebracht. Über andere Interventionsmöglichkeiten oder alternative Konzepte wird dann kaum noch gesprochen. Denn was kann schon besser sein als die Vorstellung, den Kapitalismus von innen zu zerstören, in dem jede_r jeden Monat ein erquickliches Sümmchen erhält?! Das Grundeinkommen ist letztlich, wenn ich das mal so grob diskurstheoretisch ausdrücken darf, eine umfassende Forderung, durch die das Allgemeine repräsentiert werden soll. Dieses merkwürdige, unfassbare Ding, nach dem wir uns alle in einer Gesellschaft sehen. Deswegen gehen nach solchen Diskussionen immer viele Leute mit guter Laune zum Bier oder Wein über, und träumen von den guten Zeiten. Man steht nicht mehr ratlos dar, und hat ein wirklich nettes Ziel vor Augen. Verbleibende Widersprüche wurden weg-artikuliert.

Ich bin wirklich gespannt, ob es am Donnerstag anders laufen wird. Aber wenn ich ehrlich bin, ist meine Hoffnung klein.

Edit: Jetzt war ich am Ende gar nicht da.

Thresengespräch statt Stammtischparolen

Avanti – Projekt undogmatische Linke veranstaltet am kommenden Mittwoch, dem 12. März eine Diskussionveranstaltung zum Thema Schöner neuer Feminismus? Emanzipative oder neoliberale Familienpolitik? Für mich ist das ein Pflichttermin, den ich äußerst gerne wahrnehme.

Kaum zu glauben: Mit Ursula von der Leyen propagiert eine konservative Familienministerin, dass Männer »Mitverantwortung für die Familienarbeit« leisten und »Mütter den Zugang zum Arbeitsmarkt« erhalten sollen. Erleben wir den endgültigen Siegeszug der feministischen Bewegung?

Wohl kaum. Die politische Bühne vollzieht zur Zeit eher eine ökonomische Entwicklung nach, die
die Vorzeichen von Arbeitsteilung seit den 70er Jahren verschoben hat.

Der Familienlohn, der früher – zumindest für große Teile der Lohnabhängigen – die starke Stellung des patriachalen Ernährers manifestierte, ist zu teuer geworden. »Die Rolle des Alleinernährers […] bricht zunehmend weg« (von der Leyen).

Stetige Reallohnsenkungen und der Ab- und Umbau der staatlichen Sicherungssysteme haben längst den universellen Zwang einer/eines jeden, sich als LohnsarbeiterIn ausbeuten zu lassen, manifestiert. Das beste Beispiel dafür ist Hartz IV.

Doch an der Verteilung der Reproduktionsarbeit hat sich real wenig geändert. Für den überwiegenden Teil Frauen bedeutet der »Zugang zum Arbeitsmarkt« Doppelbelastung und prekäre Arbeitsplätze.

Allemal die Bessergestellten haben im Zuge ihrer Integration einen deutlichen Prestige-Gewinn erfahren und können nun ihre Reproduktionsaufgaben auf eine (oft Migrantische und unterbezahlte) HausarbeiterIn verlagern. Genau solche Frauen sind gemeint, wenn es um Elterngeld oder Kita-Plätze geht.

Während den Ärmeren und damit den meisten Alleinerziehenden die Hälfte der Bezugsdauer gestrichen wurde, können gut verdienende Eltern kräftig profitieren.

Umverteilung von unten nach oben. Denn: Die Eliten-Reproduktion ist in Gefahr. Weil der unverminderte Kinderreichtum der Sozialblocks durch unser Bildungssystem außen vor bleibt, müssen die Fachkräfte halt von den Fachkräften gezeugt werden.

Beim Tresengespräch wollen wir uns darüber unterhalten, wie die familienpolitische Debatte interpretiert und emanzipativ reagiert werden kann:

Welche Interessen werden bedient? Was ist das überhaupt, „Familie“? Warum kann von der Leyen ihre Positionen durchsetzen?

Welche Forderungen sind in Anbetracht der unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen von ReproduktionsarbeiterInnen formulierbar?

Es diskutieren: Hilde Hoherz (Historikerin), Jonas (Avanti)

12. März, 19.00 Uhr, Werkstatt 3 (Saal), Nernstweg 32, Hamburg-Altona; Eintritt frei

Koloniale Schattenseiten: Frappant wird Christiansquartier

Bei Blackprint wird ein Offener Brief von Jokinen dokumentiert, der sich dagegen ausspricht, den Frappant Komplex in Altona-Altstadt (aka “größte Bausünde der Stadt”) im Zuge seiner Umgestaltung in Chrisitans-Quartier umzubenennen. In der Pressemitteilung schreibt der Investor k-werkstatt

Das von k-werkstatt jetzt konzipierte Christians-Quartier soll zukünftig mit einer Verbindung von Kultur, Konsum und Wohnen die Altonaer Altstadt neu beleben. Der Name wurde in Anlehnung an die Blütezeit Altonas unter der Regierung des dänischen KönigsChristian VI. im 18. Jahrhundert gewählt.
Das Christians-Quartier wird ein freundliches, zeitgemäßes Objekt, das deutlich kleiner ist als der bisher die Große Bergstraße erdrückende Komplex. (christians-quartier.de)

Besonders freundlich und zeitgemäß ist der gewählte Name aber nicht. Schließlich würde er einen weiteren unkritischen Marker der hamburgischen Kolonialgeschichte darstellen. Jokinen schreibt dazu:

Christian VI war Hauptaktionär der „Dänisch-Westindisch-Guinesischen Kompanie“ und damit einer der größten Sklavenhändler und -halter im transatlantischen Dreieckshandel. Seine Vorgänger Christian V und Frederik IV hatten den globalisierten Sklavenhandel zwischen Kopenhagen, Guineischer Küste in Afrika und den Jungferninseln in der Karibik angeschoben. Sein Nachfolger Frederik V perfektionierte das perfide System des Menschenhandels, der zur Haupteinnahmequelle des Königs wurde und wesentlich zum Reichtum des dänischen Staates beitrug.

In Altona profitierten vom dänischen Sklavenhandel unter vielen anderen auch Emile Nölting, der sein Geld auf der dänischen Karibik-Insel St. Thomas machte und der Reeder von (van) der Smissen, der Sklavenschiffe chartete – beide werden in Altona mit Straßennamen geehrt.

Den ganzen offenen Brief könnt ihr bei Blackprint lesen: Wird ein weiterer Sklavenhändler in Hamburg geehrt?.

Žižek hat Hamburg-Harburg vergessen

Der ist wohl ein heimlicher Anhänger der POP-Partei. Und gibt es nicht im Osten Hamburgs einen weiteren Fernbahnhof, an dem manche Züge halten? Die Frage stellt sich, weil Lysis etwas putziges von Žižek gelesen hat:

Warum Revolution und Deutschland nicht zusammengeht:

Warum hat Hamburg drei verschiedene Fernbahnhöfe, die alle an derselben Strecke liegen (Hauptbahnhof, Dammtor und Altona)? Der Unterschied zwischen den beiden ersten, die scheinbar ‘irrationale’ Tatsache, daß unweit des Hauptbahnhofs ein weiterer Bahnhof (Dammtor) liegt, läßt sich leicht erklären. Die herrschende Schicht wünschte einen Bahnhof, an dem sie den Zug unbehelligt vom ‘Pöbel’ besteigen konnte. Rätselhafter ist der dritte Bahnhof Altona. …”

(Via Lysis.)

Seminar zu Geschlechterverhältnissen im Web 2

Web Zwei nennt man das in Berlin also. Das habe ich am Donnerstag bei der Veranstaltung des Feministischen Instituts gelernt, und außerdem hat Tanja mir erzählt, dass es schon ein Weblog zu ihrem Seminar im Sommersemester gibt. Dort stehen auch weitere Infos. Hier als Teaser erstmal ein Ausschnitt aus der Seminarbeschreibung:

Inzwischen wird das Internet als „Web 2.0‘ diskutiert. Neue Webtechnologien und Angebote wie Weblogs, Wikis, Podcasting, Flickr, Youtube, Folksonomy und Social Tagging ermöglichen neue Formen kooperativer Datenbereitstellung und versprechen eine Stärkung der Partizipation der NutzerInnen. Hinsichtlich der Geschlechterverhältnisse scheint das ‚neue’ Internet aber auf den ersten Blick seine Ambivalenz zu behalten: Neben verschiedenen queer-feministischen Angeboten sind Sexismus und Antifeminismus keine Seltenheit, und viele Web-Communities erfordern von ihren Mitgliedern eine eindeutige geschlechtliche Positionierung.
In dem Seminar sollen die Angebote des „Web 2.0‘ einer näheren Betrachtung aus Genderperspektiven unterzogen werden. Neben der Auseinandersetzung mit ersten Forschungsergebnissen zu Nutzungsweisen und Potenzialen von Weblogs, Wikis etc. werden eigene Recherchen und Forschungen im Netz im Mittelpunkt des Seminars stehen.

(Via Geschlechterverhaeltnisse im Web 2.0.)

Feminismus im Web 2.0 – alte und neue Fragen, Projekte und Interventionen

Bisher hatte ich immer ein Bisschen das Gefühl, die (deutschsprachige-feministisch-akademische) Diskussion zum Thema Internet sei zu sehr in der Fragestellung “Die Erfüllung aller Utopien oder der selbe Scheiß wie’s Real Life?” gefangen. Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion in der 3. Feministischen Werkstatt am 14. Februar (19 – 21 Uhr) entwickelt. Die Ankündigung geht ja irgendwie schon wieder in diese Richtung, aber es wurden tolle Gäste eingeladen.

Seit den 1990er Jahren ist das Internet auch innerhalb feministischer Diskurse heftig umkämpft und wirft Fragen nach den ‘richtigen’ Strategien der Mitgestaltung und Nutzung auf. Wir möchten in der Veranstaltung Bilanz über Erfahrungen mit feministischer Internetgestaltung ziehen und gemeinsam mit den Macher_innen und Autor_innen des Gender@Wiki, des Genderblog und des mädchenblog die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 diskutieren.

Wo? Kölibri, Hein-Köllisch-Platz, St.Pauli
Alle Infos auch unter:
http://www.feministisches-institut.de/aktuelles.html

Hot Topic-Lesung am 5. Februar in Hamburg

In genau einer Woche findet in der Galerie Linda eine Lesung mit Chris Köver, Barbara Schulz und Sonja Eismann statt. Ganz klar: Es geht um die Anthologie “Hot Topic- Popfeminismus heute”, zu der hier schon was steht. Die Galerie Linda ist in der Hein-Hoyer-Str.13, Hamburg-St. Pauli, und die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.

Unterstützt vom FrauenRefeRat und dem Fachschaftsrat Gender- und Queer Studies der Uni Hamburg.

Kommunistische Gespenster und weihnachtliche Wahlverwandtschaften

Von wegen nur Fotos… jetzt kommt schon der zweite Eintrag an diesem Vormittag. Mir ist gerade bei der taz-Lektüre eingefallen, dass heute Abend ein Vortrag von Bini Adamczak in der Uni Hamburg stattfindet. Die Autorin von “Kommunismus – Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird” und dem eben erschienenen “Gestern Morgen – Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft” spricht um 19 Uhr im Hörsaal M des Uni Hauptgebäudes (Edmund-Siemers-Alle 1) über den Inhalt ihres neuen Buches.

Pünktlich zum Jahrestag der russischen Revolution führt die Re-Konstruktion eines kommunistischen Begehrens in die Geschichte des Kommunismus und bürstet diese gegen den Strich: von 1939 bis 1917. Vom Hitler-Stalin Pakt bis zur Oktoberrevolution kreisen die Überlegungen Adamczaks um die Figuren von Partei und Klasse von Verrat und Versprechen, um sie in ihrer Logik, aber vor allem als Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin sucht das Trümmerfeld der Geschichte nach den revolutionären Wünschen ab, die darunter begraben liegen. Aber es gibt keinen unbeschadeten Zugriff auf die vergessenen Träume. Der Weg zu den vergangenen Hoffnungen führt über deren Enttäuschung, über das doppelte Scheitern der russischen Revolution, das unbewältigt immer noch anhält. Die bergende Arbeit an der Geschichte ist somit eine Arbeit der Trauer, eine Trauerarbeit, die das Buch einfordert und zugleich performativ vollzieht. Es birgt eine vergangene Zukunft, die Gegenwart hätte sein können und Zukunft sein kann: „gestern morgen“.

Eine Rezension zum Buch erschien vor ein paar Wochen in der Jungle World. Die Veranstaltung wurde organisert von “Radio Loretta”, dem Fachschaftsrat Germanistik und Geschichte wird gemacht. An dieser Stelle sei auch schon mal verraten, dass Bini Adamczak wahrscheinlich im Sommersemester wieder in Hamburg sein wird, um einen anderen Vortrag bei “Jenseits der Geschlechtergrenzen” zu halten.

Wer dann sowieso so spät Abend noch an der Uni ist, kann anschließend in den AStA-Trakt (Von-Melle-Park 5) kommen und mit dem LesBISchwulTranSM – polymorph-perversen Referat ab 20 Uhr Weihnachten (?) feiern.

In diesem Jahr steht die Weihnachtsfeier des Referats unter dem Motto “Wahlverwandtschaft statt heteronormativer Kleinfamilie!” Es gibt – neben den obligaten Getränken, Weihnachtsplätzchen und Knabberkrams – Karaoke und ein Poly-Quiz.