Author: Kathrin

Links vom 30. März bis 7. April 2009

Es wird mal wieder Zeit, hier ein bisschen aufzuräumen. Dieses Mal findet ihr vor allem Links zur re:publica 09, aber auch den üblichen Kram zum rassistischen und heterosexistischen Wahnsinn… nach dem Klick!
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Frauen und Twitter

Der typische deutsche Nutzer des Microbloggingdienstes Twitter ist 32 Jahre alt, hat Abitur, macht was mit Medien, betreibt einen Blog und ist ein Mann – so die nun veröffentlichten Ergebnisse einer Twitterumfrage. 2800 Twitternde wurden im März 2009 gefragt, warum und wie sie Twitter nutzen und welche Demographie sich hinter den Accounts verbirgt.

Ich erlaube mir mal für einen Moment, die ganz heteronormative Geschlechterbinarität der Studie nicht zu hinterfragen und stelle fest, dass Frauen nur ein Viertel (25,7 Prozent) derjenigen Twitteruser_innen ausmachen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Verschiedene statistisch signifikante Unterschiede bezüglich des Nutzungsverhaltens von Männern und Frauen sind bei der Umfrage ebenfalls herausgekommen: Frauen haben häufiger protected accounts, bei denen neue Follower_innen “freigeschaltet” werden müssen, sie benutzen wesentlich seltener ihre real life Namen auf Twitter und schreiben in ihren Blogs viel häufiger über private Themen.

Dass Frauen häufiger nicht-öffentlich twittern und Accountnamen erfinden, mag überraschen und einen aufgeklärten Menschen ggf. beschämen, liegt doch die Vermutung nahe, dass sich Frauen in der (Twitter-)Öffentlichkeit besser zu schützen versuchen als Männer das tun (müssen?).
Ein Grund für diesen Unterschied liegt evtl. in den unterschiedlichen Themen, über die Frauen und Männer bloggen (siehe letzter Abschnitt). Weil Frauen häufiger über private Themen bloggen, sind ihre Twitteraccounts auch häufiger nicht öffentlich und ihre Accountnamen sollen weniger einen Rückschluss auf die tatsächliche Person zulassen. Es bleibt zu prüfen, inwiefern dies zutrifft bzw. ob für Frauen eine höhere wie auch immer geartete Gefährdung auf Twitter besteht, wovor sie sich durch erfundene Usernamen und protected Accounts zu schützen versuchen.

Im Nutzungsverhalt bei twitter zeigt sich also zum einen, dass Privatheit und Öffentlichkeit zwei Sphären sind, die auch im Jahr 2009 noch geschlechtsspezifisch geprägt sind. Frauen twittern vermutlich häufiger über Privatleben und tauschen sich mit Freunden aus, Männer hauen Informationen über Kram raus, den sie für Öffentlich relevant halten. Ich vermute, der Wunsch nach Anonymität und das Vermeiden von unkontrollierbarer Öffentlichkeit hängt sowohl damit zusammen, dass Nutzerinnen keine Lust haben, dass jede_r ihre privaten Tweets lesen und ihrer Person zuordnen kann, aber auch damit, dass Frauen ihre Privatidentität vor konkreter Gefährdung schützen wollen. Es würde sich sicher lohnen, an diese, von Thomas Pfeiffer aka codeispoetry aufgeworfene Frage noch mal qualitativ ranzugehen. Was erleben Frauen im Netz, was sind die Gefahren und welche Möglichkeiten gibt es, damit umzugehen?

Re:publica 09: Freitag 2 – Hacker_innen, Frauen & ein Fazit

Mit Open Source Hardware Hacking startete ich in den Nachmittag, einfach, um mal etwas sehr nerdiges mitzunehmen, und weil die coole Fabienne den ersten Vortrag hält. Was ich mitgenommen habe? Löten ist fun, Dokumentieren ein notwendiger pain in the ass. Im Anschluss sprach Frank Rieger über den Stand der Dinge im 3D-Printing/Rapid Prototyping. Interessant fand ich das deshalb, weil diese Technologien in Büchern wie “Marke Eigenbau” von Range und Friebe immer als eine Art deus ex machina auftreten, wenn es um die Frage geht, ob sich denn die Produktionsverhältnisse denn wirklich ändern. Rieger hat sich der Materie angenommen, und sein Fazit ist, dass es zurzeit noch softwareseitig hakt. Ein kleiner reality check.

Beim Panel “Wenn Frauen bloggen: Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone” wurden im Anschluss darüber diskutiert, warum so wenige Frauen auf den Podien der re:publica zu sehen waren, und wie die Lage der Frau in der deutschen Blogosphäre so ist. Das Podium war sehr gemischt mit einer Autorin des Mädchenblogs, Macnotes Chefredakteurin Kathrin Grannemann, einer Modebloggerin von Les Mads, Das Nuf und Franzi von franzikript als Moderatorin erzählte über eigene Erfahrungen mit dem Bloggen, aber relativ schnell verlagerte sich die Diskussion ins Publikum, wo sich drei Haltungen herauskristallisierten. Es gibt diejenigen, die sich für emanzipiert halten, und ganz individuell ihren Weg gehen wollen. Es gibt diejenigen, die sehen, dass es eine strukturelle Machtdifferenz gibt und mit Vernetzung dagegen angehen wollen, aber ihre jeweiligen Themen von Politik über Mode bis Technik vorantreiben wollen und eine allzu starke Fokussierung auf Feminismus eher kontraproduktiv finden. Und schließlich noch diejenigen, die Lust darauf haben, Feminismus zu ihrem Kerngeschäft zu machen.

Zum Abschluss sah ich mir dann noch den Panel “Politische Blogs in Deutschland” an. Schön an dieser Session fand ich, dass irgendwann deutlich wurde, dass Politik für viele Blogger mehr ist, als den großen Parteien und dem geschehen in der offiziellen Politik zu folgen.

Da ich merke, dass meine Erinnerung an die einzelnen Veranstaltungen langsam aber sicher schwindet, belasse ich es hier bei. Mein Fazit: Die re:publica 09 hat mir Spass gemacht, und es hat sich gelohnt, hin zu fahren. Es war für mich das erste Internet-Szene-Treffen, und ich fand die Atmosphäre mit all den fahl beleuchteten Gesichtern im Friedrichstadtpalast ganz angenehm. Dramaturgisch hätte einiges besser gemacht werden können, und vielleicht zeigt eine solche Veranstaltung auch, woran es im Moment noch hakt. In den letzten Jahren hat sich durch Twitter und BarCamps eine relativ gut vernetzte, glücklicherweise nicht homogene Szene von Internetleuten herausgebildet, die sich ein kleines bisschen als Avantgarde verstehen. Nach der Obamawahl kommen jetzt Institutionen wie das ZDF und schauen genau hin, was hier passiert. Es besteht also eine gewisse Erwartungshaltung, das Standing ist nicht schlecht, aber was draus machen? Es bleibt spannend.

Re:publica 09: Freitag 1 – Die Dramaturgie der Konferenz

Bevor es endgültig zu spät ist, muss ich meinem Gehirn noch ein paar Erinnerungen an den letzten Tag der diesjährigen re:publica entnehmen und diese aufschreiben. Die Veranstaltungen am Morgen fanden wieder im dunklen Friedrichstadtpalast statt. Der Kommunikationssoziologe Jan Schmidt eröffnete den Tag mit einem gelungenen Vortrag über “Wandel von Öffentlichkeit – Wandel von Privatssphäre”, bei dem er auf Normbildungsprozesse in sozialen Netzwerken einging. Mit einer schönen Analogie verdeutlichte er, wohin die Reise vielleicht gehen kann: In Holland ist es nicht üblich, Vorgänge am Wohnzimmerfenster zu haben, so dass es möglich ist, von der Straße aus den Leuten beim Leben zuzuschauen. Trotzdem macht man es nicht.

Im Anschluss war Esra’a Al Shafei von mideastyouth.com zuerst mit einem Vortrag, und dann als Panelteilnehmerin zusammen mit Mary C. Joyce, der New Media Operations Managerin für die Obama Kampagne, auf einem von Mercedes Bunz moderierten Podium. Für viele Teilnehmer_innen der Konferenz war Al Shafeis Vortrag über ihren New Media Activism im Nahen Osten wohl das inspirierendste, was es in den Tagen zu hören gab.

Zu Jimbo Wales gibt es nicht viel zu sagen: Guter Vortragsstil, aber etwas über Wikipedia , Wikis und Wikia zu erfahren, war für die meisten Anwesenden im Saal wohl überflüssig. Anders dagegen Cory Doctorow, der über Medien im 21. Jahrhundert sprach, deutlich machte, dass es kein Zurück gibt, wer sich aus welchen Gründen am Ende durchsetzen wird, und dass DRM und co. nichts bringen wird. Ein richtig guter Vortrag, der sehr gut am ersten Tag als Keynote funktioniert hätte. An diesem Punkt wurde mir auch klar, was eines der Probleme der gesamten Konferenz war: Die Dramaturgie. Eher langweilige, selbstbezügliche Panales am ersten Tag vs. Inspiration und Staunen am dritten Tag. Es ist vermutlich eine organisatorische Frage, wer wann sprechen kann, aber anders rum wäre es viel besser gewesen.

Re:publica 09: Donnerstag 3 – Awwww! Hilarious!

Eine Pause war dringend von nöten, und so verpasste ich leider den – durch die zu lauten Lautsprecher in der Lounge der Kalkscheune sehr interessant klingenden – Vortrag von Lawrence Lessig. Dafür sah ich Tim Pritlove einen iMac streicheln und konnte in der warmen Frühlingssonne eine kühle Mate trinken, bevor der äußerst unterhaltsame Teil des Abends begann: Ich sah noch das Ende eines kühnen Vortrages von Christian Heller aka plomlompom über “Das intelligente Meme”. Angelehnt an Genetik und Evolutionstheorien untersuchte er darin die Entwicklung und Fortpflanzung von Internetmemen wie den Lolkatzen. Das ist Theoriebildung auf der höhe der Zeit. Die Show von Monochroms Johannes Grenzfurthner übererfüllte meine Erwartungen. Grenzfurthner ist ein Meister der radikalen Powerpoint-Performance. Zum Abschluss dann keine Twitterlesung für mich (ein ander mal… irgendwann), sondern Essen in Begleitung dreier twitternder Lolhumans.

Re:publica 09: Donnerstag 2 – Feministische Netzkultur

Mit Spannung erwartet hatte ich selbstverständlich den Workshop zu “Feministischer Netzkultur” mit Katrin Rönicke und zwei anderen Frauen von der Mädchenmannschaft. Katrin stellte zunächst das amerikanische Blog feministing und das britische Blog the f-word vor, und erzählte dann was über das Genderblog, das Mädchenblog und schließlich die Mädchenmannschaft. Sie gab Einblicke in die Arbeit der Mädchenmannschaft und in das, was sie noch vorhaben. Außerdem riß sie die Frage an, warum Frauen so wenig politisch bloggen, und was mensch tun könne, um sie dazu zu bringen. Es wurde viel über Vernetzung geredet, ohne konkret was zu planen. Ich meldete mich per Zwischenruf zu Wort und forderte ein (queer?)-feministisches BarCamp, was – soweit ich das einschätzen kann – nicht das selbe ist, wie ein FrauenBarCamp oder Girl Geek Dinner. Es geht mir zumindest nicht darum, mich mit Frauen aus dem Technikbereich zu vernetzen, sondern mit Feminist_innen über queere und feministische Netzkultur zu sprechen und über mögliche gemeinsame Projekte nachzudenken.

Gut fand ich auch die kurze Diskussion über den Begriff des Schutzraumes für die Kommentarpolitiken in feministischen Blogs. Die meiner Meinung nach notwendige Praxis, Kommentare unter der Gürtellinie und die ewig gleichen antifemnistischen und vor allem die feministischen Argumente und Forderungen notorisch falsch verstehenden Diskussionen nicht zuzulassen, wurde als Schaffen von Schutzräumen im Netz bezeichnet. Schutzräume sollen eine Atmosphäre schaffen, in der sich jede_r traut, ihre_seine Meinung zu sagen und sich an Gesprächen zu beteiligen. Ob der Begriff des Schutzraumes dafür angebracht ist, wurde durch eine Plenumsteilnehmer_in in Frage gestellt. Damit werde die weibliche Opferrolle reproduziert. Ich halte ein selbstbewusstes “this is my party” übrigens auch für die klügere Haltung in dieser Frage.

In der Session war für meinen Geschmack zu viel von “den Frauen” die Rede, und Konflikte oder Heterogenität wurden nicht sichtbar, außer bei dem Verweis von Julia Seelinger auf den medial hochgespielten Konflikt zwischen dem “neuen Feminismus” à la “Wir Alphamädchen” und dem “alten Feminismus” à la Emma. Es gibt so viel mehr, und ein weitergehender Austausch wäre sicher nicht reibungslos, aber interessant. Ich bin gespannt, was von der Mädchenmannschaft in diesem Jahr noch kommt, und freue mich darüber, verschiedenen Namen aus der feministischen Ecke der Blogosphäre und von Twitter jetzt Gesichtern zuordnen zu können.

Re:publica 09: Donnerstag 1 – Identität im digitalen Leben

Zweiter Tag der re:publica 09. Nach dem der erste Tag etwas uninspirierend begonnen hatte, hatte ich absolut nicht die Hoffnung verloren, und sie wurde auch nicht enttäuscht. Shift happened. Den sicherlich sehr hörenswerten Vortrag vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar zum aktuellen Stand des Datenschutzs in Deutschland habe ich zu Gunsten von Brötchen und Kaffee verpasst. Der Tag begann für mich erst Mittags mit Rishab Aiyer Goshs Vortrag über “Collaborative Creativity and the Test of Time”. Es ging um Zeitverläufe in Wirtschaftsprozessen, Patente und Open Source, aber ich war nicht ganz bei der Sache, und ähnlich ging es mir nach dem Umzug in die Kalkscheune bei Peter Glasers feulletonistischem Beitrag zu “Internet und Ethik”: In was für einer digitalen Gesellschaft wollen wir leben?. Ich musste ja den Text über gestern noch online stellen, solange das Internet funktionierte.

Bei den beiden Vorträgen zu “Internet und Identität” von Tina Guenther und Christiane Link war ich dann aber geistig am Start. Leider ging es nicht direkt – wie der Untertitel der Session versprach – darum, “was facebook und co. mit französischer Philosophie verbindet”. Stattdessen gab es zuerst einen sehr soziologischen Beitrag von Tina Guenther über Vertrauen im Netz. Sie erwähnte jede Menge Soziologieklassiker von Simmel bis Parsons und hatte jede Menge vollgeschriebener Folien, die sie in Eile vorstellte. Etwas weniger Referatsatmosphäre verbreitete die Journalistin Christiane Link im Anschluss. Ihr Argument war ein ähnliches wie das von Guenther: Eine digitale Identität ist meist nicht etwas ganz anderes als die Identität, die mensch sonst so mit sich rumträgt, sondern eine Ergänzung dazu. Im besten Fallen baut das Subjekt sich seine digitale Identität im Laufe der Zeit auf. Es managed sie. Angst haben muss mensch vor dieser Entwicklung nicht zwangsläufig. Ich würde theoretisch da sicherlich anders rangehen (mehr französische Philosophie), aber mir gefällt, dass sich die Diskussion um Identität und Subjektivität in der digitalen Welt entspannt, weg von einem “Bleib bloß so anonym wie es nur geht, sonst kriegst du nie wieder einen Job!!”, hin zu einem bewusstem, alltäglichem Umgang mit dieser Seite des Lebens.

Re:publica 09: Der Mittwoch

Warum, so schießt es mir mitten in der Nacht durch den Kopf, wurde am ersten Tag der re:publica 2009 nicht ein Thema wie Netzzensur und das EU Telekom Paket diskutiert? Ein Thema, dass aktuell ist, die Anwesenden betrifft und interessiert und zu dem Expert_innen etwas zu sagen haben, dass das interessierte Publikum nicht schon seit Jahren in Blogs, auf Twitter, in Zeitungen und im Freundeskreis diskutiert.

Statt dessen war der erste Konferenztag geprägt von Diskussionen, die irgendwie keine waren, und Themen, die 2007 vielleicht noch jemanden hinter dem Ofen oder Laptop hervor gelockt hätten. Nach langweiliger Standort-Werbung von Petra Müller einer ganz guten Keynote von Johnny Häusler von Spreeblick und einem wirklich interessanten Vortrag von John Kelly, der in “Mapping The Global Blogosphere” die Forschungsarbeit von Morningside-Analytics vorgestellt hatte, ging es um “Blogs in Deutschland. Status Quo und Ausblick”. Stefan Niggemeier, Markus Beckedahl, Robert Basic und Sascha Pallenberg auf dem Podium redeten darüber, ob die deutschsprachige Blogosphäre zu langweilig ist, zu wenig content produziert wird, fragten sich, wo die Nachwuchsblogger (_innen?) sind, ob wir Presseausweise brauchen oder vielleicht einen Bloggerverband. Tessa hat aufgeschrieben, was es dazu zu sagen gibt.

Später ging es um die “Medien im Wandel”. Was gibt es dazu im Jahr 2009 eigentlich mehr zu sagen als “Joa, wandelt sich, es ist unverkennbar.”? Der Herr von Radio Fritz hatte eh keine Lust mehr auf Gerede über Medien, Der Freitag-Chefredakteur Jakob Augstein findet, dass die klassischen Medien von Bedeutung sind, weil sie Institutionen sind (das sind Blogs im streng soziologischen Sinne allerdings auch), die anderen redeten andere Sachen und Moderator Johnny Häusler merkte schnell, dass das da vorne gerade nicht besonders gut läuft und auch nicht interessant ist, dazu brauchte es die Kritik auf der Twitter/SMS-Wall im Hintergrund gar nicht. Ich fand es gut, dass er das Publikum dazu aufgefordert hat, sich schnell einzumischen.

Neben diesen beiden Panels gab es noch den Vorträge zu Hypmachine/Musikblogs (nicht gesehen), die von moot von 4chan, der unterhaltsam vortrug, aber mich inhaltlich nicht umhaute, und einen Panel mit Max Winde, Marco Kaiser und Cem Basman als Moderator über Mobiles Microblogging. Auch hier wurde mir mal wieder nicht ganz klar, was der Sinn der Übung ist. Das Twitter super ist und auch von unterwegs Spaß macht, wissen diejenigen, die es benutzen.

Merkwürdig, dass die Veranstalter_innen der re:publica 09 nicht mehr Mut hatten, am ersten Tag neue Themen zu setzen, aktuelle Themen aufzugreifen und RednerInnen zu finden, die eine Debatte anregen können, die die Konferenz über die nächsten Tage begleitet. Vielleicht haben sie den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, vielleicht war das Programm am ersten Tag aber auch absichtlich so gestaltet, dass man nichts verpasst, wenn man erstmal in Ruhe ankommt und “Hallo” sagt, und bei dem die Presse bereits bekannte Themen aufgreifen und in “Blogger diskutieren in Berlin über Zukunft der Medien” Headlines verarbeiten kann. Ich hatte leider nicht das Gefühl, dass die Besucher_innen den ersten Tag besonders spannend fanden. Trotzdem bin ich extrem zuversichtlich, dass es heute Nachmittag in der Kalkscheune gut wird. Es ist ja nicht so, dass die deutschen Blogger_innen immer nur schlecht gelaunt sind und meckern. Bei “Deutschland sucht…” hatten wir spätestens bei den literal Videos auch viel Spaß.

Jenseits der Geschlechtergrenzen im Sommersemester 2009

In der nächsten Woche, genauer gesagt am 8. April, beginnt an der Universität Hamburg wieder die Vortragsreihe “Jenseits der Geschlechtergrenzen”, die von der AG Queer Studies organisiert wird.

Unsere Vortragsreihe “Jenseits der Geschlechtergrenen” startet wie gewohnt mit einer Einführung der AG?Queer Studies ins Sommersemester 2009. Am 14. April freuen wir uns auf Christian Klesse, einen alten Bekannten unserer Vortragsreihe, der über die “Schwierigkeiten in der Aushandlung nichtmonogamer Lebensweisen” sprechen wird. Mit feministisch-queeren Raumkonstruktionen am Bespiel des Ladyfests Wien beschäftigt sich Barbara Maldoner-Jäger in ihrem Vortrag am 20. Mai, und in der Woche darauf gibt uns Kerstin Palm einen Einblick in die evolutionstheoretische Schönheitsforschung, durch die “spezifische Schönheitsideale mit der Autorität der Natürlichkeit ausgestattet werden”.

Das Zusammendenken unterschiedlicher Formen des gesellschaftlichen Ein- und Ausschlusses bildet auch dieses Semester wieder einen Schwerpunkt in unserem Programm. Mit der intersektionalen Arbeit von LesMigras Berlin beschäftigt sich Lisa Thaler in ihrem Vortrag am 22. April, am 1. Juli spricht Olaf Stuve über “Identitätskritische Jungenarbeit aus intersektionaler Perspektive” und den Semesterabschluss bildet Martina Tißberger mit ihrem Vortrag “Dark Continents. Psychoanalyse, Gender und Whiteness” am 15. Juli. Wir freuen uns außerdem besonders, in diesem Semester zwei Vorträge aus dem Themenbereich Disability Studies im Programm zu haben. In Kooperation mit dem Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) wird Christiane Hutson am 13. Mai einen Vortrag mit dem Titel “Unverschämt – Was Rassismus, Heterosexismus und Ableismus mit uns machen” halten, und am 17. Juni spricht Swantje Köbsell über “Behinderung und Geschlecht”. Wie in jedem Semester decken die verschiedenen Vorträge ein interdisziplinäres Spektrum an Themen ab und verdeutlichen queerende Forschungspraxen und Perspektive auf Geschlecht und Sexualität. Weitere Informationen zu den einzelnen Vorträgen findet ihr im Programmheft und nach dem Klick!
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Ada Lovelace Day: Wenn das mal so einfach wäre

Über The Electronic Monk bin ich auf den Ada Lovelace Day aufmerksam geworden. Ich finde sehr sympathisch, dass sich Martin über Sexismus Gedanken macht. Bei Bits und so hat er auch von der Aktion erzählt. Ich war gespannt auf seinen Beitrag zum #ALD09. Doch schreibt er leider nur, dass er viele Ideen hatte, sich jedoch dafür entschieden hat, über niemanden im Speziellen zu schreiben. Er finde es “creepy”, eine Person herauszupicken, weil sie eine Frau ist, und schließt mit den Worten:

In the end it comes down to a simple point I want to make: If you found something that you like, that you are passionate about, that is “you” – cling to it with all your strength and heart and against all conventions and disapproval. It will make you happy.

Aber ist das nicht gerade der Punkt? Wenn Frauen bzw. Mädchen mangels Rollenvorbilder und Anregungen durch Lehrer_innen oder andere Personen in ihrem Umfeld gar nicht auf die Idee kommen, dass die Beschäftigung mit Informatik und Technologie ihre persönliche Leidenschaft und Stärke sein könnte, wie sollen sie dann dabei bleiben, auch gegen alle Widerstände?