Category: Medien

Blogs lesen schützt manchmal vor Enten

In der MOPO durfte ich gestern selbst lesen, dass bald alle fremdsprachigen Fernsehsendungen untertitelt ausgestrahlt würden. Da ich vorher schon diesen Artikel bei Behindertenparkplatz gelesen hatte, war ich mir sicher, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. In Wirklichkeit geht es gar nicht darum, dass Synchronisation wegfallen soll, sondern

Was die EU wirklich will ist, die Untertitelung in öffentlichen-rechtlichen Sendern sicherstellen, damit auch gehörlose und schwerhörige Zuschauer sich umfassend informieren können. (Behindertenparkplatz)

Oder noch mal anders ausgedrückt: Es geht um die Untertitelung insbesondere der deutschsprachigen Programme von ARD, ZDF und den Dritten. Die Synchronsprecher werden gar nicht alle arbeitslos. Bei Stefan Niggemeier finden sich jede Menge Ausrisse aus Zeitungen, die alle die Fehlmeldung übernommen haben. Ausgangspunkt war übrigens die Presseagentur AFP:

… was machen deutsche Medien mit einer Meldung, die total unwahrscheinlich ist und nach einem Aprilscherz klingt? Richtig: Man recherchiert sie erst einmal nach druckt sie sofort ungeprüft nach. (Stefan Niggemeier)

Schon wieder Claudia Roth-Content

Eins muss ich zum meiner gestrigen SpOn-Lektüre noch loswerden. Das Claudia Rot-Bashing im Artikel über die Bütikofer-Nachfolge geht ja wohl gar nicht klar. Im Teaser wird sie als “Kollateralschaden” bezeichnet. Diese Vokabel zeugt in zweierlei Hinsicht von schlechten Stil. Am Ende des Textes, in dem es um die Personalpolitik der Grünen geht, steht dann dieser Absatz:

“Und dann gibt es noch ein gewichtiges Argument dagegen, Bütikofers Job zu übernehmen. Es lautet: Claudia Roth.
Die Begeisterung, an ihrer fröhlich-drallen Seite (“Ich liebe die Türkei und ihre Konflikte!”) in den nächsten Wahlkampf zu ziehen, hält sich bei allen vorstellbaren Kandidaten in engen Grenzen, wie man hört.” (Hervorhebungen von mir)

Vielen Dank, Claus Christian Malzahn, für diese grundlegende Auseinandersetzung mit Roths Politikstil!

Franzen über die Vorwahlen

Der großartige Jonathan Franzen spricht mit der Welt-Online über die Vorwahlen in den USA. Das ist einen Link wert, auch wenn es ein bisschen schade ist, dass Franzen das “schwarzer Mann oder weiße Frau”-Spiel nicht durchbricht und dabei ein sehr statisches Verständnis von Geschlecht an den Tag legt.

Schwarze Männer haben in Amerika das Wahlrecht – wenigstens in der Theorie – viele Jahrzehnte vor den Frauen bekommen. In der Welt der Großunternehmen, ganz besonders an der Spitze, gibt es für schwarze Männer weniger Barrieren als für weiße Frauen. Und das Geschlecht ist, biologisch gesprochen, eine viel schärfere Trennlinie als die Rasse. Selbst in einer ethnisch vielfältigeren und gemischteren Welt bleiben Männer Männer und Frauen Frauen. Niemand hier sagt, dass Obama dem Job nicht gewachsen ist, weil er schwarz ist. Aber man hört immer noch Leute sagen, dass eine Frau als Präsident keine gute Idee sei.

Neben dem Interview sei noch ein Blick auf die Kommentare empfohlen … Erheiterung, Grusel, für jeden was dabei.

Wave after wave

Sonja Eisman bringt es mal wieder auf den Punkt: “Der emanzipatorische Kampf für Frauenrechte ist so glamourös, wie man ihn führt” und der Agonismus zwischen F-Klasse und Altfeministinnen ein Medienhype, der das linke, emanzipatorische und radikale Projekt unsichtbar macht.

Das schönste an Wellen ist doch immer noch ihr Rauschen.

Hugs and Kisses Release-Party am Samstag

Hugs and Kisses – tender to all gender” heißt ein neues, in Hamburg produziertes Magazin zu “queer musik, film, kunst, kultur”. Das 56-seitige, nicht auf Gewinn ausgerichtete Hochglanz-Fanzine erinnert mich von weitem ein bisschen an Persona Non Grata und ähnliche Hefte. Ich hatte es aber noch nicht in den Händen und konnte mir darum auch noch nicht die Fotostrecke “the tunte in me is the tunte in you” von Paula Winkler ansehen, oder das original Käsekuchenrezept von The Gossip ausprobieren.

Eine Release- und Druckkostenparty feiert Hugs and Kisses an diesem Samstag, dem 17. November 2007, im Spundloch in Hamburg. Eintritt 4 Euro, mit Magazin 6 Euro.

“the self proclaimed lesbians get their picture in the yearbook”


Zwei 17-jährige Schülerinnen sind zusammen. Ihr Foto landet unter der Überschrift “The Cutest Couple” im Schuljahrbuch. Die Schule will das zunächst nicht zulassen, erlaubt es dann aber trotz elterlicher Bedenken. Doch es gibt es Insitutionen wie Fox-News und die Sendung The O’Reilly Factor, die sich dem Problem annehmen. Bill O’Reilly, dem Daily Telegraph zufolge immerhin Nummer 82 der 100 einflußreichsten Konservativen in den USA, diskutiert den Fall mit der Psychologin Laura Berman.

O’Reilly, bekannt für seine meinungsstarken politischen Kommentare, hofft glaubt zu wissen, dass dies alles nur eine Provokation sei. Kids machen den Erwachsenen einfach gerne Ärger. Er beruft sich dabei auf Nachforschungen. Wie schön, dass man sich in solchen Fällen noch ordentliche Recherche leistet. Berman sieht in besagtem Foto allerdings vielmehr ein Indiz für die zunehmende Anerkennung von Homosexualität: “homosexuality is becoming thankfully more normalized”. Dankenswerterweise? O’Reilly gibt zu bedenken, dass 50-60 % “des Landes” über diese Aussage Bermans verärgert sein werden. Warum? “We don’t want to normalize homosexuality in a public way, in an academic setting – highschool – among minors.” Und zwar aus drei Gründen. Zum einen ist da der soziale Aspekt: In Amerika sei Homosexuell zu sein schwieriger als Heterosexuell zu sein. Zum anderen gibt es Menschen, die aus religiösen Gründen der Meinung sind, dass dieser “Lifestyle” gegen ihren Glauben verstößt. Falsch ist das beides nicht.

Kommen wir also zum dritten Punkt. Dem Sender liegt brisantes Fotomaterial vor, das uns nicht vorenthalten wird: In der Zwischenzeit wurde auf das Foto der beiden Mädchen gezoomt. Dort sieht man, wie sie Händchen halten: “an exposition of sexuality on minors […] is inappropriate in an acamdemic setting”.

Berman bringt O’Reillys Befürchtungen auf den Punkt: Die Anerkennung von Homosexualität würde dazu führen, dass mehr Menschen Homsexuell werden.

Während Berman der Meinung ist, es gehe hier doch um die Liebe zwischen zwei Menschen, hat O’Reilly den ganz dringenden Verdacht, dass diese “self-proclaimed lesbians” uns ihre Sexualität unter die Nase reiben: “Look, Doctor: There is no reason why Brandy and Lupe had to declare themselves anything other than friends”. In die Schulen gehöre solch unangemessenes Verhalten jedenfalls nicht: “You do not define yourself in a highschool in a sexual way. Period.”

Berman trägt die Diskussion mit viel Fassung und gibt zu bedenken: “You can’t encourage it, it happens any way”. Darauf O’Reilly: “That’s the old argument, let’s legalize drugs because it happens anyway. There should be boundarys.”

Interessant an O’Reillys Äußerungen finde ich, dass er hier argumentiert, dass Homosexuelle vor der Gesellschaft geschützt werden sollten, in dem die Repräsentation von Homosexualität verbannt wird. So würden weniger Leute auf die Idee kommen, Schwul oder Lesbisch zu sein, und alle hätten weniger Probleme. Homosexualität ist schließlich – im Gegensatz zu race – eine Frage des Handelns: “There is a difference between who you are and what you do.” Was man tut, kann man auch lassen. O’Reilly ist diskursiv aus dem Schneider. Er, Autor des Buches “Kids Are Americans Too”, will nämlich nicht, dass homosexuelle Jugendliche tyrannisiert werden. Er will sie vielmehr von der Mehrheit der Bevölkerung – die seiner Meinung nach das Recht hat, ihre homophobe Meinung zu vertreten – schützen. Im Gegensatz dazu muss sich die liberale Psychologin darauf beziehen, dass Homosexualität eine Eigenschaft ist, die einfach da ist.

Es wird deutlich, dass es die Denormalisierung von Heterosexualität wäre, die einen Bruch in diese Debatte einführen würde. Das versucht Berman ansatzweise auch, aber es geht leider unter. Das Privileg der Norm, überall auf unsichtbare Weise sichtbar zu sein, zeigt sich schon darin, dass heterosexuell auftretende Teenager nicht mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ihre Sexualität zur Schau zu stellen.

Das Video gibts bei dailymotion.com und natürlich auch bei youtube. Die Chicago Sun-Times hat auch was dazu, und falls jemand an weiteren Meinung interessiert ist, helfen Suchmaschinen.

Fernsehprogramm statt Radioprogramm

Da ich ja heute Abend doch nicht dem Radio lauschen werde, wie heute morgen irrtümlich angenommen, muss ich mir ein anderes Abendprogramm ausdenken. Letzte Woche war ich Donnerstags ja sehr verwirrt. Ich wollte, bevor ich zum Je Ne Sais Quoi-Konzert bin, noch ein bisschen Popstars schauen, und was kommt? Fußball. Auf Pro7. Das ist merkwürdig. Ich hab’ mehrmals auf den entsprechenden Knopf der Fernsteuerung gedrückt, da ich immer dachte, das wäre der falsche Sender.

Nach Popstars plane ich dann ein Wiedersehen mit Tobi Schlegel. Mitte der 90er habe ich natürlich mittags immer Interaktiv geschaut. Jetzt moderiert er Extra3 im NDR und durfte schon Roger Kusch interviewen. Viel lustiger ist aber das hier: Olivia Jones für Extra 3 beim Wahlkampfauftakt der NPD in Niedersachsen.