Man hätte tatsächlich den Eindruck gewinnen können, dass Christa Müller im Spiegel-Streitgespräch mit Ursula von der Leyen für die Linke spricht. Glücklicherweise ist das nicht so. Doch frage ich mich bei Müller genau wie bei ihrem Ehemann Lafontaine, ob ihre (medial) herausgehobene Position in die Partei nicht mehr Leute verschreckt als anzieht.
Jörn Wunderlich, familienpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, muss jedenfalls feststellen, dass Müllers Aussagen zur Kinderbetreuung und ihr Frauenbild nicht mit dem Programm der Partei übereinstimmen. Die familienpolitischen Sprecherin der Linken im Saarland hatte sich dagegen ausgesprochen, durch Betreuungsangeboten den (Lohn-) Arbeitsdruck auf Mütter zu erhöhen und ist der Meinung, dass Kinder eh am liebsten bei Mami und Papi sind. (Die Wissenschaft hat festgestellt!)
Die Konserverativen streiten derweil darüber, ob Eltern, die (irgendwann dann mal vorhandenen und einklagbaren) Betreuungsmöglichkeiten für ihr Kind/ihre Kinder nicht in Anspruch nehmen, lieber mit Gutscheinen oder mit Barem “entschädigt” werden sollen. Die Vertreter der Bargeld-Fraktion finden jetzt nämlich, dass es ungerecht ist, die Erziehungs- und Betreuungsarbeit nicht-berufstätiger Mütter Eltern finanziell nicht zu würdigen. Die Gutschein-Fraktion befürchtet, dass manche Eltern sich damit die Haushaltskasse aufbessern, statt in das Humankapital der Kinder zu investieren.
Seit wann bekommt man denn einen Ausgleich dafür, wenn man wohlfahrtsstaatliche Leistungen nicht in Anspruch nimmt? Christa Müller und Teile der Union wollen jetzt jedenfalls Lohn für Hausarbeit eine finanzielle Anerkennung für Familienarbeit. Interessante Diskursverrenkungen, oder?